Die Völklinger Hütte wurde 1994 von der UNESCO als Weltkulturerbe klassifiziert. Wie kein anderes Denkmal ist die Völklinger Hütte Symbol für das Saarland, seine Identität und die Entwicklung der Saar-Lor-Lux Region. Die Entwicklung der Völklinger Hütte zu einem Europäischen Zentrum für Kunst und Industriekultur ist die wichtigste Kulturaufgabe des Saarlandes.
Aufgabe der Trägergesellschaft ist die Erhaltung und Entwicklung des Denkmalensembles Völklinger Hütte und die breite Vermittlung von Industriekultur im Spannungsfeld von Kunst und Gesellschaft sowie intensive Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich. Zweck der Gesellschaft ist auch die wissenschaftlich – künstlerische Erforschung und pädagogisch-didaktische Aufarbeitung von »lndustriekultur« im Rahmen der Entwicklung eines erweiterten Kunst- und Kulturkonzeptes unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Bezüge und ihrer öffentlichkeitswirksamen Darstellung.
Dazu dienen insbesondere Publikationen, Ausstellungen, Aufführungen im Bereich des Theaters und Symposien. Neben traditionellen Darstellungsformen sollen neue Medien in dieses Konzept mit einbezogen und neue Formen der Verbreitung entwickelt werden.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Bewegung. Macht. Geschichte
Die Dauerausstellung »Bewegung Macht Geschichte« eröffnet neue Perspektiven auf die Rohstoff-, Menschen- und Produktströme, die elementar mit der Geschichte der Völklinger Hütte verbunden sind.
So führt der Weg der zur Eisenproduktion nötigen Erze im Laufe der Jahrzehnte nicht nur aus Lothringen und Luxemburg, sondern ab den 1960er-Jahren aus der ganzen Welt nach Völklingen. Geliefert wird spätestens ab der Nachkriegszeit weltweit.
Ein bedeutendes Element der Ausstellung bildet die humane Mobilität in all ihren – auch den drastisch gewaltsamen – Facetten: von den Wanderarbeitern und verarmten Bauern aus der Großregion im 19. Jahrhundert, über das düstere Kapitel der Zwangsarbeiter:innen im Ersten und Zweiten Weltkrieg aus ganz Europa bis hin zur Arbeitsmigration der Wirtschaftswunderjahre aus Italien und der Türkei.
Dreh- und Angelpunkt der Schau ist eine Filminstallation, die umfangreiches Archivmaterial und 3-D-Elemente zu einer prägnanten Hütten-Geschichte in zeitgemäßer Bildsprache montiert.
Rémy Markowitsch. We All [Except the Others]
Kontamination von Natur und Kultur, Zwangsarbeit damals und heute, Hermann Röchling und sein Erbe: Der Schweizer Künstler Rémy Markowitsch beleuchtet und verdichtet mit seiner multimedialen Installation WE ALL (Except the Others) in der historischen Hängebahnwerkstatt zentrale Themen und signifikante Orte der Geschichte der Völklinger Hütte.
Eine Conférencière und zahlreiche weitere Protagonist:innen führen uns von den Schlackenhalden Hermann und Dorothea mit dem Abraum der Hütte über den heutigen Parkplatz und die Benzolhäuser, einst Standort der stark umweltbelastenden Kohlenwertstoffbetriebe, zur Apotheose der Familie Röchling im raumgreifenden Deckengemälde der Völklinger Versöhnungskirche. Am Ort der Reparatur, der Hängebahnwerkstatt, schließen sich die Kreise im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
»Nach BEWEGUNG MACHT GESCHICHTE folgt nun der zweite Meilenstein der Auseinandersetzung mit der Geschichte unseres Ortes im Jubiläumsjahr 150 JAHRE VÖLKLINGER HÜTTE. Rémy Markowitsch richtet mit WE ALL (Except the Others) seinen genuin künstlerischen Blick auf die Geschichte und Themen unseres exemplarischen Schauplatzes und trägt mit kreativer Zuspitzung zu einem tieferen Verständnis der Höhen und Tiefen des ehemaligen Eisenwerkes bei«, so Dr. Ralf Beil, Kurator der Ausstellung und Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.
X-Ray – Der Röntgenblick in Kunst, Wissenschaft, Film, Mode und Architektur
X-RAY ist die erste Ausstellung überhaupt, die sich umfassend dem Phänomen der Röntgenstrahlen und den zahlreichen kulturellen und künstlerischen Aspekten des Röntgenblicks widmet. Auf der Basis des weiten Spektrums der Röntgentechnik – vom ersten Röntgenbild über historische Röntgengeräte der Medizin und Naturwissenschaften bis hin zum aktuellsten Röntgen-Satelliten der Weltraumforschung – beleuchtet die Schau insbesondere die kreativen Wechselwirkungen des Röntgenblicks in Kunst und Kulturgeschichte, Politik, Natur, Literatur und Architektur, Musik, Mode und Kino.
Am 8. November 2025 ist es auf den Tag genau 130 Jahre her, dass Wilhelm Conrad Röntgen in seinem Würzburger Labor die X-Strahlen erstmals bewusst als bislang unbekanntes Phänomen wahrnimmt. Nur wenige Wochen danach verbreitet sich diese bahnbrechende Entdeckung wie ein Lauffeuer um den Erdball und inspiriert nicht nur Wissenschaftler:innen, sondern sofort auch bildende Künstler, Musiker, Filmemacher und Karikaturisten.
Diese Faszination ist bis heute ungebrochen, wie der als Erlebnislandschaft gestaltete X-RAY-Parcours zu zeigen vermag: Er vereint in der Industriekathedrale der Gebläsehalle eine Röntgen-Kapelle von Wim Delvoye ebenso wie ein transparentes Backstein-Labyrinth von Cris Bierrenbach, einen Catwalk mit Röntgen-Mode und ein Kino für X-RAY-Filme.
In 18 Kapiteln entfaltet sich ein höchst welthaltiges Panorama der Moderne und Gegenwart: Marie Curie trifft hier auf Claude Cahun, Frida Kahlo, Isa Genzken und Iris van Herpen; John Heartfield auf Edvard Munch, Mies van der Rohe, Thomas Mann und William Wegman. X-RAY macht das Unsichtbare sichtbar und Kunst und Wissenschaft zum Erlebnis.
»Röntgenstrahlen durchdringen unsere Moderne und Gegenwart auf ganz besondere Art und Weise: Dank ihrer erfahren wir Medizin, Politik, Geschichte, Kunst und Natur, ja selbst Geschlechterrollen neu. Wir blicken buchstäblich auf sonst verborgene Tiefenschichten unser selbst und unserer Umwelt – von den Molekülen und Kodierungen unserer Körper bis hin zu den entferntesten Galaxien des Weltraums«, so Kurator Dr. Ralf Beil.

