Wien
Museum

Belvedere Wien

Prinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien

Das Belvedere ist Weltkulturerbe, Barockjuwel und Ort des österreichischen Staatsvertrags. Eines der ältesten Museen der Welt und gleichzeitig Schauplatz der zeitgenössischen Kunst. Als eine der größten Kultureinrichtungen des Landes und Wahrzeichen Österreichs stehen das Belvedere vor der Herausforderung, sich im Spannungsfeld von kulturellem, wissenschaftlichem Anspruch, Bindung der lokalen Bevölkerung und Tourismus zu entwickeln. Mit dem Auftrag zur Bewahrung und der Lust am Aufbruch zu Neuem. Als Vermittler der Geschichte und als unbequemer Fragensteller an die Gegenwart. Als Kultur-Ort des Landes von internationalem Rang und im transnationalen digitalen Raum.

Veranstaltungen und Ausstellungen

24.09.26 - 29.03.27

CARLONE CONTEMPORARY: Asta Gröting – Things

In Asta Grötings Videoarbeit Things (2018) ist die Schwerkraft aufgehoben: In Zeitlupe fliegen organische und anorganische Objekte einem tiefblauen Sommerhimmel entgegen. Mit jedem Flugkörper entfaltet der Ablauf einen größeren Sog. Während man die groteske Verformung der Wurfobjekte studiert, steigt die Spannung auf das Erscheinen des nächsten Dings. 

Kuratiert von Stella Rollig.
Assistenzkuratorin: Johanna Hofer

 

 

Biografie

Asta Gröting schafft Werke, die von den Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Dingen handeln. In ihren Skulpturen, Videos und Performances findet sie Formen, um das für das bloße Auge nicht Sichtbare im Sozialen und Psychologischen zu zeigen. Im Fokus ihrer Arbeiten stehen die innere Stimme, der Raum zwischen Liebenden, das Verdauungssystem oder das Innere von Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg.

 

Einzelausstellungen (Auswahl): Städel Museum, Frankfurt a. M.; Centre Pasquart, Biel/Bienne; KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin; ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe; Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.), Berlin; Lentos Kunstmuseum Linz; Henry Moore Institute, Leeds; MARTa Herford. Darüber hinaus nahm sie an zahlreichen internationalen Großausstellungen teil (Auswahl): Musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris; Fundación Juan March, Madrid; James-Simon-Galerie, Staatliche Museen zu Berlin; Kunsthalle Bielefeld; 22. Bienal de São Paulo; 8. und 14. Biennale of Sydney; 44. Biennale di Venezia.

 

Werke von Asta Gröting befinden sich u. a. in den Sammlungen des Städel Museum, Frankfurt a. M., des Museum Ludwig, Köln, des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, und des Centre Pompidou, Paris.

03.07.26 - 10.01.27

Erna Rosenstein – Jenseits der Stille

Erna Rosenstein (1913–2004), eine zentrale Protagonistin der polnischen Nachkriegsavantgarde, wird erstmals in Österreich in einer umfassenden Retrospektive gewürdigt. Vor dem Hintergrund der Shoah und der historischen Umbrüche in Polen zeugen ihre Werke von der Widerständigkeit einer Künstlerin, die unbeirrt an ihren politischen und künstlerischen Idealen festhält. Über sechs Jahrzehnte hinweg entwickelt Rosenstein einen multimedialen Werkkosmos, der die enge Verflechtung von Gegenwart und Erinnerung, von kollektivem und persönlichem Erleben sichtbar macht.

 

In den frühen 1930er-Jahren verbringt Rosenstein zwei Jahre in Wien, wo sie an der Frauenakademie studiert, sich einer kommunistischen Jugendorganisation anschließt und die Februarkämpfe 1934 unmittelbar erlebt. Aus dieser Zeit sind keine Werke der Künstlerin erhalten. Sie gingen verloren oder wurden angesichts der Verfolgung im von Nazideutschland besetzten Polen vernichtet.

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs findet Rosenstein zu einer expressiven Bildsprache, um kollektive Gewalterfahrungen, aber auch Fragen von Mittäter:innenschaft zu artikulieren. In der Zeit des Stalinismus in Polen widersetzt sie sich der Doktrin des sozialistischen Realismus und hält an einer vom Surrealismus und subjektiven Erfahrungen geprägten Kunstauffassung fest. Als eine Form der Erinnerung und der Aufarbeitung thematisiert Rosenstein über Jahrzehnte hinweg den gewaltsamen Tod ihrer Eltern. Dabei bleibt sie konsequent einem figürlichen Ausdruck verpflichtet – selbst als ihre Bildsprache ab den späten 1950er-Jahren durch biomorphe, abstrakte Kompositionen bestimmt ist.

 

Rätselhaft-poetische Werktitel eröffnen Raum für Erinnerung, Trauma und persönliche Erzählung und zeugen von der engen Verbindung, die Wort und Bild für die Malerin und Dichterin eingehen. In ihren Assemblagen entfaltet sich eine Poesie des Alltäglichen, indem Rosenstein gefundene, gebrauchte und weggeworfene Objekte zu unerwarteten und teils ironischen Konstellationen fügt.

 

Die in der Ausstellung versammelten rund 80 Werke – Gemälde, Zeichnungen und Assemblagen sowie ausgewählte Gedichte – erzählen von Verfolgung und Flucht, von Verlust und Trauer, zugleich aber von Resilienz, von künstlerischer Unabhängigkeit und vom beharrlichen Suche nach neuen Ausdrucksformen.

 

Kuratiert von Stephanie Auer. 
Assistenzkurator: Miroslav Haľák

18.09.26 - 31.01.27

Erika Giovanna Klien – Alles ist Bewegung

Im Herbst 2026 würdigt das Belvedere die Künstlerin Erika Giovanna Klien (1900–1957) mit einer umfangreichen Einzelausstellung. Die bedeutendste Vertreterin des Wiener Kinetismus zeichnet und malt faszinierende Darstellungen vibrierender Vogelflüge, tanzender Körper und rotierender Maschinen. Beobachtung, Analyse und Arrangement komplexer Bewegungen, ob natürlichen oder technischen Ursprungs, liegen ihren Kompositionen zugrunde. Vor allem nach ihrer Übersiedlung nach New York 1929 entpuppt sich Klien als präzise Beobachterin des technischen Fortschritts und des modernen, immer stärker beschleunigten Lebens in der Großstadt.

 

Neben dem Studium an der Kunstgewerbeschule in Wien in der Klasse des avantgardistischen Reformpädagogen Franz Čižek absolviert Klien auch eine Schauspielausbildung. Das Interesse für Bühne und Tanz schlägt sich wiederholt in ihrem Werk nieder, um 1925 im Kinetischen Marionettentheater oder in den späten 1940er-Jahren im Bühnenstück The Masses. Eine weitere Konstante in Kliens Schaffen, motiviert durch ihre Ausbildung bei Čižek und die eigene jahrelange Tätigkeit als Kunstpädagogin, ist die Auseinandersetzung mit der künstlerischen Sprache von Kindern. Schließlich konvergieren in Darstellungen der sozialen Realität von Arbeiter:innen, die sowohl in den 1930ern als auch in ihren letzten Lebensjahren entstehen, Gesellschaftskritik und Modernereflexion.

 

Die Ausstellung im Unteren Belvedere beleuchtet alle Facetten des Œuvres der tanz- und theateraffinen Malerin, Grafikerin und Kunstpädagogin und präsentiert neueste Forschungsergebnisse zu Leben und Werk.

 

Eine Ausstellung des Belvedere, Wien, in Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst Wien – Kunstsammlung und Archiv sowie dem Istituto Italiano di Studi Germanici, Rom. 

 

Kuratiert von Verena Gamper. 
Co-Kuratorin: Veronica Liotti 
Assistenzkuratorin: Johanna Hofer

Standort
Unteres Belvedere
Rennweg 6, 1030 Wien
Öffnungszeiten
Montag10:00–18:00
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
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