Ausgehend von der kapellenartigen Architektur des Mudam Henry J. and Erna D. Leir Pavillons schafft Christine Sun Kim (geb. 1980) ein Monument, das dem Begriff »forever« nachgeht. Den Kern der Arbeit bilden vier skulpturale Leinwände, die dieses Wort immer wieder in Amerikanischer Gebärdensprache (ASL) wiedergeben.
Kim verwendet diese Sprache nicht nur im Alltag, sondern untersucht in ihrer künstlerischen Praxis auch eingehend, wie sie ausgedrückt, gedeutet und wahrgenommen wird. In der neuen, eigens für das Mudam entstandenen Arbeit knüpft die Künstlerin daran an und erkundet das Verhältnis von Sprache zur Flüchtigkeit des Ausdrucks und zum Wechselspiel von Dauer und Vergänglichkeit.
Die Leinwände von FOR EVER würdigen die Beständigkeit und Widerstandskraft der Taubenkultur und der Tauben Community. Über Jahrhunderte hinweg hat diese Gemeinschaft Unterdrückung und Auslöschung erfahren: durch Versuche, Gebärdensprachen zu verbieten, durch gesellschaftliche Diskriminierung und durch die Medikalisierung von Taubheit. Das geschieht bis heute. Kim, die sonst in Schwarz-Weiß arbeitet, hat die Leinwände in einem Türkiston gefasst – jener Farbe, die weithin als Symbol für Taube Communities gilt und zudem mit universellen Symbolen für Barrierefreiheit sowie mit klinischen Kontexten in Verbindung gebracht wird. In einer Geste der Solidarität und des Engagements lädt die Künstlerin dazu ein, über die fortdauernde Präsenz tauben Daseins nachzudenken und über dessen wechselnde
Sichtbarkeit in historischen, kulturellen und institutionellen Erzählungen. Kim ermutigt das Publikum – Hörende wie Taube –, sich mit diesen Bedrohungen durch Verdrängung auseinanderzusetzen und Taubheit als einen entscheidenden Teil der menschlichen Biodiversität zu behaupten.
Biografie
Christine Sun Kim (1980 in Orange County, Kalifornien) präsentierte Einzelausstellungen und Performances in Institutionen wie dem Whitney Museum of American Art, New York, dem Mori Art Museum, Tokio (2025), dem Art Institute of Chicago, der Secession, Wien (2023), dem Queens Museum, New York (2022), dem Mildred Lane Kemper Art Museum, St. Louis (2021), dem MIT List Visual Arts Center, Boston (2020), De Appel, Amsterdam (2017) und der Tate Modern, London (2016). Sie war zudem an zahlreichen Gruppenausstellungen und Biennalen beteiligt, etwa im SFMoMA, San Francisco (2024), im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, bei der 14. Gwangju Biennale (2023), im The Drawing Center, New York (2022), im Stedelijk Museum, Amsterdam (2021), im MASS MoCA, Massachusetts, im Hamburger Bahnhof, Berlin (2020), bei der Whitney Biennial, New York (2019), der 9. Berlin Biennale, der 11. Shanghai Biennale, im New Museum, New York (2016) sowie im MoMA PS1, New York (2015). Ihre Werke sind in zahlreichen bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter das Museum of Modern Art, New York, das LACMA, Los Angeles, die Tate, London, das Smithsonian American Art Museum, Washington, das Espoo Museum of Modern Art, das Busan Museum of Contemporary Art sowie das Whitney Museum of American Art, New York. Christine Sun Kim lebt und arbeitet in Berlin.
Kurator: Léon Kruijswijk, assistiert von Hollie Douglas