demnächst
Erlangen

CIRCUS – Lion Bischof, Felix Burger, Otakar Skala

Eine Meerjungfrau jongliert mit einem Ball. Ein auf einem Dinosaurier reitender Mann wartet unter dem strengen Blick des Dompteurs auf Anweisungen. Franz Liszt verirrt sich in die bayerische Forstwirtschaft, während im tschechischen Sportverein zwischen Aufschlag und Annahme die Regeln des Hanky Codes verlesen werden. Heuballen rollen über Felder, High Heels versinken im Waldboden und Provinzstädte werden zerhämmert.

 

Zwischen Autobahn und Queerness, Fußball und Modelleisenbahn, falschen Wimpern und Dorfkneipe zieht der CIRCUS weiter. Er schlägt sein Zelt dort auf, wo keines vorgesehen ist, lässt Vertrautes für einen Moment fremd und Fremdes merkwürdig vertraut erscheinen. Landschaften werden zu Kulissen, Erinnerungen zu Requisiten und Biografien zu Rollen, die angezogen, überzeichnet und wieder abgelegt werden.

 

Seit 2023 entwickeln Lion Bischof, Felix Burger und Otakar Skala CIRCUS als fortlaufendes performatives Filmprojekt auf Reisen durch Oberbayern und Tschechien. Biografisch geprägte Orte verwandeln sich in temporäre Bühnen, auf denen unterschiedliche soziale Milieus, Vorstellungen von Männlichkeit, Sexualität, Herkunft und Zugehörigkeit aufeinandertreffen.

 

Burger und Skala fungieren in ihren Auftritten häufig als Antipoden. Verschiedenen gesellschaftlichen Milieus entstammend, queer oder straight lebend, dörflich oder städtisch aufgewachsen, wechseln sie die Rollen, agieren als Doppelgänger und fordern sich gegenseitig heraus. Neben inszenierten Abläufen bilden Gespräche unter den Protagonisten einen zentralen Punkt des Projekts. Das Ensemble unterhält sich über eigene Rollenzuweisungen in künstlerischen Systemen, über biografische Privilegien und Hürden oder vollzieht einen Realitätsabgleich mit früheren Lebensidealen. Bischofs Kamera begleitet und choreografiert diesen Prozess und wird selbst zum Teil des gemeinsamen Unterwegsseins.

 

CIRCUS hinterfragt Geschlechterstereotype und lotet mit viel Empathie und Humor die Möglichkeiten für einen Erfahrungsaustausch zwischen ganz unterschiedlichen Männern aus. Das Projekt hat keinen zeitlich festgelegten Rahmen, sondern wird von den drei Künstlern als fortlaufend betrachtet. So wächst CIRCUS zwischen Dokumentation und Inszenierung, Biografie und Fiktion mit jeder Reise weiter – ohne festen Ort und endgültige Form.

 

Ebenso wenig determiniert ist die Präsentationsform im institutionellen Rahmen. Das Kunstpalais realisiert CIRCUS als immersive Ausstellung mit umfangreichem Begleitprogramm.

Diese Ausstellung beginnt in
57
Tage
9
Std
50
Min
39
Sek
Termine
Start28.11.2026
Ende21.02.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00, jeder 1. Donnerstag: 10:00–20:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunstpalais Erlangen
Kunstpalais ErlangenMarkt­platz 1, 91054 Erlangen

Zum Kunst­pa­lais gehört die Städ­ti­sche Samm­lung Erlangen, die bisher weit über 4.500 Werke umfasst. Ihr Schwer­punkt liegt auf inter­na­tio­naler multi­pli­zierter Kunst: Grafiken, Multi­ples und Künst­ler­bü­cher sowie Foto­grafie und Video­ar­beiten. Seit die Samm­lung 1966 begonnen wurde, ist sie immens ange­wachsen, sowohl durch Schen­kungen von Künstler:innen und Privat­per­sonen also auch durch Ankäufe aus dem städ­ti­schen Etat. Sie versteht sich als Ideen­ge­schichte der Kunst nach 1945: ob Pop Art, Op-Art, Land Art, Konkrete Kunst oder Informel – alle bedeu­tenden Kunst­rich­tungen von der Nach­kriegs­zeit bis heute sind in Erlangen vertreten. Jedes Jahr wird die Samm­lung um sorg­fältig ausge­wählte neue Arbeiten ergänzt, um auch weiterhin die neueste Kunst­ge­schichte mit ihren wich­tigsten Vertreter:innen reprä­sen­tieren zu können. Zu den Aufgaben, die mit der Samm­lung verbunden sind, zählen nicht nur deren Bewah­rung, Erfor­schung und Fort­füh­rung. Auch das Zeigen und Vermit­teln dieser Schätze ist uns ein wich­tiges Anliegen. So sind die Werke aus der Städ­ti­schen Samm­lung sowohl in thema­ti­schen Grup­pen­aus­stel­lungen des Kunst­pa­lais sowie auch in eigenen Samm­lungs­prä­sen­ta­tionen zu sehen. Die Neuerwer­bungen jeden Jahres stellen wir in unserem Blog vor und präsen­tieren sie nach Möglich­keit bei ihrer Ankunft in den Ausstel­lungs­räumen. Derzeit fehlt ein Ort für eine dauer­hafte öffent­liche Präsen­ta­tion der Samm­lung. Das Kunst­pa­lais arbeitet aber bereits intensiv an ihrer Digi­ta­li­sie­rung – ausge­wählte Arbeiten gibt es bereits jetzt schon mit Text und Bild auf der Home­page zu entde­cken.