Ausstellungen

Entdecken Sie aktuelle und kommende Ausstellungen in Museen und Galerien

11.07.26 - 11.07.26
Bregenz

Florentina Holzinger – Bodensee Étude

SEAWORLD VENICE, Florentina Holzingers Beitrag für den Österreichischen Pavillon auf der diesjährigen Biennale in Venedig, findet am 11. Juli 2026 eine einmalige Resonanz in Bregenz: als Komposition für vier Schlagzeuger:innen, zehn Performer:innen, einen Kran und eine Glocke. Holzingers Études sind einmalige, ortsspezifische Performances, in denen sie die Themen und Elemente für ihre großangelegten Inszenierungen vorbereitet und entfaltet. Die Bodensee Étude für Bregenz lädt das Publikum ein, ein zeitgenössisches Ritual am Ufer des Bodensees mitzuerleben. 

 

Körper und Objekte tauchen ins Wasser ein und steigen transformiert wieder daraus empor. Von Trommelklängen begleitet formen sie eine frei hängende Struktur, ein »Windspiel auf Steroiden«. In der Bodensee Étude nutzt Florentina Holzinger Motive aus Volksmärchen, in denen meist weibliche Unterwasserwesen heute in einer nur scheinbar idyllischen Landschaft ihre Unterwasserwelt mit dem Müll teilen müssen, der unter der Wasseroberfläche verborgen liegt. In einem hybriden Ritus verleiht die Bodensee Étude Begriffen wie Sünde und Erlösung neue Bedeutung. Über, um und im Bodensee verbinden sich die Performer:innen mit ihrem technischen Equipment und schreiben sich in die bereits künstlich veränderte Natur ein.

 

Die Bodensee Étude wurde speziell für das Kunsthaus Bregenz und die komplexe Ökologie des Bodensees entwickelt. Dabei bündelt sie zentrale Elemente aus Florentina Holzingers Praxis: Die Orchestrierung performativer Bilder eines durch Technologie und Begehren untermauerten Feminismus, maschinelle Elemente und körperliche Leistungsfähigkeit beschwören neue Mythen aus der Stille des Wassers. 

 

 

Kunsthaus Bregenz
Florentina Holzinger
Bodensee Étude
Samstag, 11. Juli 2026, 18 Uhr | Sunset Stufen am Molo Bregenz

 

Die Étude findet einmalig statt. Dauer: ca. 40 Minuten
Bei schlechten Witterungsverhältnissen kann sich der Beginn bis 20 Uhr verschieben.
Der Veranstaltungsbereich ist öffentlich zugänglich, vorbehaltlich Kapazität.
Keine Ticketreservierung möglich
Eintritt frei

 

Florentina Holzinger (*1986, Wien) arbeitet spartenübergreifend und hat umfangreiche, viel diskutierte und mehrfach ausgezeichnete Theaterproduktionen realisiert. Zu ihren jüngsten Bühnenproduktionen zählen A Year Without Summer, 2025, ihr erstes Opernprojekt SANCTA, 2024, Ophelia’s Got Talent, 2022, A Divine Comedy, 2021, Étude for an Emergency, 2020, sowie ihr vielfach aufgeführtes Werk TANZ, 2019. Seit 2020 ist sie assoziierte Künstlerin der Volksbühne Berlin. Mit den Études – einmaligen Performances im öffentlichen Raum — hat Holzinger ihre Praxis schrittweise der bildenden Kunst geöffnet. Seit 2020 wurden ihre Études unter anderem im Schinkel Pavillon Berlin und in der Bergen Kunsthall präsentiert. 2026 wird sie Österreich bei der 61. Biennale in Venedig vertreten. Florentina Holzinger studierte Choreografie an der School for New Dance Development (SNDO) in Amsterdam.

Florentina Holzinger – Bodensee Étude
KUB – Kunsthaus BregenzKarl-Tizian-Platz, 6900 Bregenz
26.09.25 - 12.07.26
Zürich

Japan de luxe – Die Kunst der Surimono-Drucke

Mit der Ausstellung Japan de luxe widmet sich das Museum Rietberg den Surimono, jener Sonderform des japanischen Farbholzschnitts, die im späten 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstand.

 

Diese Farbholzschnitte sind aber alles andere als nur »gedruckte Dinge«, wie Surimono wörtlich übersetzt heißt. Kunstvoll gestaltet, aufwändig gedruckt auf hochwertigem, ungeleimtem hōsho-Papier ist jedes Blatt ein Gesamtkunstwerk.

 

In kleinen Auflagen von 50 bis 500 Exemplaren gedruckt, entstanden sie als exklusive Auftragsarbeiten im städtischen bürgerlichen Milieu. Häufig waren sie auch Statussymbole für einen erlesenen Kreis und können als Spiegelbild der damaligen Gesellschaft betrachtet werden.

 

Saisonale Feste, private oder berufliche Veränderungen sowie besondere kulturelle Ereignisse boten Gelegenheiten für die Anfertigung dieser luxuriösen Grußkarten. Dabei erfreuten sich Schenkende und Beschenkte nicht nur an der exquisiten Gestaltung, sondern auch an den zahlreichen literarischen und kulturellen Anspielungen, die sich in den Gedichten und Bildmotiven verbargen.

 

Die Ausstellung zeigt über 100 Blätter, die hauptsächlich aus der Schenkung von Gisela Müller und Erich Gross stammen und erstmals öffentlich zu sehen sind. Sie lädt Besuchende ein, die Eleganz, Poesie und die verborgenen Botschaften der Surimono zu entdecken.

 

Aufgrund konservatorischer Anforderungen werden Mitte Februar 2026 werden alle Surimono komplett ausgetauscht. Fans des japanischen Kunsthandwerks können daher ab dem 19. Februar zuvor nicht gezeigte Surimono ansehen und sich von Japan de luxe erneut verzaubern lassen.

Japan de luxe – Die Kunst der Surimono-Drucke
Museum RietbergGablerstraße 15, 8002 Zürich
11.07.25 - 12.07.26
Aachen

Zeitbild, Provokation, Kunst – Peter Ludwig zum 100. Geburtstag

Am 9. Juli 2025 jährt sich der Geburtstag des Unternehmers, Kunstsammlers und Mäzen Peter Ludwig zum hundertsten Mal. Gemeinsam mit seiner Frau Irene Ludwig (geb. Monheim, 1927–2010) hat er von Aachen aus eine der bedeutendsten Kunstsammlungen weltweit aufgebaut.

 

Peter Ludwig (1925–1996) war einer der einflussreichsten Kunstsammler der Welt. Der gebürtige Koblenzer, der Vater Jurist, die Mutter stammte aus der Industriellenfamilie Klöckner, studierte ab 1946 Kunstgeschichte, Archäologie sowie Vor- und Frühgeschichte in Mainz. Dort lernte er Irene Monheim (1927–2010), die Tochter des gleichnamigen Aachener Schokoladenfabrikanten kennen, die dieselben Fächer studierte. Die beiden verband eine große Liebe zur Kunst und ein profundes Wissen um die Kunstgeschichte und die Entwicklung der Kunst bis zur Gegenwart. Prägend war für Peter Ludwig die Begegnung mit dem Werk von Pablo Picasso, über dessen Menschenbild er 1950 promovierte. Nach der Heirat 1951 trat er 1952 in die Geschäftsführung des Unternehmens der Familie Monheim in Aachen ein. Das Leben des Ehepaares entspann sich von da an zwischen zwei Polen: Kunst und Kakao.

 

Peter Ludwig wusste geschickt, Geschäftssinn und Sammelleidenschaft miteinander zu verbinden. Die Leonard Monheim AG, eine der größten Schokoladen- und Süßwarenproduzenten der damaligen Bundesrepublik, gab den Ludwigs den finanziellen Spielraum, von Aachen aus ihre einzigartige Sammlung internationaler Kunst aufzubauen. Zum Zeitpunkt des Todes Peter Ludwigs 1996 umfasste sie circa 14 000 Werke, die sich heute als Dauerleihgaben und Schenkungen in über 30 Institutionen in sieben Ländern und auf drei Kontinenten befinden. Heute wird der Nachlass des Ehepaares von der Peter und Irene Ludwig Stiftung mit Sitz in Aachen verwaltet.

 

Das Ludwig Forum nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, mit der Präsentation Zeitbild, Provokation, Kunst an zwei Orten im Haus die Verdienste des Sammlers und sein Engagement für die zeitgenössische Kunst in Aachen und weit darüber hinaus zu würdigen. Im Eingangsbereich der Bibliothek des Hauses veranschaulicht eine Zusammenstellung von historischen Fotografien, Filmen und Archivmaterial die Bedeutung, die Peter Ludwig für das Ludwig Forum hatte und hat. Fotos vom Umbau der Schirmfabrik, von den Eröffnungsfeierlichkeiten und vom Sammler vor »seinen« Kunstwerken verweisen auf die enge Bindung des Ludwig Forums an die Persönlichkeit von Peter aber auch Irene Ludwig, die eher im Hintergrund, doch aktiv am Aufbau der Sammlung sowie der Vernetzung und Förderung der zunehmenden Zahl von Ludwig-Häusern mitwirkte – bis hin zur Gründung der Peter und Irene Ludwig Stiftung, die sie 1997, ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes ins Leben rief. Kunstwerke des ostdeutschen Malers Sighard Gille und des Westdeutschen Jörg Immendorff rufen den »Bilderstreit« auf, den Peter Ludwig mit seinem Engagement für die Kunst der DDR 1977 befeuerte. Die deutsch-deutsche Verständigung in Zeiten des Kalten Krieges (1947–1991) war ein zentrales Anliegen des Sammler:innenpaares. Die beiden kleinen Gemälde stehen zudem für einen Diskurs um die Frage, ob in einem geschlossenen, repressiven System, wie es das der DDR gewesen ist, wirklich »Kunst« entstehen kann – ein Diskurs, der auch mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch nicht abgeschlossen ist.

 

Der zweite Teil der Präsentation im Untergeschoss des Westflügels widmet sich Peter Ludwigs internationalen Sammlungsaktivitäten. Ausgehend von der Begegnung mit der Pop Art Ende der 1960er Jahre in New York bildete die zeitgenössische Kunst schnell den Fokus seiner Ankaufsbestrebungen. Sein Handeln war getragen von der Überzeugung, dass Kunst nicht nur ästhetisches Ereignis, sondern auch Ausdruck ihrer Zeit sei, dass die »Weltkunst« sichtbar gemacht werden müsse, um Grenzen zu überwinden und Verständigung zwischen Kulturen zu fördern. Spätestens, als er Mitte der 1970er Jahre seinen Fokus auf die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs richtete, betrat er die Bühne der internationalen Kulturpolitik – als eine »der abenteuerlichsten Figuren« der bundesrepublikanischen Sammlergeschichte (Wolfgang Becker, Gründungsdirektor des Ludwig Forums).

 

Peter und Irene Ludwig erwarben unter anderem zeitgenössische Kunst in der DDR, der Sowjetunion, Bulgarien, Kuba, Ungarn, Rumänien und China – Aktivitäten, die immer auch mit Diplomatie und Kontakten in höchste politische Kreise einhergingen. Ihre Ankäufe waren stets mit Bestrebungen verbunden, die eigene Sammlung durch Leihgaben, Schenkungen und Museumsneugründungen auch in diesen Ländern bekannt und zugänglich zu machen. Die hier ausgestellten Archivalien und Kunstwerke eröffnen einen Blick auf diese internationalen Sammlertätigkeiten. Die Portraits des Sammlers von Andy Warhol verweisen auf die US-amerikanische Pop Art als die Kunstrichtung, die Peter Ludwigs Begeisterung und Interesse an der zeitgenössischen Kunst erst entfachte. Anhand von Zeitungsartikeln und Fotografien werden seine Sammelaktivitäten in der DDR, der Sowjetunion, Kuba und China vorgestellt, während eine kleine Auswahl an Kunstwerken aus den verschiedenen Sammlungsgebieten die für ihre Zeit sehr ungewöhnliche Internationalität der Sammlung Ludwig exemplarisch veranschaulicht.

 

Mit Arbeiten von Carlos Alberto Rodríguez Cárdenas, Zlatka Dabova, Donna Dennis, Juris Dimiters, Li Fan, Sighard Gille, Ralph Ladell Goings, Zhang Guilin, Li Hongren, Jörg Immendorff, Roy Lichtenstein, Kim MacConnel, Wolfgang Mattheuer, A. R. Penck, Viktor Pivovarov, Sandra Ramos, Lazaro Saavedra, Eduard Štejnberg, Stoimen Stoilov, José Toirac, Andy Warhol, Wladimir Grigorjewitsch Weisberg und Nina Ivanova Žilinskaja

 

Kuratiert von Sonja Benzner und Mailin Haberland

Zeitbild, Provokation, Kunst – Peter Ludwig zum 100. Geburtstag
Ludwig Forum AachenJülicher Straße 97–109, 52070 Aachen
13.02.26 - 12.07.26
Dessau

Soda | Linsen | Fluff. Antje Schiffers

Die Künstlerin Antje Schiffers und ihr Partner Thomas Sprenger begeben sich auf Einladung der Stiftung Bauhaus Dessau auf Spurensuche. Sie erkunden Herkunft und Produktion von Materialien des Bauens. Sie treten in Kontakt zu Produzenten, zu Geologen und Industriemuseen, etablieren Beziehungen und machen sie zu Mitwirkenden der Ausstellung.

 

Das Projekt, das im Sommer 2024 begann, beleuchtet die globalen Verflechtungen von Ressourcen, Arbeit und Ökonomien. Im Zentrum steht die Erkundung verschiedener Abbau- und Produktionsstätten: Das Duo bereiste Zementanlagen, Flachglasproduktionen, Tagebaue und Ziegeleien in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Anatolien und Kuba. Zentraler Bestandteil ihrer Erkundungen war der direkte Kontakt zu Produzenten, Geologen oder Industriemuseen vor Ort, die durch ihre Kooperation zu Mitwirkenden der Ausstellung werden.

 

Malerei und Zeichnung fungieren in diesem Kontext als vielschichtige Werkzeuge: Sie dienten als Einstieg für Gespräche, als Dokumentationsmedium der Reiseerlebnisse und schließlich als eigenständige Kunstwerke. Die Ausstellung macht gesellschaftliche Umbrüche, Verluste, aber auch Aufbrüche und menschliches Engagement über Objekte und Erzählungen greifbar.

 

Der Ausstellungstitel Soda | Linsen | Fluff spielt auch mit der skurrilen Frage, wie viele Tonnen Linsen ein Zementwerk wert sei. Die Antwort findet sich in den historischen globalen Handelsbeziehungen der DDR mit dem Sozialistischen Äthiopien: Das Zementwerk New Mugher wurde damals im Rahmen eines langfristigen Importabkommens tatsächlich auch mit Linsen bezahlt. Diese Geschichte macht die oft abstrakten Tauschprozesse und globalen Verflechtungen auf spielerische und sehr konkrete Weise greifbar. Das Museum wird so zu einem Knotenpunkt dieses räumlich und zeitlich ausgefalteten Projekts.

Soda | Linsen | Fluff. Antje Schiffers
Bauhaus Museum DessauMies-van-der-Rohe-Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau
21.03.26 - 12.07.26
St. Gallen

Delcy Morelos – Las formas de la sombra (Die Formen des Schattens)

Delcy Morelos (*1967 in Tierralta, Kolumbien) verwandelt die Lokremise in einen Ort, den man nicht nur betrachtet, sondern mit allen Sin­nen erlebt: eine raumgreifende, vergängliche Installation aus recycelter Erde, gebrauchtem Holz und Duftessenz. Mit wenigen Materialien und einer nahezu schwarzen, monochromen Farbigkeit schafft sie ein inten­sives Environment, in dem Sehen, Riechen und Bewegen zu gleichwerti­gen Formen der Wahrnehmung zusammenwirken.

 

Morelos’ Praxis ist radikal auf Material, Raum und Präsenz fokussiert. Aus einer Weltanschauung der Andenregion heraus – und im Dialog mit Minimal Art und Konzeptkunst – entwickelt sie eine eigenständige Sprache zwischen Zeichnung, Malerei, Skulptur und Installation. Natur­materialien sind dabei Träger von Zeit, Prozess und Vergänglichkeit.

 

Im Zentrum der Ausstellung entfaltet sich ein weitläufiges Feld aus Erdhügeln und bemalten Holzlatten: gestapelt, geschichtet, lose ge­häuft – wie Ackerland, Topografie oder archäologische Spuren. Wände und Säulen sind mit Erdschichten überzogen; schmale Wege führen durch eine verdichtete Atmosphäre, in der Naturverbundenheit, indigene Spiritualität und koloniales Erbe ineinandergreifen. So wird unser entfremdetes Verhältnis zur Natur sinnlich erfahrbar – still, konzentriert und letztlich politisch.

 

Das Kunstmuseum St. Gallen freut sich, während der gesamten Ausstellungsdauer erneut freien Eintritt anbieten zu können. Ermöglicht wird dies durch das großzügige Sponsoring der SENN Resources AG.

 

 

Die Künstlerin

 

Delcy Morelos wurde 1967 in Tierralta in der Region Córdoba in Kolumbien geboren und studierte an der Cartagena School of Fine Arts. Sie lebt und arbeitet in Bogotá.

 

Ihre Werke wurden in zahlreichen, internationalen Einzelausstellungen gezeigt: El espacio vientre, MUAC Museo Universitario Arte Contemporáneo, Mexico City (2025); Madre, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin (2025); Profundis, CAAC Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Sevilla (2024); Interwoven, Pulitzer Arts Foundation, St. Louis, Missouri (2024); El abrazo, Dia Chelsea, New York (2023); El lugar del alma, Museo Moderno, Buenos Aires; Between Rivers, Astrup Fearnley Museet, Oslo (2024); Enie, Fundación NC-Arte, Bogotá (2018); Inner Earth, Röda Sten Konsthall, Göteborg (2018). 2022 nahm sie mit der Installation Earthly Paradise an der 59. Biennale von Venedig in der Ausstellung The Milk of Dreams teil.

 

Morelos wurde mit dem Pérez Prize in Public Art & Civic Design (2024) und dem ARTnews Awards Established Artist of the Year (2024) ausgezeichnet.

Delcy Morelos – Las formas de la sombra (Die Formen des Schattens)
Kunstmuseum St. GallenGrünbergstraße 7, 9000 St. Gallen
14.03.26 - 12.07.26
Wolfsburg

Julian Charrière – Midnight Zone

Inmitten der pazifischen Tiefsee strahlt gleißendes Licht durch eine rotierende Fresnellinse, gigantische submarine Gletscher türmen sich über den Betrachtenden auf und Taucher:innen schweben scheinbar schwerelos in mexikanischen Cenoten. Die Ausstellung Midnight Zone des französisch-schweizerischen Künstlers Julian Charrière (*1987) präsentiert in der großen Halle des Kunstmuseum Wolfsburg eine faszinierende Auseinandersetzung mit der geheimnisvollen Welt des Wassers.

 

Die multimedialen Werke von Julian Charrière verbinden Kunst, Umwelt und Wissenschaft. Im Zentrum der Ausstellung steht das bedeutendste Element irdischen Lebens: Wasser. Es ist Grundlage der Biosphäre unseres Planeten, Lebensraum unzähliger Organismen und zugleich hart umkämpfte Ressource. Daher beleuchtet die Schau neben den sinnlichen und metaphorischen Ebenen, die mit dem Element Wasser einhergehen, auch eine Vielzahl politischer Bezüge, wie etwa die weltweite Wasserverschmutzung und Versauerung der Ozeane, das durch die menschengemachte Klimakatastrophe bedingte Abschmelzen von Gletschern und Polkappen, oder die Bedrohung der Meeresgründe durch Tiefseebergbau.

 

Die »Midnight Zone« – womit in der Wissenschaft der absolut lichtfreie Bereich von Meeren in einer Tiefe zwischen 1.000 und 4.000 Metern bezeichnet wird – steht im Fokus von Charrières aktuellem Kunstschaffen. So zeigt das titelgebende Video der Schau Lichtstrahlen, welche von einer sich drehenden Fresnellinse – die ursprünglich für Leuchttürme entwickelt wurde – in die nachtschwarze Tiefe des Pazifischen Ozeans geleitet werden. Schwärme verschiedenster Fischarten werden wie magisch vom Licht angezogen und umkreisen die Linse. Dadurch offenbart Charrière den erstaunlichen Reichtum an Lebewesen, selbst in diesen uns kaum bekannten Zonen, und weist zugleich auf die Schutzbedürftigkeit dieser Region hin.

 

Julian Charrière. Midnight Zone ist die bislang größte Einzelausstellung des weltweit renommierten Künstlers. Die in Kooperation mit dem Museum Tinguely in Basel, Schweiz, realisierte Schau schafft in einer eigens für das Kunstmuseum Wolfsburg entwickelten Szenografie einen immersiven Erfahrungsraum, in dem Bild, Ton und Körper miteinander verschmelzen und die Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Wasser, Ozeanen und die Artenvielfalt in deren Tiefen auf künstlerisch transformierte Weise in Form von Video- und Soundarbeiten, Skulpturen, Fotografien und Installationen multisensorisch erlebbar wird.

 

Anlässlich der Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler eine wissenschaftlich fundierte und reich bebilderte Publikation entstanden. Mit Texten von Stacy Alaimo, Rachel Carson, Susan Casey, Peter H. Gleick, Peter Godfrey-Smith, Amorina Kingdon, Geraldine Kirrihi Barlow, Sara A. Rich und Helen M. Rozwadowski sowie einem ausführlichen Interview mit Julian Charrière, geführt von Andreas Beitin und Roland Wetzel. (Herausgegeben von Andreas Beitin und Roland Wetzel, engl., mit dt. Übersetzungen via QR-Code), 272 Seiten.

 

Kuratoren: Andreas Beitin, Dino Steinhof 

Kuratorische Assistenz: Anne Rybka

Julian Charrière – Midnight Zone
Kunstmuseum WolfsburgHollerplatz 1, 38440 Wolfsburg
03.10.25 - 12.07.26
Berlin

Beziehungsweise Familie – Vater, Mutter, Kind? Überraschende Perspektiven auf das traditionelle Familienmodell in Vergangenheit und Gegenwart

»Beziehungsweise Familie« heißt das gemeinsame Themenjahr der Kultur-Institutionen im Humboldt Forum. Auch das Museum Knoblauchhaus im Nikolaiviertel beteiligt sich daran. Die gleichnamige Ausstellung gibt Einblicke in das traditionelle Familienmodell zwischen 1815 und heute.

 

Im Zusammenleben der Menschen hat die Familie eine zentrale Bedeutung. Dabei steht der Begriff Familie für vielfältigste Formen des Miteinanders. Familie bindet und grenzt ab, sie gibt Halt und unterliegt Regeln, sie kann Freiräume öffnen und Zwänge ausüben. Was bedeutet es, verwandt zu sein? Liebe oder Last? Tradition oder Trauma? Fels oder Brandung? In der Familie spiegelt sich immer auch die Lebensgemeinschaft als Ganzes. Wer gehört dazu, wer nicht? Und was hält uns eigentlich zusammen?

 

 

Das bürgerliche Familienmodell im Blick

 

Für westliche Industrie-Gesellschaften war lange Zeit die Kernfamilie aus Eltern und leiblichen Kindern charakteristisch. Das Museum Knoblauchhaus widmet sich diesem bürgerlichen Familienmodell. In dem ehemaligen Wohnhaus der Berliner Kaufmannsfamilie Knoblauch stellen Themen-Inseln verschiedene Seiten familiären Zusammenlebens dar: von Tischsitten über Stammtafeln bis hin zu gewalttätigen Vätern. Den Migrationserfahrungen der aus Ungarn geflohenen Familie Knoblauch stehen Erlebnisberichte von Menschen gegenüber, die heute im Museum arbeiten.

 

Das Selbstverständnis junger, bürgerlicher Frauen in der Biedermeier-Zeit dokumentiert ein erstmals ausgestelltes historisches Objekt: Das zwischen 1836 und 1863 entstandene Album der Berlinerin Ottilie von Graefe (1816–1898) enthält Zeichnungen junger Frauen in Posen, die an heutige Selfies auf Instagram erinnern. Zugleich zeigt es , dass sie nicht nur auf den »Mann fürs Leben« warten wollten, sondern sich kreativ mit Literatur, Kunst und Musik beschäftigten.

 

 

Familie in BERLIN GLOBAL

 

Themen-Inseln in BERLIN GLOBAL, der Berlin-Ausstellung des Stadtmuseums Berlin im Humboldt Forum, ergänzen das Thema. Sie hinterfragen, inwiefern Berliner:innen ihre Familie als Freiraum erfahren. Im Mittelpunkt stehen dabei aktuelle Aspekte des Familienlebens in der Stadt vor dem Hintergrund von Wohnraumknappheit, Freizeitangeboten und Revolutionen.

 

 

Über das Projekt

 

»Beziehungsweise Familie« ist ein Projekt aller am Humboldt Forum tätigen Kultur-Institutionen. Daran beteiligt sind die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, das Ethnologische Museum und Museum für Asiatische Kunst (Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin), die Stiftung Stadtmuseum Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin. Sonderausstellungen und Themen-Inseln in den Dauerausstellungen beschäftigen sich intensiv mit den Erscheinungsformen familiären Zusammenlebens. Veranstaltungen in den beteiligten Museen begleiten das Projekt.

Beziehungsweise Familie – Vater, Mutter, Kind? Überraschende Perspektiven auf das traditionelle Familienmodell in Vergangenheit und Gegenwart
Stiftung Stadtmuseum BerlinPoststraße 23, 10178 Berlin
16.03.26 - 12.07.26
Konstanz

VOGELFREI? – Kristin Schnell

Der Kunstverein Konstanz zeigt in Kooperation mit dem Bodensee-Naturmuseum Fotografien der Künstlerin Kristin Schnell. Im Zentrum der Schau steht ihre jüngste Werkgruppe VOGELFREI?, in der sie sich intensiv mit domestizierten Vögeln auseinandersetzt, die in Volieren leben und in der freien Natur kaum überleben könnten. Ihre Beobachtungen im Vogelkäfig werfen zugleich Fragen nach Freiheit, Verantwortung und den Bedingungen auf, unter denen Tiere heute leben.

 

Die Beschäftigung mit Vögeln ist ein Sujet, das die Kunstgeschichte seit ihren Anfängen begleitet. Schnell knüpft an die Tradition der Vogeldarstellungen an und entwickelt daraus einen eigenständigen, zeitgenössischen Blick: Sie setzt lebendige Tiere in bewusst konstruierte Bildräume. Schnell, die schon zeitlebens Tiere fotografierte, erhielt einen entscheidenden Impuls für die Serie durch ihren Umzug von Berlin an die Ostseeküste. Dort fand die Fotografin keine unberührte Natur, sondern eine intensiv betriebene Agrarlandschaft vor. Die Vögel – wie die Feldlerchen ihrer Kindheit – waren weitgehend verschwunden. Ihr eigenes Grundstück mit alten Bäumen und wilden Blumen wurde zu einer rettenden Insel; eine dortige 400 Quadratmeter große Voliere entwickelte sich bald zum Asyl für vernachlässigte Vögel.

 

Diesen geschützten Raum nutzt Schnell als Atelier. Hier baut sie aus Holz, Papier und Stoff farbintensive, geometrische Kulissen, verwendet Utensilien wie Acrylglas, Spiegel, Folien und Blumen und schafft ein künstliches Ambiente, das einer reduzierten Bühnenkulisse ähnelt. In diesen Bildräumen lässt sie ihre Vögel wie Schauspieler agieren. Die Künstlerin stellt das Setting, doch die entscheidenden Momente ergeben sich aus den Bewegungen der Tiere; Steuerung und Kontrolle bleiben dabei weitgehend unmöglich. Oft dauert es Stunden, bis die Tiere – nicht alle lassen sich auf die Situation ein – in die gut ausgeleuchtete Szenerie treten, um neugierig die Requisiten zu erkunden oder mit ihren Artgenossen zu interagieren. Schnells Farbwahl ist inspiriert von frühen Erinnerungen an leuchtende Kirchenfenster und der Farbkraft ihrer Gartenpflanzen. Beim Inszenieren greift sie auf ihre Erfahrung als Modefotografin zurück, als sie für Models Szenarien entwarf. Die Kombination aus strenger Geometrie, kunstvoller Farbgebung und gekonnter Lichtsetzung lässt die Schönheit der Tiere fast surreal erscheinen.

 

In Schnells Arbeiten liegt eine Spannung, auf die der Titel VOGELFREI? verweist: Vögel gelten als Sinnbild der Freiheit, doch sie leben in Volieren. Diese Ambivalenz verleiht den Bildern eine zweite Ebene. Neben der Schönheit und Zartheit der Tiere wird auch der begrenzte Raum des Käfigs spürbar. Die Künstlerin übersetzt diesen Zwiespalt in ihren verschiedenen Bildgruppen:  Beispielsweise in »Mikado«, darin betonen Stäbe, die das Bild durchziehen, die Anmutung eines Käfigs. »City Lights« arbeitet mit kantigen Requisiten, die den Bildraum verdichten und auf jene Einengung verweisen, die Vögeln in städtischen Lebensräumen zugemutet wird. In »Farewell« thematisieren stilllebenartige Arrangements den Verlust einzelner Tiere. Es sind Aufnahmen verstorbener Vögel unter freiem Himmel; erst im Tod erfahren sie jene Freiheit, die ihnen zu Lebzeiten – zum Schutz vor Fressfeinden – verwehrt blieb.

 

Über die rein ästhetische Betrachtung hinaus zielen Schnells Fotografien auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier sowie die damit verbundene moralische Verantwortung. Viele der porträtierten Vögel stammen aus ehemals nicht artgerechter Haltung; in der Voliere finden sie Schutz und Pflege. Die Künstlerin nutzt ihre Protagonisten dabei als symbolische Figuren, um Fragen nach Freiheit, Kontrolle und einer respektvollen Koexistenz in einer vom Menschen dominierten Welt zu stellen.

 

Die Ausstellung präsentiert rund 50 Arbeiten, deren Spektrum von kleinen, intimen Abzügen bis zu großformatigen Tableaus reicht. Die Fotografien, die im Bodensee-Naturmuseum ausgestellt werden, bilden einen reizvollen Kontrast zu den dortigen Exponaten: Die naturgetreuen Darstellungen einheimischer Vögel stehen Schnells artifiziell konstruierten Bildwelten gegenüber. Ein Teil der Werke stammt aus Schnells erster Monografie »Of Cages and Feathers« (Kehrer Verlag), während die übrigen Fotografien zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden.

 

Zur Künstlerin: Kristin Schnell arbeitete über zwei Jahrzehnte als selbstständige Fotografin für internationale Auftraggeber im Bereich Kinder- und Jugendmode. Die Einladung zur LensCulture Masterclass in Amsterdam im Jahr 2019 markierte einen Wendepunkt und führte zu einer konsequenten Hinwendung zur freien künstlerischen Fotografie. Ihre Arbeiten entstehen direkt in der Kamera. Neben Vögeln sind ihre Porträts versehrter Tiere ein beeindruckendes Sujet. Zusätzlich zu verschiedenen Einzelausstellungen – etwa im Rahmen der Hamburger Triennale 2023 oder in der Galerie Ried in Berlin 2026 – wurden ihre Arbeiten unter anderem von Photolucida mit dem Critical Mass Award (Top 50) ausgezeichnet. Ihre Werke befinden sich in namhaften Sammlungen wie dem Los Angeles County Museum of Art (LACMA). Im Jahr 2024 widmete der Sender ARTE ihrem Schaffen eine eigene Künstlerdokumentation.

VOGELFREI? – Kristin Schnell
Kunstverein KonstanzWessenbergstraße 39/41, 78462 Konstanz
17.04.26 - 12.07.26
Linz

WHAT A VIEW! – Zeit­genössische Foto­grafie in Ober­österreich

Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Fotografie initiierte das Francisco Carolinum einen offenen Foto­wettbewerb, der Fotografie in ihrer gesamten Band­breite feiert, möglichst viele Menschen in Ober­österreich einbindet und sowohl professionelle als auch nicht-professionelle Fotograf:innen sichtbar macht.

 

Das Projekt umfasste zwei Wettbewerbs­schienen – eine für künstlerische Fotografie, die sich an Künstler:innen sowie an die Kunst- und Foto­szene Ober­österreichs richtete. Einstimmig sprach die hoch­karätige Jury den neu etablierten Preis für künstlerische Fotografie Erli Grünzweil (geb. 1992 in Rohrbach) zu. Mit dieser Entscheidung wird eine spannende, aufstrebende Position der österreichischen Kunst­szene ausgezeichnet – und zugleich ein Signal für die Förderung zeit­genössischer Perspektiven gesetzt.
Zum 
Jury-Statement

 

Bei einem Hobby­wettbewerb, der in Kooperation mit den OÖ Nachrichten und der Energie AG OÖ erfolgte, waren Ober­österreicher:innen eingeladen, sich bei den Themen Natur und Landschaft fotografisch einzubringen. Die 30 meist­gewählten Fotografien werden nun ebenfalls im Francisco Carolinum ausgestellt. Doch der partizipative Gedanke endet nicht im digitalen Raum: Während der Ausstellungs­dauer können Besucher:innen vor Ort ihren finalen Favoriten wählen. So entsteht ein lebendiger Dialog zwischen Publikum und Institution – und ein demokratischer Zugang zur Bild­auswahl.

 

Kuratorinnen: Sandra Kratochwill, Genoveva Rückert

WHAT A VIEW! – Zeit­genössische Foto­grafie in Ober­österreich
Francisco Carolinum LinzMuseumstraße 14, 4020 Linz
06.03.26 - 12.07.26
Linz

Universal thoughts: Kleinstes gemein­sames Vielfaches – Georg Peter­michl

Fotografie als soziales Instrument

 

In seiner Ausstellung richtet Georg Petermichl (*1980 in Linz) den Fokus auf Fotografie als soziales und psychologisches Instrument. Ausgehend vom kleinsten persönlichen Kosmos – der eigenen Familie und dem Freundes­kreis erweitert er den Blick auf größere Zusammen­hänge wie Massen­tourismus, kollektive Sehnsüchte und geteilte kulturelle Praktiken. Zentrale Werk­gruppen der Ausstellung kreisen um das familiäre Archiv sowie um fotografische Studien, in denen sich Petermichl z.B. den Freizeit­praktiken nähert – etwa durch Aufnahmen von touristischen Orten, an denen sich Menschen­mengen nach klaren, beinahe choreografierten Mustern bewegen. Ihn interessiert dabei weniger die moralische Bewertung als das genaue Hinsehen: Wie entstehen kollektive Rituale? Wann tritt aus der Masse das Individuum hervor?
In vergrößerten Fotografien aus privaten Fotoalben wird Familie nicht nur als biografischer Ursprung sichtbar, sondern als Projektions­fläche für Erinnerung, Autorität und Nähe.

 

 

Vertrautes neu betrachten

 

Zwischen Fotografie, Film, Objekt und Installation entfaltet sich ein Ausstellungs­parcours, der Fotografie als Medium sozialer Beziehungen begreift. Die Ausstellung lädt dazu ein, scheinbar vertraute Bilder neu zu lesen – als Ausdruck gemeinsamer Sehnsüchte, geteilter Regeln und eines »kleinsten gemeinsamen Vielfachen«, das individuelles Erleben und gesellschaftliche Wirklichkeit miteinander verbindet. Die Ausstellung fragt danach, was Menschen antreibt, wie Erinnerungen formiert werden und welche Rolle Fotografien als Träger von Identität, Projektion und sozialer Realität spielen.

 

Kuratiert von Maria Venzl

Universal thoughts: Kleinstes gemein­sames Vielfaches – Georg Peter­michl
Francisco Carolinum LinzMuseumstraße 14, 4020 Linz
21.03.26 - 12.07.26
Witten

Double Shift

Double Shift bezeichnet eine zweifache Verschiebung innerhalb der Ausstellung zweier Künstlerpaare: Corina Gertz und Kris Scholz arbeiten beide mit dem Medium der Fotografie, verfolgen dabei jedoch grundlegend unterschiedliche Ansätze und Blickrichtungen. Demgegenüber stehen Carmen Schaich und Alexander Föllenz, deren Arbeiten aus verschiedenen medialen Zugängen heraus entstehen, sich jedoch thematisch und ästhetisch eng miteinander verschränken. Diese sich kreuzenden Arbeitsweisen prägen nicht nur den inhaltlichen Dialog der Ausstellung, sondern strukturieren auch den Raum selbst.

Corina Gertz widmet sich in einem fotografischen Langzeitprojekt Fragen von Identität, Geschichte und Zugehörigkeit. Ihr Fokus liegt nicht auf individuellen Porträts, sondern auf Kleidung als Ausdruck kultureller Prägung. Textile Traditionen erscheinen hier als Trägerinnen von Vielfalt und Individualität.

Kris Scholz fotografiert hingegen Landschaften, Architektur und abstrakte Oberflächen. Neben Bildern kriegs- und umweltzerstörter Städte zeigt er in der Ausstellung Fotoskulpturen: Aus Dias und Negativen komponiert er leuchtende Objekte, die an gotische Fenster erinnern. Scholz hinterfragt damit unsere Sehgewohnheiten und lädt dazu ein, Vertrautes neu zu entdecken.

Carmen Schaich bewegt sich mit ihren Arbeiten zwischen Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Installation. Ausgangspunkt ihres Schaffens sind fragile, verletzliche oder destruktive Momente, die sie transformiert und ästhetisch verdichtet. Daraus entstehen poetische Erzählräume, die sich leise oder mit unmittelbarer Präsenz erschließen und Orte der Stille, Konzentration und Kontemplation eröffnen.

Alexander Föllenz verhandelt in seinen skulpturalen Arbeiten Themen wie Gewalt und Ohnmacht aber auch Begehren und Vergänglichkeit. Er greift dabei spielerisch-ironisch auf Motive aus der Kunstgeschichte zurück, die von antiken Mythen bis zur Popkultur reichen. 

Double Shift
Kulturforum Witten – Märkisches MuseumHusemannstraße 12, 58452 Witten
26.04.26 - 12.07.26
Marburg

sehen · innhalten · werden – KATHARINA NATALIE EITEL

Erstmals: Eine umfassende Retrospektive

Das Kunstmuseum Marburg präsentiert in einer Sonderausstellung ein breites Spektrum des künstlerischen Schaffens von Katharina Natalie Eitel. Mit über einhundert Exponaten in mehreren Sälen bietet die Ausstellung einen tiefgreifenden Einblick in das vielseitige Werk der Marburger Künstlerin.

Katharina N. Eitel war vor allem für ihre großflächigen Papierinstallationen der Werkreihe »zeithaut« bekannt, die in Museen, Kirchen und anderen Ausstellungsorten gezeigt wurden. Doch ihr Nachlass offenbart eine unerschöpfliche Fülle an Werken – von Malerei und Zeichnungen bis hin zu experimenteller Papierkunst und Objekten.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl ihrer in London entstandenen Kostüme, großformatige Skizzenbücher, handgeschöpfte Papiere mit Zeichnungen und Malereien, Bilder in Marmoriertechnik sowie Werke zu zentralen Themen wie Dialog, Gefäß, Landschaft, Vergangenheit und Körper.

 

Ein besonderes Highlight ist die Rekonstruktion des »Sternenzelts« – einer Rauminstallation aus handgeschöpften, farbig marmorierten Sternen, die 1996 in Marburg unter dem Titel »1001 Sterne für Jerusalem – der Himmel über Jerusalem ist unteilbar« gezeigt wurde.

 

Der künstlerische Nachlass von Katharina N. Eitel wird von der Stiftung HOFFNUNG13 verwaltet, die seit 2017 internationale Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche in Kriegs- und Krisengebieten unterstützt.

 

Zur Ausstellung ist eine über 280 Seiten starke Publikation im Sandstein Kultur Verlag erschienen. Ein kleiner Teil der Auflage ist durch die Beigabe eines Originalwerks als Edition nur im Kunstmuseum zu erhalten. 

sehen · innhalten · werden – KATHARINA NATALIE EITEL
Museum für Kunst und Kulturgeschichte MarburgBiegenstraße 11, 35037 Marburg
17.05.26 - 12.07.26
Cottbus

Im Gefängnis – Ein Comic-Projekt von Patricia Thoma

Über zwei Jahre hat sich die Illustratorin Patricia Thoma immer wieder in Gefängnisse hinter hochgesicherte Gitter und Mauern begeben und gemeinsam mit inhaftierten Menschen in ganz Deutschland gezeichnet.

 

Das Gefängnis kann als Brennglas für gesellschaftliche Missstände gesehen werden. Hier sind Menschen inhaftiert, die kleinkriminell geworden und suchterkrankt sind, gewalttätig geworden sind und auch politisch motivierte Straftaten begangen haben. Die Schwere und Motive ihrer Taten könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Gefühl aber, von der Gesellschaft fallengelassen und ignoriert zu werden, verbindet sie alle. Häusliche Gewalt, Schulabbruch und Perspektivlosigkeit führten bei vielen in einen Teufelskreis aus Drogen, Kriminalität und Gewalt.

 

Viele haben ein Bild vom »Knast« im Kopf, obwohl nur wenige jemals dort gewesen sind oder mit inhaftierten Menschen zu tun haben. Menschen in Haft werden auf ihre Taten reduziert, doch sie alle haben Freund:innen, Familie und oft auch Kinder, die in Pflegefamilien leben. Häufig werden sie von der Gesellschaft verurteilt und ausgegrenzt. Im Gefängnis sollen die inhaftierten Menschen resozialisiert und auf das Leben »draußen« vorbereitet werden, wie es im Gefängnisjargon heißt. Die Menschen im Gefängnis eint eines: die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit und einen Neuanfang im Kreis ihrer Familie und Freund:innen.

 

Die Illustratorin Patricia Thoma hat sich über drei Jahre immer wieder hinter hochgesicherte Gitter und Mauern in Haftanstalten in Cottbus und ganz Deutschland begeben und mit inhaftierten Menschen gezeichnet. Die Ausstellung zeigt die entstandenen Bildergeschichten, in denen uns die Menschen einen Einblick in ihren Alltag zwischen Zelle, Arbeit und Therapie gewähren, der aufwühlt, schockiert und nicht zuletzt durch schwarzen Humor geprägt ist.

 

Die Workshops in den Gefängnissen wurden von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Hamburg und Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie vom StadtPalais – Museum für Stuttgart finanziert.  Die Ausdrucke der Comics auf Leinwand wurden von der Gedenkstätte ROTER OCHSE in Halle (Saale) gesponsert. Das Vermittlungsangebot zur Ausstellung wird vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg unterstützt.

Im Gefängnis – Ein Comic-Projekt von Patricia Thoma
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne KunstUferstraße/Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus
08.05.26 - 12.07.26
Iserlohn

Patricia Waller – Don't worry, be happy

Die Villa Wessel präsentiert in ihrer neuen Ausstellung Arbeiten der zeitgenössischen Künstlerin Patricia Waller. Unter dem Titel »Don't worry, be happy« zeigt das Haus eine Welt, die auf den ersten Blick durch die vertraute Technik des Häkelns besticht, den Betrachter jedoch unmittelbar mit den dunklen Seiten der Realität konfrontiert.

 

Im Zentrum von Wallers künstlerischem Ansatz steht der bewusste Widerspruch zwischen sanfter Materialität und grausamem Inhalt: Weiche, handwerklich anmutende Textilien treffen auf Motive, die keine idyllischen Szenen zeigen, sondern stattdessen von Gewalt, Verletzlichkeit, gesellschaftlichen Abgründen und der Fragilität menschlicher Existenz erzählen. Das Gehäkelte – traditionell mit Häuslichkeit und Geborgenheit assoziiert – und die kuschelige Haptik der Wolle werden gezielt zum künstlerischen Werkzeug, um Alltagsthemen und Lebensbereiche sichtbar zu machen, die häufig verdrängt oder ausgeblendet werden.

 

Wallers Arbeiten greifen Motive aus Popkultur, Märchenwelt und Alltagsleben auf und überführen diese in unerwartete, oft drastische Situationen. Figuren und Objekte erscheinen dabei zugleich vertraut und befremdlich: Das Bekannte kippt ins Unheimliche, Humor schlägt in Beklemmung um. Diese Ambivalenz erzeugt eine starke emotionale Reaktion beim Publikum – zwischen Lachen und Irritation, Faszination und Unbehagen.

 

Eine zentrale Werkgruppe im Wallers Schaffen bildet die Dekonstruktion populärer Helden ganz getreu dem Motto »(Don't) Kill your idols!«. In ihrer Serie »Broken Heroes« verabschieden sich Kindheitsidole von ihrer Unschuld: Die vormals strahlenden Helden scheitern an unserer Lebenswirklichkeit. Waller nutzt diese Figuren der Popkultur – Erzeugnisse einer medial erschaffenen Idealwelt – um die Diskrepanz zwischen Fiktion und Realität aufzudecken und auf das »subkutane Gewaltpotenzial« hinter der glänzenden Fassade hinzuweisen: »Hello Kitty« (2011) rammt sich ein Messer in den Bauch, »Winnie Pooh« (2012) baumelt erhängt am Seil, »Minnie Mouse« (2010) liegt geschändet auf dem Boden, der »Sandmann« (2012) hat eine Überdosis Schlaftabletten zu sich genommen und »Miss Piggy« (2008) wird gerade durch den Fleischwolf gedreht. Mit einzigartigem schwarzem Humor hinterfragt die Künstlerin das »unbefleckte Image« all dieser ikonischen Figuren und inszeniert sie als »gefallene Helden«.

 

Gewalt, Verletzung und bisweilen grotesk anmutende Unfälle ziehen sich als konstante Themen durch das Werk von Patricia Waller. Dabei trifft es nicht nur Charaktere aus Literatur und Fernsehen – auch vertraute häusliche Umgebungen und alltägliche Situationen erweisen sich als potenziell gefährlich. Selbst vermeintlich friedlichere Orte wie Gärten, die gemeinhin mit Wachstum und Pflege verbunden werden, verkehren sich ins Unheilvolle: In »Happy Gardening« verwandelt sich die Idylle in ein Szenario reinster Brutalität, in dem Spaten und Rasenmäher zu Werkzeugen der Gewalt werden – etwa wenn eine Katze vom Mäher (»Lawn Mower«, 2012) erfasst oder ein Eichhörnchen durch einen Spatenstich (»Squirrel«, 2009) getötet wird. Waller geht es jedoch nicht allein um die bizarre Darstellung solcher Ereignisse, vielmehr berührt sie grundlegende Fragen nach einem verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit der Natur.

 

Gehirnscans, tödliche Erregerkulturen und Urinauffangsystemen an den Wänden, ein Rollator, Toilettenstuhl und Gehilfen in der Raummitte führen in der Ausstellung vor Augen, was man eigentlich nicht sehen will: In der Serie »Handycap« zerbricht die trügerische Gewissheit, dass stets nur die anderen betroffen sind. Alter, Krankheit, körperlicher Verfall und Tod – all das wird in einer von Jugendkult geprägten Gesellschaft gern übergangen, ausgelagert und unsichtbar gemacht, überantwortet an Institutionen und Fachpersonal. Zu präsent ist darin die Erinnerung an Tatsache, dass auch wir diesem Prozess nicht entkommen.

 

Indem Patricia Waller scheinbar widersprüchliche Ebenen – handwerkliche Sorgfalt und drastische Inhalte, Humor und Ernst, Nähe und Distanz – miteinander verknüpft, entstehen Arbeiten von großer inhaltlicher Dichte. Die Arbeiten sind weit mehr als makabre Scherze. Waller agiert als scharfe Beobachterin des Alltags und der menschlichen Psyche. Mit ihrem »subversivem Augenzwinkern« entlarvt sie die Verdrängungsmechanismen unserer Gesellschaft, die unbequeme Wahrheiten oft hinter einem Vorhang aus Normalität ausblendet, und fordert dazu auf, genauer hinzusehen und die eigene Wahrnehmung kritisch zu reflektieren.

 

 

Zur Künstlerin

 

Patricia Waller (geb. 1962 in Santiago, Chile) lebt und arbeitet heute in Berlin. Nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland im Jahr 1968 studierte sie zunächst an der Freien Kunstschule Nürtingen und anschließend Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, u.a. bei Otto Herbert Hajek und Katharina Fritsch, wo sie 1990 ihr Diplom als Meisterschülerin abschloss. Es folgten internationale Stipendienaufenthalte unter anderem in Osnabrück. Waller ist vor allem für ihre charakteristische Häkelarbeiten bekannt, in denen sie textile Techniken mit skulpturalen und oft irritierenden Bildwelten verbindet. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

Patricia Waller – Don't worry, be happy
Kunstverein Villa WesselGartenstraße 31, 58636 Iserlohn
10.05.26 - 12.07.26
Güstrow

36. landeskunstschau MV

Die 36. Landesweite Kunstschau des BBK Mecklenburg-Vorpommern unter dem Titel »Hochstapeln« widmet sich dem Spannungsfeld von Identität und Raum sowie der Rolle von Kunst und Kultur in öffentlichen Räumen. Los geht's am 10. Mai in Güstrow.

 

Die Ausstellung ist bis 12. Juli in der Städtischen Galerie Wollhalle Güstrow, in der Getrudenkapelle und auf dem Areal bzw. der Grünanlage der Gertrudenkapelle (Gertrudenplatz 1) zu erleben.

 

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Beobachtung, dass unsere Lebensräume durch Schichtung entstehen: Funktionen, Erinnerungen, Erwartungen und Bedeutungen überlagern sich und verdichten sich zu Räumen, die wir bewohnen, durchqueren und erleben.»Hochstapeln« versteht diese Verdichtungen nicht nur als bauliche oder räumliche Phänomene, sondern als Prozesse, die Wahrnehmung, Zugang und Teilhabe strukturieren.

 

»50 Positionen. ZWEI Orte. Ein Titel, der Programm ist: Hochstapeln. Meinen die das ernst oder stapeln sie hoch? Beides. Die Gegenwartskunst aus MV ist gerade in Güstrow.«

 

In der zeitgenössischen Kunst wird Raum häufig selbst zum Material. Er wird nicht lediglich dargestellt, sondern als Erfahrung, Situation oder Prozess erfahrbar gemacht. Der erweiterte Raumbegriff umfasst dabei auch soziale Gefüge, Machtstrukturen und Fragen der Sichtbarkeit – insbesondere dort, wo Verdichtung in Ausgrenzung umschlägt oder Zugänge ungleich verteilt sind.

 

Vor diesem Hintergrund begreift die Ausstellung die gebaute Umwelt nicht als neutrale Kulisse, sondern als Teil kultureller und gesellschaftlicher Prozesse. Planung, Aneignung und Nutzung von Raum sind gesellschaftliche Entscheidungen, in denen sich unterschiedliche Lebensrealitäten widerspiegeln – etwa im Spannungsfeld zwischen städtischen und ländlichen Räumen sowie im Hinblick auf die Erreichbarkeit kultureller Infrastruktur in peripheren Regionen. In Anlehnung an die Davoser Erklärung zur Baukultur (2018) wird Bauen als kultureller Akt verstanden, der Räume für Kultur schafft und bewusst öffnen muss.

 

»Hochstapeln« versteht Kunst als Reflexionsraum innerhalb gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Gesucht werden künstlerische Positionen, die bestehende Raumordnungen und Machtverhältnisse befragen, Wahrnehmung schärfen und alternative Lesarten von Raum eröffnen – auch dort, wo öffentliche Räume als Konfliktzonen verhandelt werden. Im Fokus stehen nicht planerische oder architektonische Lösungen, sondern künstlerische Haltungen.

 

Eingeladen wird dazu, Raum nicht als gegeben hinzunehmen, sondern als etwas zu begreifen, das gestaltbar ist – und das zugleich Wahrnehmung und Handeln formt.

36. landeskunstschau MV
Ernst Barlach Museen GüstrowHeidberg 15, 18273 Güstrow
01.05.26 - 12.07.26
Berlin

be mAI friend – »AFFEKTATOR 3000«

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich mit einer KI zu befreunden? Im Humboldt Forum wird das möglich.

 

In einer zunehmend digitalisierten Welt gewinnen künstliche Intelligenzen, die als Freunde, Familienmitglieder oder Haustiere auftreten, an emotionaler und sozialer Relevanz.

 

Für das Festival »Schicksal oder Wahl?« wurde ein Chatbot entwickelt, der sich mit den Themen Mensch-Maschine, KI-Freunde & digitale Beziehungen befasst.

 

Treffen Sie den AFFEKTATOR 3000, der Erste Hilfe bei akuter Beziehungslosigkeit leistet – oder es zumindest versucht. Was passiert, wenn Sie sich auf das Gespräch einlassen?

 

Das Projekt lädt Besucher:innen dazu ein, in einem interaktiven Raum die Beziehung zwischen Mensch und KI unmittelbar zu erleben und zu reflektieren. Die Installation stellt Fragen nach Nähe, Einsamkeit, Empathie und der Rolle von Technologie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie eröffnet einen Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken digitaler Begleiter*innen und lädt dazu ein, die eigene Beziehung zur KI zu hinterfragen.

 

Und wenn Sie merken, dass Sie sich doch nicht gut verstehen, können Sie ihre:n neue:n Freund:in einfach löschen – oder?!

 

 

The Oasis I deserve

 

Begleitend wird die Arbeit »The Oasis I deserve« von Inès Sieulle gezeigt, in der die Beziehungen zwischen Menschen und einer der meistgenutzten KI‑Companion-Plattform Replika untersucht wird – einem KI‑Tool, das nicht als Assistenzsystem gedacht ist, sondern als Freund:in, Partner:in oder Vertraute:r. Sieulle nutzte dafür echte Gesprächsaufnahmen zwischen Nutzer:innen der Plattform und ihren digitalen Begleitern.

 

Sie zeigt in ihrem Film, dass Replika wie ein Spiegel der über 30Millionen Nutzenden funktioniert, da jede Interaktion die KI formt und ihr Verhalten prägt. Der Film stellt unterschiedliche Arten dieser Beziehungen gegenüber von liebevoll bis aggressiv und wirft die Frage auf, ob echte Verbindung zwischen Mensch und KI möglich ist oder ob wir nur unsere eigenen Gefühle auf sie projizieren. Am Ende bleibt die zentrale Frage: Wo liegt die Grenze zwischen echter Beziehung und bloßer Projektion, wenn Menschen zunehmend emotionale Bindungen zu KI‑Systemen entwickeln?

 

Die Installation wird von surrealen, KI‑generierten Bildern begleitet, die visuell vermitteln sollen, wie eine KI »denkt«. Mithilfe des neuronalen Netzwerks VQGAN entstehen ständig neue, sich auflösende Formen zwischen Abstraktion und Erkennbarkeit, deren Glitch-Ästhetik die fragmenthafte Identität einer KI symbolisiert.

be mAI friend – »AFFEKTATOR 3000«
Humboldt ForumSchloßplatz, 10178 Berlin
24.01.26 - 12.07.26
Berlin

Wohnzimmer

Willkommen im Wohnzimmer. Ein Treffpunkt der Generationen. Dieser Raum lädt zum Lesen, Entspannen, Weben, Stricken, Anschauen und Zuhören ein. Als Teil des Programms Beziehungsweise Familie bietet er die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, neugierig zu werden und aktiv zu erkunden.

 

Das Wohnzimmer eröffnet Zugänge zu vielfältigen Formen von Familie. Es stellt Fragen danach, wie familiäre Hintergründe Lebenswege prägen und wie die eigene Lebensgeschichte mitgestaltet oder »verwebt« wird.

 

 

Kollektive Wandcollage und Web- und Strick Workshopreihe

 

Eine partizipative Wandcollage und Workshop-Reihe erkundet die matriarchalen Linien der Wayuu-Gemeinschaft durch Textilkunst und Storytelling. Dem Faden der Geschichte von Waleker folgend, sind die Besucher:innen eingeladen, mitzuweben. Besuchen Sie die Workshopreihe Das Geschenk der Spinne! Das Projekt erkundet die reiche Kosmologie und weibliche Linie der Wayuu-Gemeinschaft im Norden Kolumbiens und Venezuelas. Das Aliwaa-Kollektiv – Sindri Gonzales Ipuana (Wayuu-Weberin), Stefannia Doria (Kuratorin aus Kolumbien) und Raquel van Haver (Künstlerin aus Kolumbien und den Niederlanden) – hat die Grundlage für ein gemeinschaftliches Kunstwerk geschaffen. Die gewebten oder gestrickten Beiträge von Besucher*innen des Humboldt Forums sowie Werke der Wayuu-Webcommunity werden hinzugefügt und bilden gemeinsam eine Collage, die von allen Beteiligten ko-kreiert wird. Bis in den Frühling wird sie stetig wachsen.

 

Auch das Diorama Erinnerung, Identität, Weitergabe ist ein kollaboratives Werk. In einem zehntägigen Workshop entstand aus persönlichen Erinnerungen, familiären Überlieferungen und alltäglichen Handlungen diese kollektive, transgenerationelle Familiengeschichte.

 

Theo und Ernest Thiesmeier – Vater und Sohn – präsentieren den neuen Kurzfilm Familie Sein. In sechs persönlichen Familienprotraits wird der Blick weit über die Grenzen der Kernfamilie hinaus gerichtet. Es geht um Blutsverwandtschaft, ums Zusammenleben und um das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Familie Sein. lädt dazu ein, die Vielfalt moderner familiärer Beziehungen zu entdecken und die eigenen Vorstellungen von Nähe zu hinterfragen.

 

Entdecken Sie schließlich in der Familien-Bibliothek für Alle Geschichten über Verwandschaft, Fürsorge und besondere Beziehungen. Die von Black Dads Germany kuratierte Auswahl bietet vielfältige Bücher (ab 3 Jahren) mit lokalen und globalen Perspektiven. Black Dads Germany schafft sichere Räume für diverse Väter und Kinder, stärkt Familien und vernetzt Gemeinschaften deutschlandweit.

Wohnzimmer
Humboldt ForumSchloßplatz, 10178 Berlin