läuft
Kleve

Enya Burger – A Matter of Record

Die Werner Deutsch-Preisträgerin Enya Burger richtet im Museum Kurhaus Kleve eine ortsspezifische Ausstellung mit neuen Arbeiten ein. Ihre Werke befassen sich mit verschiedenen Themenfeldern, von Biologie über Mythologie und Geschichte bis hin zur Soziologie. Ein wichtiger Bezugspunkt der Künstlerin sind wissenschaftliche Methoden und die Art und Weise wie diese Tatsachen schaffen, obwohl ihre Objektivität häufig von besonderen Interessen geleitet ist. Dem herkömmlichen Klassifizieren und Ordnen begegnet sie mit Prozessen und Materialien, welche die bekannten Kriterien unterwandern. So interessiert sie sich für flüssige oder flüchtige Materialien wie Schleimpilze oder Pollen, die sich einer klar erkennbaren Ordnung und Stabilität widersetzen und anstelle dessen eine ständige Wandelbarkeit definieren.

 

In ihrer Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve wird Enya Burger neue Arbeiten aus den Reihen der »Landscaping« und der »Register« zeigen. Bei beiden Serien geht es um das Schaffen von Kartografien, die weniger auf terrorialen Abgrenzungen als auf dem Sichtbarmachen von Prozessen basieren. Während die Strukturen auf den ersten Blick an uns bekannte Landkarten erinnern, sind sie durch mikroskopische Bilder von körpereigenen Flüssigkeiten oder dem Abdruck pflanzlicher Materialien entstanden. So bestehen die »Landscaping« aus gefalteten Japanpapieren, auf welche die mikroskopischen Aufnahmen menschlichen Schleims gedruckt und die anschließend in eine haptische Struktur gefaltet wurden. Die Oberflächenstrukturen beruhen auf unsichtbaren körpereigenen Prozessen, die weder von der Wahrnehmung registriert noch von ihr eingeordnet werden können. Es entstehen Formen von Landschaften, die sich ständig neu erschaffen wie der im Titel gebrauchte Tätigkeitsbegriff »Landscaping« beschreibt. Ähnlich verhält es sich mit den »Register«-Werken, die sich mit der Ordnung von wissenschaftlichen Systemen auseinandersetzen. Es sind Objekte, die an Weltkarten erinnern, die aber in der vorliegenden Form auf eine andere Art der Kartografie verweisen. Die Spuren sind durch Pollen entstanden, die in Draht gepresst und auf darunter liegende Archivkästen aufgezogen wurden. Sie verweisen und negieren gleichzeitig eine vorgegebene Systematik und schaffen anstelle dessen Aggregate, die sich in der Zusammensetzung, Form und Dichte jederzeit verändern können.

 

Für die Ausstellung »A Matter of Record« ist auch eine neue 2-Kanal-Videoarbeit entstanden, die sich mit der Figur von Prinz Moritz von Nassau-Siegen (1604–1679) auseinandersetzt. Der Statthalter von Kleve, der unter dem Wahlspruch »qua patet orbis« (»soweit der Erdkreis reicht«) im brasilianischen Recife in Namen der Westindischen Kompanie eine Kolonie gründete und verwaltete, ist im und um das Museum mit seinen Parkanlagen und den in den Kolonien entstandenen Grafiken präsent. Wurde sein Einfluss lange Zeit im Kontext von kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften gesehen, werden seine Tätigkeiten in aktuellen Forschungen auch kritisch beleuchtet. Wie der Historiker Erik Odegard zeigen konnte, war von Nassau-Siegen während seiner Zeit in der brasilianischen Kolonie (1936-1644) in einen Sklavenhandel verwickelt, den er neben seiner Tätigkeit als Gouverneur betrieb und die einzig seinem persönlichen Profit diente.

 

Mit Prof. Dr. Werner Deutsch verstarb am 12. Oktober 2010 einer der großen Freunde der Kunst am Niederrhein und ein engagierter Förderer des Museum Kurhaus Kleve. Zu seiner Person siehe auch die unten beigefügte Download-Datei. In Erinnerung an ihn und an seine Verdienste um Kunst und Kultur wird seit 2012 der »Werner Deutsch Preis für Junge Kunst« ausgelobt. Der Preis wird verliehen im Museum Kurhaus Kleve in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. Das Preisgeld (inkl. Honorar) beträgt 3.000 Euro, mit der Auszeichnung verbunden ist eine Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve.

Diese Ausstellung endet in
104
Tage
16
Std
10
Min
38
Sek
Termine
Start17.10.2026
Ende31.01.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–17:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum Kurhaus Kleve
Museum Kurhaus KleveTiergartenstraße 41, 47533 Kleve

Das Museum Kurhaus Kleve wurde nach beinahe zehnjähriger Planungs- und fünfjähriger Bauzeit 1997 eröffnet. Sein heutiges Aussehen verliehen ihm, in effektiver Zusammenarbeit und sorgsamen Umgang mit dem historischen Kern, der niederländische Typograph und Entwerfer Prof. Walter Nikkels und der Architekt Heinz Wrede. Innerhalb der klassizistischen und wilhelminischen Mauern konnte ein meisterliches Zusammenspiel der denkmalwürdigen Bausubstanz mit neuer Architektur erzielt werden. Die Sammlungstradition der ehemaligen Herzogstadt Kleve reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Unter Herzog Wilhelm dem Reichen (1539–1592) wurden auf der Klever Burg erstmals römische Altertümer, meist Funde aus der Region, zusammengeführt. Eine wirkliche Sammlung trug Kleves brandenburgischer Statthalter Johann Moritz von Nassau-Siegen im 17. Jahrhundert zusammen. Auf der Burg versammelte er römische Kleinkunst, und im Neuen Tiergarten richtete er ein Freilicht-Antiquarium römischer Altertümer ein. Dies verlegte er 1678 in das Halbrund seines Grabmals in Bergendael, südöstlich von Kleve. Fast hundert Jahre konnten Interessenten hier so berühmte Objekte wie der Marcus-Caelius-Stein bewundern. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Sammlung von Kammerpräsident Julius Ernst von Buggenhagen auf die Burg überführt und hier mit den klevischen Altertümern, die auf der Burg erhalten waren, im sog. Antiquitätensaal zusammengeführt. 1795 erschien in Berlin sogar ein offizieller Bestandskatalog des Museums. Im frühen 19. Jahrhundert wurde das Museum aufgelöst, als die kostbarsten Stücke von Kleve nach Bonn überführt wurden, um dort den Grundstock des späteren Rheinischen Landesmuseums zu bilden. 1865 beschloss der Rat der Stadt Kleve, ein neues Museum zu gründen, das – dem Zeitgeschmack entsprechend – vor allem römischen Altertümern gewidmet war und in einem Saal im Klever Rathauses eingerichtet wurde. Nach mehreren Standortwechseln, unter anderem auf die Burg, wurde 1935 das »Museum« in der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Linde eröffnet. 1944/45 ging dieses Museum bei den Luftangriffen auf Kleve unter. Von der Sammlung blieben nur einige wenige Stücke erhalten. 1960 wurde im ehemaligen Wohnhaus des niederländischen Malers Barend Cornelis Koekkoek (Middelburg 1803–1862 Kleve) ein neues städtisches Museum eröffnet, das sich nicht mehr der römischen Archäologie, sondern der Kunst des Niederrheins widmete, mit Schwerpunkten auf der Kunst des Späten Mittelalters, der Kunst des Barock unter der Herrschaft des Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen, und der Malerei der Klever Romantik um B.C. Koekkoek. Zwischen 1960 und 1980 entstand eine Museumssammlung, die sich auf diese Schwerpunkte konzentrierte. Die Malerschule der Klever Romantik wurde repräsentativ gesammelt. 1981 wurde die bedeutende Graphik-Sammlung Robert Angerhausen erworben. Nach 1980 wurde die Sammlungspolitik erweitert um Kunst der Gegenwart, ein Sammelgebiet, das dem Museum eine neue Perspektive bot und letztendlich als Brückenschlag zu dem neuen Museum im alten Kurhaus der Stadt fungierte. Entscheidend war die Erwerbung des Nachlasses des rheinischen Bildhauers Ewald Mataré (1887–1965) im Jahre 1988. In den neunziger Jahren wurde die Ausrichtung der Sammlung international und konnten, vor allem Dank der Unterstützung durch den Freundeskreis, die Kunststiftung NRW und das Kultusministerium des Landes NRW, bedeutende Werke für die Sammlung Gegenwartskunst erworben werden. Am 18. April 1997 wurde das neue Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung eröffnet. Da das ehemalige Städtische Museum Haus Koekkoek im demselben Jahr in eine Stiftung verwandelt wurde, an der sich der Freundeskreis der Klever Museen, die Stadt Kleve und die NRW-Stiftung für Heimatschutz und Kulturpflege als Stifter beteiligten, hat das Museum Kurhaus die Sammlung von Malerei der Klever Romantik der Stiftung B.C. Koekkoek-Haus als Dauerleihgabe überlassen.