Wie wurde aus Paula Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker – und letztlich die Kunstfigur »Paula« eine Projektionsfläche, die in Literatur, Film und Kunst breit rezipiert wird? Mit rund 70 Gemälden und Papierarbeiten aus Museumssammlungen, der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung und Privatbesitz bietet die Ausstellung BECOMING PAULA einen seltenen Einblick in die Facetten dieser einzigartigen Künstlerinnenbiografie. Sie folgt der Malerin entlang ihrer wichtigsten Studienorte und zeigt, wie sie schon in ihrer Ausbildung ihren eigenen, freien und selbstständigen künstlerischen Weg ging.
Paula Modersohn-Becker ist heute weltberühmt und wird gefeiert als »Pionierin der Moderne« als »Deutschlands Picasso« (FAZ 2007) und »trailblazing artist«/»wegweisende Künstlerin« (The New York Times 2024). Doch wie kam es dazu, dass diese junge Frau, 1876 in Dresden geboren und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bremen, London, Berlin, Worpswede und vor allem Paris künstlerisch sozialisiert, eine der international erfolgreichsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts werden konnte? Die Ausstellung BECOMING PAULA geht dieser Frage nach und zeigt wie aus Paula Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker wurde und letztlich die Kunstfigur »Paula«. Dafür erläutert die Ausstellung Paula Modersohn-Beckers persönliches und professionelles Netzwerk mit Porträts u.a. von Clara Rilke-Westhoff, Rainer Maria Rilke, Martha Vogeler, Lee Hoetger oder der Schwester Herma. Ein weiterer Raum zeigt Studienarbeiten und frühe Werke, entstanden in London und Berlin zwischen 1892 und 1899. Das kaum bekannte und gewürdigte Frühwerk ist eine Entdeckung: So hat man Paula Modersohn-Becker bislang nicht gesehen. Dank Leihgaben aus verschiedenen Privatsammlungen kann erstmals eindrücklich ihre eigenständige künstlerische Entwicklung veranschaulicht werden, die sich parallel zu ihrer Ausbildung vollzog.
Die Ausstellung folgt der Künstlerin nach Worpswede, wo der Akt zum zentralen Bildthema wird, das sie bis zu ihrem frühen Tod weiter beschäftigen wird. Sie gelangt dabei zu ungewöhnlichen und direkten Bildfindungen, die ihresgleichen in der Kunstgeschichte suchen. Dann geht die Reise weiter nach Paris. Mit ihrem heute berühmten Bildern von 1906/07 wird sie ein Teil der damaligen Pariser Avantgarde. Paula Modersohn-Becker war sich der Bedeutung der Werke durchaus bewusst. Auf einem Briefkuvert skizzierte sie ihr Pariser Atelier, an dessen Wänden drei heute als Hauptwerke geltenden Bilder hängen, die in einer Rekonstruktion des Zimmers gezeigt werden. Wie prägend die Kunst von Paula Modersohn-Becker für Künstlerinnen und Künstler im 20. und 21. Jahrhundert werden sollte, veranschaulichen Werke von Georg Baselitz bis Chantal Joffe: Die Faszination der Kunst Paula Modersohn-Beckers ist ungebrochen.

