Magdeburg
Museum

Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen

Regierungsstraße 4–6, 39104 Magdeburg

Inmitten der Landeshauptstadt Magdeburg liegt das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, ältestes erhaltenes Bauwerk Magdeburgs und zugleich wichtigster Ausstellungsort für Gegenwartskunst und Skulptur in Sachsen-Anhalt. Architektur und Nutzungsgeschichte des Gebäudes spiegeln in einmaliger Weise die wechselvolle von Blüte, Zerstörung und Wiederaufbauwille geprägte Historie der Stadt wider.

 

Außergewöhnlich und spannungsreich zugleich ist die singuläre Situation eines Kunstmuseums in einem romanischen Gebäudekomplex. Den Sammlungsbestand und die Sonderausstellungen zur Kunst der Gegenwart in der romanischen Architektur zu präsentieren bedeutet Konfrontation, Auseinandersetzung und Bezugnahme von Gegenwart und Vergangenheit, ermöglicht den Vergleich und die Erkenntnis von Korrespondenzen und Brüchen. Nicht das lückenlos Museale vergangener Epochen, sondern die Kunst als lebendiges, zeitabhängiges, changierendes System steht im Mittelpunkt von Sammlung und Ausstellungen. Durch den bewussten Verzicht auf vorgegebene Laufrichtungen durch Architektur, Kunstsammlung und Sonderausstellungen bleibt für den Besucher die besondere Raumerfahrung als Chance für ein modernes Rezeptionsverhalten.

Veranstaltungen und Ausstellungen

10.09.26 - 31.01.27

Farbe und Gebiet – Joachim Brohm

Seit Jahrzehnten schafft Joachim Brohm fotografische Archive, die den langfristigen Wandel zivilisatorischer Randzonen sichtbar machen. Er richtet seinen Blick auf jene Aspekte der Welt, die unseren gewöhnlichen Alltag bestimmen. Seine Fotografien erscheinen nüchtern, zurückhaltend und beinahe beiläufig. Übergangszonen und Randgebiete, Wohnsiedlungen, Campingplätze, Flussufer oder Gewerbeflächen wandeln sich in seinen Bildern zu Untersuchungsfeldern voller Geschichten. Gerade diese ungeschönte Darstellung des Alltäglichen wird durch präzise Kompositionen und die subtile Beobachtung der Farbigkeit immer wieder gebrochen.

 

Die Ausstellung Farbe und Gebiet zeigt Fotografien der zentralen Serien »Ruhr« (1981–1983), »Areal« (1992–2002), »Ohio« (1983–1984) sowie der neu zusammengestellten Serie »Farbe und Gebiet« (1988 und 1992). Die Aufnahmen der Serie »Ruhr« zeugen von der Orientierung an den sachlichen Blicken der New Topographics und verraten doch eine große Veränderung. Brohms Farben sind matt, nuanciert und oft von dem diffusen, mitteleuropäischen Tageslicht geprägt, setzen sich bewusst von der knalligen, übersättigten Werbeästhetik seiner Entstehungszeit ab und sind doch keine komplette Absage an das visuelle Spektakel. Die typischen Farben des Alltags – von verwaschenem Blau über Rostbraun bis zu den verblassten Oberflächen von Campingwagen, Imbissbuden oder Freizeitanlagen – treten allmählich zurück.

 

Die Fotoserie »Ohio« richtet den Blick auf alltägliche urbane Orte in den USA als Sinnbilder eines Landes im Wandel. Überdimensionierte Autos, verlassene Schauplätze und zerstörte Werbetafeln vermitteln eine Atmosphäre von Vergänglichkeit, Entfremdung und dem brüchig gewordenen amerikanischen Traum. Hier beginnt eine Entwicklung von einer soziokulturellen Milieustudie hin zu einer fast schon minimalistischen, architektonischen Abstraktion, die letztlich in der Serie »Areal« ihren Höhepunkt findet: Über elf Jahre dokumentierte Brohm die Transformation des ehemaligen Gewerbegebiets im Norden Münchens; von einem Ort für blühende Wirtschaft über deren sukzessiven Verfall hin zu ersten Anfängen von neuer Wohnbebauung und steht so für Veränderungen der Zeit, die exemplarisch für alle Regionen Europas Gültigkeit besitzt.

 

Beeinflusst von der amerikanischen Fotografie der 1970er Jahre und konzeptuell-topografischen Ansätzen, entwickelt Joachim Brohm (*1955 in Dülken) einen Blick, der das Sichtbare dekonstruiert. Industrieanlagen verlieren ihre Funktionalität und erscheinen wie Skulpturen im Raum. Der dokumentarische Gestus wird dabei gebrochen zugunsten einer ästhetischen, fast meditativen Betrachtung. Brohms fotografische Sprache schafft so eine paradoxe Nähe: Als Betrachtende bleiben wir auf Distanz und fühlen uns dem Gezeigten zugleich merkwürdig verbunden.

29.09.26 - 21.03.27

Sean Scully – Lines of Emotion

Der in Irland geborene Sean Scully (*1945) gilt heute als einer der einflussreichsten Künstler der Gegenwart. Mit einer unverkennbaren Handschrift aus kraftvollen Farbfeldern und rhythmischen Streifen hat sich Scully weltweit einen Platz in den großen Museen und Sammlungen erobert und nimmt eine zentrale Position in der Geschichte der Malerei nach 1960 ein. Sein Werk ist geprägt von einer kontinuierlichen Selbst- und Fremdreflexion, die er nicht nur in seinem bildnerischen Schaffen, sondern auch in zahlreichen Schriften diskutiert.

 

In der Ausstellung »Sean Scully. Lines of Emotion« werden die wichtigsten Werkgruppen der letzten 30 Jahre in der räumlich einmaligen Situation eines vierflügeligen Kreuzganges arrangiert. Neben den großformatigen Dorics und den Wall of Lights, die den absoluten Höhepunkt seines Stils zeigen und bis heute sein unverwechselbares künstlerisches Markenzeichen sind, steht das figürliche Ausnahmeprojekt Eleuthera (2015–2017), das sich intensiv auf den deutschen Expressionismus bezieht. Die 34 großformatigen Gemälde und zahlreiche Zeichnungen, die für die Präsentation ausgewählt wurden, sind geprägt von einer perfekten Balance zwischen der strengen Geometrie des Minimalismus und einer tiefen, emotionalen Expressivität. In der monastischen Architektur der vier langen Kreuzgangflügel finden die Bilder eine ganz neue, eine fast körperliche Präsenz. Sie sprechen von Licht, Erinnerung und Zwischenräumen und breiten sich im Raum aus.

 

Inspiriert von modernen und abstrakten Maler:innen sowie von Reisen nach Marokko und Mexiko begann für Scully vor vielen Jahrzehnten ein Umgang mit Farbe und Licht, der sich zunehmend lebendigen, intensiven Farbtönen und einer starken Lichtwirkung öffnete. Das Licht scheint regelrecht hinter den massiven Streifen hervorzubrechen, die in dichten Schichten übereinandergelegt sind.

 

Im farbigen Raster seiner Bilder organisiert der Künstler seine Gedanken, seine Gefühle und letztlich seine Vision. Es ist die Struktur, auf der er bauen und malen und in endloser Vielfalt und Tiefe die einfache Schönheit von Farbe und Linie erklären kann. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht für Scully die Aufgabe, Farbe nicht nur als malerisches Mittel, sondern als beinahe anthropomorphe, körperhafte Struktur zu begreifen, die im Zusammenspiel mit Licht eine eigene, fast atmosphärische Präsenz entfaltet. Die scheinbar abstrakten Farbblöcke und Streifen sind tiefgreifende, emotionale Arenen, die von Menschsein, Verlust, Erinnerung und der Kraft menschlicher Beziehungen erzählen.

 

Die Werke aus diesen Serien hängen in fast allen großen Museen der Welt (darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, die Tate Modern in London und die Pinakothek der Moderne in München).

Standort
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Regierungsstraße 4–6, 39104 Magdeburg
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–17:00
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Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
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