Anders Sunna gehört zum Indigenen Volk der Sámi, deren Heimat, Sápmi genannt, sich über die nördlichen Regionen Norwegens, Schwedens, Finnlands und der Kola-Halbinsel in Russland erstreckt. Seine Arbeit entspringt der Auseinandersetzung mit der anhaltenden kolonialen Unterdrückung der Sámi und positioniert Kunst als Zeugenschaft wie auch als Werkzeug im politischen Kampf. In Gemälden, Installationen und Performances greift er auf persönliche und kollektive Geschichten zurück, um die strukturelle Gewalt in staatlichem Handeln und insbesondere in der Regulierung der Rentierzucht in Sápmi aufzudecken.
Sunnas Kunst verbindet dokumentarische Elemente, symbolische Bildsprache und Text in großformatigen, collageartigen Kompositionen und schafft so eine unmittelbare wie vielschichtige Bildsprache. Szenen von Konflikt und Autoritätsfiguren verschränken sich mit Motiven aus den spirituellen Traditionen der Sámi und stellen die vorherrschenden Geschichtsdarstellungen infrage, indem sie eine Perspektive einnehmen, die sich der Auslöschung widersetzt. Seine Bildsprache zeichnet sich durch Dringlichkeit und Direktheit wie auch durch Humor aus. Seine Arbeiten konfrontieren die Betrachtenden mit der Wirklichkeit kolonialer Gewalt – Landenteignung, Ausbeutung der Umwelt und systemische Diskriminierung – und mobilisieren zugleich das kulturelle Gedächtnis als Form der Selbstbehauptung. Objekte wie die samische goavddis (Trommel), die in der Vergangenheit verboten und zerstört wurden, tauchen in seinen Gemälden als Zeichen spiritueller Kontinuität und des Widerstands wieder auf. Auf diese Weise aktiviert Sunna die Kunst als Mittel, um fortdauernde Ungerechtigkeit sichtbar zu machen.
Künstler:innen
Anders Sunna wurde 1985 in Kieksiäsvaara geboren und lebt in Jåhkamåhkke/Jokkmokk, beide schwedischer Teil von Sápmi
Kuratiert von Bettina Spörr