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Köln

99 Schalen – ein Kosmos. Zeitgenössische Keramik von Young-Jae Lee

Im Foyer des Museums für Ostasiatische Kunst begegnen sich Architektur, Natur und zeitgenössische Kunst. 99 handgefertigte Schalen der international renommierten Keramikerin Young-Jae Lee (*1951) treten in einen wechselwirkenden Dialog mit ihrem Umfeld.

Die Installation lädt die Besuchenden ein, die Hektik der Alltagswelt zu verlassen und in den entschleunigten Raum des Museums hineinzutreten. Die kleinformatigen, in ihrer Form reduzierten sowie Farbgebung subtil nuancierten Gefäße verkörpern in der Gesamtheit mehr als ein vermeintlich uniformes Ensemble: Beim genauen Betrachten offenbart sich jede Struktur des Tons, jeder Farbverlauf der Glasur anders und einzigartig.

 

So verweist der Ausstellungstitel auf Lees kreative Vision, die der Auswahl an 99 Schalen zugrunde liegt und diese als kollektiven Kosmos vereint. Zugleich wird das Einzelstück in seiner Individualität hervorgehoben: Serialität und Reproduktion stehen hierbei genauso im Zentrum wie Abweichung und Transformation, schließen sich nicht gegenseitig aus. Die Objekte – ob im Einzelnen oder als Ensemble – kristallisieren den Blick der Betrachtenden in der erlebten räumlichen Umgebung. Eine meditative Kontemplation befördert die Begegnung zwischen Mensch und Exponat, ermöglicht dynamische Wechselblicke im Ausstellungsraum und dessen Architektur; zwischen innenliegendem japanischem Garten und außenliegender See- und Parkanlage. Naturprozesse, darunter die veränderlichen Formen von Tageslicht, Schattenspiel, Wetterlage und Jahreszeit, prägen das individuelle wie gemeinsame Erfahren eines raumzeitlichen Gesamtkunstwerks.

Die gebürtige Südkoreanerin Young-Jae Lee zog 1972 nach Deutschland und leitet seit 1987 die Keramische Werkstatt Margaretenhöhe in Essen, die 1924 gegründet, in der modernen Tradition des Bauhaus steht. Seit über fünf Dekaden bezeugt Lees beruflicher und künstlerischer Werdegang auf einzigartige Kulturen übergreifende Weise die kontinuierliche Synthese traditionellen Kunsthandwerks und kreativen Pioniergeistes. 

 

Ein breit gefächertes Rahmenprogramm umfasst unter anderem die Vorführung einer koreanischen Teezeremonie durch die Künstlerin Iden Sungyoung Kim, ein Gesangskonzert der Sopranistin Sunja Wehmeier sowie einen Artist Talk mit der Keramikerin Young-Jae Lee. Im Zusammenspiel mit der Ausstellungspräsentation im Museumsfoyer bieten die öffentlichen Events den Besuchenden eine sinnliche Bereicherung bei ihrer Annäherung an die Kunst und Kultur Koreas.

Diese Ausstellung endet in
4
Tage
2
Std
52
Min
31
Sek
Termine
Start23.04.2026
Ende25.10.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–17:00, jeder 1. Donnerstag im Monat (außer Feiertags): 11:00–22:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum für Ostasiatische Kunst Köln
Museum für Ostasiatische Kunst KölnUniversitätsstraße 100, 50674 Köln

Das 1913 eröffnete Museum für ostasiatische Kunst war ein Bekenntnis zu einem aufgeklärten Dialog mit der Welt. Das Haus sollte einen neuen, unverstellten Blick auf die Kunst Ostasiens ermöglichen und einer im Aufbruch begriffenen westlichen Gesellschaft moderne Anregungen und Denkanstöße liefern. Vor dem Hintergrund der chauvinistischen Kolonialpolitik, die das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm II in China verfolgte, dokumentierte die Museumsgründung 1909 eine markante Abkehr von deutschem Überlegenheitswahn. Durch die verheerenden Folgen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs wurde das Vermächtnis der Museumsgründer jedoch jäh zunichte gemacht. Erst mit der Eröffnung des Museumsneubaus am Aachener Weiher im Jahr 1977 gelang nach der Kriegszerstörung wieder ein Neuanfang. Seither ist das Museum für Ostasiatische Kunst der ursprünglichen Idee seiner Gründer verpflichtet. Rassismus und kolonialistisches Denken artikulieren sich in jeder Epoche anders und neu. Sprach Kaiser Wilhelm II von China als der »gelben Gefahr«, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus die massenhafte Vernichtung der Juden betrieben. Auch heute, im Zuge der Flüchtlingskrise, werden rassistische Stimmen laut. Dies zeigt deutlich, dass die ursprüngliche Mission des Museums für Ostasiatische Kunst ewig aktuell bleibt: Mit seinen Ausstellungen lädt das Haus zur Wertschätzung von Kunst und Kultur des Fernen Ostens im Sinne der Weltkunst ein; jede Form von Rassismus hat darin keinen Platz. Nach wie vor stellt die von Adolf Fischer (1856–1914) und seiner Frau Frieda (1874–1945) zusammengetragene Sammlung den Kernbestand des Hauses dar. Ihre Kollektion buddhistischer Malerei und Skulptur, japanischer Stellschirmmalerei, Farbholzschnitte, koreanischer Keramik und Lackkunst gilt als eine der bedeutendsten innerhalb Europas. Weitere wichtige Schwerpunkte bilden die seit den 1970er Jahren hinzugekommenen chinesischen Sakralbronzen der Sammlung Hans-Jürgen von Lochow, die Frühkeramik der Sammlung Hans Wilhelm Siegel, die chinesische und japanische Kalligraphie der Sammlung Heinz Götze, außerdem die Dauerleihgaben der Peter und Irene Ludwig Stiftung.

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