Ausstellungen

Entdecken Sie aktuelle und kommende Ausstellungen in Museen und Galerien

15.11.25 - 26.07.26
Oldenburg

Christoph Niemann. Randnotizen – Werkschau

Er zeichnet regelmäßig Titelbilder für The New Yorker, hat 1,1 Millionen Follower auf Instagram und Netflix hat ihm eine eigene Episode der Serie Abstract: The Art of Design gewidmet: Christoph Niemann. Die Außenfassade des Horst-Janssen-Museums ziert seit 2023 sein 50 Meter langes Wandbild Current Lines. Nun ist die Kunst von Christoph Niemann (*1970) endlich auch im Horst-Janssen-Museum zu sehen und zwar in Form einer großen Werkschau vom 15. November 2025 bis zum 17. Mai 2026. 

 

Auf zwei Ebenen (700 qm) präsentiert das Museum Werkreihen des international tätigen Illustrators und Grafikers. Es sind so bekannte Serien wie die Sunday Sketches dabei, in denen Christoph Niemann ausgehend vom Foto eines Alltagsgegenstandes mit Hilfe von Zeichnung eine motivische Verfremdung schafft. Auch die Photo Drawings gehören dazu. Hier werden Fotomotive, die der Künstler auf Reisen festgehalten hat, mit originellen Einfällen umgedeutet oder erweitert. 

 

Die Werkschau zeigt auch Niemanns farbintensive Tuschezeichnungen, in denen der Künstler mit reduzierten Strichen und Flächen die Atmosphäre von quirligen Städten, kargen Landschaften und üppiger Botanik sinnlich erfahrbar macht. Zu sehen sind außerdem seine Siebdrucke, die fast malerisch daherkommen, und die Linolschnitte seiner ZOO-Serie, aber auch ›angewandte‹ Zeichnungen, wie die Covergestaltungen für die großen internationalen Magazine. 

 

Christoph Niemann reflektiert immer wieder auch sein eigenes Schaffen und das kreative Arbeiten überhaupt. Visuell und sprachlich verdichtet er komplexe Fragen und bringt sie auf den Punkt. Dabei ist er heiter, scharfsinnig und gewitzt und verblüfft uns mit minimalistischen Zeichnungen. 

 

Zum Mitmachen und Kreativwerden laden nicht nur die vielfältigen und hochkarätigen Workshops des Rahmenprogramms ein. Auch in der Ausstellung können sich kleine und große Museumsgäste auf interaktive Werke und Spiele wie Christoph Niemanns Kid’s App freuen. Christoph Niemann. Randnotizen ist eine Ausstellung zum Staunen über das, was Zeichnung alles kann.

 

Kuratorin: Jutta Moster-Hoos. Kuratorische Assistenz: Antje Tietken.

Christoph Niemann. Randnotizen – Werkschau
Horst-Janssen-MuseumAm Stadtmuseum 4–8, 26121 Oldenburg
06.09.24 - 26.07.26
Berlin

Museum in Bewegung – Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert

Die Sammlungspräsentation im Rahmen der Wiedereröffnung der Rieckhallen zeigt zehn großformatige Werke aus den letzten 25 Jahren, darunter mehrere Neuerwerbungen, die erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese Werke werfen Fragen zur Zukunft eines Museums für zeitgenössische Kunst auf.

 

»Museum in Bewegung« präsentiert raumgreifende Installationen, Skulpturen und Fotoserien aus der Sammlung des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart sowie, im Rahmen einer jüngst vereinbarten langfristigen strategischen Partnerschaft, aus der Bundeskunstsammlung. Die Werke thematisieren die sich wandelnde Rolle von Museen für zeitgenössische Kunst und werfen die Frage auf, wie sich Museen an die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft anpassen müssen.

 

Der Ausstellungstitel verweist darauf, dass Museen dynamische Institutionen sind, die sich stetig weiterentwickeln. In einer sich verändernden Gesellschaft wandelt sich auch die Kunst, was sich in der engen Verbindung zwischen Künstler:innen, Museen und ihrer Umwelt widerspiegelt. Ein Museum für zeitgenössische Kunst ist ein integraler Teil der Gesellschaft, fördert kulturelle Produktion und muss sich kontinuierlich an technologische Fortschritte und demografische Veränderungen anpassen. Mit dieser Sammlungspräsentation richtet der Hamburger Bahnhof den Blick in die Zukunft, um diesen Herausforderungen aktiv zu begegnen

 

 

Neuerwerbungen

 

Die Sammlungspräsentation zeigt neue Werke von Cevdet Erek, Elmgreen & Dragset und Anne Imhof, die durch die Unterstützung der Freunde der Nationalgalerie und großzügige Förder:innen, sowie durch den 2023 gegründeten Förderverein Hamburger Bahnhof International Companions ermöglicht wurden. Zudem wird anlässlich der Präsentation die Videoinstallation »Phase Shifting Index« von Jeremy Shaw in die Sammlung aufgenommen.

 

Mit diesen und weiteren Ankäufen und Schenkungen, wie sie aktuell auch in der Sammlungspräsentation »Nationalgalerie. Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert« zu sehen sind, erfüllt der Hamburger Bahnhof seinen Auftrag, zeitgenössische Kunst zu sammeln und die Sammlung der Nationalgalerie weiterzuentwickeln.

 

Die Sammlung der Nationalgalerie wurde 1861 durch eine Schenkung des Konsuls und Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, der seine Bestände zeitgenössischer Kunst des 19. Jahrhunderts dem preußischen Staat vermachte, begründet. Seit ihrer Gründung ist die Sammlung der Kunst der Gegenwart verpflichtet und wird von Generation zu Generation erweitert. Jedes neue Werk, das in die Sammlung aufgenommen wird, verändert und erweitert dieses Archiv künstlerischer Interpretationen der Welt für zukünftige Generationen.

 

»Museum in Bewegung: Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert« ist eine von vier Ausstellungen im Hamburger Bahnhof, die unterschiedliche Perspektiven auf die umfangreiche Sammlung des Museums zeigen. Die anderen Präsentationen sind: »Nationalgalerie: Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert«; »Joseph Beuys: Werke aus der Sammlung der Nationalgalerie«; »Unendliche Ausstellung«.

 

 

Künstler:innen

 

Cevdet Erek, Elmgreen & Dragset, Manaf Halbouni, Anne Imhof, Maurizio Nannucci, Ricarda Roggan, Jeremy Shaw, Jasmin Werner, David Zink Yi.

 

 

Kuratorisches Team

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Sam Bardaouil, Direktor Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, und Gabriele Knapstein, Stellvertretende Direktorin und Sammlungsleiterin Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart.

Museum in Bewegung – Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert
Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der GegenwartInvalidenstraße 50–51, 10557 Berlin
26.04.26 - 26.07.26
Kochel am See

Fantasie & Form – Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne

Adolf Erbslöh (1881–1947) zählt zu den stillen, aber prägenden Künstlern der Moderne. Mit seinem Essay Phantasie und Form formulierte er eine eigene Kunsttheorie, die Fantasie nicht als Gegensatz zur Ordnung, sondern als deren Ursprung versteht. Die Ausstellung Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne folgt diesem Gedanken und lädt dazu ein, die unverwechselbare Bildsprache des Künstlers neu zu entdecken.

 

Als Mitbegründer und späterer Vorsitzender der Neuen Künstlervereinigung München beeinflusste Erbslöh maßgeblich das künstlerische Klima, aus dem der Blaue Reiter hervorging. Er war kein Dogmatiker der Avantgarde, sondern ein Suchender, der zwischen dem expressiven Gestus des Expressionismus und den klaren Formprinzipien der Klassischen Moderne vermittelte. In seinen Landschaften, Stadtansichten und Stillleben wird die Fantasie zu einer strukturgebenden Kraft: leuchtende Farben, klare Linien und gestaffelte Flächen sind Mittel eines denkenden Sehens.

 

Von den impressionistischen Anfängen über die Begegnung mit der Kunst Paul Cézannes und der Kubisten bis zu den tektonischen Landschaften der 1920er-Jahre verfolgt die Ausstellung eine zentrale Frage seines Schaffens: Wie lässt sich die flüchtige Vielheit der Erscheinungen in eine bleibende Bildordnung überführen?

 

Das Franz Marc Museum, dessen Forschungsschwerpunkt und Sammlung eng mit der Münchner Avantgarde verbunden sind, präsentiert in dieser Ausstellung rund 40 Gemälde. Leihgaben kommen u.a. aus der Hamburger Kunsthalle, dem Kunstpalast Düsseldorf, dem Leopold-Hoesch-Museum Düren und dem Schlossmuseum Murnau. Viele Werke stammen aus Privatbesitz und sind teilweise erstmals öffentlich zu sehen. Kuratiert wird die Ausstellung von Jessica Keilholz-Busch, Direktorin des Franz Marc Museums.

Fantasie & Form – Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne
Franz Marc MuseumBesuchereingang: Mittenwalder Straße, 82431 Kochel am See
30.01.26 - 26.07.26
Mainz

Britta Marakatt-Labba – Stitched Tracks

Die Kunsthalle Mainz richtet die erste Einzelausstellung von Britta Marakatt-Labba im deutschsprachigen Raum aus. Der Fokus liegt dabei auf ihren Textilwerken, von denen ca. 60 präsentiert werden.

Britta Marakatt-Labba (geboren 1951 in Sápmi) beteiligte sich als Aktivistin an wichtigen historischen Ereignissen für die Sámi und setzt sich bis heute für ihre Rechte ein. Während all dieser Zeit arbeitete sie künstlerisch und ist seit ihrer Beteiligung an der documenta 14 eine der wichtigsten Stimmen Nordskandinaviens. Das umfasst sowohl ihr Schaffen als Einzelkünstlerin als auch als Mitglied der Máze Gruppe. Dieses Kollektiv setzte sich aktiv für die Erforschung, Vermittlung und die Selbstbestimmtheit der Sámi-Identität ein. Als aktivistisches Bündnis, das sich künstlerisch und politisch einsetzte, führte es nicht nur zu einer gesteigerten Sensibilität für und Akzeptanz der Sámi in den nordischen Ländern, sondern es erwirkte ebenso die Gründung des samischen Künstler:innenbundes.

 

Sápmi – das Land der Sámi – erstreckt sich über den nördlichen Teil von Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Die Bewegung und die intensive wechselseitige Beziehung zwischen Menschen, Tieren und der natürlichen Umwelt sind zentrale Motive in ihrer künstlerischen Arbeit. International berühmt geworden ist Britta Marakatt-Labba mit ihren narrativen, figurativen Textilwerken. In den vergangenen knapp 50 Jahren entstanden zahlreiche zarte, minutiös in den Untergrund gestickte Motive, mit denen die Künstlerin ihren Lebensraum, Erfahrungen und Beobachtungen in Bilder übersetzt. Diese erzählen von der Kosmologie der Sámi, ihren Traditionen, ihrem Lebenswandel und insbesondere von ihrem Lebensraum. Dabei stehen die Bedrohung der Natur durch Extraktivismus und ökologische Zerstörung, die Verdrängung der indigenen Gruppe der Sámi aufgrund aktueller Praktiken der Naturnutzung und landschaftliche Umwälzungen auf lokaler und globaler Ebene im Zentrum ihrer gestickten Geschichten.

 

Die visuelle Erzählung auf Stoff bildet Britta Marakatt-Labbas Methode, Fragen zu stellen und Antworten auf existenzielle Gedanken zu finden. In faszinierend präziser, wie kleinteiliger Manier entstehen fragile Welten. Die akkurate Platzierung der Szenen, das Wechselspiel zwischen Hintergrund und Motiv, die Spannung zwischen Leere und Bildgeschehen machen Britta Marakatt-Labbas Werk einzigartig. Sie belegen ein phänomenales Gespür für Bildräume, für Handlungen und für die Stille. Tausende von Stichen formen sich zu Landschaften und Erzählungen über eine verletzliche Welt und deren Bewohnende.

 

Die Ausstellung wurde kuratiert von Stefanie Böttcher und Marlène Harles.

Britta Marakatt-Labba – Stitched Tracks
Kunsthalle MainzAm Zollhafen 3–5, 55118 Mainz
02.04.26 - 26.07.26
Berlin

Räume schaffen. Die Konstruktivistin Marlow Moss

Im Jahr 2026 wird das Georg Kolbe Museum eine bedeutende Ausstellung mit Skulpturen der Konstruktivistin Marlow Moss (1889–1958) präsentieren. Es ist die erste große Schau dieser wegweisenden Künstlerin in Deutschland – eine Schlüsselfigur der abstrakten Kunst wird in den Fokus gerückt.

 

Als eine der wenigen in den avantgardistischen Kreisen aktiven und anerkannten Frauen sowie als Mitglied der Pariser Künstler:innenvereinigung Abstraction-Création entwickelte Moss eine unverwechselbare Formensprache zwischen Malerei und Skulptur. Mit ihren streng rhythmischen Kompositionen, geometrischen Reliefs und ihrer innovativen Verwendung der Doppellinie in der konstruktivistischen Malerei suchte sie nach einer universellen Ordnung von Farbe, Linie und Raum.

 

Lange Zeit blieb ihr Werk im Schatten der Kunstgeschichte – nicht zuletzt aufgrund von Verfolgung, Exil, dem Verlust vieler Arbeiten und ihrem queeren Selbstverständnis. Das Georg Kolbe Museum präsentiert es nun in einer Ausstellung. Erstmals werden dabei die noch erhaltenen Skulpturen von Marlow Moss gemeinsam gezeigt. Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Filme und Archivmaterial ergänzen die Ausstellung, die ein eindrucksvolles Bild der künstlerischen Vision und des bewegten Lebens von Moss zeichnen.

 

Die zeitgenössischen Künstler:innen Leonor Antunes (*1972), Tacita Dean (*1965), Florette Dijkstra (*1963) und Ro Robertson (*1984) bereichern die Ausstellung mit ihren eigenen künstlerischen Perspektiven, die verschiedenste Verbindungslinien zu Moss eröffnen. Im lebendigen Dialog der Werke entsteht so eine fesselnde Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

Die Ausstellung führt Leihgaben aus bedeutenden Museen und Archiven in Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich, den USA und Deutschland sowie zahlreichen Privatsammlungen zusammen.

 

Kuratiert wird das Projekt von Dr. Lucy Howarth und Dr. Elisa Tamaschke. Begleitend erscheint ein zweisprachiger Katalog (dt./engl.)  im Hirmer Verlag.

Räume schaffen. Die Konstruktivistin Marlow Moss
Georg Kolbe MuseumSensburger Allee 25, 14055 Berlin
27.03.26 - 26.07.26
Dortmund

Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls

Was passiert mit dem Müll einer globalisierten Konsumgesellschaft – und wer trägt die Folgen? Die Sonderausstellung »Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls« widmet sich den weltweiten Routen von Abfall und ihren sozialen, ökologischen und politischen Auswirkungen. Gezeigt werden rund 50 internationale Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter zwei eigens für die Ausstellung entwickelte Auftragsarbeiten.

 

 

Kunst und Müll seit den 1960er-Jahren

 

Ausgehend von der Sammlung des Museum Ostwall, die früh künstlerische Auseinandersetzungen mit Müll und Konsum in globalen wie regionalen Kontexten aufgriff, bringt die Ausstellung historische Positionen seit den 1960er-Jahren in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Künstler:innen untersuchen Müll als materielles Überbleibsel von Wohlstand, als verdrängtes Nebenprodukt moderner Lebensweisen und als Ausdruck globaler Ungleichheiten.

 

Zu den frühen Beispielen zählt HA Schults Aktion Situation Schackstraße (1969), bei der mehrere Tonnen Abfall auf eine Münchner Straße gekippt wurden, um das vermeintlich »saubere« Stadtbild radikal zu stören. Nancy Holts Zeichnungen zu Sky Mound (1985) zeigen einen visionären Entwurf zur Umwandlung einer Mülldeponie in New Jersey in eine parkartige Land-Art-Skulptur. Anna Zetts Videoarbeit Freiheit 3 (2019) thematisiert die toxische Geschichte der Bitterfelder Deponie und die ambivalenten Versprechen von Freiheit nach 1989.

 

 

Globale Abfallrouten und koloniale Kontinuitäten

 

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf kolonialen Kontinuitäten in den globalen Abfallströmen. Künstlerische Arbeiten machen sichtbar, wie Müll aus dem globalen Norden häufig in Länder des globalen Südens exportiert wird und dort ökologische Schäden sowie neue Abhängigkeiten erzeugt. Karimah Ashadus Videoarbeit Brown Goods (2020) folgt einem informellen Kreislauf gebrauchter Elektrogeräte zwischen Europa und Afrika. Die aktuelle Auftragsarbeit Obsolete Swing von Ana Alenso beleuchtet die toxischen Prozesse der Rohstoffgewinnung aus Elektroschrott. Mit TC-2000 entwirft Akwasi Bediako Afrane eine aus Elektroschrott gebaute, afrofuturistische Science-Fiction-Stadt.

 

 

Machtverhältnisse, Körper und Räume

 

Eine zentrale Installation der Ausstellung ist Los de arriba y los de abajo (2015) von Kader Attia. Ein schmaler Gittergang mit Müll und Schrott über den Köpfen der Besucher:innen erzeugt körperliches Unbehagen; nur Drahtgeflechte schützen vor herabfallendem Abfall. Die Arbeit bezieht sich konkret auf die Situation in Hebron, wo sich die palästinensische Bevölkerung mit Netzen gegen den Müll aus den höher gelegenen israelischen Siedlungen schützt, und verweist zugleich allgemein auf die Trennung von »oben« und »unten« in hierarchischen Gesellschaften. Der Abfall wird dabei nicht nur zum Symbol, sondern zum realen, permanent präsenten Bestandteil eines von Macht und Ungleichheit geprägten Alltags.

 

Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus Installation, Skulptur, Fotografie, Video, Grafik und Medienkunst von u. a. Akwasi Bediako Afrane, Ana Alenso, Arman, César Baldaccini, Karimah Ashadu, Nancy Holt, Allan Kaprow, Krištof Kintera, HA Schult, Tejal Shah und Klaus Staeck.

 

Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm mit Führungen, Workshops, Vorträgen und Arbeitsstationen lädt zur vertiefenden Auseinandersetzung ein. Für Kinder und Jugendliche begleiten die Olchis von Erhard Dietl durch die Ausstellung; ein eigens entwickeltes Mitmach-Heft ergänzt das Angebot.

 

 

Begleitende Publikation

 

Zur Ausstellung erscheint die begleitende Publikation »Müll. Ein Reader über die globalen Wege des Abfalls«, herausgegeben vom Museum Ostwall im Dortmunder U. Der zweisprachige Reader (Deutsch/Englisch) versammelt Texte von Amanda Boetzkes, Jennifer Gabrys, Susi Gutsche, Annabel Keenan, Roman Köster, Nedine Moonsamy, Oliver Schlaudt, Evelyn Wan u. a. Er erscheint bei Spector Books, umfasst 200 Seiten mit rund 40 Abbildungen und ist für 28 Euro erhältlich (ISBN DE: 978-3-95905-960-2, ISBN EN: 978-3-95905-961-9).

Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls
Museum OstwallLeonie-Reygers-Terrasse 2, 44137 Dortmund
12.06.26 - 26.07.26
Oldenburg

Förderpreis der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg: Juran Landt

Bereits zum 24. Mal wurde in diesem Jahr der Förderpreis der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg vergeben. Der renommierte Nachwuchspreis will Kunstschaffende aus der Region am Beginn ihrer Laufbahn unterstützen und ihre Werke der Öffentlichkeit bekannt machen. 2026 war der Förderpreis in der Sparte Malerei ausgeschrieben. Gewinner ist der in Oldenburg studierende Künstler Juran Landt, der mit der Verbindung von analogen und digitalen Bildwelten die Fachjury überzeugen konnte und bereits internationale Ausstellungserfahrungen gesammelt hat. Vom 12. Juni bis zum 26. Juli 2026 sind die Werke des Preisträgers im Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg zu sehen.

 

Der Künstler wird hier seine künstlerische Auseinandersetzung mit der Allgegenwart der digitalen Medien präsentieren. Großformatige Gemälde und Zeichnungen nehmen formal Bezug auf Screen-Ansichten, Bildschirmfenster und App-Icons. Sie werden verbunden mit Motiven wie Memes, aber auch mit Alltagsgegenständen oder Referenzen auf die europäische Kunstgeschichte. Inhaltlich verknüpft Landts hochreferenzielles Werk damit digitale und analoge, natürliche und technische sowie gegenständliche und abstrakte Sphären.

 

Juran Landt hat 2022 an der Hochschule für Künste im Sozialen, in Ottersberg seinen Bachelor of Fine Arts absolviert und war von 2023–2024 Gast-Student der Simon Denny Klasse an der HFBK Hamburg. Seit 2024 studiert er Kunst- und Medienwissenschaften (M.A.) an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.

 

Die Auseinandersetzung des Künstlers mit hochaktuellen Mediendiskursen, Wahrnehmungsfragen und technischen Entwicklungen hat die Jury ebenso beeindruckt wie die konsistente und eigenständige Bildsprache, die Juran Landts Arbeiten auszeichnet.

Förderpreis der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg: Juran Landt
Landesmuseum Kunst und Kultur OldenburgDamm 1, 26135 Oldenburg
11.02.26 - 26.07.26
Wien

FELIX LENZ – Soft Image, Brittle Grounds

In der Mixed-Media-Installation Soft Image, Brittle Grounds beschäftigt sich Künstler:in und Filmemacher:in Felix Lenz mit den materiellen und politischen Implikationen technologischer Bild- und Wissensproduktion und zeigt, wie die Komplexität der Welt mit den reduktiven Rationalitäten des digitalen Zeitalters kollidiert.

 

Der 30-minütige Essayfilm Brute Force [Exhibition Cut] (2025) untersucht Infrastrukturen und Instrumente der Bild- und Datenerfassung. Von subatomaren Teilchen bis hin zu Aufnahmen planetarischen Maßstabs macht der Film ihre ökologischen Auswirkungen und geologischen Einschreibungen sichtbar. Gedreht in mehreren Ländern, mit zentralen Aufnahmen an den Salzseen und Salzebenen in Utah und Kalifornien, versteht der Film Salz als Archiv von Austrocknung und Wasserknappheit – als materiellen Index der Klimakrise, der Erschöpfung natürlicher Ressourcen und ihrer ungleichen Verteilung. Brute Force entstand in Co-Regie mit Ganaël Dumreicher.

 

Die neu konzipierte Drei-Kanal-Videoinstallation Valley of the Hearts Delight (2025) vollzieht einen Perspektivenwechsel vom Planetaren hin zum Lokalen und Ortsspezifischen. Der Titel verweist auf den historischen Namen des einst fruchtbaren Landes, das heute als Silicon Valley bekannt ist. Gefilmt aus der Perspektive eines industriellen Roboterarms, verweisen Nahaufnahmen von Erdschichten und zermahlenen weißen Muscheln auf die heiligen Muschelhügel der indigenen Ohlone: Begräbnisstätten und Zeugnisse des Lebens früherer Generationen, die heute unter den Hauptquartieren globaler Technologiekonzerne verborgen liegen. Hinter den glatten Fassaden technokratischer Ideologien enthüllt die Installation die fortschreitende Auslöschung marginalisierter Stimmen und Kulturen.

Soft Image, Brittle Grounds reflektiert die vielschichtigen Verflechtungen von Technologie, Ökologie und Ungleichheit und wirft die Frage auf, wer Zugang zu Informationen erhält, wer über Deutungshoheit verfügt und wessen Geschichten von dominanten Fortschrittsnarrativen verdrängt werden.
 

Beauftragt vom MAK und gefördert durch das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, vertrat Felix Lenz mit Soft Image, Brittle Grounds Österreich auf der 24. Triennale Milano International Exhibition. Unter dem Titel Inequalities nahm die Triennale die wachsenden sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Ungleichheiten in den Fokus, die durch die Klimakrise und rasante technologische Entwicklungen zunehmend verschärft werden.

Künstlerisches Konzept und Umsetzung: Felix Lenz
Kuratorin: Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Kustodin MAK Sammlung Design
Grafische Gestaltung: Lisa Penz, David Gallo

Die Ausstellung ist der Beitrag des MAK zur Klima Biennale Wien 2026.

FELIX LENZ – Soft Image, Brittle Grounds
MAK – Museum für Angewandte KunstStubenring 5, 1010 Wien
03.05.26 - 26.07.26
Aachen

Ich bin wie du – Elen Braga

»Before I was an artist, I was a gospel singer. I sang in evangelical churches (…). In addition to singing, I also preached or, as it was said, I ‘delivered the word.’ (…) So I learned that if I wanted to speak well, I had to know how to tell stories, but not give everything away. We connected the stories to ourselves, because we liked to hear about ourselves. Maybe not everything was true, but there was a truth to be told (here and everywhere).«  – Elen Braga[1]

 

Der NAK Neuer Aachener Kunstverein freut sich mit Ich bin wie du die erste institutionelle Einzelausstellung der brasilianischen Künstlerin Elen Braga präsentieren zu dürfen. Anlässlich der Vernissage am 02. Mai 2026 wird es zwei musikalische Performances der Künstlerin zusammen mit den beiden Künstlern STIEGLITZ und William Lutgens geben. Das weitere musikalische Rahmenprogramm des Abends bestreitet pilot.radio.fm.

 

Als multidisziplinär arbeitende bildende Künstlerin ist Braga in den Bereichen Installation, Skulptur, Performance und öffentlicher Raum tätig. Ihre zumeist großformatigen Installationen sind häufig mit performativen Elementen verbunden, die sich zumeist auf die Verwendung ihres eigenen Bildes beziehen. Dabei stellt sie sich bewusst der Herausforderung, mit neuen Materialien und Techniken zu arbeiten, darunter Textil, Keramik und Metall. In ihrer künstlerischen Praxis setzt sie sich mit Themen wie Kraft, Resilienz und Identität auseinander, oft durch selbst auferlegte Aufgaben und intensive, arbeitsaufwendige Prozesse. Braga greift mythologische Erzählungen auf, um zu untersuchen, wie diese in zeitgenössischen Verhaltensweisen und Überzeugungen fortwirken. Ihre Arbeiten beziehen sich häufig auf die spezifischen Kontexte ihrer Präsentationsorte. Zugleich spielt sie mit den Paradoxien von Materialität und experimentiert mit Materialien jenseits ihrer alltäglichen Verwendung.

 

Im Foyer des NAK werden die Besucher_innen sogleich von Elen Braga selbst empfangen, in Form eines überdimensionierten Kopfes mit Armen aus Stoff, der Arbeit Bababuá. Auf dem Weg zum ersten Ausstellungsraum passiert man anschließend die handgetuftete Textilskulptur der Großmutter der Künstlerin, am offenen Feuer kochend, den kopflosen Körper eines Huhns noch in der Hand haltend. Kindheitserinnerungen der Künstlerin, im Hintergrund das stetige Rauschen eines Radios, aus dem die Stimme des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Juscelino Kubitschek klirrt, der von einem besseren Brasilien schwärmt.

 

Im ersten Ausstellungsraum fällt der Blick der Besucher_innen sogleich auf eine sechs Meter große Wandarbeit der Künstlerin: farbig, figurativ und mit lose arrangierten Textelementen versehen, durch mythologische Erzählungen und Symbol aufgebrochen. Die großformatige Textilarbeit kombiniert unterschiedliche Szenen zu einem dichten Ganzen: religiöse und politische Motive treffen auf Wüstenlandschaften treffen auf Gräber sowie das WM-Finale Deutschland-Brasilien von 2014. Und eine Ente. »Before I can clearly identify the content of what I want to say, I must know how to say it. I use language, but I cannot easily identify this concept with words alone«[2] so die Künstlerin, welche Text und Bild in ihren Werken gegenüberstellt, die es nun zu decodieren gilt. Daraus resultiert eine Verquickung von Utopie und Dystopie, eine Fiktion (oder doch Historie?) die die Wünsche und Träume als Realität von Migrant_innen sichtbar macht und zugleich die Frage aufwirft, was Identität und Heimat eigentlich bedeutet: »The future was such a distant thing, that it was possible form e to construct the most beautiful narratives. Today I have the feeling that when I think about the future, it has already passed. I am the future and I am writing about the past.«[3] Die eigene Historie und Chronologie ins Werk einbringend, das Private damit öffentlich machen, beschreitet Braga einen nicht linearen Weg im Ausstellungsraum, der verschiedene Szenerien in den einzelnen Arbeiten aufeinandertreffen lässt. Das Wohnzimmer der Eltern mit brasilianischer Soap-Opera und lebensgroßen skulpturalen Nachbildungen der eigenen Familie oder auch der Periquito, ein gelb-grün strahlender Sittich auf blau-weiß besternter Stehle, sind in ihrer Farbigkeit zunächst positiv konnotiert und verklären die eigene Vergangenheit, wie sich eben Kindheit stets verklären lässt. Doch das Gezeigte spiegelt ebenfalls den eigenen Lebensweg der Künstlerin wider, der sie letztlich von Brasilien nach Belgien geführt hat. Oder eben nun nach Deutschland. Oder ins All? Das Spaceship steht bereit, der hoffnungsvolle Ausweg für alle Aliens, alle Fremde, alle Ausländer.

 

Doch Werke wie ein abgestellter Koffer unter einem Schild mit Aufschrift »No Re-Entry« oder eine zur Decke des Raums aufsteigende Treppe mit Schlagworten wie »ICE«, »FEAR« oder »NOISE« versehen deuten auf die Schwierigkeiten der globalen Gesellschaft hin, welche durch einen zunehmenden Rechtsruck und die damit einhergehende Fremdenfeindlichkeit weltweit Bedrohungen erfährt. Braga spricht hier dezidiert die US-Einwanderungsbehörde ICE an und auch die der Ausstellung den Titel verleihende Arbeit Ich bin wie du im Treppenhaus des Kunstvereins stellt die US-amerikanische Politik in Frage, wenn es da heißt »OFF WITH THEIR HEADS«. Denn nicht nur Hühner verlieren im Kunstverein den Kopf: auf der oberen Treppenstufe angekommen befindet sich die textile Skulptur eines geköpften Selbstbildnisses der Künstlerin.

 

Zum sich langsam in die Ausstellung einschleichenden thematischen Wechsel erklärt Braga im Gespräch: »The title is Ich bin wie du. It is a reference to a 1976 song by the German singer Marianne Rosenberg. The song is about recognition between two people, a sense of equality that transcends differences. In my work for NAK, however, the song takes on a more critical meaning. It raises questions about empathy, alienation, and the difficulty of forming authentic relationships in a world shaped by inequality, migration, and cultural hybridity.«

 

Die Arbeit Ich bin wie du leitet zudem die Auseinandersetzung Bragas mit Deutschland ein. Nicht nur der titelgebende ikonische Disco-Schlager, welcher in der oberen Etage de facto über ein Radio abgespielt wird und damit Einzug in den Raum hält, kann als deutsches Motiv erkannt werden, sondern Referenzen auf Otto Dix, Rüstungsexporte und auch die dargestellten Fachwerkhäuser, die allerdings die Gleichheit aller Menschen verneinen, wenn es da heißt »NICHT WIE DU.«

 

Im Obergeschoss wird Bragas Auseinandersetzung mit Deutschland besonders deutlich. Neben einem Bundesadler auf goldenem Grund empfangen große, in graue Militäruniformen gekleidete Stoffpuppen die Besucher_innen. Mit leeren Blicken starren die Soldaten auf einen großformatigen rot-weiß-schwarzen Wandteppich, quasi ein historischer Spiegel, die Dopplung auf die deutsche Geschichte verweisend, als Mahnung, dass Nationalismus und Rechtspopulismus trotz ausgeprägter Erinnerungskultur stets präsent sind.

 

Abgerundet wird die Ausstellung im Kunstverein von Videoarbeiten der Künstlerin, die ihre performative Praxis in den Blick nehmen und inhaltlich auf Ich bin wie du abgestimmt sind.

 

Elen Braga (*1984 in Maranhão, Brasilien) schloss 2018 ihr Postgraduiertenstudium an der a·pass (Advanced Performance and Scenography Studies) in Brüssel ab und absolvierte Residenzen bei AIR Antwerpen (heute MORPHO) (2016), ISELP (2020) und Buitenplaats Brienenoord (Rotterdam, 2021). Ihre Arbeiten wurden bisher auf der Cerveira-Biennale (PT), im Frac des Pays de la Loire (FR), im WIELS (Brüssel, BE), im KIOSK (Gent, BE), im NICC Vitrine, im ISELP, im CC Strombeek und im KANAL-Centre Pompidou (Brüssel, BE) gezeigt. Im Jahr 2022 wurde sie ausgewählt, eine permanente Installation für das renovierte Kaaitheater zu schaffen, das 2025 eröffnete. Sie arbeitete mit dem Choreografen Michiel Vandevelde an der Gestaltung einer textilen Szenografie für die Tanzperformance Le Sacre du Printemps zusammen, die 2025 im Theater Neumarkt in Zürich uraufgeführt wurde. Braga lebt und arbeitet in Antwerpen, Belgien.

 

[1] Peter Vermeulen: »Prologue«. In: Peter Vermeulen, Hrsg.: Elen Braga. Gent: MER.Books, S. II.

[2] Elen Braga: »VROOM«. In: Peter Vermeulen, Hrsg.: Elen Braga. Gent: MER.Books, S. VII.

[3] Elen Braga: »VROOM«. In: Peter Vermeulen, Hrsg.: Elen Braga. Gent: MER.Books, S. VII.

Ich bin wie du – Elen Braga
Neuer Aachener KunstvereinPassstraße 29, 52070 Aachen
09.05.26 - 26.07.26
Winterthur

Sam Cottington – All Day

Aufgrund der Renovierung ihres historischen Gebäudes, des Waaghauses, zieht die Kunsthalle Winterthur bis Dezember 2026 vorübergehend um. Das diesjährige Ausstellungsprogramm beginnt mit einer Intervention von Sam Cottington im Museum Schaffen.

 

All Day nimmt sich das Museum Schaffen zum Ausgangspunkt – eine Institution, die Arbeit als historisch gewachsene kulturelle Praxis begreift und die soziale Dimension von Produktionsprozessen sichtbar macht. Oft bauen die Ausstellungen des Museums auf der historischen Rolle Winterthurs als Knotenpunkt der Schweizer Industriegeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf – einer Zeit, in der die finanziellen und sozialen Grundlagen geschaffen wurden, die bis heute die kulturelle Identität der Stadt prägen. In diesem Sinne widmet sich das Museum Schaffen den Nachwirkungen historischer Entwicklungen – aktuell im Rahmen einer umfangreichen Ausstellung zur Winterthurer Brauerei Haldengut: Erinnerungstank Haldengut gilt insbesondere den Zeugnissen der vielfältigen Berufe, die ein derart großes Unternehmen versammelt. Parallel dazu präsentiert Sam Cottington eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Museum selbst als Produkt sozial geformter Ökonomien – wobei Ökonomien hier nicht nur als Systeme der Arbeit zu verstehen sind, sondern als performative Strukturen, über die Beziehungen geordnet und artikuliert werden.

 

Der Besuch einer Ausstellung zeigt sich als tief habitualisierte, routinierte Praxis. Wir treten ein, lösen ein Billett, geben unsere Taschen ab, gehen in die Ausstellung, bewegen uns bis zu ihrem Ende hindurch, machen eine Pause im Café, holen unsere Taschen wieder ab und verlassen das Gebäude. Die vorhandenen Infrastrukturen, Codes und Rhythmen zeichnen Pfade vor, die auf Begegnung, Wissensvermittlung und Partizipation ausgerichtet sind, und letztlich darauf, die parallel laufenden Mechanismen des Museums zu umgehen. Diese Abläufe sichtbar zu machen, hat unter Künstler:innen eine lange Tradition – insbesondere im Rahmen der Institutionskritik –, eine Tradition, die inzwischen fest in museale Strukturen reintegriert und von diesen vereinnahmt wurde. Cottington eröffnet einen Raum, in dem das «Kunstwerk» zum bizarren Objekt wird: zu einem Objekt mit einer kontingenten, aber vorübergehenden Beziehung zur scheinbar stabilen Logik seines (nicht-künstlerischen) Kontexts. In diesen Werken steht der Gedanke, Arbeit sichtbar zu machen, im Widerstreit mit dem Verständnis von Institutionskritik als kohärenter künstlerischer Methode – zugleich bestehen die Werke auf einer «Wirklichkeit», in der Begegnungen (mit Objekten, Erfahrungen, Menschen) von Widersprüchen durchzogen sind.

 

Noch bevor die Ausstellung beginnt, nachdem wir sie verlassen haben, während wir uns davon entfernen – Cottingtons Arbeiten begegnen uns an den Schwellen des Museums, in dessen unsichtbaren Produktionsbereichen: in Abläufen des Empfangs, in Formen der Vermittlung und Partizipation, in Räumen der Instandhaltung. Dort führen sie das Intime, Lebendige und Perverse ein – all das, was Cottingtons Interesse an der »Erfahrung der Erfahrung« antreibt. Die Arbeiten in All Day nähern sich dem Ausstellungskontext über die Erzählmittel des Theaters. Sie fungieren als Requisiten und Cues, legen Handlungen nahe, adressieren Erwartungen und strukturieren Begegnungen, die stattfinden mögen oder auch nicht. Die Besucher:innen bewegen sich durch ein Setting, in dem die Rollen zwischen Publikum, Teilnehmenden und Aufführung nicht abschließend festgelegt sind. In dieser Logik wird das Museum zu einem Ort fortlaufender Proben. Es ist nicht die Aufführung als solche, sondern die Möglichkeit ihres Entstehens auf der Vor- und Hinterbühne des Museums, die Cottington hier ins Spiel bringt.

Die Ausstellung wird von einem Gespräch zwischen Sam Cottington und der Kunsthistorikerin und -kritikerin Sabeth Buchmann begleitet, das am 25. Juni 2026 im Museum Schaffen stattfindet.

Sam Cottington (*1993, lebt in London) ist ein Künstler, Autor und Theatermacher. Im Jahr 2025 schloss er sein Studium an der Städelschule in Frankfurt in der Klasse von Monika Baer ab. Cottington ist Associate Artist bei London Performance Studios, wo er noch in diesem Jahr ein neues Bühnenwerk präsentieren wird. Phone Plays, eine Sammlung von Cottingtons Stücken, die für Aufführungen am Telefon geschrieben wurden, erschien 2024 bei Montez Press.

Sam Cottington – All Day
Kunsthalle WinterthurMarktgasse 25, 8400 Winterthur
17.03.26 - 26.07.26
Basel

Vera Molnár – Möglichkeiten

Das Kunstmuseum Basel gibt mit Vera Molnár. Möglichkeiten einen Einblick in das druckgrafische Œuvre der Grande Dame der Computerkunst. Die 28 gezeigten, mitunter mehrteiligen Editionen entstanden von 1991 bis 2023 im Atelier der Éditions FANAL in Basel.

 

Vera Molnár (1924–2023) interessierte, was mit einer geometrischen Form geschieht, wenn ein Merkmal minimal verändert wird. Dafür nutzte sie ab 1959 ihre »machine imaginaire«. Mit Hilfe dieser imaginären Maschine kalkulierte sie ihre Kompositionen Schritt für Schritt weiter – in ihrem Kopf. 1968 konnte Molnár dann erstmals mit einem Computer arbeiten. Die Rechenleistungen der Maschinen ermöglichten der Künstlerin »eine systematische Untersuchung aller visueller Möglichkeiten«. Der Computer blieb zeitlebens ein wichtiges Werkzeug für ihre formalen Experimente. Mit ihren Plotterzeichnungen wurde sie zur Pionierin der Medienkunst.

 

Geometrische Darstellungen prägten das Schaffen der in Budapest geborenen Molnár schon, als sie 1947 in ihre Wahlheimat Paris zog. Besonders gerne arbeitete die Künstlerin mit dem Quadrat. Seine vier gleich langen, rechtwinklig zueinanderstehenden Seiten vermitteln große Stabilität. Dieses Gleichgewicht brachte Molnár gezielt ins Wanken. Ihre Werke verdeutlichen, wie bereits geringe Verschiebungen einzelner Elemente wackligere Situationen schaffen.

 

Inspirationsquelle für Molnárs Werke waren häufig Alltagseindrücke von Zugfahrten oder Cafébesuchen, die sie in Tagebücher skizzierte. Die weißen Dreiecke auf blauem Grund der Siebdruck-Serie Triangles (2023) wirken zunächst wie eine streng geometrische Studie. Tatsächlich beruhen die fünf Kompositionen jedoch auf dem sich im Laufe eines Tages verändernden Lichteinfall durch die Tür von Molnárs Altersheimzimmer. Vor diesem Hintergrund erhält die formale Untersuchung eine poetische Qualität, und Molnárs Werk regt zu einer aufmerksamen Wahrnehmung der eigenen Umgebung an.

 

Vera Molnárs druckgrafisches Werk entstand zu einem gewichtigen Teil in Basel, im Atelier der Éditions FANAL in der ehemaligen Papiermühle im Sankt Alban-Tal. Als das Atelier im Frühling 2025 den Betrieb einstellte, bedachte FANAL das Kupferstichkabinett Basel mit einer umfangreichen Schenkung. Zwei ebenfalls ausgestellte Plotterzeichnungen von Molnár, 2 rangées de rectangles (1985), hat das Kupferstichkabinett aus Anlass der Präsentation als Geschenk der Vintage Galéria in Budapest erhalten.

Vera Molnár – Möglichkeiten
Kunstmuseum BaselSt. Alban-Graben 16, 4051 Basel
15.07.26 - 26.07.26
Stuttgart

A – Z. Mapping the Future ll Untertitel – Die ABK Stuttgart zu Gast in der Staatsgalerie

Gerade noch an der Akademie – jetzt schon im Museum: Bereits zum zweiten Mal sind in der Ausstellung unter dem Titel »A – Z. Mapping the Future« die diesjährigen Abschlussarbeiten der Absolventinnen und Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK Stuttgart) zu sehen. Die Idee zu dieser Ausstellungsreihe entstand aus dem Wunsch der Akademie, den jungen künstlerischen Positionen eine sichtbare Bühne in der Stadt zu geben und zugleich eine enge Verbindung zwischen dem Museumsbetrieb und der Kunsthochschule zu ermöglichen. 

 

»A – Z« ist dabei programmatisch zu verstehen: Die Werke sind alphabetisch nach den Namen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler gehängt – ein neutrales Ordnungssystem, das bewusst die künstlerische Vielfalt in den Vordergrund stellt. 

 

Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich und selbstbewusst sich diese Generation junger Künstlerinnen und Künstler ausdrückt. »Mapping the Future« bringt Vielfalt ins Museum – und macht deutlich, dass für viele der beteiligten Künstlerinnen und Künstler die Zukunft längst begonnen hat.

 

Gezeigt werden Arbeiten aus den Studiengängen Diplom Bildende Kunst, Master of Education Künstlerisches Lehramt mit Bildender Kunst sowie Master of Fine Arts Körper, Theorie und Poetik des Performativen.

 

Mit Werken von: Daniel von Alkier, Yamo Aydemir, Kjara Mia Barletta, Paula Bothner und Rosa Klingelhöfer, Ahyun Cho, Tansu Coşkun, Marie Sina Celestina David / und das Swanzkollektiv, Lisa Marina Dorfschmid, Franz Leonard Elfert, Marie Engelhardt, Hendrik Fleck, Franziska Glaser, Lena Grasler, Lukas Hengelhaupt, Han Na Jo, Swea Kittel, Mimi Kohler, Carlo Krone, Krowni, Paulina Lange, Ha-Vy Jessica Le, Elisa Lohmüller, Timo Lupoli, Jule Maria Maurer, Elisabeth Mayer, Luciano Mazzo, Benjamin Miller, Sofia Mobilia, Michelle Mousavi, Janosch Müller, Nina Nielebock, Nipniz, Dominik Olpp, Hannah Römer, Antonia Sailer, Janina Elisabeth Schweikert, Lou Stark, Florian Staudenmaier, Rebecca Julia Thrum, Urata Vrajolli, Lisa Helene Wedler

 

Begleitet von: Dr. Susanne Kaufmann-Valet, Prof. Alisa Margolis, Prof. Wolfgang Mayer, Prof. Mariella Mosler, Prof. Andreas Opiolka

A – Z. Mapping the Future ll Untertitel – Die ABK Stuttgart zu Gast in der Staatsgalerie
Staatsgalerie StuttgartKonrad-Adenauer-Straße 30–32, 70173 Stuttgart
28.06.26 - 26.07.26
München

Filminstallation | Carlos Casas. KRAKATOA

Ein Vulkan ist niemals nur ein Berg. Er ist ein Riss in der Erdoberfläche, ein Drucksystem, ein stets drohendes multisensorisches Ereignis, ein Archiv der Tiefenzeit. In seiner immersiven audiovisuellen Installation KRAKATOA (2026) setzt sich der Filmemacher und Künstler Carlos Casas mit dem indonesischen Vulkan als filmischem Thema, ökologischer Schwelle und lebendigem Mythos auseinander. Carlos Casas wird bei der kostenfrei zugänglichen Eröffnung der Installation am Sonntag, 28.6.26 um 18 Uhr im Haus der Kunst anwesend sein und ebenso seinen Film persönlich in München vorstellen.

 

Im Mittelpunkt des Werks steht Kesuma, ein junger Fischer aus Bagan auf einer Bambusplattform in der Nähe von Krakatoa, inspiriert durch die Schilderung von Roni Herliyansah, einem Überlebenden des Ausbruchs von 2018. Seine Reise führt vom Meer zur Insel, von verwüstetem Gelände zu dichter Vegetation, von der Höhle ins imaginäre Innere der Erde. Mit seiner Ouvertüre, vier Teilen und einem Epilog bewegt sich der Film durch wechselnde Wahrnehmungsmodi, von Unterwasserlicht und Drohnenaufnahmen bis hin zu Wärmebildern und mikroskopischen Aufnahmen. Er endet mit einer flackernden Sequenz aus 6.371 Einzelbildern, eines für jeden Kilometer zwischen der Erdkruste und dem Erdkern, unterlegt mit einer Klangkomposition, die aus seismischen Daten abgeleitet wurde. Der letzte Abschnitt entfaltet sich als monumentale und bewegende Hommage an die radikalsten Visionen des experimentellen Kinos des 20. Jahrhunderts.

 

Der Vulkanausbruch von 1883 war weit über den Ort des Geschehens hinaus zu spüren. Sein Lärm war über Tausende von Kilometern hinweg zu hören, seine Asche drang in die Stratosphäre vor und sorgte in den folgenden Monaten weltweit für jene seltsamen Sonnenuntergänge, die damals dokumentiert wurden. Zeitgleich mit der Entstehung der weltweiten Kabelkommunikation und des frühen Kinos wurde Krakatau zu einem der ersten Naturphänomene, das als weltweite Nachricht die Runde machte.

 

Nicolas Beckers Klangkomposition vereint Infraschall, seismische Daten und Feldaufnahmen und stützt sich dabei auf die Gasometer-Aufnahmen des Ausbruchs von 1883, die in der Royal Institution in London aufbewahrt werden. Der Klang ist eine präzise historische Rekonstruktion, während das Bild spekulativ ist. Diese Umkehrung der herkömmlichen Hierarchie, in der das Bild die Fakten vermittelt und der Klang die Atmosphäre schafft, ist eine Prämisse des Werks.

 

Im Haus der Kunst erscheint Landschaft als lebendiges System: Von Philippe Parrenos »El Almendral« (2024), einem unendlichen Film, der in Echtzeit aus einem Mandelhain in Spanien generiert wird, bis hin zu Cyprien Gaillards Auseinandersetzung mit Wasser, Ruinen und stereoskopischer Tiefe wird das bewegte Bild hier als ein Prozess behandelt, der nicht mit der Projektion endet. KRAKATOA erweitert diese Entwicklung auf vulkanisches Terrain.

 

In Zusammenarbeit mit dem Filmfest München setzt Krakatoa das Engagement des Haus der Kunst für das bewegte Bild als räumliche und sinnliche Form fort. Diese Linie steht im Einklang mit Steinas elektronischen Landschaften aus Signalen, Bewegung und Wahrnehmung, die derzeit im Haus der Kunst zu sehen sind, und reicht bis in die bevorstehende Ausstellung von Tomás Saraceno hinein, mit der KRAKATOA die Auseinandersetzung mit ökologischen Systemen, atmosphärischen Kräften und durch gegenseitige Abhängigkeit geprägten Lebensformen teilt.

 

Im Rahmen des Filmfest München wird zudem der Dokumentarfilm REBECCA HORN – DIE SEELE DER DINGE (Neues Deutsches Kino) gezeigt. Rebecca Horn war 2024 mit einer großen Einzelausstellung im Haus der Kunst vertreten. Im Anschluss an die Vorführung am 2.7.26 um 15 Uhr (Theatiner Filmkunst) sprechen die Kuratorinnen Petra Giloy-Hirtz und Dr. Jana Baumann mit der Regisseurin Claudia Müller und der Produzentin Martina Haubrich über das Werk und die außergewöhnliche Persönlichkeit Rebecca Horns.

KRAKATOA von Carlos Casas wird präsentiert von FILMFEST MÜNCHEN in Kooperation mit dem Haus der Kunst München.
Koordinierende Kuratorin am Haus der Kunst ist Lydia Antoniou.

 

Der Eintritt in die Filminstallation ist kostenlos.

 

 

Carlos Casas

 

Carlos Casas (geb. 1974 in Barcelona) ist Filmemacher und Künstler, der in den Bereichen Experimentalfilm, Installation und Ton arbeitet. Seine END-Trilogie (2003–2010), die in Patagonien, am Aralsee und in Sibirien spielt, zeichnet das Leben an den extremsten Rändern des Planeten nach. Avalanche (seit 2009), gedreht in einem verschwindenden Dorf im Pamir, wird für jede Präsentation neu geschnitten und vertont. Mit Sanctuary (Tate Modern, 2017) und Cemetery (2019) entwickelte Casas gemeinsam mit dem Musiker Chris Watson und dem Tonspezialisten Tony Myatt eine Infraschallumgebung rund um die Reise eines Elefanten zu seinem mythischen Friedhof. Neben seinen Filmen hat er ein umfangreiches Werk an Aufnahmen und Veröffentlichungen auf Labels wie Discrepant, Matière Mémoire und Second Sleep produziert.

Filminstallation | Carlos Casas. KRAKATOA
Haus der KunstPrinzregentenstraße 1, 80538 München
07.07.26 - 26.07.26
Düsseldorf

Ich bin es_It's me – Geburtstagszimmer im Stadtmuseum | TERRY BUCHHOLZ

Der Besucher durchquert rechts die lange Flucht par Terre des Eingangsbereichs des Museums. Er erreicht die Ausstellung entlang einer Kutsche, Modelle von Gebäuden und Porträtmalereien. Beim Betreten des Flurbereichs hört er die Stimme eines Führers durch eine unterirdische Stadt in Kapadokien (Video »The Cave«, 2013). Links oben an der Wand begrüßt ihn ein freundliches Präparat eines Eichhörnchens aus dem Hunsrück, daneben eine analoge Fotomontage einer Serie von 28 Selbstporträts der Künstlerin im Spiegel aus 1997. Es schließen sich Textilarbeiten/-montagen aus ererbten und gefundenen Stoffen an. Darunter das Babybadetuch der Künstlerin von 1956.

 

Wir befinden uns in Transiträumen, in denen man nur für eine bestimmte Zeit verweilt – ein Arbeitsmotto der Künstlerin lautet »Unregelmäßige Behausung« (Titel ihrer Installation im Frauenmuseum Bonn, 2007). Im Geburtstagsraum läuft ein Video, in dem ein kleines Zelt am Waldrand zu sehen ist (Connecticut, USA 1997). In ihm spielen unsichtbar, aber gut hörbar, zwei Kinder. 
Daneben die Arbeit »hands @« – entstanden 1998 in Bialowieza, Polen, an der weißrussischen Grenze im ältesten Urwald Europas. Sie zeigt die Metamorphosen zweier Hände auf einem Beet aus Blüten und Blätter, durch die Bemalung und fotografische Dokumentation der Künstlerin vor Ort. 2002 entstand die Diasec-Arbeit der »hands @« in Düsseldorf und die einzelnen analogen Fotos der Hände wurden von der Künstlerin an Freunde und Kolleginnen verschenkt. Darüber entstand ein Künstlerbuch.

Ich bin es_It's me – Geburtstagszimmer im Stadtmuseum | TERRY BUCHHOLZ
Stadtmuseum DüsseldorfBerger Allee 2, 40213 Düsseldorf
27.07.25 - 27.07.26
Würzburg

Matthias Garff. Antennenvögel

Der Leipziger Bildhauer Matthias Garff (*1986) präsentiert im Foyer des Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg ein langfristig angelegtes Kunstprojekt: sieben Skulpturen heimischer und exotischer Singvögel – Bienenfresser, Kohlmeise, Kolibri, Goldammer, Amsel, Eichelhäher und Grünspecht. Diese »Antennenvögel« sind überwiegend aus Fundstücken und Alltagsgegenständen der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft zusammengesetzt. Jede Skulptur zeichnet sich durch eine eigene HaltungFarbigkeit und Materialität aus.

 

Garff, der an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte, hinterfragt in seinen Arbeiten die Sichtweise des Menschen auf Natur in einem urbanen Umfeld. In der Stadt begegnet uns Natur kaum in ihrer freien Form, sondern als vom Menschen kultivierter Raum – insbesondere in enger Verzahnung mit der Stadtarchitektur. Dieses fragile Ökosystem befindet sich in einem stetigen Wandel. Auch in Würzburg ist der Verlust an Artenvielfalt spürbar: Bebauung verdrängt Brachflächen, es verschwinden kostbare Frei- und Rückzugsräume. Die Antennenvögel stehen sinnbildlich für eine Naturdie Raum fordert – und sich in ihrer Vielfalt behauptet.

 

 

Patenschaft übernehmen

 

Das Museum im Kulturspeicher stellt diesen besonderen Vögeln mit großer Freude Raum zur Verfügung. Damit die »Antennenvögel« eine dauerhafte Bleibe im Foyer des Museums bekommen, ruft das MiK zu Patenschaften für die Skulpturen auf. Informationen zu Ankaufmöglichkeiten sind auf Anfrage erhältlich unter [email protected].

Matthias Garff. Antennenvögel
Museum im Kulturspeicher WürzburgOskar-Laredo-Platz 1 (vormals Veitshöchheimer Str. 5), 97080 Würzburg
07.06.26 - 31.07.26
Wadersloh

Das Fußball-abc … Die WM-Edition

Im Juni und Juli 2026 wird die ganze Welt wieder mit Spannung auf die FIFA-Fußballweltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA blicken … und natürlich drücken auch wir der deutschen Nationalelf die Daumen! Zugleich wollen wir dieses Fußballereignis der Superlative aber mit einem ganz besonderen Ausstellungsprojekt begleiten.

 

Mit spitzer Feder haben die beiden westfälischen Autoren Peter Menne (Karikaturist) und Augustin Upmann (Satiriker) sich in ihrer aktuellen Publikation »Das Fußball-abc« der schönsten Nebensache der Welt angenommen und erläutern humorvoll fußballerische Fachbegriffe von A wie »Abseits« bis Z wie »Zwölfter Mann/Zwölfte Frau«, ergänzt um zahlreiche Expertenstatements (u.a. von Manni Breuckmann und Rainer Calmund). Außerdem kommen zahlreiche Fußballexpertinnen und -experten verschiedener großer und kleiner Fußballvereine und Fanorganisationen zu Wort.

 

In der Ausstellung werden aber nicht nur die mehr als 50 Originalzeichnungen zu den verschiedenen Buchstaben des Alphabets mit den dazugehörigen Texten gezeigt, sondern passend zum WM-Jahr verwandelt sich die Ausstellungsfläche in ein Spielfeld der besonderen Art. Unterstützt wurden wir dabei vom Sportverein »Westfalen 21« Liesborn e. V. , Sportverein Diestedde e. V. und dem TuS Wadersloh 93/33 e.V. – Wir sind der Tus. Hinzu kommen zahlreiche Aktionen rund um das Thema Fußball-WM. Lassen Sie sich überraschen!

Das Fußball-abc … Die WM-Edition
Museum Abtei Liesborn Abteiring 8, 59329 Wadersloh-Liesborn
19.04.26 - 31.07.26
Ulm

Vogelkunst – kreative Vielfalt

Unsere heimische Vogelwelt fasziniert mit einer Fülle an Arten, Formen, Farben und Verhaltensweisen. Diese Vielfalt hat schon viele Künstler in ihrem Schaffen inspiriert. Einer dieser Künstler ist Prof. Dr. Wilhelm Nothdurft. Seit seiner Kindheit malt und zeichnet er Vögel, die ihm im heimischen Garten oder auch auf Reisen begegnen. Als Autodidakt hat er sich unterschiedliche Techniken selbst erarbeitet und in fast 80 Jahren eine Vielzahl an Szenen auf Papier festgehalten. Eine Auswahl dieser Bilder wird in unserer neuen Sonderausstellung zu sehen sein, von der schnellen Feldskizze bis hin zum liebevoll ausgearbeiteten Aquarell. Dargestellt werden verschiedene Vogelarten in unterschiedlichen biologischen Zusammenhängen, sei es die Futtersuche oder das Sonnenbad. Es ist nicht nur eine Einladung die Kunst zu genießen, sondern auch diese Szenen draußen, in der freien Natur zu beobachten. Keine Unmöglichkeit, denn viele der Bilder entstanden im Ulmer Stadtteil Söflingen, also quasi direkt vor unserer Haustür.

 

Darüber hinaus gibt die Ausstellung aber auch Einblicke in die Vielfalt der künstlerischen Darstellungsformen, die sich nicht nur auf das Papier beschränken. So werden die Bilder ergänzt durch ausgewählte, besonders kunstvolle Präparate aus unserer Sammlung und kreativ zusammengestellte Fotokollagen.

 

Eröffnung: 19. April 2026, 11:30–13 Uhr

Mit Kurzführung durch die Ausstellung und Gespräch mit dem Künstler Prof. Dr. Wilhelm Nothdurft

Vogelkunst – kreative Vielfalt
Museum UlmMarktplatz 9, 89073 Ulm
18.06.26 - 31.07.26
Rendsburg

Wie geht es dir? Zeichner:innen gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus

In eindringlichen Bildern und persönlichen Erzählungen versammelt die Ausstellung »Wie geht es dir?« 60 Comics von 48 renommierten Künstler:innen. Sie basieren auf Gesprächen mit Menschen, deren Leben durch den Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 und die anhaltende humanitäre Katastrophe im Gaza-Streifen in unterschiedlicher Weise geprägt ist.

 

Die Ausstellung eröffnet einen vielstimmigen Raum. Die künstlerischen Arbeiten erzählen von jüdischen Perspektiven, von Verunsicherung und Bedrohung in Deutschland ebenso wie von wachsender Muslimfeindlichkeit und anderen Formen von Rassismus. Sie thematisieren eine Gegenwart, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen und zugleich oft Sprachlosigkeit herrscht.

 

»Wie geht es dir?« setzt genau hier an. Das Projekt versteht sich als bewusster Versuch, diese Sprachlosigkeit zu überwinden. Die beteiligten Zeichner:innen, wie beispielsweise Barbara Yelin oder Elke Renate Steiner, hören zu, führen Gespräche und übersetzen das Gehörte in Comics. Zeichnung wird hier zum Medium des Dialogs: sensibel, respektvoll und zugleich unmittelbar. Renommierte gesellschaftliche Akteur:innen wie Jouanna Hassoun, Mirjam Wenzel, Meron Mendel, und Burak Yilmaz waren bereit ihre Perspektive zu erzählen.

 

Die Ausstellung lädt dazu ein, hinzusehen, zuzuhören und Ambivalenzen auszuhalten. Sie versteht sich als Beitrag zu einem offenen gesellschaftlichen Gespräch: gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, Hass und Ausgrenzung und für Empathie, Dialog und gegenseitiges Verständnis.

 

Obwohl die Ausstellung bereits 2024 entstanden ist, hat sie nicht an Aktualität verloren. Im Gegenteil wird die Situation durch die fortgesetzten kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten sowohl für die Menschen vor Ort, als auch für Betroffene in Deutschland immer bedrohlicher und komplizierter.

 

Initiiert wurde das Projekt von den Zeichner:innen Hannah Brinkmann, Nathalie Frank, Michael Jordan, Moritz Stetter, Birgit Weyhe und Barbara Yelin. Fachlich begleitet wird es von Dr. Véronique Sina (Goethe-Universität Frankfurt), unterstützt vom Internationalen Comic-Salon Erlangen sowie der Stadt Erlangen.

Wie geht es dir? Zeichner:innen gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus
Landesmuseen Schleswig-HolsteinSchlossinsel 1, 24837 Schleswig
25.03.26 - 01.08.26
Karlsruhe

Connection Machine CM-2 – Der Traum von einem elektronischen Gehirn

Die Connection Machine CM-1 und Connection Machine CM-2 – zwei in den 1980er-Jahren von der Thinking Machines Corporation entwickelte Supercomputer – gehören zu den bedeutendsten Objekten der Computer- und Designgeschichte. Anlässlich der Konferenz Visionäre KI: Das vergessene Erbe der Connection Machine präsentierten das ZKM und das KIT im Foyer eine CM-2

 

In den 1980er-Jahren entstand mit der Connection Machine CM-1, die vom amerikanischen Unternehmen Thinking Machines Corporation produziert wurde, ein Meilenstein nicht nur der Computer-, sondern auch der Designgeschichte. W. Daniel »Danny« Hillis war der Erfinder der Maschine und führender Kopf des Vorhabens, den ersten kommerziellen Supercomputer zu entwickeln, der speziell für Aufgaben der künstlichen Intelligenz und parallelen Datenverarbeitung konzipiert war. 1987 wurde mit der Connection Machine CM-2 der Nachfolger der CM-1 von Thinking Machines vorgestellt; er führte dedizierte Hardwarebeschleuniger für das wissenschaftliche Rechnen ein.

 

Anders als herkömmliche Rechner arbeiteten die CM-1 und CM-2 nicht mit einem einzigen, besonders leistungsstarken Prozessor, sondern verteilte Berechnungen auf über 64.000 kleine Prozessoren, die gleichzeitig und miteinander vernetzt arbeiteten – ähnlich dem vernetzten Denken im menschlichen Gehirn. Dieses Prinzip der »massively parallel architecture« machte die Maschine zu einem visionären Vorläufer vieler heutiger Hochleistungs-Rechner und beeinflusste spätere Entwicklungen im Bereich KI und Supercomputing. 

 

Doch die Connection Machine ist nicht nur technologisch bemerkenswert – sie ist auch ein einzigartiges Design-Objekt. Sie übersetzte eine hochabstrakte, unsichtbare Rechnerarchitektur in eine sinnlich erfahrbare, symbolisch aufgeladene Form. Verantwortlich für dieses Konzept war Tamiko Thiel, die als Leiterin der Mechanical- und Industrial-Design-Gruppe bei Thinking Machines sowohl die technische »Hülle« als auch die ästhetische Gestaltung maßgeblich prägte. Aufbauend auf der 12-dimensionalen Hypercube-Struktur der 4.096 Chips – deren Visualisierung durch die Zusammenarbeit mit dem Physiker Richard Feynman entscheidend beeinflusst wurde – entwickelte sie das ikonische »cube-of-cubes«-Motiv: acht visuell zusammengesteckte Würfel, die die innere Vernetzungslogik räumlich ausdrücken. Damit folgte das Design nicht einer rein utilitaristischen Interpretation von »form follows function«, sondern einer erweiterten Lesart, in der auch diagrammatische und immaterielle Funktionen sichtbar gemacht werden. In Zusammenarbeit mit den Industriedesignern Allen Hawthorne und Gordon Bruce entstand die Maschine als ein mattschwarzer, monolithischer Würfel aus Würfeln, durch dessen Türen die 4.096 roten Status-LEDs der Prozessoren hindurchleuchteten. Sie visualisieren die parallele Aktivität der Prozessoren, verleihen der Maschine den Charakter eines lebendigen elektronischen Gehirns und fungieren als ästhetischer Ausdruck ihres »Denkens«.

 

Obwohl die präsentierte Connection Machine selbst nicht mehr betriebsfähig ist, wurden die Aktivitätsmuster der Status-LEDs am KIT rekonstruiert. Im ZKM hat das Publikum die Möglichkeit, die Lichter selbst zu verändern: Anders als in der Originalversion, in der das Lichtmuster an das parallel ablaufende Programm gekoppelt war, können nun sowohl Helligkeit als auch Rhythmus der »Blinking Lights« direkt über das WLAN gesteuert werden.

 

Heute präsentiert das ZKM in Kooperation mit dem KIT dieses außergewöhnliche historische Objekt im Museum: Als Zeugnis einer frühen Ära der KI-Forschung und als Beispiel dafür, wie Design helfen kann, hochkomplexe Technologien für ein breites Publikum verständlich und erfahrbar zu machen. Die Ausstellung lädt dazu ein, über die Ursprünge der modernen KI nachzudenken, und zeigt, wie Gestaltung und technisches Denken ineinandergreifen – eine Perspektive, die gerade in unserer heutigen digital vernetzten Welt von großer Bedeutung ist. 

 

Neben dem Computer selbst werden ein eigens für die Präsentation produzierter Essayfilm von Max Clausen über die Connection Machine sowie weitere mit ihr verbundenen Werke gezeigt, darunter die wegweisende Computeranimationen von Karl Sims, die mit der Connection Machine CM-2 und CM-5 erstellt wurden.

 

Prof. Dr. Michael Beigl (Professor für Pervasive Computing Systems / TECO am KIT) über das visuelle Design der Connection Machines:

 

»Die CM-2 hat eindrucksvoll gezeigt, wie gestalterisches Design die inneren Abläufe eines Computers sichtbar und verständlich machen kann. Ihre ikonische, oft als ›elektronisches Gehirn‹ bezeichnete Architektur übersetzte abstrakte Konzepte wie massive Parallelität in eine räumlich erfahrbare Form und prägte damit sowohl das wissenschaftliche Denken als auch die öffentliche Wahrnehmung von Rechenprozessen. Heutige KI-Systeme, insbesondere große Sprachmodelle, verfügen bislang über keine vergleichbar anschaulichen Darstellungen ihrer inneren Funktionsweisen. Die Entwicklung solcher visuellen Zugänge bleibt eine offene Aufgabe. Die CM-2 dient daher bis heute als Referenz dafür, wie Visualisierung zwischen technischer Komplexität und breiter Verständlichkeit vermitteln kann.«

 

Kurator:innen: Alistair Hudson, Daria Mille 
Curatorial Producer: Hanna Jurisch
Neukonzeption und Realisierung der LED-Paneele für die CM-2: Philipp Lepold, Michael Beigl
Technische Projektleitung: Felix Pausch
Film: Max Clausen
LED-Wall: Daniel Heiss 

Connection Machine CM-2 – Der Traum von einem elektronischen Gehirn
ZKM | Zentrum für Kunst und MedienLorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe
06.06.25 - 02.08.26
Köln

B{L}OOMING – Barocke Blütenpracht

Rosen, Tulpen, Nelken – Blumen sind für den Menschen nicht nur eine Augenweide, sondern auch Heilmittel, Accessoire und Symbol für Liebe, Glaube und Treue. Besonders im Barock feierten vor allem Künstler:innen die vergängliche Schönheit der Blume und verewigten sie in ihren Gemälden, wie das Wallraf-Richartz-Museum vom 6. Juni 2025 bis zum 31. Mai 2026 in seiner neuen Jahresausstellung »B{L}OOMING – Barocke Blütenpracht« beweist. Mit bekannten und unbekannten, zum Teil neu erforschten und frisch restaurierten Stillleben, Porträts und Allegorien aus Privatsammlungen und eigenem Bestand präsentiert das Kölner Museum den Boom und die Vielfalt von Blumenmotiven im Barock. Zudem führt ein eigener »Blumenparcours« das Publikum von der Ausstellung in die ständige Sammlung zu weiteren blühenden Bildern. 

In »B{L}OOMING« grünt und blüht ein Novum: Denn um 1600 werden bunte Blumensträuße und kunstvoll geflochtene Girlanden zu einem eigenständigen Bildmotiv und entwickeln sich rasch zu einer beliebten Gemäldegattung. Die Blumenmalerei startete ihren Siegeszug in Flandern und war bald in vielen europäischen Ländern äußerst populär, wie sich leicht an der Herkunft der gezeigten Meister ablesen lässt: Flamen wie Daniel Seghers und Jan Brueghel d.Ä., auch bekannt als »Blumenbrueghel«, Holländer wie Adriaen Coorte und Roelant Savery sowie der Italiener Giovanni Stanchi und der Deutsche Peter Binoit sind in der Ausstellung vereint. All ihre Werke blühen heute noch genauso farbenfroh wie am Tag ihrer malerischen Geburt vor vier Jahrhunderten. 

Stichwort Blühen: Ein besonderes Exponat in der Ausstellung ist ein stets frisch arrangiertes Blumengebinde, das auf einem eigenen Sockel präsentiert wird. Die Künstler:innen dieser Werke sind Florist:innen, die sich bewerben können, um ihre Blumenarrangements in »B{L}OOMING« zeigen zu können. Alle Infos zu dieser Aktion bietet die Website der freunde unter www.kunstfreunde.koeln.

 B{L}OOMING – Barocke Blütenpracht
Wallraf-Richartz-MuseumObenmarspforten, Am Kölner Rathaus, 50667 Köln
28.02.26 - 02.08.26
Baden-Baden

Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus

Seit der Antike gehört die möglichst detailgetreue Wiedergabe der Natur zu den zentralen Anliegen der Malerei. In der Kunst des 20. Jahrhunderts gibt es keine Bewegung, die diesen Wettstreit mit der Wirklichkeit so programmatisch verfolgt hat wie der amerikanische Fotorealismus. Als Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus wandten sich Künstlerinnen und Künstler wie Richard Estes, Audrey Flack, Ralph Goings und Ron Kleemann einer gegenständlichen Malerei zu, die in ihrer Präzision und Bildgewalt mit dem Medium der Fotografie konkurrieren sollte. Banale Motive aus dem amerikanischen Alltagsleben wurden zu Markenzeichen dieser hoch ambitionierten Maler, die die Macht der Bilder nicht im Sujet selbst, sondern in dessen verblüffend illusionistischer Wiedergabe verorteten. Anhand von über 70 ausgewählten Meisterwerken beleuchtet die Ausstellung die Entwicklung der auch als Hyperrealismus bekannten Kunstströmung von den 1960er Jahren bis heute.

 

Zu den zahlreichen internationalen Leihgebern gehören u. a. das Museo nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid sowie das Whitney Museum of American Art in New York. Gezeigt werden Arbeiten von mehr als 20 Künstlerinnen und Künstlern, darunter Werke von John Baeder, Robert Bechtle, Charles Bell, Roberto Bernardi, Tom Blackwell, Robert Cottingham, Don Eddy, Richard Estes, Audrey Flack, Ben Johnson, Ralph Goings, Richard McLean, Malcolm Morley, Ron Kleemann, Karin Kneffel, Gerhard Richter, Raphaella Spence, and Craig Wylie.

Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus
Museum Frieder Burda Lichtentaler Allee 8B, 76530 Baden-Baden
28.02.26 - 02.08.26
Winterthur

Momente der Zeit

In einer sich ständig verändernden Welt halten Künstler Momente der Zeit fest und schaffen damit Dauerhaftes. So bewahren sie Vergängliches und stiften zugleich Gemeinschaft.

 

Das Bleibende in der Vergänglichkeit – im Lateinischen Vanitas (Vergänglichkeit, Eitelkeit) – findet auch in der Gattung Porträt seinen Ausdruck. Im Bildnis wird ein einzelner Moment zu etwas Zeitlosem, zu einer Form des kulturellen Gedächtnisses. Nie neutral wie eine Fotografie ist das Abbild Zeugnis der Inszenierung des Modells ebenso wie der künstlerischen Interpretation, eine Manifestation emotionaler Nähe zwischen Maler, Modell und Besitzer. Es markiert die Anwesenheit einer Person, die doch abwesend ist. Ein unbewegtes Werk vermittelt etwas Lebendiges und Veränderliches, die bildlich festgehaltene Schönheit, die vergeht. Das sichtbare Äußere verdeutlicht ebenso das unsichtbare Innere.

 

Die Ausstellung Momente der Zeit thematisiert in ausgewählten Miniaturen den Vanitas-Gedanken. Hierbei macht das Paradoxon das Porträt zum idealen Medium, um über Zeit und Erinnerung zu reflektieren: Melancholie, Sehnsucht und Todesnähe deuten auf die Zerbrechlichkeit des Lebens. Geschmückte Modelle stehen für Schönheit und Anziehungskraft, aber auch für Eitelkeit und Endlichkeit. Halten sie Blumen oder Früchte in den Händen, verweisen jene direkt auf ihre eigene Kurzlebigkeit, ihre besondere Symbolik, sogar auf den bildhaft nicht zu vermittelnden Duft. Gleiches gilt für die anschauliche Vorführung von Musikinstrumenten, deren Klänge sich rasch verflüchtigen und von Skulpturen, die nicht lebendig sind. Briefe, Musiknoten und Bücher verkörpern Produkte menschlicher Beziehungen, die vergänglich sind und stehen für die verklungenen Stimmen ihrer Schöpfer.

 

Der natürliche Kreislauf des Lebens findet seine Entsprechung im zweiteiligem Werk Sigrid (1930/2009) der Künstlerin Karin Sander (*1957 in Bensberg). Sigrids Porträt als Kind – ein Ausschnitt aus einem Pathé-Film von 1930 – und als alte Frau, jeweils mit einem Ball spielend, verbindet das Readymade der Moderne mit der klassischen Vanitas-Vorstellung im Miniaturporträt.

 

Kuratiert von Sonja Remensberger

Momente der Zeit
Kunst Museum WinterthurStadthausstraße 6, 8400 Winterthur