»Beyond the Sweet and Obvious: African Feminisms Refracted« nimmt Bezug auf Colette Omogbais Manifest aus dem Jahr 1965 mit dem Titel »Man Loves What Is ›Sweet‹ and Obvious«. Darin stellte die nigerianische Künstlerin etablierte Erwartungen infrage – etwa, wie Kunst auszusehen hat, wie sie verstanden werden sollte und wessen Ausdrucksformen überhaupt Anerkennung finden. Ihr Aufruf zu einer »neuen Art des Betrachtens« bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung: eine Einladung, vertraute Kategorien zu verlassen und sich feministischen künstlerischen Praktiken durch wechselnde Perspektiven und unerwartete Bezüge zu nähern.
Die Ausstellung führt künstlerische Positionen aus dem Projekt „African Feminisms“ des Goethe-Instituts mit Werken und Materialien aus der Sammlung und dem Archiv des Iwalewahaus zusammen – ergänzt durch Zeugnisse Schwarzer diasporischer Geschichte sowie familiäre Archive. Sie untersucht, auf welche Weise feministisches Wissen produziert, verkörpert, weitergegeben und transformiert wird. Im Dialog zwischen zeitgenössischen künstlerischen Praktiken und historischen Sammlungsbeständen werden Fragen zu Präsenz, Wert, Erzählweisen, Wissen, Erbe und Neuinterpretation aufgeworfen.
Anstatt diese Positionen chronologisch oder geografisch zu ordnen, arbeitet »Beyond the Sweet and Obvious: African Feminisms Refracted« mit Konstellationen. Werke, Objekte, Archive und Geschichten beleuchten, unterbrechen und verändern einander. Durch diasporische, archivische und institutionelle Brechungen stellt die Ausstellung nicht nur die Frage, wie sich das Iwalewahaus mit afrikanischen Feminismen auseinandersetzen kann, sondern auch, wie afrikanische feministische Praktiken ihrerseits die Art und Weise verändern könnten, wie die Institution sieht, erinnert, sammelt und Wissen produziert.