Was heißt es, im gleichen Moment zu leben – und dennoch unterschiedliche Gegenwarten zu erfahren? Die Ausstellung widmet sich der Frage, wie Gegenwart heute wahrgenommen, verhandelt und interpretiert wird.
Die Großmächte teilen erneut die Welt unter sich auf und Demokratien verwandeln sich in autoritäre Regime, die jeden Widerstand effektiv bekämpfen. Die Beschleunigung des Lebenstempos führt zu einer verzerrten Beziehung zwischen dem Selbst und der Welt. In einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche und daraus resultierender Positionierungen des Einzelnen tritt das Verhältnis von persönlicher Erfahrung und kollektiver Wirklichkeit auch in der Kunst sichtbarer als je zuvor in den Vordergrund.
In den künstlerischen Positionen geht es um die Fragilität von Volksvertretungen oder um die Grenzen parlamentarischer Demokratie, um Krieg und Frieden, Freiheit und Menschlichkeit und um ein persönliches Engagement, das sich folgerichtig gegen eine Politik wendet, die Ab- und Ausgrenzung propagiert. Es sind die Begegnungen über Grenzen hinweg, die Einflüsse vieler Kulturen und das Verbindende künstlerischen Denkens, das die zeitgenössischen Positionen aus Fotografie, Malerei und Installation zum Thema unserer Verantwortlichkeit in der Gegenwart so sinnfällig macht.
Die ausgewählten Positionen zeigen, dass Gewissheiten nicht neutral sind, sondern aus subjektiven Blickwinkeln entstehen. Das »Jetzt« erscheint dabei nicht als stabiler Zustand, sondern als fragiler, geteilter Moment – geprägt von individuellen Stimmen, Haltungen und Wahrnehmungen. Das geteilte Jetzt lädt dazu ein, Gegenwart als etwas Vielstimmiges zu begreifen und die eigene Position darin neu zu reflektieren.
Künstler:innen: Emma Adler, Judith Blum Reddy, Göran Gnaudschun, Susie Hamilton, Mathilde Tijen Hansen, Susann Maria Hempel, Anna Jermolaewa, Sven Johne, Roman Khimei & Yarema Malashchuk, Christiane Möbus, Marcel Odenbach, Igor Simic

