Schönheit im Unvollkommenen entdecken
Während man in Europa das makellose und fein gearbeitete Porzellan feierte, entwickelte Japan eine eigene Ästhetik der Keramik, die von rauen Oberflächen und asymmetrischen Formen geprägt ist – eine Handwerkskunst, die bis heute hohes Ansehen genießt.
Ab dem 16. Jahrhundert begannen europäische Sammler, sich für asiatisches Porzellan zu begeistern. Dabei genossen transluzide, makellose Porzellanobjekte aus China und Japan die höchste Wertschätzung.
Im Gegensatz dazu hatte sich in Japan bei vornehmen Kennern und Sammlern ein völlig anderer, nicht weniger raffinierter Geschmack herausgebildet. Insbesondere für die Teezeremonie (chanoyu 茶の湯) bevorzugten Feudalherren (daimyo 大名) und Gelehrte Gefäße mit rauen Oberflächen, asymmetrischen Formen und beim Brennen entstandenen, nicht planbaren Spuren oder Fehlstellen. Auch heute schaffen Meistertöpfer in Japan noch Werke, die diese ästhetischen Ideale verkörpern.
Drei Produktionszentren japanischer Keramik stehen im Mittelpunkt der Ausstellung: Bizen (備前), Hagi (萩) und Shigaraki (信楽). Hinter den Werken stehen jedoch nicht nur bestimmte Orte, sondern auch Künstlerfamilien. Der Name des führenden Keramikmeisters einer Familie wird von Generation zu Generation weitergegeben.
Die hier ausgestellten Kunstwerke stammen aus der Sammlung von Heinz Slunecko, der seit mehr als dreißig Jahren leidenschaftlich und mit großer Kennerschaft japanische Keramikkunst sammelt. Sie sind Teil einer lebendigen Tradition, die zeitgenössische Töpfer in Japan bis heute pflegen und neu interpretieren.