Stipendiat der Günther-Peill-Stiftung (2024–26)
Mit »postponing a million ways to die« präsentiert das Leopold-Hoesch-Museum die erste museale Einzelausstellung des brasilianisch-argentinischen Künstlers Dudu Quintanilha.
Seine medienübergreifenden Arbeiten umkreisen das Potenzial von Kunst als Werkzeug zur Untersuchung sozialer und existenzieller Fragen, wobei Körpern und ihrer politischen Dimension eine zentrale Rolle zukommt. In experimentellen Formaten, die gelebte Erfahrung in den institutionellen Raum transportieren, hinterfragt der Künstler Akte dokumentarischer Bildproduktion ebenso wie Wahrnehmungsprozesse. Häufig entstehen seine performancebasierte Videoarbeiten in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen, teils durch die normative Gesellschaft marginalisierte Gruppen oder Individuen. Der Genese der Werke liegt ein dialogischer Prozess zugrunde, in dem Praxen des Zuhörens, Kommunizierens und Aufführens eine entscheidende Rolle zukommt. Mit der Setzung spezifischer Parameter steckt Quintanilha konzeptuelle Handlungsrahmen ab, innerhalb derer sich seine Arbeiten prozessual entfalten. Improvisation und Zufall fungieren dabei als integrale Bestandteile künstlerischer Prozesse, die Offenheit gegenüber Kontrolle, Durchlässigkeit gegenüber Grenzziehungen präferieren.
In Quintanilhas Ausstellung liegt der Fokus auf der Untersuchung der Verbindung zwischen Kunst und Spiritualität. Mit zwei neuen, jüngst in Brasilien entstandenen Videoarbeiten knüpft er an ein thematisches Feld an, dessen Erkundung 2022 mit der ebenfalls präsentierten, audiovisuellen Arbeit »À Cabeça« (dt.: »An den Kopf«) begann. Letztere basiert auf der künstlerischen Auseinandersetzung mit einem Initiationsritus der afrobrasilianischen Religion Candomblé. Das kollektive Ritual in der Natur, das den Künstler vor allem unter performativen Gesichtspunkten interessiert, entzieht sich medialer Repräsentation. Mit der Arbeit schafft Quintanilha eine neue visuell-akustische Konfiguration, die fragmentarisch mit der Erfahrung des spirituellen, nicht-abbildbaren Rituals verknüpft ist, zugleich aber in ihrer intermedialen Eigenheit aus Projektion, Sound und Licht künstlerische Eigenständigkeit behauptet.
Diesen Aspekt vertieft der Künstler – für den das Filmen performativer Situationen ebenfalls ritualhaften Charakter hat – in seinen erstmals präsentierten, schwarz-weißen Videoarbeiten »Ato-Reliquia« (2026) und »Untitled« (Suspended Body) (2026). Die Arbeiten dokumentieren performative Aktionen, die sich in den spezifischen Räumlichkeiten eines Klosterinnenhofes sowie eines Zirkuszeltes entfalten. Während eine dynamisch kreisende Kamera in ersterem Film den expressiven, tranceartigen Tanz des Protagonisten einfängt und in Dialog mit diesem tritt, verfolgen wir in letzterem, wie der Körper eines Performers an einem Seil in die Zirkuskuppel gezogen wird, um fast schwerelos wirkende Gesten in großer Höhe zu performen. Beide Arbeiten schaffen starke Bilder, die auf unterschiedliche Weise von Nähe und Vertrauen erzählen, vom Loslassen und Einlassen auf spezifische Situationen, in denen sich physische Erfahrungen und mentale Zustände untrennbar überlagern.
Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Arbeiten, in denen sich Video und Fotografie teils interaktiv mit Skulptur verbinden. Gemeinsam eröffnen sie einen phänomenologischen Erfahrungsraum, der Fragen zum spirituellen Potenzial künstlerischer Praxis aufwirft – und als Plädoyer für Welt- und Selbstbeziehungen verstanden werden kann, die sich jenseits logisch-rationaler Erkenntnisprozesse abspielen.
Eröffnung: 2. Oktober 2026, 19 Uhr
Zur Eröffnung sprechen:
Frank Peter Ullrich, Bürgermeister der Stadt Düren
Dr. Eberhard Peill, Vorsitzender der Günther-Peill-Stiftung
Andreas Prinzing, Kurator der Günther-Peill-Stiftung
Markus Mascher, kommissarischer Leiter LHM
Der Künstler ist anwesend.
Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.