Erstmals in Deutschland befasst sich eine Ausstellung mit den nicht realisierten Projekten von Christo und Jeanne-Claude, die vor allem durch ihre spektakulären Interventionen im Stadt- und Landschaftsraum Berühmtheit erlangten. Dabei stehen den publikumswirksamen Großprojekten mehr als doppelt so viele Vorhaben entgegen, deren Umsetzung scheiterte und die sich entsprechend weniger ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben – darunter etwa auch die Verhüllung von Picassos monumentaler Skulptur Bust of Sylvette auf dem Gelände der New York University.
Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert wird vom 4. April bis zum 28. Juni 2026 im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster zu sehen sein, Deutschlands einzigem Museum, das dem Werk und Einfluss des spanischen Künstlers gewidmet ist. Vor allem in Christo und Jeanne-Claudes druckgrafischem Werk nehmen die unrealisierten Projekte einen großen Platz ein. Die Ausstellung trägt diesem Umstand Rechnung und zeigt vornehmlich die handwerklich teils aufwendig gestalteten Lithografien und Collage-Grafiken des Paares. Das umfangreiche Konvolut, das aus dem Bestand der Christo and Jeanne-Claude Foundation in New York stammt und um weitere Leihgaben aus privaten wie öffentlichen Sammlungen ergänzt wird, gewährt einen umfassenden Einblick in die unbändige Schaffenskraft und Beharrlichkeit der Künstler, die für die Realisierung ihrer Projekte oft jahrzehntelang gegen technische, rechtliche und administrative Hürden kämpften.
Eine Präsentation an frühen Multiples und verhüllten Objekten beleuchtet zum Auftakt der Ausstellung Christo und Jeanne-Claudes künstlerische Anfänge im Paris der 1950er- und 1960er-Jahre bis hin zu ihrem Umzug nach New York 1964. Zum ersten Mal überhaupt sind nahezu sämtliche ihrer frühen Auflagenobjekte versammelt, manche davon in mehrfacher Ausführung, um so den seriellen Unikatcharakter dieser Editionen deutlich zu machen. Dass zum Erfolg auch das Scheitern gehört, macht die Ausstellung auf eindrückliche Weise deutlich. Christo und Jeanne-Claude haben mit ihren Arbeiten im öffentlichen Raum sowohl politische, ökonomische als auch soziale Fragen berührt und damit nicht selten vehemente Ablehnung provoziert. Beispielhaft beleuchtet eine Auswahl an Originalzeichnungen, Collagen und Filmmaterial den 25-jährigen Kampf um das Projekt Over the River, das zunächst genehmigt und schließlich nach zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen von Christo aufgegeben wurde.
Die Ausstellung wird von Matthias Koddenberg kuratiert, selbst Münsteraner, enger Freund von Christo und Jeanne-Claude und über 20 Jahre lang Teil ihrer »Arbeitsfamilie«. Sie versammelt über einhundert Arbeiten aus sechzig Jahren und ermöglicht einen tiefen Einblick in Christo und Jeanne-Claudes facettenreiches Schaffen, das durch seinen ästhetischen Anspruch und kollektiven Ansatz nicht erst in der Realisierung, sondern bereits im Entwurf und Prozess seine visuelle und gesellschaftliche Kraft entfaltete.

