Das IKOB hat seine Räume in einem ehemaligen Industriegebäude in Eupen, Ostbelgien und befindet sich damit in Grenznähe zu Deutschland und den Niederlanden. Sein Ausstellungsprogramm zeigt die aktuellen und aufstrebenden Tendenzen der bildenden Kunst – wobei die großen Wechselausstellung in einen Dialog mit den Werken aus der Sammlung treten, deren Präsentation ebenfalls regelmäßig wechselt.
Das Museum funktioniert als eine Plattform des Austausches mit den Besuchern und lädt diese ein, sich anhand der thematisch geprägten und medienübergreifend angelegten Ausstellungen und Veranstaltungen mit gesellschaftlich relevanten Themen zu beschäftigen, sich reflektierend auseinanderzusetzen – nicht zuletzt auch mit dem Thema der Grenze.
Geschichte und weitere Selbstdarstellung des Museums
Das IKOB begann als Idee des Künstlers, Kunstlehrers und späteren Museumsdirektors Francis Feidler. Es sollte ein Zentrum für grenzübergreifende Ausstellungen sein, aus denen sich sukzessive eine spätere Museumssammlung aufbauen ließe, gespeist durch Ankäufe, Leihgaben und Schenkungen vor allem der ausstellenden Künstler:innen. Erste Meilensteine für das ostbelgische Kunstzentrum waren die Skulpturenausstellung Kontakt 93 in den Eupener Parkanlagen sowie das Projekt Volle Scheunen (mit jeweils 12 Installationen in den Ardennen und in der Eifel), das 1997 in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Leiter der Documenta Manfred Schneckenburger realisiert wurde.
Das IKOB etablierte sich somit schon früh als international ausgerichtete Ausstellungsplattform ebenso wie als Förderer der regionalen Szene. Das Besondere in der Art wie das Museum wahrgenommen werden möchte und wie es arbeitet, lag bereits damals darin, aktiv auf Künstlerinnen und Künstler in der Region zuzugehen. Wegweisende Ausstellungen zeigten diese oft kurz bevor sie ihren internationalen Durchbruch hatten. Dabei entstand die Sammlung des Hauses, die mittlerweile über 400 Werke beherbergt. Das IKOB bezog 1999 seine festen Räumlichkeiten in einem gewerblich genutzten Gebäude nahe dem alten Schlachthof. 2005 wurde dann die Sammlung offiziell anerkannt und aus dem Internationalen Kunstzentrum Ostbelgien wurde das IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst.
Es nimmt seine exponierte Grenzlage zum Ausgangspunkt, als kultureller Vermittler:in zwischen den verschiedenen Regionen Belgiens aufzutreten, während es ebenso mit der Szene in Deutschland und den Niederlanden im Austausch ist. Indem das IKOB in einer lockeren Atmosphäre Besuchende zur Befragung politischer, sozialer und kultureller Entwicklungen einlädt, arbeitet es – auch im Rahmen seiner Veranstaltungen – aktiv an Gesellschaft. In drei bis vier großen Wechselausstellungen pro Jahr zeigt das Museum zeitgenössische Kunst im besten Sinne, wobei die Hauptausstellungen jeweils von Einzelpräsentationen aus den Beständen der Sammlung flankiert werden.
Das IKOB will aber nicht bloß zeitgenössische Kunst organisieren und dokumentieren, sondern mit der Auswahl seiner Ausstellungen neue Tendenzen entdecken und sichtbar machen. Durch einen steten Wechsel von aktuellen Themen, die innerhalb unterschiedlichster Medien verhandelt werden, bewegt sich das Museum auf Augenhöhe mit der aufstrebenden und etablierten Kunstszene. 2025 wurde das IKOB 32 Jahre alt und ist damit zu einer festen Größe in der Euregio Maas-Rhein geworden.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Valérian Goalec, Céline Mathieu, Tine Guns, Michel François, Camille Picquot, Geert Goiris, Peter Downsbrough, Shervin/e Sheikh Rezaei, Mekhitar Garabedian, Gerard Herman, Aline Bouvy, Katja Mater – PLAKT
Für das Projekt PLAKT von Artlead wurden 12 Künstler:innen eingeladen, Plakatmotive zu gestalten, die wie Konzert- oder Theaterplakate auf sogenannte Blueback-Poster gedruckt im öffentlichen Raum plakatiert werden. Die Kunst taucht unerwartet im Stadtraum auf und verschwindet wieder. Das Projekt feiert so Spontaneität und Vergänglichkeit. Seit Dezember 2024 läuft die erste Phase: 300 A1-Plakate von acht Künstler:innen wurden bereits in Brüssel und verschiedenen flämischen Städten verklebt.
In dieser Phase von PLAKT werden größere Versionen aller Kunstwerke von verschiedenen Kulturorganisationen in Belgien und den Niederlanden präsentiert: im IKOB in Eupen, im CC Strombeek, im De Warande in Turnhout, in der Kunsthal Mechelen, im NW Aalst, im De Brakke Grond in Amsterdam, im C mine in Genk, in der Kapel Rozenkrans in Oostduinkerke, im Museum Dhondt Dhaenens in Deurle und im Abby in Kortrijk.
Jeder Partner entscheidet selbst, in welcher Reihenfolge er diese Kunstwerke zeigt und wie oft er ihre Präsentation wechselt. Die Plakate hängen in einem von Valérian Goalec entworfenen Stahlrahmen, inspiriert von Werbetafeln in der Pariser Metro. Der Rahmen befindet sich gegenüber dem IKOB, an der Treppe zur Straße Loten.
Die Kunstwerke für PLAKT wurden von Céline Mathieu, Tine Guns, Michel François, Camille Picquot, Geert Goiris, Peter Downsbrough, Shervin/e Sheikh Rezaei, Mekhitar Garabedian, Gerard Herman, Aline Bouvy, Valérian Goalec und Katja Mater geschaffen.
Jungwoon Kim – Leaves. Borderland Residency Showcase
Das IKOB zeigt neue Arbeiten von Jungwoon Kim, die während ihrer dreimonatigen Residenz (September - November 2025) in Eupen entstanden sind. Die IKOB-Künstler:innenresidenz fand 2025 zum zweiten Mal statt und ist eine Zusammenarbeit mit Borderland Residencies, einer gemeinsamen Initiative von Residenzen im Grenzgebiet Maas-Rhein. Die Residenz stand 2025 unter dem Motto „Material Witness“ und rückte dementsprechend Materialität und Zeugenschaft in den Fokus künstlerischer Betrachtungen.
Jungwoon Kim interessiert sich für Objekte und Materialien in Grenzzuständen: zwischen Wachstum und Verfall, natürlich und synthetisch, lebendig und vergänglich. Als Atelier verwendete die Künstlerin während ihres Aufenthalts einen Raum im Eupen Plaza, ein weitgehend leerstehendes Einkaufszentrum im Stadtzentrum. Ihr Arbeitsraum dehnte sich aber aus in die Straßen und Parks Eupens, wo sie Pflanzenreste und lokale Fundstücke sammelte, die im Atelier zum Subjekt bildhauerischer Experimente wurden.
Die hier präsentierten Arbeiten zeugen so von den Eindrücken der Künstlerin aus ihrer unmittelbaren lokalen Umgebung und betonen die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit der Natur. Kim verwendete Kunstharz und Zement um Abgüsse von Eichen- und Ahornblättern und sternförmigen Waffeln zu kreieren. So werden fragile Objekte durch materielle Verwandlung in einer Momentaufnahme festgehalten, samt ihren Falten und Brüchen. Die Formen wiederholen sich, und doch ist jeder Abguss einzigartig. In ihren verschiedenen Gruppenkonstellationen rücken sich die Objekte in ein neues Licht und werden zu Markierungen – oder Zeugen – von Zeit, Landschaft und Bewegung.
Jungwoon Kim (*1981, Seoul, Südkorea) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte Bildende Kunst an der Hongik University in Seoul sowie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Rita McBride und Prof. Martin Gostner. Seit ihrem Abschluss 2014 nahm sie an zahlreichen Projekten teil, erhielt Stipendien und absolvierte verschiedene Residenzen, u. a. in Chongqing, Detroit und Bukarest. Kim ist zudem Mitglied des Künstlerkollektivs Mother of Pearl. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen Fishing in Green, Living in Yellow im The Pool, Düsseldorf (2025); Und wir fangen gerade erst an in der Kunsthalle Düsseldorf (2025); Worlds of Structure im Atelierhaus Aachen e.V. (2024); Waiting in Loop in der Gallery Cubeplus, Kiel (2023); 20 Jahre dHCS-Stipendium im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2023); Out to Lunch part 1 in Düsseldorf (2023); Out to Lunch part 2 im 3:e Våningen, Göteborg (2023); Die Grosse im Kunstpalast Düsseldorf (2023); yesterday, today, tomorrow in der Zero Foundation, Düsseldorf (2022); und der 14. Salon der Künstlerinnen im Museum Kurhaus Kleve (2022).
Borderland Residencies ist ein euregionales Netzwerk von Residenzen an Kunstinstitutionen. Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative von Künstlerresidenzen im Grenzgebiet von Rhein und Maas. Das Grenzlandprogramm unterstützt die Aktivitäten der Mitglieder durch die Organisation mehrtägiger Exkursionen für Künstler aus allen beteiligten Residenzen, durch Treffen mit Kuratoren und Institutionen aus der Region und durch ein öffentliches Programm mit Vorträgen, Präsentationen und Workshops. Das Programm bietet den teilnehmenden Künstlern die Möglichkeit, Kontakte auf beiden Seiten der Grenze zu knüpfen, sowohl mit anderen Künstlern als auch mit Institutionen. Die Exkursionen konzentrieren sich auch auf allgemeinere Themen in der Region, wie Energieerzeugung, landwirtschaftlicher Wandel und die alternde Bevölkerung.

