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Nürnberg

Andreas Oehlert. Paper Moon

Mit Paper Moon präsentiert die Kunsthalle Nürnberg eine umfassende Werkschau von Andreas Oehlert. Die Ausstellung verbindet ausgewählte Zeichnungen mit eigens für die acht Oberlichtsäle entwickelten, ortsspezifischen Installationen und raumbezogenen Arbeiten. Eine Retrospektive ist Paper Moon ausdrücklich nicht: Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen treffen auf zahlreiche neue Arbeiten, die unmittelbar auf die Architektur der Kunsthalle Nürnberg reagieren und so einen aktuellen Dialog zwischen früheren Arbeiten und neuen künstlerischen Fragestellungen anstoßen.

 

Andreas Oehlerts Werk bewegt sich souverän zwischen Aquarell, Zeichnung, Fotografie, Skulptur und Installation. Eine zentrale Rolle spielen seine Arbeiten auf Papier, in denen sich Formen, Farben und Strukturen seriell entwickeln. Wiederholung und Variation erzeugen komplexe Ordnungen, die sich zu­gleich jeder eindeutigen Regel entziehen. Ein Strich führt zum nächsten, Farben verdichten sich, Formen reagieren aufeinander oder auf die Grenzen des Blattes. So entstehen Bildräume, die über ihre faktische Zweidimensionalität hinauszuweisen scheinen. Präzision und Schönheit verbinden sich mit Irritation, das Geordnete gerät ins Wanken.

 

Diese Spannung zwischen Fläche und Raum, Ordnung und Störung, Wirklichkeit und Illusion ist zentral für Paper Moon. Der Ausstellungstitel verweist zunächst auf das Papier als grundlegenden Werkstoff Oehlerts. Zugleich bezeichnet „Paper Moon“ etwas künstlich Erzeugtes, das Wirklichkeit vortäuscht: einen Papiermond, eine überzeugende Illusion, deren künstlicher Charakter jedoch sichtbar bleibt. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Kunst von Andreas Oehlert. Vertraute Formen und Materialien werden transformiert, sodass ihre gewohnten Bedeutungen ins Wanken geraten und neue Wahrnehmungen möglich werden. Zugleich verweist der Titel auf verschiedene kulturelle Bezüge – vom Song It’s Only a Paper Moon über Tennessee Williams’ A Streetcar Named Desire bis zu Peter Bogdanovichs gleichnamigem Film –, die sich ebenfalls mit dem Verhältnis von Schein, Inszenierung und Realität auseinandersetzen.

 

Besonders deutlich wird Andreas Oehlerts Verbindung von Zeichnung und Raum in der eigens für die Ausstellung entwickelten Installation Für D. (2026): Dreizehn mittelformatige Aquarelle hängen nicht an der Wand, sondern sind an einem raumgreifenden Geflecht aus schwefelgelben Metallgestängen befestigt. Die Konstruktion verzweigt sich in horizontale Linien und bildet eine neue räumliche Ordnung. Vorder- und Rückseiten, Nähe und Distanz, freier Blick und Überlagerung – die Ansichten verändern sich mit jeder Bewegung. Die Zeichnungen lösen sich aus der Fläche und werden Teil einer räumlichen Komposition, die sich erst im Durchqueren des Raumes vollständig erfahren lässt. Nie ist das gesamte Ensemble gleichzeitig zu überblicken; mit jedem Standort verändern sich die Beziehungen zwischen den einzelnen Blättern und der sie umgebenden Architektur.

 

Die Ausstellung Paper Moon zeigt eine besondere Qualität von Andreas Oehlerts Kunst: Sie begnügt sich nicht damit, Werke zu präsentieren, sondern schafft Situationen, in denen Bilder, Materialien, Raum und Betrachtende aufeinander reagieren. Die Kunsthalle Nürnberg wird zur Bühne eines offenen Wahrnehmungsprozesses – zwischen Präzision und Zufall, Schönheit und Irritation, Wirklichkeit und Illusion. 

Diese Ausstellung beginnt in
9
Tage
0
Std
57
Min
53
Sek
Termine
Start31.10.2026
Ende14.02.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–18:00
Mittwoch11:00–20:00
Donnerstag11:00–18:00
Freitag11:00–18:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunsthalle Nürnberg
Kunsthalle NürnbergLorenzer Straße 32, 90402 Nürnberg

Seit 2008 ist die Kunsthalle Nürnberg Teil des KunstKulturQuartiers, das mit jährlich über 5.000 Veranstaltungen ein großes Angebot aus den verschiedensten Kultursparten bietet: Ausstellungen mit vielfältigen Vermittlungs­angeboten, Filmreihen und Filmfestivals, Tanztheater und Konzerte aller Musikrichtungen, Projekte zur digitalen Kultur sowie spezifische Angebote für unterschiedliche Altersklassen und Zielgruppen. Vernetzt mit zahlreichen Partnern im In- und Ausland konzentriert sich das Team der Kunsthalle Nürnberg heute mit seinem Programm auf Werküberblicke interessanter junger Künstler­persönlichkeiten und aktuelle Themenausstellungen sowie auf einflussreiche künstlerische Positionen seit den 1960er-Jahren. Als Haus ohne eigene Sammlung kann die Kunsthalle Nürnberg auf aktuelle Fragestellungen und Themen der internationalen Gegenwartskunst flexibel reagieren und hat sich längst zu einem der bedeutendsten Orte für die Präsentation von Gegenwartskunst in Bayern entwickelt. Errichtet wurde das Haus bereits 1913 als Kunst-Ausstellungs-Halle. Das Gebäude wurde zunächst von der regionalen Künstlerschaft als Ausstellungsforum genutzt. Die in die Stadtmauer integrierte Architektur mit ihren acht hellen, geräumigen Oberlichtsälen war immer wieder auch Plattform für verschiedene Wanderausstellungen und Präsentationen internationaler Künstler. Parallel dazu beherbergte das Gebäude in seinen frühen Jahren auch eine städtische Polizeiwache. In den 1930er Jahren diente das Gebäude unter dem Namen Fränkische Galerie den Städtischen Sammlungen zur Präsentation von Ausstellungen regionaler Kunst. Bei den Bombenangriffen auf Nürnberg im Zweiten Weltkrieg im Februar 1945 wurde das Gebäude stark beschädigt, so dass der Ausstellungsbetrieb zunächst eingestellt werden musste.