Der Museumsberg Flensburg ist mit seinen zwei Häusern eines der größten Museen Schleswig-Holsteins. Seit seiner Gründung 1876 widmet sich das Museum der Kunst- und Kulturgeschichte des ehemaligen Herzogtums Schleswig, dessen nördliche Hälfte seit 1920 zu Dänemark gehört. Die Dauerausstellung des Heinrich-Sauermann-Hauses zeigt Kunst- und Kulturgeschichte vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Einzigartig sind die originalen Bauernstuben sowie die historische Möbelsammlung, die mit über 900 Stücken eine der umfangreichsten ihrer Art in Deutschland ist.
Das benachbarte Hans-Christiansen-Haus zeigt schleswig-holsteinische Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts. Schwerpunkte bilden die Jugendstilabteilung mit Hauptwerken des Künstlers Hans Christiansen, die Kunst des Expressionismus mit Werken von Erich Heckel, Ernst Barlach und Emil Nolde sowie zeitgenössische Kunst des Nordens. Sonderausstellungen mit wechselnden Themen ergänzen die ständige Sammlung.
Veranstaltungen und Ausstellungen
»Lieblingsstücke!« Die Kunsthalle zu Kiel zu Gast auf dem Museumsberg Flensburg
Ein Dutzend handverlesener Meisterwerke aus der Kieler Gemäldesammlung sind zu Gast auf dem Museumsberg Flensburg, während die Kunsthalle zu Kiel grundlegend saniert wird.
»Lieblingsstücke!« ist die Präsentation der wertvollen Leihgaben betitelt, und das ist kein Zufall. Museumsdirektor Michael Fuhr durfte sich wirklich seine Favoriten aus der wunderbaren Kieler Sammlung aussuchen. Für die kommenden fünf Jahre haben jetzt kostbare Werke von Malergrößen wie Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Asger Jorn ihren Platz zwischen den Bildern der Flensburger Sammlung eingenommen. Die Spannbreite reicht vom niederländischen Barockstillleben über Porträts und Landschaften des 19. Jahrhunderts bis zu Ikonen der klassischen Moderne. Alle zwölf Leihgaben sind so gehängt, dass sie mit der Flensburger Sammlung in Dialog treten und sich den Besucher:innen so neue Zusammenhänge erschließen. Für das kreisrunde Gemälde »Der Einsiedler« von Albert Aereboe haben wir sogar einen ganzen Raum neu eingerichtet.
Unterschätzt! Starke Frauen der Künstlerkolonie Ekensund
»Da hörte ich zu meinem Entsetzen, daß es Berliner Malweiber seien.« So lautete 1903 das vorschnelle Urteil eines Malers, als erstmals Künstlerinnen ohne männliche Begleitung nach Ekensund kamen. Die Künstlerkolonie an der nördlichen Flensburger Förde bestand zu diesem Zeitpunkt fast dreißig Jahre und brachte erfolgreiche Künstler hervor. Nach zahlreichen Ausstellungen zur Künstlerkolonie Ekensund in der 150-jährigen Geschichte des Museumsberg Flensburg wird im Winter 2025/26 die Frauenpower von Ekensund erstmals in den Fokus gerückt. Exemplarisch für die unterschiedlichen Lebensläufe von Frauen im frühen 20. Jahrhundert werden sechs ausgewählte Biografien aus dem Ekensunder Umkreis gewürdigt.
Die Sichtbarkeit der Frauen ist abhängig von verschiedenen, historischen und lokalen Bedingungen. In der Regel verliefen die vielversprechenden Karriereanfänge neben der traditionellen Care-Arbeit mit der Zeit ins Leere. Sophie Eisenlohr, die spätere Ehefrau von Alex Eckener konnte schon während ihrer Kindheit in London so gut Tiere malen, dass sie heute als Wunderkind gelten würde. Ihre Schwägerin Toni Eckener sorgte als Netzwerkerin und Gastgeberin dafür, dass das Elternhaus ein Ort für die ganze Familie blieb. Sie vermietete auch Pensionszimmer u. a. an Ada Nolde, mit der sie freundschaftlich verbunden blieb. Ein Originalfenster aus dem heutigen Eckener-Haus mit dem eingeritzten Namen von Nolde zeugt in der Ausstellung von dem beliebten Treffpunkt in Flensburg.
Eine Frau, die ausschließlich für die Kunst nach Ekensund kam, war die Malerin Emmy Gotzmann (1881-1950). Ihr herausragendes Talent führte sie mit Anfang Zwanzig von Berlin in die Flensburger Region. Die Akzeptanz ihrer Zeitgenossen musste sie sich erst erarbeiten. Die Qualität ihrer Werke überragte oftmals die der ihrer männlichen Kollegen. 1908 bekam sie gemeinsam dem Flensburger Bildhauer Heinz Weddig eine große Ausstellung im Flensburger Kunstgewerbemuseum, dem heutigen Museumsberg. Die Flensburger Nachrichten berichteten damals überrascht von der Ausdruckskraft in den Bildern von Gotzmanns »Künstlererscheinung, welche die Schönheit der Landschaft mit der rückhaltslosen Farbenbegeisterung des modernen Malers schaut.« Die gesamte Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens kann nun dort bewundert werden, wo ihre Karriere begann.

