Ausstellungen

Entdecken Sie aktuelle und kommende Ausstellungen in Museen und Galerien

18.10.24 - 11.10.26
Hamburg

ISA MONA LISA

»Isa Mona Lisa« ist der ironisch-verspielte Titel einer großen Ausstellung, die anhand besonderer Positionen internationaler, zeitgenössischer Künstler:innen lebendige Einblicke in die aktuelle Gegenwartskunst gibt. Der Titel ist einer gleichnamigen Fotografie von Wolfgang Tillmans (*1968) von seiner Künstlerkollegin Isa Genzken (*1948) entnommen, die beide auch in der Ausstellung mit Arbeiten vertreten sind. Die Besucher:innen erwarten speziell eingerichtete Künstler:innenräume von größtenteils erstmalig präsentierten Neuerwerbungen der Hamburger Kunsthalle, ikonische Werke der Sammlung sowie Arbeiten, die aufgrund jüngster Kooperation mit einer bedeutenden Hamburger Privatsammlung gezeigt werden können. Die ausgewählten Exponate – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Installationen – werden im gesamten Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart präsentiert.

 

Künstler:innen: Etel Adnan, Elisa Alberti, Helene Appel, Alexandra Bircken, Louise Bourgeois, Thorsten Brinkmann, Helen Cammock, Nina Canell, Edith Dekyndt, Simon Denny, Gerrit Frohne-Brinkmann, Noi Fuhrer, Asana Fujikawa, Isa Genzken, Donald Judd, Joachim Koester, Jochen Lempert, Dan Lie, Melanie Manchot, Robert Morris, David Novros, Silke Otto-Knapp, Sigmar Polke, Hyun-Sook Song, Neo Rauch, Gerhard Richter, Andreas Slominski, Andrzej Steinbach, Paul Thek, Wolfgang Tillmans, Thu-Van Tran, Haegue Yang.

 

Aus konservatorischen Gründen können nicht alle Werke über die gesamte Laufzeit ausgestellt werden und werden zwischendurch ausgewechselt.

 

Die im Sockelgeschoss fest installierten Werke sind von Bogomir Ecker, Jenny Holzer, Ilya Kabakov, Jannis Kounellis und Richard Serra.

 

Gefördert von: Freunde der Kunsthalle e.V.

 

Kuratorin: Dr. Brigitte Kölle, Sammlungsleiterin Gegenwartskunst
Assistenzkuratorin: Selvi Göktepe (bis Mitte April 2024)

ISA MONA LISA
Hamburger KunsthalleGlockengießerwall 5, 20095 Hamburg
03.04.25 - 11.10.26
Köln

Licht in dunklen Zeiten – Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Khanenko Museum in Kyjiw

Das Museum Schnütgen präsentiert eine kostbare Auswahl von Glasmalereien aus dem Khanenko Museum in Kyjiw (Kiew), welche zum ersten Mal außerhalb der Ukraine zu sehen sein werden. Im Dialog mit Glasmalereien aus dem Museum Schnütgen werden sie im Glasmalereisaal inszeniert.

 

Die Ausstellung konzentriert sich auf rund 30 Werke beider Museumssammlungen. Aus dem Khanenko Museum sind insgesamt zwölf Glasmalereien als Leihgaben nach Köln gekommen, die vom 13. bis 17. Jahrhundert in Glaswerkstätten in Frankreich, Österreich, Deutschland und den Niederlanden gefertigt wurden. Dabei handelt es sich um den gesamten Bestand des Kyjiwer Museums, der in Köln mit Hilfe der Dombauhütte konserviert und restauriert werden soll.

 

Anlass für die Ausstellung gibt der drohende Verlust vieler Kunstwerke durch den 2022 begonnenen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das Khanenko Museum in Kyjiw, dessen Anfänge etwa in dieselbe Zeit zurückreichen, in der Alexander Schnütgen in Köln seine Mittelaltersammlung aufbaute, wurde bereits im ersten Kriegsjahr durch einen Raketeneinschlag in unmittelbarer Nähe in Mitleidenschaft gezogen. Viele Kunstwerke wurden gerade noch rechtzeitig gesichert, darunter auch die hochkarätige Glasmalereisammlung, die durch Erschütterungen besonders gefährdet ist.

 

Im Dezember 2024 sind die Glasmalereien aus Kyjiw nach einem Transport durch das Kriegsgebiet wohlbehalten in Köln eingetroffen. Durch ein Expertenteam des Corpus Vitrearum Deutschland waren sie zuvor in der Ukraine gesichert und verpackt worden.

 

Das Ausstellungsprojekt umfasst auch die wissenschaftliche Erschließung der bislang noch kaum erforschten Glasmalereien in Kyjiw in einer digitalen Publikation.
Es ist nicht nur ein Beitrag zur Rettung der europäischen Kulturgüter, sondern gleichermaßen ein Zeichen der Solidarität und Unterstützung.

Licht in dunklen Zeiten – Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Khanenko Museum in Kyjiw
Museum SchnütgenCäcilienstraße 29–33, 50667 Köln
15.05.26 - 11.10.26
Berlin

Many Shades of Grès – Mode wird Kunst

Aufsehenerregende Mode von einer der wichtigsten Wegbereiterinnen der Haute Couture im 20. Jahrhundert sowie davon inspirierte Outfits nach studentischen Entwürfen – das Kunstgewerbemuseum (KGM) präsentiert erstmals im deutschsprachigen Raum das faszinierende Werk der französischen Modedesignerin Madame Grès (1903–1993).

 

Im Mittelpunkt steht die 25 Modelle umfassende Grès-Kollektion des KGM und damit eine der größten außerhalb von Paris, wo Grès zeitlebens tätig war. Unter Mitwirkung des Fachbereichs »School of Culture and Design« der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin beleuchtet die Ausstellung den Kosmos der außergewöhnlichen Couturière aus unterschiedlichen Perspektiven.

 

In neun Sektionen werden um die 150 unterschiedlichste Exponate gezeigt, die sich als Querverweise auf die 25 Modelle von Madame Grès lesen lassen, die buchstäblich im Mittelpunkt der Ausstellung stehen. Es werden unter anderem Kleidungsstücke auf Büsten und Figurinen, Accessoires, Grafiken, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Textilobjekte sowie Multi-Media-Installationen (Filme, Projektionen) gezeigt. Sie werden ergänzt um studentische Positionen sowie kontextualisierende Werke – darunter Plastiken, Gemälde, Fotografien, Grafiken, Filme und virtuelle Elemente.

 

 

Katalog zur Ausstellung

 

Zur Ausstellung ist der Katalog »Grès, Paris: Made in France« mit Texten in deutscher und englischer Sprache erschienen.

 

 

Wer war Madame Grès?

 

Ihre Karriere begann Germaine Émilie Krebs in den 1930er-Jahren, als sie – nun als Mademoiselle Alix – zusammen mit Julie Barton das Modehaus »Alix Barton« gründete. Aus dieser Zeit stammt eines der bedeutendsten Objekte aus dem Besitz des Kunstgewerbemuseums, eine glitzernde Abendbluse aus einem Netzgewebe mit facettierten Schmucksteinen. Nach 1937 nannte sie sich Alix Grès, in die Modegeschichte ging sie schließlich als »Madame Grès« ein.

 

Unvergleichlich ist Grès’ Umgang mit Stoff: Mehrere Meter werden auf wenige Zentimeter gerafft, gefaltet und drapiert und entfalten auf diese Weise ein beeindruckendes Volumen. Madame Grès, von der nur wenige Selbstäußerungen überliefert sind, ließ die Presse einmal wissen, sie würde am Modell, nicht auf dem Tisch entwerfen, ihre Schere sei ihr wichtigstes Instrument. Besonders faszinierend ist daher die Raffinesse, mit der sie einen im Grunde schlichten Schnitt zu einer hochkomplexen Skulptur am Körper entwickelt.

 

 

Klassische Antike und zeitlose Eleganz

 

Berühmt wurde sie durch ihre bodenlangen, plissierten Kleider, für die sich Grès, die – so wird es kolportiert – eigentlich Bildhauerin werden wollte, von antiken Skulpturen inspirieren ließ. Die große, bis heute andauernde Relevanz von Madame Grès, die Kleider unter anderem für Grace Kelly, Greta Garbo und Marlene Dietrich entwarf, offenbart sich in der zeitlosen Eleganz dieser auf die klassische Antike bezogenen Modelle. In unmittelbarer Gegenüberstellung mit Exponaten aus der Antikensammlung, dem Museum für Byzantinische Kunst und der Gemäldegalerie wird diesem wichtigen Aspekt in der Ausstellung Rechnung getragen.

Many Shades of Grès – Mode wird Kunst
KunstgewerbemuseumMatthäikirchplatz, 10785 Berlin
27.06.26 - 11.10.26
Düsseldorf

Holly Herndon & Mat Dryhurst – Starmirror

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und die KW Institute for Contemporary Art, Berlin freuen sich, gemeinsam eine Ausstellung mit den Künstler:innen und Technolog:innen Holly Herndon (*1980, USA) und Mat Dryhurst (*1984, GB) zu realisieren. Das Duo ist international bekannt für ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen.

 

Mit »Starmirror« verwandeln sie die Ausstellungsräume der beiden Institutionen in ein Trainingsgelände für die kollaborative Produktion von Kunst und Musik zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro sub schaffen sie eine immersive Klanginstallation, die gleichzeitig als Aufnahme- und Hörumgebung dient. Besucher:innen sind eingeladen, gemeinsam mit lokalen Chören und unter der Leitung eines Vokalensembles an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilzunehmen. Diese bilden einen Datensatz, der es den Künstler:innen ermöglicht, einen KI-Chor zu entwickeln. Das speziell für das Projekt konzipierte Liederbuch basiert auf dem Moralitätenspiel »Ordo Virtutum« der Benediktineräbtissin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert. Darin muss eine Seele zwischen den Kräften des Guten und des Bösen wählen. Die Ausstellung macht KI als kollektiven, menschlich mitgestalteten Prozess erfahrbar und beleuchtet die unsichtbare Rolle technischer Protokolle bei der Gestaltung der uns umgebenden Welt. 

 

Die Ausstellung ist eines von elf ausgewählten Projekten, die die Kulturstiftung des Bundes mit ihrem neuen Programm »Kunst & KI – Fonds für neue künstlerische Perspektiven auf KI und Gesellschaft« fördert.

 

Das Ausstellungsdesign wird von dem Architekturbüro sub konzipiert.

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, und den KW Institute for Contemporary Art, Berlin, wo sie vom 31. Oktober 2025 bis zum 18. Januar 2026 zu sehen ist.

 

Eröffnung: 26. Juni 2026, 19 Uhr

Holly Herndon & Mat Dryhurst – Starmirror
Kunstsammlung Nordrhein-WestfalenStändehausstraße 1, 40217 Düsseldorf
13.11.25 - 11.10.26
Frankfurt am Main

Tiere sind auch nur Menschen – Skulpturen von August Gaul

Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert eine umfassende Sonderausstellung zu August Gaul (1869–1921), einem der ersten modernen Bildhauer Deutschlands. Rund hundert Tierplastiken aus Bronze, Keramik und Marmor treten hier in Dialog mit Skulpturen aus drei Jahrtausenden.

 

 

Über die Ausstellung

 

Mit August Gaul beginnt in Deutschland die moderne Bildhauerei. Seine Tierdarstellungen befreien die Motive von jahrhundertelanger Symbolik und entwickeln eine neue, eigenständige Formensprache, die das 20. Jahrhundert nachhaltig geprägt hat. Neben imposanten, lebensgroßen Skulpturen von Löwen und Menschenaffen richtet Gaul seinen Blick auf Tiere, die zuvor kaum Beachtung in der Kunst fanden, wie Esel, Gänse oder Enten.

 

Die Ausstellung zeigt Gauls Werk im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft und beleuchtet gesellschaftlich relevante Fragen seiner Zeit. Das Thema »Nähe zwischen Mensch und Tier« zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Rundgang.

 

Ein besonderer Höhepunkt: der überlebensgroße Adler im Museumsgarten, ursprünglich für das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal in Berlin geschaffen. Anders als herkömmliche heroische Darstellungen ist der Vogel hier im Landeanflug auf sein Nest zu sehen. Ein eindrucksvolles Beispiel für Gauls Ansatz, das natürliche Verhalten der Tiere über politische Symbolik zu stellen. Seine Arbeit orientiert sich an zeitgenössischen naturwissenschaftlichen und tierpsychologischen Forschungen, unter anderem von Charles Darwin.

 

Erstmals zeigt die Ausstellung die bedeutende Frankfurter Privatsammlung von Carlo Giersch nahezu vollständig, ergänzt durch Leihgaben aus Berlin, Hamburg, Hanau und Leipzig. Fast alle Bereiche des Liebieghauses werden einbezogen, sodass Gauls Werk in einen spannenden, facettenreichen Dialog mit der Sammlung tritt.

 

Kurator: Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann (Sammlungsleiter der Abteilung Antike und Asien, Liebieghaus Skulpturensammlung)
Projektleitung: Jakob Salzmann (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Antike und Asien, Liebieghaus Skulpturensammlung)

Tiere sind auch nur Menschen – Skulpturen von August Gaul
Liebieghaus SkulpturensammlungSchaumainkai 71, 60596 Frankfurt
13.05.26 - 11.10.26
Wien

IM BLICK: Johann Baptist Lampi der Ältere und der Jüngere

Was haben ein klassizistisches Familienporträt und eine mythologische Darstellung der Venus aus der Biedermeierzeit gemeinsam? Sowohl das Bildnis der Caroline und des Viktor von Tomatis von Johann Baptist Lampi d. Ä. (1751 Romeno – 1830 Wien) als auch das Gemälde Venus, auf einem Ruhebett schlafend seines Sohnes Johann Baptist Lampi d. J. (1775 Trient – 1837 Wien) wurden übermalt. Die Ausstellung in der Reihe IM BLICK versucht nachzuzeichnen, welche Bedeutungswandel diese groben Eingriffe in das Werk zweier Künstler zur Folge hatten. 

 

Johann Baptist Lampi d. Ä. schuf 1788/89 in Warschau mehrere Porträts der Familie Tomatis. Die aus Mailand stammende Tänzerin Catarina, geb. Filipazzi, war gemeinsam mit dem Unternehmer Carlo Tomatis 1765 in die Stadt gezogen. Eines der drei Bildnisse zeigt zwei Kinder des Paares, Caroline und Viktor, zwischen denen eine Büste positioniert ist. Diese stellte sich bei einer Durchleuchtung mit Röntgen- und Infrarotstrahlung im Jahr 2016 als Übermalung heraus. Unter der Büste liegt die Figur der Mutter Catarina, die ihre Kinder umarmt, verborgen. Anhand von weiteren Bildnissen und Archivalien wird in der Ausstellung die Geschichte der Familie Tomatis erzählt. 

 

Vom Gemälde Venus, auf einem Ruhebett schlafend von Johann Baptist Lampi d. J. wurden 2022 ebenfalls Infrarot- und Röntgenaufnahmen gemacht. Diese zeigen einen Amor, der unter einer schwarzen Fläche verborgen lag. Der mythologische Gehalt geriet durch die Auslöschung des Liebesgottes in den Hintergrund, sodass das Werk im 20. Jahrhundert in zwei Salzburger Heimatromanen als Porträt der Emilie Victoria Kraus, einer Geliebten Napoleons, gedeutet wurde. Gerade durch diese Missinterpretation erlangte das Gemälde eine große Popularisierung, die bis nach Paraguay ausstrahlte. Erstmals wird nun das Bild nach der 2024 erfolgten Freilegung des Amors unter dem Originaltitel der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Die Ausstellung legt die Bedeutungsschichten zweier Gemälde frei, die durch Übermalungen im Verborgenen lagen. Zu sehen ist dabei, dass der Sinngehalt von Werken äußerst wandelbar sein kann, sobald sie das Atelier verlassen. So wurde aus einem Familienporträt, das die Zuneigung einer Mutter zu ihren Kindern verdeutlichte, ein Memorial und aus einer idealen Venus das Bildnis einer Salzburger Lokalberühmtheit.

 

 

Johann Baptist Lampi der Ältere

 

Johann Baptist Lampi d. Ä. wird 1751 als 14. Kind von Matthias Lamp und Chiara Margherita Lorenzoni in Romeno geboren. Seinen ersten Unterricht erfährt Lampi bei seinem Vater. 1768 setzt er seine Ausbildung bei seinem Onkel Pietro Lorenzoni in Salzburg sowie in Brixen fort. 1772 heiratet er Anna Maria Franchi und zieht nach Verona. Von den sieben Kindern des Paares werden Johann Baptist Lampi d. J. und Franz Xaver Lampi (1782 Klagenfurt – 1852 Warschau) ebenfalls Maler.

 

1773 wird Lampi zum Ehrenmitglied der Akademie in Verona ernannt. Er ist u. a. in Trient ansässig. 1779 geht Lampi nach Innsbruck und in weiterer Folge nach Klagenfurt. Fortan wird er sowohl für das gehobene Bürgertum als auch für den Adel und das Kaiserhaus als Porträtist tätig sein. Gelegentlich malt er auch Historienbilder. 1783 zieht Lampi nach Wien. Bereits zwei Jahre später wird er zum Mitglied der Wiener Akademie der bildenden Künste ernannt. Ab 1786 wirkt er als Professor für Historienmalerei ebendort. 

 

Von September 1788 bis März 1789 hält sich Lampi in Warschau auf, wo er u. a. den polnischen König Stanisław II. August Poniatowski porträtiert. 1791 reist der Künstler nach Jassy/Iași (heute in Rumänien). Von dort gelangt er am 20. Jänner 1792 nach St. Petersburg. Hier entstehen zahlreiche Porträts der Mitglieder des russischen Hofes sowie Bildnisse der Zarin Katharina II. 

 

Am 11. Februar 1795 stirbt seine in Wien gebliebene Ehefrau an einer Lungenkrankheit. 1797 kehrt Lampi nach Wien zurück, im darauffolgenden Jahr wird er in den erblichen Ritterstand erhoben. Eine zweite Ehe schließt er 1807 mit Julia Rigin. 1819 stiftet Lampi einen Preis für Aktzeichnen an der Wiener Akademie, 1822 wird er bei vollem Gehalt pensioniert. In seinen letzten Jahren nimmt der Künstler mehrere Kuraufenthalte in Baden bei Wien in Anspruch. 1830 stirbt Lampi nach mehreren Schlaganfällen in der damaligen Vorstadt Leopoldstadt (heute der 2. Wiener Gemeindebezirk) im Alter von 78 Jahren.

 

 

Johann Baptist Lampi der Jüngere

 

Von 1786 bis 1794 studiert Johann Baptist Lampi d. J. an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Hubert Maurer und Heinrich Friedrich Füger. Er wird außerdem von seinem Vater ausgebildet. 1796 reist der Künstler zu diesem nach St. Petersburg. Dort heiratet er im selben Jahr Anna Drawe. 1797 wird Lampi d. J. die Ehrenmitgliedschaft der Petersburger Akademie verliehen. Wie sein Vater ist er als Porträtist der russischen Aristokratie tätig. 1804 kehrt er nach Wien zurück und ist auch hier als Maler von Bildnissen begehrt. Zugleich arbeitet er im Atelier seines Vaters. 1808 reist er nach Budapest. Im Jahr 1813 wird er zum Mitglied der Akademie der bildenden Künste ernannt und nimmt regelmäßig an deren Ausstellungen teil. Viermal sollte er Kaiser Franz I. porträtieren, so im um 1820 entstandenen Bildnis des Monarchen im Toisonornat, das sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet. 1825 vollendet Lampi das Altargemälde der Maria Himmelfahrt in der Pfarrkirche in Romeno nach einer Skizze seines Vaters, da dieser aufgrund seines labilen Gesundheitszustandes das Werk nicht mehr selbst ausführen kann. Im selben Jahr malt Lampi d. J. eine lebensgroße Fortuna, die als Kupferstich in einem Almanach reproduziert wird. Das Gemälde erwirbt Fürst Johann I. von Liechtenstein. 1828 präsentiert Lampi seine Ruhende Venus mit Amor vor dem Spiegel in der Jahresausstellung der Akademie der bildenden Künste, wo das Werk für die kaiserliche Gemäldegalerie angekauft wird. 1837 stirbt der Künstler aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung im Alter von 64 Jahren in Wien.

 

Kuratiert von Katharina Lovecky.

IM BLICK: Johann Baptist Lampi der Ältere und der Jüngere
Belvedere WienPrinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien
03.07.26 - 11.10.26
Mannheim

RADIKAL. REAL. Nouveau Réalisme und die Kunst der 1960er Jahre

Die Kunsthalle Mannheim widmet dem Nouveau Réalisme und seinem Umfeld die größte Sonderausstellung in Deutschland seit mehr als fünfzehn Jahren. Das Projekt zeichnet zum ersten Mal eine umfassende, multipolare und globale Kartografie der Bewegung mit Epizentrum in Paris, deren internationale Ausdehnung über die 1960 von Pierre Restany initiierte und unterstützte Gruppe hinausgeht.

 

Von der Nachkriegszeit bis in die frühen 1970er Jahre beschäftigten sich viele Künstler:innen in Europa, Lateinamerika und den USA mit dem Potenzial des gefundenen Objekts als künstlerischem Material. Durch die direkte Auseinandersetzung mit der Realität entwickelten sie neue, oft radikale Ausdrucksformen. Ihre Themen reichten von Fragen nach Körper und Identität bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit Industriegesellschaft und Umweltzerstörung.  

 

Ausgehend von herausragenden Werken aus der Sammlung der Kunsthalle – mit Hauptwerken von Arman, César, Yves Klein, Mimmo Rotella, Daniel Spoerri, Niki de Saint Phalle und Jacques de la Villeglé – verfolgt die Ausstellung die künstlerischen Entwicklungen des Nouveau Réalisme bis in die frühen 1970er-Jahre. Daneben zeigt die Ausstellung auch Arbeiten von Künstler:innen wie Alina Szapocznikow und anderen, die zeitgleich an ähnlichen Fragestellungen gearbeitet und wesentlich zur Definition der neuen Sprachen beigetragen haben.

 

Kuratorin: Luisa Heese
kuratorische Assistenz: Dr. Stefano Agresti

RADIKAL. REAL. Nouveau Réalisme und die Kunst der 1960er Jahre
Kunsthalle MannheimFriedrichsplatz 4, 68165 Mannheim
30.05.26 - 11.10.26
Basel

Cao Fei – Testimonies to the Near Future

Die chinesische Künstlerin Cao Fei (* 1978, Guangzhou) zählt zu den prägenden Stimmen ihrer Generation. Für ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz verwandelt sie das Kunstmuseum Basel | Gegenwart in ein immersives Gesamtkunstwerk in Form einer Stadt, in der eindrucksvolle Installationen und Videowelten aus ihren letzten zwanzig Schaffensjahren verschmelzen.

 

Cao Fei ist unbestrittene Pionierin im Erschaffen von digitalen Welten. Ihre frühen Werke haben eine ganze Generation Künstler:innen aus Asien und darüber hinaus beeinflusst. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt sie sich in ihren Arbeiten – von Videoinstallationen über digitale Simulationen bis hin zu Virtual-Reality-Settings – mit den Auswirkungen gesellschaftlicher und technologischer Umbrüche auf das menschliche Leben und hält eine Vorreiterrolle im Denken über Kunst, Medien, Technologie und Zukunft inne.

 

Ihre Videos, virtuellen Realitäten und gamebasierten Umgebungen sind in Fabriken, Traumlandschaften und Zukunftsvisionen verortet. Sie thematisieren Arbeit, Veränderung sowie die seltsame Schönheit einer globalisierten Welt und verhandeln entlang dieser Themen Fragen von Identität, Körperlichkeit und Erinnerung. Cao Fei interessiert sich für den Einfluss, den das Wirtschaftswachstum, die technologische Entwicklung und die Globalisierung auf unsere Gesellschaft haben, jedoch ohne in einen Zukunftspessimismus zu verfallen. Den Kern der Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Gegenwart bilden wegweisende Werke wie Whose Utopia (2006), RMB City (seit 2007), Asia One (2018), Nova (seit 2019), Oz (2022) und die Hip Hop-Serie (seit 2003).

 

Besonders bemerkenswert ist Cao Feis Fähigkeit, spekulative und surreale Elemente in ihre oftmals beinahe dokumentarischen Arbeiten einzubinden. Dies wird in aufwändigen Installationen verstärkt, welche Elemente der Videos im Ausstellungsraum materialisieren und dadurch die Grenze zwischen physischem und virtuellem Raum weiter auflösen.

 

Die Ausstellung auf drei Etagen des Kunstmuseum Basel | Gegenwart eröffnet die Chance, tief in das umfangreiche Werk von Cao Fei einzutauchen. Sie ermöglicht den Besucher:innen ein einzigartiges Raumerlebnis, in dem die Videoarbeiten nicht bloss zu sehen sind, sondern immersiv erlebbar werden. Die Ausstellungsgestaltung entsteht in Zusammenarbeit von Cao Fei mit Small Production, Beijing.

 

Kuratiert von Philipp Selzer

Cao Fei – Testimonies to the Near Future
Kunstmuseum BaselSt. Alban-Rheinweg 60, 4052 Basel
12.06.26 - 11.10.26
Luxemburg

Video Killed the Radio Star: The 1980s and their Cultural Echoes

Die 1980er Jahre markierten eine Zäsur – zwischen den letzten Zügen des Kalten Krieges und dem Aufstieg des Neoliberalismus unter Thatcher und Reagan vollzog sich ein grundlegender Wandel der westlichen Kultur. Dieses Jahrzehnt wurde von den späten 1970er Jahre geprägt, die das Aufkommen postkolonialer, queerer und feministischer Diskurse mit sich brachten – Diskurse, die damals dominante kulturelle Paradigma herausforderten. Kennzeichnend für diese Periode waren Paradoxien, die zunehmend über Bilder vermittelt wurden. Die gleißende Oberfläche der Popkultur wurde überlagert von den tiefen Rissen der Weltpolitik; neue Technologien kreuzten sich mit alten Ideologien; die Geburt von MTV und der Schatten von Tschernobyl erreichten ihr Publikum durch dieselbe mediatisierte Linse.

 

Ausgehend von der Mudam-Sammlung, internationalen Leihgaben und Archivmaterialien widmet sich Video Killed the Radio Star: The 1980s and Their Cultural Echoes erneut den ‚langen 1980er Jahren‘, einer entscheidenden Periode, die Ende der 1970er Jahre einsetzte und Anfang der 1990er Jahre ausklang, in dem das Bild die Stimme verdrängte, in dem Zugänglichkeit Eigentum ablöste und in dem Macht begann sich in neuen ästhetischen Formen zu vermitteln. Die Ausstellung untersucht die sich wandelnden Wahrnehmungen und Empfindsamkeiten einer Welt im Übergang in ein hypermediatisiertes Zeitalter.

 

Die Mudam-Sammlung ist in diesem Jahrzehnt verwurzelt. Im Jahr seines zwanzigjährigen Jubiläums reflektiert Video Killed the Radio Star: The 1980s and Their Cultural Echoes die intensive Beschäftigung mit dem Erbe der 1980er Jahre. Die Ausstellung untersucht, wie die Veränderungen der 1980er Jahre unsere Gegenwart prägen – sie kehrt zu diesem Jahrzehnt zurück und horcht seinen Echos im Heute nach. Sie reflektiert eine Kontinuität mit unserer zeitgenössischen Geschichte und lädt uns zugleich ein, die blinden Flecken der sogenannten westlichen Kunstgeschichte zu hinterfragen.

 

Aus dieser Perspektive bezieht ihr Parcours Beiträge jüngerer zeitgenössischer Positionen sowie Archivmaterial ein, um eine vielschichtige Argumentation aus den – und rund um die – 1980er Jahre zu entfalten. Die entstehenden Begegnungen erzeugen Verbindungen zwischen den Generationen, befragen die Themen und Ästhetiken der Epoche und zeichnen ihre Fortschreibung in der Gegenwart nach. Eine kritische Auseinandersetzung mit Fotografie und Film zieht sich durch die gesamte Ausstellung: von inszenierter Porträtfotografie und institutionellem Blick hin zur mediatisierten Konstruktion historischer Ereignisse.

 

Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile. Der erste untersucht, wie Künstler:innen der 1980er Jahre und der Gegenwart dominante Repräsentationsregime in Fotografie, Malerei, Mode und Institutionskritik herausfordern. Der zweite wendet sich jenen geopolitischen und medialen Transformationen zu, die das Ende des Jahrzehnts prägten – vom Zusammenbruch kommunistischer Regime bis zur Herausbildung einer globalisierten Welt, in der sich die Grenzen zwischen Zentrum, Peripherie und Rändern zunehmend verschieben. Die beiden Teile werden durch das Foyer verbunden, ein Zwischenraum, konstruiert aus doku-mentarischen Archiven, die die Mechanismen des Übergangs von der Demokratisierung der Konsumkultur zur Herausbildung der Aufmerksamkeitsökonomie freilegen.

 

Video Killed the Radio Star schildert die 1980er Jahre als einen kulturellen Wendepunkt, in dem viele der heutigen Werkzeuge, Spannungen und Sehnsüchte erstmals Form annahmen. Die Ausstellung gibt uns Anlass zu fragen, was von dieser Epoche geblieben ist und die heutige Landschaft algorithmischer Einflussnahme, mediatisierter Intimität und Post-Truth-Politik mitprägt – und zu verfolgen, wie die visuellen Codes und politischen Subtexte der 1980er Jahre intersektionalere Lesarten der Postmoderne prägten. Sie nähert sich dem Jahrzehnt als einem letztendlich unabgeschlossenen Projekt, dessen Bilder, visuelle Codes und ideologische Spannungen Wahrnehmung, Glauben und Macht in der Gegenwart weiterhin organisieren. 

 

 

Künstler:innen

 

4FSB | Charles Atlas | Alvin Baltrop | Bernd & Hilla Becher | BLESS | Leigh Bowery | Daniel Buren | Cops | Rhea Dillon | Harun Farocki | General Idea | Günther Förg | Jack Goldenstein | Peter Halley | Anne Imhof | Joyce Joumaa | Isaac Julien | Michel Majerus | Martin Margiela | Park McArthur | Albert Oehlen | Grayson Perry | Sondra Perry | Julika Rudelius | Julian Schnabel | Cindy Sherman | Lorna Simpson | Andrzej Steinbach | Thomas Struth | Andrei Ujică | Vivienne Westwood | Angharad Williams | Martin Wong | Hélène Yamba Giumbi | Leyla Yenrice 

 

Kuratorinnen: Bettina Steinbrügge mit Caroline Honorien und Alexine Taddeï

Video Killed the Radio Star: The 1980s and their Cultural Echoes
Mudam – Das Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg3, Park Dräi Eechelen, 1499 Luxemburg
04.07.26 - 11.10.26
Potsdam

Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus

Den höchsten Grad an Leuchtkraft und Harmonie zu erreichen – diesem Ziel verschrieb sich Paul Signac, als er Mitte der 1880er-Jahre mit Georges Seurat eine neue Malweise in die Kunst einführte. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus beleuchtet als erste umfassende Signac-Schau in Deutschland seit 30 Jahren die zentrale Rolle des Künstlers innerhalb der Bewegung des Neoimpressionismus und geht seinem Einfluss als Theoretiker, Netzwerker und Ausstellungsorganisator nach.

 

Auf der letzten gemeinsamen Ausstellung der Impressionisten im Jahr 1886 stellten in Paris Künstler aus, die sich später als Neoimpressionisten bezeichneten. Mit dem Nebeneinander unvermischter Farben strebten sie eine Wirkung ihrer Bilder an, die an pures Licht erinnern sollte. Die Landschaftsmotive ähnelten jenen ihrer impressionistischen Vorbilder, doch ersetzten sie deren duftige Atmosphäre und spontane Malerei durch seriell aufgetragene Pinseltupfen in den Farben des Prismas. Diese Zerlegung der Farben, die sich nicht mehr auf der Palette, sondern im Auge der Betrachtenden mischen sollte, suchte Inspiration in neuen Erkenntnissen der Optik und der Wahrnehmungsphysiologie. 

 

Die neoimpressionistischen Gemälde laden zur Kontemplation über die Harmonie im Bild ein, suchen den Ausgleich zwischen häufig komplementären Farben, zwischen Vertikalen und Horizontalen oder zwischen Fläche und Raum. Andere Werke weisen arabeske Muster auf, die sich über die Bildfläche erstrecken und reale Gegenstände abstrahieren. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus zeigt den Künstler als eine der zentralen Figuren dieser Bewegung. Sie beleuchtet sein künstlerisches Werk von den frühen Uferlandschaften des passionierten Seglers über seine Interieur- und Porträtmalerei bis zu den sozialutopisch aufgeladenen Bildern der Côte d’Azur, die er als Motivschatz für die Moderne erschloss.

 

Die Ausstellung umfasst über 90 Werke, von denen mehr als ein Drittel von Paul Signac stammen. Sie stehen im Dialog mit Gemälden von Lucie Cousturier, Henri-Edmond Cross, Maximilien Luce, Camille Pissarro, Théo van Rysselberghe, Jeanne Selmersheim-Desgrange, Georges Seurat, Jan Toorop und anderen. Zu den Leihgebern gehören das Van Gogh Museum, Amsterdam, das Art Institute of Chicago, die National Gallery of Ireland, Dublin, das Musée d‘Orsay, Paris, das Musée du Petit Palais, Genf, die Archives Signac, Paris und weitere nationale und internationale Sammlungen. 

 

Im Museum Barberini, das mit zehn neoimpressionistischen Werken von Signac, Henri-Edmond Cross, Albert Dubois-Pillet, Maximilien Luce und Camille Pissarro in der Sammlung Hasso Plattner einen der größten Bestände dieser Strömung in Deutschland hält, ist Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus bereits das dritte Ausstellungprojekt zum Thema – nach Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross (2018) und Mit offenem Blick. Der Impressionist Pissarro (2025).

 

Eine Ausstellung des Museums Barberini, Potsdam, und der Kunsthal Rotterdam.

Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus
Museum BarberiniHumboldtstraße 5–6, Alter Markt, 14467 Potsdam
18.04.26 - 11.10.26
Augsburg

SHIFT OF VISION – Neue Wege der Abstraktion.

Jutta Haeckel | Peter Krauskopf | Moritz Neuhoff

 

In der Ausstellung SHIFT OF VISION widmet sich die Kunsthalle Augsburg der zeitgenössischen abstrakten Malerei mit einem konzentrierten Blick auf drei ebenso markante wie autonome künstlerische Positionen aus Deutschland: Jutta Haeckel, Peter Krauskopf und Moritz Neuhoff. Trotz ihrer gemeinsamen Verortung im Feld der Abstraktion verfolgen sie jeweils eine höchst individuelle Bildsprache, die in dieser Konstellation einen spannungsvollen und vielschichtigen Dialog entfaltet. Die Ausstellung zeigt Werke aus den letzten Jahren sowie aus der aktuellen Produktion der drei Künstler. – Der Glaspalast Augsburg bildet dabei mit seiner markanten Architektur und den lichtdurchfluteten Hallen nicht nur den Rahmen, sondern wird selbst Teil der Ausstellungserfahrung: Als ehemaliges Industriegebäude des frühen 20. Jahrhunderts verbindet er Offenheit mit Struktur, Klarheit mit Geschichte – und schafft eine einzigartige Atmosphäre, in der die vielgestaltigen Positionen abstrakter Malerei in Resonanz mit Raum und Licht treten.

 

Jutta Haeckel (*1972 in Hannover) entwickelt eine Malerei, die zugleich kartografisch und imaginär wirkt. Ihre Gemälde entstehen durch die Schichtung unterschiedlichster Farbzustände, von fein lasierend bis pastos. Charakteristisch ist, dass sie den Malgrund bereits vor dem Malprozess verändert: Durch das Ziehen einzelner Fäden weitet sie die Maschen der Leinwand, macht den Stoff stellenweise durchlässig und durchsichtig. Auf diese vorbereitete Fläche folgt ein physischer Farbauftrag, bei dem sie den Stoff tränkt und abstrakte Setzungen von Vorder- und Rückseite kombiniert. So verweben sich Gewebe und Malerei zu einem vielschichtigen Gefüge aus Oberfläche, Material und Zeichen.
Als Ausgangspunkt dienen Haeckel oft digitale Bildquellen wie Satellitenaufnahmen, Architekturfragmente oder organische Strukturen, die Haeckel in ein abstraktes Vokabular überführt. Lineare Rasterungen, flirrende Farbfelder und feine Strichlagen verdichten sich zu einem vibrierenden Bildraum, der sich eindeutiger Lesbarkeit entzieht. Ihre Werke changieren zwischen Konstruktion und Auflösung, Fläche und Tiefe, und eröffnen meditative Seh- und Denkräume. Malerei wird bei Jutta Haeckel zu einem prozesshaften Speicher visueller Schichten – ein Ort, an dem Wahrnehmung nicht nur abgebildet, sondern im Akt des Betrachtens erst erzeugt wird. Damit reflektiert ihre Praxis zugleich die Durchlässigkeit zwischen realer Welt und Bildraum, zwischen Karte und Landschaft, Ausdrucksmedium und Materialität.

 

Peter Krauskopf (*1966 in Leipzig) steht für eine malerische Praxis, in der gestische Reduktion, Materialität von Farbe und Bildträger sowie Zeit eine zentrale Rolle spielen. Seine Arbeiten entstehen durch ein bewusstes Spiel mit Schichtung und Abtragung. Ausgangspunkt sind oftmals farbintensive Hintergründe, die Krauskopf in gestischer Konsequenz mit breiten Spachtelzügen überzieht. In einem Akt kontrollierter Zerstörung trägt er obere Farbschichten teilweise wieder ab und legt so das darunterliegende Bild offen – gleichsam ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf der Leinwand. Dieser Prozess erzeugt ein spannungsgeladenes Wechselspiel zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Zufall und Kalkül. Krauskopfs Werke sind zugleich meditativ wie auch physisch präsent. Sie erzählen vom Bild als einem Ort der Verdichtung, als Spur eines zeitlichen Geschehens.

 

Moritz Neuhoff (*1987 in Osnabrück) gehört zur jüngeren Generation abstrakter Maler, deren Werk stark von digitalen Bildkulturen beeinflusst ist. Neuhoffs Gemälde wirken auf den ersten Blick wie generierte Grafiken oder digital manipulierte Bilder – doch sie entstehen als Produkte eines mehrstufigen malerischen Arbeitsprozesses. Seine Kompositionen setzen sich aus Rasterungen, Interferenzen und Farbstörungen zusammen, die an Glitches und algorithmische Prozesse erinnern. Dabei lotet Neuhoff die Grenze zwischen digitaler Ästhetik und handwerklicher Malerei bewusst aus. Seine Arbeiten sind von einer gewissen Kühle, fast technischer Präzision, doch bei näherem Hinsehen offenbaren sie eine subtile Sinnlichkeit und malerische Raffinesse. Neuhoffs Werk befragt unsere Wahrnehmung, die zunehmend durch Bildschirme geprägt ist, und transformiert digitale Phänomene in ein sinnlich erfahrbares malerisches Vokabular.

 

 

Kontrast & Resonanz | ein malerischer Dialog

 

Die Ausstellung SHIFT OF VISION versteht sich nicht nur als eine Präsentation dreier künstlerischer Positionen, sondern als ein Dialog über die Möglichkeiten abstrakter Malerei im 21. Jahrhundert. Während Krauskopf mit physischer Reduktion und prozesshafter Tiefe arbeitet, überführt Neuhoff digitale Ästhetik in eine malerische Logik, und Haeckel lässt abstrakte Landschaften aus Bildschichtungen und Seherfahrungen entstehen. Die Ausstellung betont weniger die Gemeinsamkeiten als vielmehr die Differenzen dieser Ansätze – und zeigt gerade dadurch die vitale Spannweite und Relevanz der abstrakten Malerei heute.

 

In einer Zeit, in der Bilderflut und digitale Überlagerung unsere Wahrnehmung bestimmen, setzen die Arbeiten von Krauskopf, Neuhoff und Haeckel je eigene Akzente – leise, analytisch oder vieldeutig – und eröffnen Räume für eine bewusste, entschleunigte Bildbetrachtung. SHIFT OF VISION lädt ein zu einer visuellen Reise durch Farbe, Struktur und Bedeutung und wirft grundlegende Fragen nach der Beschaffenheit von Bild, Oberfläche und Wahrnehmung auf.

SHIFT OF VISION – Neue Wege der Abstraktion.
Kunsthalle Augsburg im GlaspalastBeim Glaspalast 1, 86153 Augsburg
18.04.26 - 11.10.26
Augsburg

MANUEL FRATTINI – Die Landschaft der Malerei

Initiiert und gefördert von der Arno-Buchegger-Stiftung, Augsburg, widmet die Kunsthalle Augsburg dem in Freiburg lebenden Künstler Manuel Frattini eine Ausstellung in den Kabinetten des H2.

 

Frattinis Werk bekennt sich zum unspektakulären, zugleich radikalen Ernst einer Malerei, die im Sehen gründet. Seine Kunst lebt von der sinnlichen Präsenz von Farbe und Geste. Gefiltert und verdichtet, tritt die Außenwelt als abstrahierte Erinnerung in seinen Bildern auf. Jedes Werk wird so zu einer Verkörperung des Sehens im Prozess des Malens.

 

Pastose Ölfarbe auf Leinwand, Holz oder Glas, flüssige Gouache und Tusche, Buntstift auf Papier: Netze, Gitter und lineare Geflechte über farbigen Schichten eröffnen fein gesponnene Bildräume. Fragmente reduzierter Gegenständlichkeit und nuancierte Farbräume verweisen auf Sichtbares, das sich mit Erinnerungen und Assoziationen verbindet. In dieser Offenheit wirken die Arbeiten zugleich nahbar und zerbrechlich. Sie betonen die reale Zeit ihrer Entstehung – spürbar in der Stofflichkeit des Materials und den Spuren des Farbauftrags.

 

Für die Kabinette des H2 hat Frattini eine raumgreifende Installation entwickelt. Seine Bilder sind in ein rhythmisches Gefüge von Distanz und Nähe gesetzt, das Dialoge eröffnet und den Blick an die Bewegung im Raum bindet. Wie eine Partitur mit Noten und Pausen entfaltet sich die Ausstellung als Komposition, die sich erst im Gehen und Schauen vollständig erschließt. In den Zwischenräumen und Leerstellen entsteht eine Resonanz des Abwesenden – eine »Landschaft der Malerei«, die Bekanntes mit Unbekanntem verbindet.

 

In einer Zeit der Bilderfluten und digitalen Überlagerungen plädiert Frattini für Aufmerksamkeit gegenüber dem Einzelnen, dem Moment, dem stillen Widerstand des Materials. Seine »Landschaft der Malerei« ist keine Flucht, sondern eine Einladung, die Welt im Schauen neu zu entdecken.

 

Die Ausstellung wird von Wolfgang Reichert in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

MANUEL FRATTINI – Die Landschaft der Malerei
Kunsthalle Augsburg im GlaspalastBeim Glaspalast 1, 86153 Augsburg
24.04.26 - 11.10.26
Wien

PREMIERE! – Die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) leistete 1994 einen entscheidenden finanziellen Beitrag zur Gründung der Leopold Museum-Privatstiftung und ermöglichte damit die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte des Museums. Die Ausstellung »Premiere!« würdigt diese langjährige Verbindung und zeigt erstmals umfassend die beeindruckende Vielfalt der Kunstsammlung der OeNB.

 

Seit den späten 1980er-Jahren sammelt die OeNB österreichische Malerei und Skulptur von 1918 bis heute, mit Schwerpunkten auf Kunst der Zwischenkriegszeit – insbesondere der Neuen Sachlichkeit und des Post-Expressionismus – sowie auf Arbeiten im Bereich der geometrischen und gestischen Abstraktion nach 1945. 

 

Die Präsentation eröffnet einen Querschnitt durch zentrale Tendenzen österreichischer Kunst: Sie zeigt Werke von bekannten neusachlichen Künstler:innen, wie Rudolf Wacker und Franz Sedlacek, sowie eigenständige Positionen der Zwischenkriegszeit, wie bei Greta Freist und Max Oppenheimer.

 

In der zeitgenössischen Kunst nach 1945 werden spannende Parallelen zwischen den Künstler:innengenerationen sichtbar, etwa zwischen Maria Lassnig und Tobias Pils oder Svenja Deininger und Ernst Caramelle. Ebenso werden die vielfältigen Zugänge zur Abstraktion in der Malerei – von Martha Jungwirth bis Herbert Brandl – erfahrbar. Auch skulpturale Werke, etwa von Josef Pillhofer, Julia Haugeneder oder Constantin Luser, sind wesentlicher Bestandteil der Sammlung.

 

Durch ihre Kunstsammlung, die Sammlung historischer Streichinstrumente, das Geldmuseum und das Bankhistorische Archiv unterstützt die OeNB die österreichische Kunst- und Kulturlandschaft. Das Leopold Museum setzt mit dieser Schau sein Programm fort, bedeutende Privat- und Unternehmenssammlungen zu präsentieren.

PREMIERE! – Die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank
Leopold Museum WienMuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien
30.05.26 - 11.10.26
Koblenz

Die Schrecken des Krieges. Francisco de Goya (1746–1828)

Francisco José de Goya y Lucientes (1746 Fuendetodos, Aragón, Spanien – 1828 Bordeaux) war nicht nur der bedeutendste spanische, sondern überhaupt der vielleicht bedeutendste europäische Künstler seiner Zeit. Auf der einen Seite wurzelt er noch im alten, absolutistisch geprägten Spanien und war ein Vertreter der Hofkunst, der er neue Impulse verlieh. Auf der anderen Seite war er Zeitzeuge der grundlegenden Umbrüche durch die Französische Revolution und die napoleonischen Kriege, die gerade Spanien schwer heimsuchten.

 

Goya erschloss sich völlig neue Themen und Zugangsweisen sowie künstlerische Ausdruckformen, die in seiner Zeit einzigartig waren. Aus diesem Grunde hat man in ihm oft auch einen Vorläufer der Moderne gesehen.

 

Einen ganz neuen Zugang zum Thema Krieg und dessen Begleiterscheinungen entwickelte Goya in der Serie Los desastres de la guerra oder auf Deutsch: Die Schrecken des Krieges. Es handelt sich um eine Serie von 82 Aquatinta-Radierungen, die in den Jahren 1810 bis 1814 entstand. Unter dem Eindruck des eigenen Erlebens schildern sie die Gräueltaten der französischen Besatzer im Kampf mit der aufständischen spanischen Bevölkerung.

 

Keine Verklärung und Heroisierung, wie es lange üblich war, zeigte Goya, sondern die Schreckenstaten auf beiden Seiten, Vergewaltigungen, Hinrichtungen, Leichenberge, Verstümmelte. Goya brach damit einer neuen Wahrnehmung die Bahn, die sich in Deutschland erst im 20. Jahrhundert in den Werken von Otto Dix zum Ersten Weltkrieg zeigen sollte.

 

Zu Goyas Lebzeiten wurde diese Serie nicht veröffentlicht. Erst lange nach seinem Tode erschien 1863 die erste Auflage.

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Zitadelle Jülich.

Die Schrecken des Krieges. Francisco de Goya (1746–1828)
Mittelrhein-MuseumZentralplatz 1, 56068 Koblenz
18.04.26 - 11.10.26
Köln

Sammlung Fotografie: Zweimal Deutschland um 1980

Präsentation in den Fotoräumen

 

Fotograf:innen: Derek Bennett (1944–1990), Christiane Eisler (geb. 1958), Karl Kugel (geb. 1957), Ute Mahler (geb. 1949), Henry Maitek (1922–2007), Evelyn Richter (1930–2021) und Erasmus Schröter (1956–2021)

 

Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig umfasst rund 70.000 Werke von den Anfängen der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In unseren Fotoräumen stellen wir regelmäßig Werke zu ausgesuchten Themen und Fotograf:innen zusammen.

 

Die Präsentation zeigt eine Auswahl von Fotografien aus Ost- und Westdeutschland, die um das Jahr 1980 entstanden sind. Die Arbeiten von sieben Fotograf:innen geben Einblicke in gesellschaftliche und alltägliche Lebenswelten beider deutscher Staaten, die von unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen geprägt waren. 

 

Porträtfotografien von Derek Bennett, Christiane Eisler und Ute Mahler treffen auf Aufnahmen von Henry Maitek und Evelyn Richter, die Alltagsszenen festhalten. Karl Kugel dokumentierte seine Reise vom Rheinland nach West-Berlin und montierte die Abzüge zu einem Fotoessay. Erasmus Schröter fotografierte mit einer Infrarotkamera nächtliche Straßenszenen in Leipzig und verfremdete damit den vertrauten Blick auf das Alltägliche. In vielen Fällen geben erst die Bildtitel Aufschluss darüber, ob die Fotografien in der Bundesrepublik oder in der DDR entstanden sind.

 

Die ausgewählten Arbeiten zeigen keine historischen Ereignisse. Stattdessen richten sie den Blick auf scheinbar beiläufige Situationen und Menschen. Viele der Bilder entziehen sich einer eindeutigen Lesart, da sie bewusst auf typisierende Darstellungen verzichten. Gerade diese Offenheit unterläuft Erwartungen an sichtbar unterschiedliche Lebensrealitäten in zwei politischen Systemen. Ergänzende Informationen zum historischen Kontext helfen dabei, das Abgebildete einzuordnen.

 

In der Bundesrepublik veränderte sich die Gesellschaft um 1980 durch Arbeitsmigration sowie durch das Aufkommen der neuen sozialen Bewegungen. Politische Debatten und Demonstrationen – etwa zum NATO-Doppelbeschluss, zu Umweltfragen oder zu Hausbesetzungen – prägten die öffentliche Diskussion. Diese Entwicklungen gingen mit einem politischen Wandel einher, der schließlich zur konservativ-liberalen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl führte.

In der DDR waren die Unterzeichnung der Schlussakte der »Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa« 1975 in Helsinki mit Hoffnungen auf größere Freiheiten verbunden, die jedoch enttäuscht wurden. Gleichzeitig verschärften sich die wirtschaftlichen Probleme, und die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich spürbar. In weiten Kreisen wurden daher die 1980er Jahre als eine Phase bleierner Stagnation erlebt. 

 

Das Leben in der Bundesrepublik wird in der Präsentation von drei Fotografen porträtiert, die in Polen, den USA und Frankreich geboren wurden und somit einen Blick von außen auf die deutsche Gesellschaft werfen. Bereits die Titel ihrer Arbeiten – Deutschland ins Gesicht geschaut von Henry Maitek (1969), Stille Zwiesprache. Bildnisse von Deutschen von Derek Bennett (1978–1981) und Deutsche Reise von Karl Kugel (1983/1987) – verweisen auf ihre Auseinandersetzung mit dem Bild der Deutschen nach 1945.

 

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR sind in den Arbeiten von vier Fotograf:innen eingefangen, die mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig verbunden sind. Ute Mahler, Christiane Eisler und Erasmus Schröter studierten dort; Evelyn Richter lehrte von 1981 bis 2001 an der Hochschule. In der DDR kam der Fotografie eine besondere gesellschaftliche Funktion zu: Sie sollte die Staatsdoktrin des »real existierenden Sozialismus« vermitteln. Entsprechend streng waren die staatlichen Vorgaben bis Mitte der 1970er Jahre. Erst danach wurden größere Freiheiten bei der Wahl der künstlerischen Ausdrucksmittel eingeräumt, und lebensweltliche Themen hielten Einzug in die Fotografie. Während des Rektorats von Bernhard Heisig (1976–1987) bot die HGB ihren Studierenden vergleichsweise große Freiräume. Evelyn Richter steht exemplarisch für eine Lehre, die das selbstbewusste, eigenständige Entscheiden über Themen und Motive förderte.

 

Der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf Fotografien aus der Zeit um 1980. Ergänzend werden einzelne Arbeiten von Henry Maitek und Evelyn Richter aus den 1960er Jahren gezeigt, die den zeitlichen Rahmen erweitern und zusätzliche Perspektiven eröffnen. 

 

Kuratorin: Barbara Engelbach

Sammlung Fotografie: Zweimal Deutschland um 1980
Museum LudwigHein­rich-Böll-Platz, 50667 Köln
19.06.26 - 11.10.26
Frankfurt am Main

Grönland – Not For Sale – Kalaallit Nunaat Forever

Grönland – Not For Sale – Kalaallit Nunaat Forever eröffnet einen Zyklus politischer Ausstellungen im Frankfurter Kunstverein, der bis 2028 reicht. Durch die Mittel der Bildbefragung und der Kunst werden die großen Verschiebungen unserer Zeit untersucht und Bruchstellen sichtbar gemacht.

 

Diese Ausstellung ist eine Reise in ein Land, das vom arktischen Meer umgeben, sechs Mal so groß wie Deutschland und in den vergangenen Jahren unfreiwillig in den Fokus der Großmächte gerückt ist. Die strategische Lage an der Schnittstelle zwischen Kanada, den USA, Russland und Europa weckt die Begierde nach Vorherrschaft über die Meereswege und den Zugriff auf die zahlreichen Rohstoffe. Das Land spiegelt alle geopolitischen Herausforderungen wider, die sich aktuell auf Menschen in zahlreichen Regionen der Welt ähnlich auswirken. Die Folgen der globalen Klimaerwärmung, Interessen und Entsolidarisierung von transnationalen Großunternehmen zu Ungunsten lokaler Volkswirtschaften. Wachsende Spannungen zwischen Staat und Bürger:innen sowie identitätspolitische Konflikte innerhalb von Gesellschaften nehmen zu. Was wissen wir über die Menschen in Grönland, über die Natur und über die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Umwelt und Kultur? Was über die Geschichte kolonialer Gewalt? Welche politischen Kräfte erheben Anspruch auf das Land, das sich nach Unabhängigkeit sehnt?

 

Grönland – Not For Sale – Kalaallit Nunaat Forever ist eine Ausstellung, die in Kooperation mit dem ALPS Alpines Museum der Schweiz, Bern gezeigt wird. Über vier Jahre sind beeindruckende Panoramabilder und intime filmische Zeugnisse und Videointerviews entstanden. Diese ermöglichen eine sinnliche Reise in die kaleidoskopischen Erzählungen eines komplexen Landes und dessen Menschen. Zum ersten Mal in Deutschland kommt Julie Edel Hardenberg mit ihrer politischen Kunst zu Wort. Dies ist die erste umfassende Schau einer der einflussreichsten Künstlerinnen Grönlands und Skandinaviens.

 

Eine Ausstellung des ALPS Alpines Museum der Schweiz, Bern, in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Kunstverein

 

Kuratiert von Beat Hächler (Direktor ALPS Alpines Museum der Schweiz, Bern) und Gian Suhner (Filmemacher) und für die zeitgenössische Kunst von Franziska Nori (Direktorin Frankfurter Kunstverein)

 

Mit Julie Edel Hardenberg

Grönland – Not For Sale – Kalaallit Nunaat Forever
Frankfurter Kunstverein Markt 44, 60311 Frankfurt am Main
05.07.26 - 11.10.26
Neuss

Umwelt Landschaft Freiheit – Mensch & Natur im Wandel der Zeit

Ab 5. Juli 2026 beleuchtet die Ausstellung »Umwelt  Landschaft  Freiheit« passend zur diesjährigen LAGA in Neuss die wechselvolle Geschichte der Landschaft am Niederrhein und zeigt, wie tief menschliche Eingriffe das Naturbild seit der Steinzeit bis heute geprägt haben. Mensch und Umwelt stehen in einer starken Wechselwirkung zueinander, die eng mit dem Begriff Freiheit verbunden ist. Denn letztlich bedeutet Freiheit nicht allein die Abwesenheit von Zwängen, sondern auch die Möglichkeit zum selbstbestimmten Handeln. Waren die Eingriffe der Jäger und Sammler in der frühen Menschheitsgeschichte noch gering, so prägten landwirtschaftliche Großbetriebe sowie große Militärlager das römische Neuss. Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft eroberte sich die Natur viele Flächen zurück.

 

Im Hochmittelalter und in der Frühen Neuzeit wurde die Landschaft erneut grundlegend verändert: Wälder wurden gerodet, Moore trockengelegt, Städte, Burgen und Klöster errichtet. Eine noch radikalere Umgestaltung der Landschaft setzte während der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert im Neusser Stadtgebiet ein. Industrieanlagen, Eisenbahnen, der Hafen und neue Wohngebiete wurden gebaut.

 

Mit dem zunehmenden Verschwinden der Natur entstand eine neue Sehnsucht nach ihr, die nun mit Freiheit verbunden wurde. Parks und Gärten sollten als Ausgleich dienen. Ökologisches Bewusstsein erwachte. Die Ausstellung zeigt diese Entwicklungen und stellt die Frage, was Natur ist – und wie eine Freiheit aussehen kann, die Mensch und Umwelt gleichermaßen berücksichtigt.

Umwelt Landschaft Freiheit – Mensch & Natur im Wandel der Zeit
Clemens Sels Museum NeussAm Obertor, 41460 Neuss
21.06.26 - 11.10.26
Hamburg

EWALD MATARÉ – »Nichts ohne Natur«. Tierplastiken

Kleine Werke, großer Ausdruck

 

Der Bildhauer Ewald Mataré (1887–1965) beginnt seine Laufbahn als Maler in Berlin. Ein Aufenthalt auf der Nordseeinsel Wangerooge im Sommer 1920 bringt einen entscheidenden Richtungswechsel: Mehr als einhundert Holzschnitte entstehen, und über das Experimentieren mit angeschwemmten Fundhölzern gelangt Mataré zur Bildhauerei. Auf diesem Gebiet wird er zu einer der prägenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Deutschland.

 

Wie zuvor im Holzschnitt werden auch in der Plastik Tiere Matarés zentrales Thema und Motiv. Vor allem aus der direkten Beobachtung von Kühen destilliert Mataré die für ihn typischen zeichenhaft abstrahierten Skulpturen – stets aufs Neue sucht der Künstler nach Formen für »Wesen« und »Essenz«. Ein besonderer Reiz seiner oft kleinformatigen Objekte geht von der sorgsamen Oberflächenbearbeitung so unterschiedlicher Materialien wie Zink, Bronze, Silber, Nussbaum- oder Ebenholz aus.

 

Dass Matarés elegant stilisierende Formensprache nationalsozialistische Verfemung nicht nur überdauert, sondern in der jungen Bundesrepublik nachhaltige Wirkung entfalten kann, liegt auch an einer erfolgreichen Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie. Bereits 1932 dorthin berufen, im Folgejahr als »entartet« entlassen, wird Mataré 1946 erneut Professor für Bildhauerei; zu seinen Schülern zählen Erwin Heerich, Joseph Beuys und Günter Haese.

 

Die gemeinsam mit dem Kunsthaus Dahlem in Berlin und dem Museum Lothar Fischer in Neumarkt in der Oberpfalz realisierte Ausstellung zeigt rund 70 plastische Werke und Arbeiten auf Papier aus dem Museum Kurhaus Kleve – kleine Kostbarkeiten von großer Ausdruckskraft.

 

 

Katalog

 

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Texten von Ewald Mataré sowie Beiträgen von Dorothea Schöne und Philine Pahnke.
112 Seiten, 89 Abbildungen, Deutsch/Englisch, broschiert, 15 Euro
ISBN 978-3-9824685-5-6

EWALD MATARÉ – »Nichts ohne Natur«. Tierplastiken
Ernst Barlach Haus Jenischpark, Baron-Voght-Straße 50A, 22609 Hamburg
28.06.26 - 11.10.26
Sindelfingen

Olia Lialina – online since 1996

Olia Lialinas Ausstellung online since 1996 gibt anhand von Arbeiten aus den vergangenen 30 Jahren einen umfassenden Einblick in das Schaffen der Netzkunst Pionierin.

 

Als Teil der ersten Generation von Net Art Künstlerinnen und Künstlern, nutzte Lialina von Beginn an die technischen Komponenten des Internets, um browserbasierte Arbeiten zu schaffen, die maßgeblich zur Etablierung eines vollkommen neuen künstlerischen Mediums und einer neuen Immaterialität in der Kunst beitrugen.

 

Schon früh erforschte sie sowohl dessen erzählerischen Möglichkeiten als auch die Erscheinungen einer Online-Kultur, die gerade erst im Begriff war sich zu formieren und die eigenen Strukturen und Daseinsformen zu entwickeln. Wie eine digitale Archäologin archiviert und konserviert sie in vielen Werken und Serien die ästhetischen Potentiale dieser Anfänge.

 

Ihre Arbeiten zeigen, dass das Web zunächst ein heterogener, demokratischer Raum war, der die Kreativität der Nutzerinnen und Nutzer sowie individuelle Ausdrucksweisen gleichermaßen herausforderte und ermöglichte. Erst die Vereinnahmung durch kommerzielle Interessen, verbunden mit der Prämisse der »Nutzerfreundlichkeit«, führte zu jenen glatten Benutzeroberflächen, die das Internet, wie wir es heute kennen, prägen.

 

In Olia Lialinas Praxis schwingt somit stets eine medienkritische Dimension mit, die offenlegt, was für gewöhnlich im Verborgenem bleibt. Ihre Werke sind auch ein Plädoyer an uns Nutzerinnen und Nutzer, uns selbst zu ermächtigen und die technischen Mechanismen hinter digitalen Benutzeroberflächen zu verstehen, um uns so den freien und dezentralen Charakter des World Wide Webs wieder anzueignen.

 

Kuratorin: Hannah Eckstein-Glenz
Kuratorische Assistenz: Roberta Čebatavičiūtė

Olia Lialina – online since 1996
Galerie Stadt SindelfingenMarktplatz 1, 71063 Sindelfingen
28.06.26 - 11.10.26
Sindelfingen

Remembered, Not Real – Schaufenster Junge Kunst

Leni Aigner, Leonie Bolek, Sofija Cvetkovic, Jonas Eckert, Sutti Khongchuai, Florian Kröner, Sebastian Mira, Yeonwoo Oh, Johannes P. Osterhoff, Felina Russ, Vanessa Schmidt, Valentin Serr, Nikol Stanojevic, Matin Varzegani-Safarzad, Marco Verri, Benjamin Walther – Klasse Olia Lialina, Merz Akademie

 

Eine einfache Codezeile, der Klang eines Systemtons, das Ende eines Spiels, die unendliche, fast vergessene Sammlung offener Tabs – manche Erinnerungen gehören keinem bestimmten Ort an. Sie tauchen zwischen Alltag und Simulation auf, zwischen physischer Umgebung und virtuellem Erleben. Remembered, Not Real nähert sich diesen Erfahrungen als Teil einer Gegenwart, in der digitale Kulturen unsere Wahrnehmung, Beziehung und Vorstellung von Realität längst mitformen. Die Ausstellung versammelt künstlerische Positionen aus der Klasse von Olia Lialina an der Merz Akademie Stuttgart, die den Spuren, Formen und Erzählungen des Digitalen folgen und daraus aktive Erfahrungs- und Möglichkeitsräume schaffen.

 

Die ausgestellten Arbeiten eröffnen Perspektiven auf die Geschichte und das Jetzt des Digitalen. Sie führen durch Welten, die auf Wiederholung und Optimierung setzen, lassen den Browser zur Bühne werden, rekonstruieren Erinnerungen aus Fragmenten, untersuchen digitale Ökonomien und machen die elementaren Bausteine des Webs neu erfahrbar. Dabei entstehen materielle Übersetzungen digitaler Prozesse, wie etwa die Modifikation einer Spielkonsole oder ein physischer, aus dem online Interface gelöster »Submit«-Button. Zwischen Spiel, Reflexion und Kritik entsteht ein Panorama des Digitalen, das als offener Prozess sichtbar wird – als vielschichtiges Medium im Wandel, geprägt von seinen Anfängen ebenso wie von den Transformationen der Gegenwart.

Remembered, Not Real – Schaufenster Junge Kunst
Galerie Stadt SindelfingenMarktplatz 1, 71063 Sindelfingen