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Leverkusen

Cihan Çakmak – like a warrior

»Ich mache Kunst, weil ich muss. Ich sollte keine Kunst machen. Meine Mutter sagt. Die Männer in der Kunstwelt sagen. Die Kunstwelt sagt. Aber ich mache. Ich sehe.«  − Cihan Çakmak
 

Das Museum Morsbroich zeigt in seinem 75. Jubiläumsjahr die erste museale Einzelausstellung von Cihan Çakmak (*1993, lebt und arbeitet in Berlin und Lissabon). In verschiedenen Medien – Fotografie, Zeichnung, Video, Sound und Text – verwebt Cihan Çakmak Fragmente persönlicher Erfahrung mit kollektiven Erinnerungsräumen und verhandelt Fragen nach Identität, Herkunft, transgenerationalen Traumata und feministischer Selbstbehauptung.

 

Ausgehend von ihrer eigenen Identität konfrontiert uns Cihan Çakmak mit einem Gegenüber, das sich stark, wütend und verletzlich zeigt. Zugleich bewegt sich das Werk in einem ambivalenten Verhältnis zwischen Zeigen und Verbergen, Emanzipation und Schutzlosigkeit und öffnet damit den Raum für aktuelle, gesellschaftskritische Fragen: Wie schreiben sich kulturelle Narrative in Körper, Psyche und Wahrnehmung ein? Wie wirken sie über Generationen fort – und wie lassen sie sich sichtbar machen, verschieben und auflösen?

 

Im Zusammenspiel der unterschiedlichen kulturellen Bezüge und Medien entsteht ein Spannungsfeld zwischen Konstruktion und Unmittelbarkeit, zwischen äußerem Bild und innerem Erleben, in dem sich persönliche und kollektive Erfahrungen überlagern. Identität wird in den Arbeiten von Cihan Çakmak nicht als feste Kategorie dargestellt, sondern in Beziehung gesetzt: zu anderen Körpern, zu Erinnerungen und zu Geschichte. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei das Selbstporträt ein. Das eigene Bild fungiert als Projektionsfläche des fremden Blicks und zugleich als Mittel der Dekonstruktion von normativen Rollenzuschreibungen und vererbten Erwartungen. Selbstinszenierung wird zum Werkzeug der Selbstermächtigung und des Widerstands – Sich-Zeigen zum Akt der Rebellion.

 

Die Ausstellung umfasst rund 60 Arbeiten und widmet sich neben Fotografien sowie Video- und Soundarbeiten erstmals auch umfassend den seit 2019 entstehenden Zeichnungen von Cihan Çakmak.

 

Zur Ausstellung erscheint ein begleitender Katalog bei SHIFT BOOKS mit Beiträgen von Şeyda Kurt, Maike Salazar Kämpf, Cihan Çakmak und Thekla Zell. Der Katalog wird unterstützt durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Rahmen des Förderpreises »Kataloge für junge Künstler:innen«.

 

Kuratorin der Ausstellung: Thekla Zell

Diese Ausstellung endet in
17
Tage
20
Std
18
Min
49
Sek
Termine
Start12.07.2026
Ende08.11.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–17:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum Morsbroich
Museum MorsbroichGustav-Heinemann-Straße 80, 51377 Leverkusen

Bis zum Jahr 1986 gab es in Nordrhein-Westfalen lediglich zwei Museen, die sich dem Thema Gegenwartskunst gewidmet hatten: die Kunstmuseen Krefeld und das Museum Morsbroich, Leverkusen. Mit ihrer besonderen Ausrichtung zogen die Städte Krefeld und Leverkusen weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus Gäste an. Schon zur Zeit des Direktorats von Udo Kultermann (1959–1964) und daran anschließend während der Leitungstätigkeit von Rolf Wedewer (1965–1995) hat das Museum Morsbroich zahlreiche legendäre Ausstellungen organisiert, die den international herausragenden Ruf von Leverkusen als Museumsstadt festigten. Udo Kultermann zeigte 1960 die weltweit erste Museumsausstellung zur »Monochromen Malerei«. Er veranstaltete vom 5.–7. Mai 1961 die »Kulturtage« unter Beteiligung von Theodor W. Adorno, Max Bense, Helmut Heissenbüttel u.v.a. Kultermann richtete 1962 die erste Retrospektive des Werks von Lucio Fontana aus und holte 1963 den jungen Architekten Oswald M. Ungers als Kurator nach Leverkusen, der Anfang der 1980er Jahre den Umbau und die Sanierung des Museums leitete. Rolf Wedewer machte unter anderem das Jahr 1969 zu einem unvergessenen Ausstellungsjahr, als er mit »Konzeption – Conception« die weltweit erste Museumausstellung zur Konzeptkunst zeigte, die bis heute die Kunstproduktion dominiert, und mit der Ausstellung »Räume – environments« das barocke Schloss in einen von Künstlern raumweise gestalteten Parcours verwandelte. 1986 veränderte sich die Museumslandschaft in NRW grundlegend, als in Düsseldorf die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ihren Neubau am Rand der hochfrequentierten Altstadt eröffnete und die Stadt Köln dem Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig einen repräsentativen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom und Hauptbahnhof errichtete. Beide Häuser sind – genauso wie das 1982 eröffnete Museum Abteiberg in Mönchengladbach – der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst gewidmet.

Ausstellungskatalog