Das Museum Kurhaus Kleve (MKK) und Residence NRW⁺ präsentieren die Ausstellung »something that flees the hands«. Arbeiten von sieben internationalen Künstler:innen – Wisrah C. V. da R. Celestino, Sultan Çoban, Rashiyah Elanga, Xheneta Imeri, Hanni Kamaly, Arthur Stachurski, Tobias Hohn & Stanton Taylor - treten in einen Dialog mit Fragmenten der aktuellen MKK-Sammlungspräsentation, wie einer Arbeit von Mona Hatoum. Die Ausstellung schreibt sich damit ein in die bestehenden Präsentations- und Vermittlungskonventionen des MKK und nimmt sie zum Gegenstand ihrer eigenen Fragestellungen.
Was den Händen entflieht, lässt sich nicht festhalten. Es ist im Übergang und in Bewegung begriffen. Der Titel verweist auf den Moment, in dem etwas entgleitet, bevor es begriffen werden kann, in dem Ordnungen auf etwas treffen, das sich nicht stabilisieren lässt. »Something that flees the hands« zeigt Arbeiten, die in dieser Spannung operieren: zwischen dem institutionellen Anspruch auf Lesbarkeit und Strategien der Opazität und Verweigerung.
Die teilnehmenden Künstler:innen hinterfragen in ihren Arbeiten Wertesysteme, Autoritäten und Apparate der Verwaltung. Tobias Hohn und Stanton Taylor thematisieren die Funktion von musealen Displays und konzentrieren sich auf Präsentationsweisen, die Objekte eher verdecken als sichtbar machen. Xheneta Imeri greift in den Textkörper der Ausstellung ein und verschiebt die kuratorische Stimme und ihre interpretative und ordnende Funktion.
Wisrah C. V. da R. Celestinos reflektieren die institutionelle Macht, Zugänglichkeit und den Sammlungswahn von Kunstinstitutionen. Mittels Rekonfiguration und Wiederholung entziehen sich Celestinos score-basierte Arbeiten jeglicher Festlegung. Arthur Stachurskis handgefertigte Bronze Gefängnigsreliefs verweisen auf das ambivalente Verhältnis von Gegenwartskunst und Handwerk und nehmen Bezug auf das Gefängnis als Ort staatlicher Autorität. Rashiyah Elanga inszenieren museale Szenen zwischen Dokumentation und Fiktion und legen dabei koloniale und ökonomische Logiken von Klassifikationssystemen frei.
Hanni Kamalys fragil anmutende, große Stahlskulptur steht prekär ausbalanciert mit einem Fuß auf einem Sandhaufen, der aus der vorherigen Sammlungspräsentation des MKK herrührt. Benannt nach den Opfern rassistischer Gewalt – etwa Amad Ahmad, einem Todesfall in Kleve –, reflektiert sie Praktiken des Gedenkens und Leerstellen in Archiven und öffentlichen Debatten. Sultan Çoban hat für ihre Arbeit das im MKK situierte städtische Trauzimmer gewählt. Im historischen Ambiente des früheren Kurhauses befragt sie die Verschränkungen gesellschaftlicher Institutionen mit kulturellen Konventionen, unterwandert jegliches Sicherheitsversprechen, das angesichts des Objektes vermutet werden kann. Aus weichem Silikon gefertigt, gibt das Material selbst in unbenutztem Zustand unter seinem Gewicht nach. Zuvor in der Sammlungspräsentation aufrecht stehend gezeigt, ist für »something that flees the hands« der Nagel zur Befestigung an der Wand entfernt worden. Ungesichert folgt die Arbeit der Logik ihres Materials, entzieht sich der kuratorischen Fixierung und fällt zu Boden.
Kuratiert von Anneliese Ostertag und Antoine Simeão Schalk.
Eröffnung: 21. März 2026, 17 Uhr

