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Wiesbaden

Daniela Comani – Orlando’s Library. Intervention

Im Rahmen der Ausstellung »Die Blauen Reiterinnen«, die zwölf Künstlerinnen aus dem Umfeld des Blauen Reiters in den Mittelpunkt stellt, zeigt die zeitgenössische Künstlerin Daniela Comani in der anschließenden Sammlungspräsentation ihre Intervention »Orlando’s Library«. Ihre Arbeit setzt sich mit den in der Ausstellung verhandelten Fragen von Sichtbarkeit und kunsthistorischer Zuschreibung auseinander.

 

Auf den ersten Blick erscheint die großformatige Arbeit wie eine beeindruckende Bibliothek: 240 Bücher reihen sich in acht Regalen aneinander. Erst bei näherer Betrachtung wird sichtbar, dass Comani die Buchcover verändert und die Titel bekannter Werke der Literatur- und Kulturgeschichte auf subtile Weise neu kontextualisiert hat.

 

Auch ein Buch mit dem Titel »Die Blaue Reiterin« findet sich in dieser Bibliothek und schlägt damit eine direkte Brücke zur Ausstellung. Aus dem vertrauten »Blauen Reiter« wird »Die Blaue Reiterin«: eine kleine sprachliche Verschiebung des Titels, die den Blick auf die Künstlerinnen im Umfeld des Blauen Reiters lenkt und zugleich die Frage aufwirft, wer in der Kunstgeschichte sichtbar bleibt und wer in den Hintergrund gerät.

 

Mit »Orlando’s Library« lädt Daniela Comani dazu ein, genau hinzusehen und Vertrautes neu zu lesen. Was zunächst wie eine Bibliothek erscheint, wird so zu einem überraschenden Spiel mit Erinnerung, Geschlecht und kulturellem Kanon.

 

Daniela Comani arbeitet mit der Umdeutung bekannter Geschichten und Rollenbilder. Besonders durch den gezielten Wechsel von Geschlechterrollen macht sie sichtbar, wie Sprache unser Denken prägt und wie stark der kunst- und kulturgeschichtliche Kanon bis heute von männlichen Perspektiven bestimmt ist.

Diese Ausstellung beginnt in
15
Tage
11
Std
29
Min
0
Sek
Termine
Start23.10.2026
Ende21.02.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–21:00
Freitag11:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum Wiesbaden
Museum WiesbadenFriedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Die Gründung der Wiesbadener Museumssammlungen verdankt sich bürgerlichem Engagement des frühen 19. Jahrhunderts. Der Grundstock der Sammlungen geht auf die bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende Sammlertätigkeit des Privatsammlers Johann Isaac Freiherr von Gerning zurück. Einer Anregung des in Wiesbaden zur Kur weilenden Johann Wolfgang von Goethe folgend, wurden die Kunstwerke, Altertümer und Naturalien von Gernings vom Staat Nassau erworben und zunächst im Palais des Nassauischen Erbprinzen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Folge bildeten sich drei Museen, deren Träger der Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, der Nassauische Verein für Naturkunde und der Nassauische Kunstverein waren. Im Jahr 1900 gingen die drei Museen in städtisches Eigentum über. Zwischen 1913 und 1915 entstand ein Neubau nach Plänen des Architekten Theodor Fischer. In der Konzeption des Fischer-Baus entstand ein modernes Gebäude, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der drei Sparten gerecht wurde und bereits Platz für wechselnde Ausstellungen bot. In den 1920er und frühen 1930er Jahren entwickelten die Direktoren mit Unterstützung der assoziierten Vereine eine rege Sammel- und Ausstellungstätigkeit. Auch wurden mit Hilfe Wiesbadener Bürger:innen wichtige Sammlungsergänzungen in allen Bereichen vorgenommen. Als Dauerleihgabe des Kunstmuseums gehörten dazu zahlreiche Gemälde des Wiesbadener Sammlers Heinrich Kirchhoff. In diese Zeit fällt auch die Wirkungszeit des Präparators Josef Burger, der eine umfangreiche und hochwertige Sammlung zur Präsentation in der Dauerausstellung des Naturhistorischen Museums schuf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen alle Gemälde aus dem Umfeld des Expressionismus, wie beispielsweise Werke von Jawlensky oder Klee, und der konstruktiven Positionen zunächst ins Depot des Museums. Im Jahr 1937 wurden die Arbeiten dann ins zentrale Sammellager nach Potsdam abtransportiert. Der Sammler Heinrich Kirchhoff musste seine Dauerleihgaben zurücknehmen. Von 1935 bis 1945 war Hermann Voss Direktor des Museums. Unter seiner Leitung wurden über 200 Werke erworben, darunter auch hochkarätige Barockgemälde. Ab 1943 war Voss parallel Sonderbeauftragter für das Führermuseum in Linz. Seine Erwerbungen werden derzeit auf ihre rechtmäßige Provenienz hin untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass zahlreiche Gemälde unrechtmäßig aus jüdischem Besitz in das Museum gelangten. Nach Kriegsende wurde das Gebäude zum »Central Collecting Point« der Amerikaner. Nachdem die hier vorübergehend eingelagerten Kunstschätze – darunter die Büste der Nofretete und Rembrandts Mann mit dem Goldhelm – wieder an ihre Besitzer:innen zurückgegeben worden waren, begann in den 1950er und 1960er Jahren mit sparsamsten Mitteln eine Phase der Wiedereinrichtung der Sammlungen. In diese Zeit fällt auch der beginnende Aufbau der heute wertvollsten und bedeutendsten Sammlung der Kunst – der Jawlensky-Sammlung – durch den damaligen Museumsdirektor Clemens Weiler. Im Jahr 1973 übereignete die Stadt Wiesbaden die drei Sammlungen dem Land Hessen, das sie seitdem als Museum Wiesbaden betreibt. Heute stehen den beiden Abteilungen, der Kunstsammlung und den Naturhistorischen Sammlungen, 7.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Abwechslungsreich proportionierte Galerien mit weiträumigen Durchblicken und großzügige neue Ausstellungsräume bilden ein attraktives Umfeld für anregende Begegnungen mit Exponaten der Kunst und Natur.