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Wiesbaden

Die Blauen Reiterinnen

»Hochverehrte Prinzessin, vieladeliger wilder Junge, süße Malerin, wann darf ich kommen – ich träume von der Süßigkeit Ihrer Bilder. (Der Prinz von Theben) Else Lasker-Schüler (Der blauen Reiterreiterin Freundin.)«

Else Lasker-Schüler an Marianne von Werefkin 1913

 

Der »Blaue Reiter« ist ein Kreis von unterschiedlichsten Persönlichkeiten, die im Bereich der ästhetischen Theorie, Malerei, Grafik, Literatur und Musik Visionäres geleistet haben. Mit seinen beiden in den Jahren 1911 und 1912 organisierten Ausstellungen und dem 1912 herausgegebenen Almanach steht er für eine Subjektivierung in der Kunst, die Befreiung der Farbe vom Gegenstand und die Idee einer Gleichwertigkeit von künstlerischen Ausdruckformen unterschiedlicher Epochen, Gattungen und Regionen. Damit ist er Teil der internationalen Avantgardebewegungen vor dem Ersten Weltkrieg.

 

Nahezu völlig unerforscht blieb bis heute, welchen großen Anteil die einzelnen Künstlerinnen im Umfeld des »Blauen Reiter« an der Entwicklung der Moderne hatten, welche Strategien und Netzwerke sich diese zurechtlegten, um trotz des damals herrschenden, ihnen völlig widrigen gesellschaftlichen Normengefüges ein Leben als selbstständige Künstlerin führen zu können, und wer waren all die mitunter völlig vergessenen, in ihren Lebensläufen kaum mehr zu rekonstruierenden Künstlerinnen überhaupt, das sind die Themen der Ausstellung Die Blauen »Reiterreiterinnen«. Und hier sind sie:

 

Erma Bossi – Sonia Delaunay-Terk – Emmi Dresler – Elisabeth Epstein – Elisabeth Erdmann-Macke – Natalia Gontscharowa – Else Lasker-Schüler – Maria Franck-Marc – Olga Meerson – Gabriele Münter – Carla Pohle – Marianne von Werefkin

 

Eine Ausstellung des Museum Wiesbaden in Kooperation mit dem Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München sowie der Fondazione Marianne Werefkin in Ascona/CH

Diese Ausstellung beginnt in
1
Tage
4
Std
11
Min
24
Sek
Termine
Start23.10.2026
Ende21.02.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–21:00
Freitag11:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum Wiesbaden
Museum WiesbadenFriedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Die Gründung der Wiesbadener Museumssammlungen verdankt sich bürgerlichem Engagement des frühen 19. Jahrhunderts. Der Grundstock der Sammlungen geht auf die bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende Sammlertätigkeit des Privatsammlers Johann Isaac Freiherr von Gerning zurück. Einer Anregung des in Wiesbaden zur Kur weilenden Johann Wolfgang von Goethe folgend, wurden die Kunstwerke, Altertümer und Naturalien von Gernings vom Staat Nassau erworben und zunächst im Palais des Nassauischen Erbprinzen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Folge bildeten sich drei Museen, deren Träger der Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, der Nassauische Verein für Naturkunde und der Nassauische Kunstverein waren. Im Jahr 1900 gingen die drei Museen in städtisches Eigentum über. Zwischen 1913 und 1915 entstand ein Neubau nach Plänen des Architekten Theodor Fischer. In der Konzeption des Fischer-Baus entstand ein modernes Gebäude, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der drei Sparten gerecht wurde und bereits Platz für wechselnde Ausstellungen bot. In den 1920er und frühen 1930er Jahren entwickelten die Direktoren mit Unterstützung der assoziierten Vereine eine rege Sammel- und Ausstellungstätigkeit. Auch wurden mit Hilfe Wiesbadener Bürger:innen wichtige Sammlungsergänzungen in allen Bereichen vorgenommen. Als Dauerleihgabe des Kunstmuseums gehörten dazu zahlreiche Gemälde des Wiesbadener Sammlers Heinrich Kirchhoff. In diese Zeit fällt auch die Wirkungszeit des Präparators Josef Burger, der eine umfangreiche und hochwertige Sammlung zur Präsentation in der Dauerausstellung des Naturhistorischen Museums schuf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen alle Gemälde aus dem Umfeld des Expressionismus, wie beispielsweise Werke von Jawlensky oder Klee, und der konstruktiven Positionen zunächst ins Depot des Museums. Im Jahr 1937 wurden die Arbeiten dann ins zentrale Sammellager nach Potsdam abtransportiert. Der Sammler Heinrich Kirchhoff musste seine Dauerleihgaben zurücknehmen. Von 1935 bis 1945 war Hermann Voss Direktor des Museums. Unter seiner Leitung wurden über 200 Werke erworben, darunter auch hochkarätige Barockgemälde. Ab 1943 war Voss parallel Sonderbeauftragter für das Führermuseum in Linz. Seine Erwerbungen werden derzeit auf ihre rechtmäßige Provenienz hin untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass zahlreiche Gemälde unrechtmäßig aus jüdischem Besitz in das Museum gelangten. Nach Kriegsende wurde das Gebäude zum »Central Collecting Point« der Amerikaner. Nachdem die hier vorübergehend eingelagerten Kunstschätze – darunter die Büste der Nofretete und Rembrandts Mann mit dem Goldhelm – wieder an ihre Besitzer:innen zurückgegeben worden waren, begann in den 1950er und 1960er Jahren mit sparsamsten Mitteln eine Phase der Wiedereinrichtung der Sammlungen. In diese Zeit fällt auch der beginnende Aufbau der heute wertvollsten und bedeutendsten Sammlung der Kunst – der Jawlensky-Sammlung – durch den damaligen Museumsdirektor Clemens Weiler. Im Jahr 1973 übereignete die Stadt Wiesbaden die drei Sammlungen dem Land Hessen, das sie seitdem als Museum Wiesbaden betreibt. Heute stehen den beiden Abteilungen, der Kunstsammlung und den Naturhistorischen Sammlungen, 7.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Abwechslungsreich proportionierte Galerien mit weiträumigen Durchblicken und großzügige neue Ausstellungsräume bilden ein attraktives Umfeld für anregende Begegnungen mit Exponaten der Kunst und Natur.

Weiterführende Literatur

Weiterführende Informationen

Gruppendynamik – Der Blaue Reiter