Mit State of Nature präsentieren die Landesmuseen Schleswig-Holstein eine umfassende Ausstellung der britischen Künstlerin Rebecca Louise Law, die international für ihre raumgreifenden Installationen aus natürlichen Materialien bekannt ist. Law verwandelt ihre Umgebung in dichte, atmosphärische Erfahrungsräume, in denen wir der Natur unmittelbar begegnen – sinnlich, poetisch und oft überwältigend. Wer sich durch ihre Installationen bewegt, nimmt den Duft getrockneter Blüten wahr, erlebt vergängliche Schönheit und erkennt: Jeder Halm, jede Blüte erzählt von Wachstum, Wandel und Vergänglichkeit der Natur – und von unserer Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.
Der Ausstellungstitel State of Nature ist bewusst vielschichtig gewählt. Er verweist einerseits auf den philosophischen Begriff des Naturzustands – ein Gedankenmodell, das danach fragt, wie der Mensch der Welt begegnet, bevor sie durch Regeln, Besitzansprüche und gesellschaftliche Ordnung überformt ist. Gemeint ist kein historischer Urzustand, sondern eine Haltung der Unmittelbarkeit: ein Verhältnis zur Natur, das von Aufmerksamkeit, Abhängigkeit und Verantwortung geprägt ist.
State of Nature versteht sich vor diesem Hintergrund als Einladung, innezuhalten und neu hinzusehen. Die Werke von Rebecca Louise Law schaffen Räume der Konzentration und des Staunens. Sie sensibilisieren für ökologische Zusammenhänge, ohne zu belehren, und eröffnen Erfahrungsräume, die die enge Verbundenheit von Mensch und Natur sinnlich erfahrbar machen.
Freilichtmuseum Molfsee – Jahr100Haus (ab 27.02.2026)
Mit The Field entsteht eine monumentale Installation aus Hafer und Blumen, die sich durch das Foyer und die Sonderausstellungsräume des Jahr100Haus zieht. Die Pflanzen wurden eigens für die Ausstellung auf den Feldern des Museums angebaut, gemeinsam mit der Community geerntet und anschließend verarbeitet.
Jüdisches Museum Rendsburg (ab 27.02.2026)
Im Betsaal entsteht mit Grain ein stilles Werk aus Weizen- und Getreideähren – ein kraftvolles Bild für Dankbarkeit und Verbundenheit, das an die symbolische und kulturelle Bedeutung von Ernte, Nahrung und Fürsorge erinnert.
Museumsinsel Schloss Gottorf – Reithalle (ab 02.04.2026)
Unter dem Titel Florilegia zeigt Rebecca Louise Law circa eine Million getrocknete Blumen aus ihrer persönlichen Sammlung. Die raumgreifende Installation wird durch Bilder und Keramikarbeiten ergänzt. Diese umfassende Werkschau der Künstlerin eröffnet einen faszinierenden Gang durch zwei Jahrzehnte ihres Schaffens.
Gottorfer Globushaus (ab 02.04.2026)
Honesty besteht aus tausenden schimmernden Silberblättern (Lunaria annua). Die Installation entfaltet barocken Glanz und schließt auf beeindruckende Weise an den botanischen Reichtum des historischen Neuwerkgartens an.
Gemeinschaft als künstlerisches Prinzip
Charakteristisch für das Ausstellungsprojekt und die Arbeitsweise der Künstlerin ist die enge Einbindung der Menschen vor Ort. Pflanzen werden angebaut, geerntet, getrocknet und in gemeinsamer Handarbeit verarbeitet.
Im Freilichtmuseum Molfsee, im Jüdischen Museum Rendsburg und auf der Museumsinsel Schloss Gottorf kommen Menschen in den eigens dafür gegründeten Blomentüddel-Clubs zusammen. In gemeinsamen Treffen und Workshops werden Getreide und Blumen zu Ausstellungselementen verarbeitet. Rebecca Louise Law bindet an jedem neuen Standort und mit zahlreichen helfenden Händen ortstypische Pflanzen in ihre Werke ein.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache.

