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Ravensburg

CHARLOTTE SALOMON – LEBEN? ODER THEATER?

Charlotte Salomons (1917 Berlin – 1943 Auschwitz) außergewöhnliches Lebenswerk entstand innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Flucht aus Berlin im Jahr 1939 im Exil in Südfrankreich. Leben? oder Theater? (1940–1942) ist ein umfangreiches Konvolut farbmächtiger Gouachen mit drehbuchartigen Szenen aus Text und Bild. In drei Akte unterteilt verknüpft das Werk Zeichnung und Malerei mit Elementen aus Literatur, Film, Theater, Musik und Philosophie. Im Wechsel von Close-Up und Totale verbindet die deutsch-jüdische Künstlerin autobiografische und fiktive Elemente zu einer virtuosen Neuerzählung ihrer Lebens- und Familiengeschichte. Die antisemitische Verfolgung und existenzielle Bedrohung im Nationalsozialismus bilden den Rahmen ihres sogenannten ›Singespiels‹, das zwischenmenschliche Beziehungen sowie Fragen nach Schicksal und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt rückt. Die Ausstellung stellt 235 der insgesamt 769 Blätter vor und gibt Einblick in ein künstlerisches Werk, das durch seine innovative Bildsprache und experimentelle Erzählstruktur besticht.

 

In Kooperation mit dem Jewish Museum Amsterdam. Kuratiert von Irene Faber, eh. Sammlungskuratorin, Jewish Museum Amsterdam; am Kunstmuseum Ravensburg betreut von Lea Daro.

 

Eröffnung: 4. Dezember 2026, 19 Uhr

Diese Ausstellung beginnt in
43
Tage
20
Std
17
Min
57
Sek
Termine
Start05.12.2026
Ende04.04.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag14:00–18:00
Mittwoch11:00–18:00
Donnerstag11:00–19:00
Freitag11:00–18:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunstmuseum Ravensburg
Kunstmuseum RavensburgBurgstraße 9, 88212 Ravensburg

Fundament des Kunstmuseums Ravensburg ist die Sammlung Selinka, die der ehemalige Werbeberater Peter Selinka (1924–2006) zusammen mit seiner Frau innerhalb von vier Jahrzehnten zusammengetragen hat. Das Profil der Sammlung folgt dem roten Faden einer expressiv-gestischen Tradition durch das 20. Jahrhundert. Expressionismus Etwa zwei Drittel der Sammlung Selinka besteht aus Werken des Expressionismus, die Peter Selinka seit den 1950er Jahren mit Leidenschaft gesammelt hat. Das Sammlungskonvolut mit Haupt- und Nebenlinien der expressionistischen Bewegung gibt einen ausgezeichneten Überblick über die verschiedenen Ausprägungen dieser kunsthistorischen Epoche zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Schwerpunkt der Sammelleidenschaft von Peter Selinka war die Künstlergruppe Brücke mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel oder Otto Mueller. Besonders zahlreich vertreten sind vor allem Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken der Künstlergruppe Brücke um 1910/11, in der sich bei gemeinsamen Aufenthalten der Künstler an den Moritzburger Seen und an der Nordsee der charakteristische expressive Stil herausgebildet hat. Anzahlmäßig weniger vertreten, aber nicht weniger eindrucksvoll, sind die Werke, die Peter Selinka von Künstlern wie Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky aus dem Umkreis der Münchner Künstlerbewegung Blauer Reiter erworben hat. Ein Highlight der Sammlung ist das Spanische Mädchen von Alexej von Jawlensky, das Peter Selinka dem Banker und späteren Vizepräsidenten der USA, Nelson Rockefeller, in den 1970er Jahren abkaufte. Cobra und Spur Ende der 1970er Jahre hat Peter Selinka seine Sammeltätigkeit dann auf die Künstlergruppe Cobra ausgeweitet. Auslöser dafür war der Besuch einer Pierre Alechinsky Ausstellung in Paris. Die Begegnung mit dem Cobra-Mitglied Alechinsky regte Peter Selinka an, den expressiven Sammlungsschwerpunkt auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auszuweiten. Unmittelbar als Reaktion auf den Krieg wurde die Künstlergruppe Cobra 1948 in Paris ins Leben gerufen. Der Name Cobra bildete sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Copenhagen, Brüssel und Amsterdam, aus denen die Gründungsmitglieder stammten. Obwohl die Gruppe nur bis 1951 bestand, hatte sie vor allem in den nordeuropäischen Ländern großen Einfluss. Die Cobra-Künstler suchten in den 1940er Jahren in Abgrenzung gegen eine sich etablierende abstrakte Malerei und gegen einen sozialkritischen Realismus ihren eigenen Weg. An den deutschen Expressionismus anknüpfend, verband die Cobra-Künstler die Suche nach einer ursprünglichen spontanen Expressivität und Authentizität in der Kunst. Anhand der in der Sammlung vertretenen Werke von Cobra Künstlern wie Asger Jorn, Carl-Henning Pedersen, Pierre Alechinsky, Christian Dotremont, Karel Appel, oder Corneille lässt sich diese internationale Künstlerbewegung und die Entwicklung der einzelnen Mitglieder nach Auflösung der Gruppe erfassen. Durch Vermittlung Asger Jorns kamen junge Absolventen der Münchener Kunstakademie mit den Ideen von Cobra in Deutschland in Berührung. Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und Hans-Peter Zimmer schlossen sich 1958 zur Gruppe Spur zusammen. Diese hatte bis 1966 Bestand. In der Sammlung vertreten sind über dreißig Arbeiten dieser Künstlergruppe.

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Weiterführende Literatur