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Münster

Euridice Zaituna Kala. Daylighting: aber es ist Wasser, das spricht

Die Kunsthalle Münster zeigt die erste Einzelausstellung der mosambikanischen Künstlerin Euridice Zaituna Kala in einer deutschen Institution. Das künstlerische Werk Kalas erwächst aus einer tiefgreifenden Dekonstruktion, Manipulation und Rekonstruktion kultureller und historischer Metamorphosen. Mit ihren Werken lädt sie dazu ein, sich mit den historischen und kulturellen Transformationen des (persönlichen und kollektiven) Gedächtnisses auseinanderzusetzen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der komplexen Beziehung von Kolonialismus und Post-Kolonialismus sowie dem nachkolonialen Erinnern. Mit ihren künstlerischen Recherchen und Kreationen hat sie eine beeindruckende Strategie entwickelt, um sich mit der langen Geschichte von Auslöschung und Totschweigen auseinanderzusetzen und Spuren von unsichtbaren Subjektivitäten und Gemeinschaften nachzugehen.

 

Die Ausstellung vereint die Stimmen zahlreicher Kämpfe – ökologische, feministische, indigene – und verbindet sie mit der Geschichte Kalas sowie der von jenen Orten, an denen ihre Ausstellung zu sehen ist. Es ist ein Dialog zwischen dem Inneren und dem Äußeren, objektiven und subjektiven Elementen, Geschichten und Bildern, eine lebendige, sinnliche und leuchtende Hommage an die Kräfte des Lebens. Kala untersucht die Ambivalenz historischer Erzählungen und geht einer stetigen Umschreibung von Geschichte nach, füllt deren Lücken. Dabei nehmen ihre Arbeiten die Form von Installationen, Performances, Bildern, Objekten und Büchern an, in denen sie ihre Recherchen mit persönlichen Erinnerungen kombiniert, um dem Unerhörten und Vergessenem eine Stimme zu geben.

 

Nachdem eine erste Version der Ausstellung von Februar bis April 2025 bei La Criée in Rennes zu sehen war, wo die Künstlerin in einen Dialog mit dem Fluss, der Glas- und Steinarchitektur, den Menschen und vergessenen Pflanzen der Stadt trat, wandert das Projekt im kommenden Jahr zu La Loge nach Brüssel und schließlich in die Kunsthalle Münster. Für die Präsentation in Münster wird Kala die Ausstellung weiterentwickeln und mehrere neue Werke produzieren, wobei die Kunsthalle zur Bühne für Gespräche wird. Die künstlerische Spurensuche öffnet einen Raum, in dem die Besucher:innen individuell wie auch gemeinsam vergessenen Geschichten nachgehen können ebenso wie der Frage, warum diese vergessen wurden und was dieses Vergessen (bewusst oder unbewusst) nach sich zieht.

 

Euridice Zaituna Kala (geb. 1987 in Maputo, Mozambik) lebt und arbeitet in Maison-Alfort, Frankreich. Kala absolvierte von 2010 bis 2012 eine fotografische Ausbildung am Market Photo Workshop in Johannesburg und in 2015 an der Asiko School in Maputo. Ihr künstlerisches Werk erwächst aus einer tiefgreifenden Dekonstruktion, Manipulation und Rekonstruktion kultureller und historischer Metamorphosen. Mit ihren künstlerischen Recherchen und Kreationen hat sie eine beeindruckende Strategie entwickelt, um sich mit der langen Geschichte von Auslöschung und Totschweigen auseinanderzusetzen, wie sie Menschen aus Mosambik und aus anderen Ländern am eigenen Leib erfahren mussten. Die Künstlerin reproduziert das visuelle Vokabular der historischen Archive, um ihre Subjektivitäten zu enthüllen, aber auch diejenigen, die sie unsichtbar gemacht haben. Sie hinterfragt die Aneignung schwarzer Körper durch ihre Darstellung in den Archiven; doch anstatt sich ihrer Geschichte zu bemächtigen, versucht sie, ihre Existenz zu bekräftigen.

 

Kala hat zahlreiche Performances aufgeführt, darunter Ritual as March as Protest, HKW Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2023); Sea(E)scapes: Listening Session, Jeu de Paume, Paris (2022); Tœtra, Centre Pompidou, Paris (2021); Stranger, Danger: Wait, it's just a prayer Room__, Centre Pompidou, Paris (2019); _Mackandal Turns into a Butterfly: a love portion, La Galerie-CAC de Noisy-le-Sec (2018). Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören unter anderem En quelques gestes: as if two suns were setting, galerie anne barrault, Paris (2024); Echos der Bruderländer, HKW Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2024); Prémio Paulo Cunha e Silva, Galerie Municipal, Porto (2023); Indigo Waves and Other Stories, Savvy Contemporary, Berlin (2023); Sea(E) scapes DNA: Don't (N)ever Ask, Galerie Salon H, Paris (2022); Fata Morgana, Jeu de Paume, Paris (2022); This Is Not Africa - Unlearn What You Have Learned, ARoS Museum, Aarhus (2021); Je suis l'archive, I the archive, Villa Vassilieff, Paris (2020). 2024 wurde sie eingeladen, an der Ausstellung Passengers in Transit im Rahmen der 60. Ausgabe der Biennale von Venedig teilzunehmen.

Diese Ausstellung endet in
94
Tage
20
Std
14
Min
22
Sek
Termine
Start10.10.2026
Ende24.01.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag12:00–18:00
Mittwoch12:00–18:00
Donnerstag12:00–18:00
Freitag12:00–18:00
Samstag12:00–18:00
Sonntag12:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunsthalle Münster
Kunsthalle MünsterHafenweg 28, 48155 Münster

In Münster befindet sich eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Kunst im öffentlichen Raum. Über Jahrzehnte angewachsen, geht ein großer Teil dieser Sammlung der Stadt Münster auf die Skulptur Projekte zurück, die seit der Skulptur Ausstellung in Münster 1977 im Rhythmus von zehn Jahren stattfinden. 1977, 1987, 1997, 2007 und 2017 wurden international renommierte Künstler:innen eingeladen, Kunstwerke im Stadtraum zu realisieren. Im Anschluss an die Ausstellungen konnten einige der künstlerischen Beiträge durch die Stadt Münster, die Westfälische Wilhelms-Universität und das LWL-Museum für Kunst und Kultur erworben werden und somit dauerhaft in der Stadt verbleiben. Somit ist auch die Sammlung der Stadt Münster mit jeder Ausgabe der Skulptur Projekte gewachsen. Mittlerweile befinden sich Werke von so bedeutenden Künstler:innen wie Daniel Buren, Claes Oldenburg, Donald Judd, Rebecca Horn, Per Kirkeby, Maria Nordman, Oscar Tuazon und Silke Wagner im Besitz der Stadt. Und auch jenseits der Skulptur Projekte wird die Sammlung der Stadt Münster immer wieder um Werke ergänzt, zuletzt um Gerhard Richters Installation Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel (2018). Zudem zählen Werke zur Sammlung der Kunst im öffentlichen Raum, die bereits seit den 1950er Jahren im Stadtgebiet platziert wurden, darunter etwa Norbert Krickes Raum-Zeit-Plastik (1955) oder George Rickeys Three Squares Gyratory II (1973–1975). Die Kunst im öffentlichen Raum prägt das Erscheinungsbild der Stadt. Sie handelt von einer Transformation ästhetischer Praxis im 20. Jahrhundert, von einer Neudefinition des Verhältnisses von Kunst und Öffentlichkeit, die die Stadt zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung gemacht hat. Entstanden mit dem Ziel, den Dialog mit der Umwelt und der Gesellschaft zu suchen, entsteht durch die künstlerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Orten nicht nur ästhetisch, sondern auch sozial ein anderer Raum. Die Kunstwerke befragen urbane, soziale und politische Strukturen, die einen Ort definieren. Sie formatieren den Raum und ermöglichen andere Lesarten: eine Entdeckung des Unalltäglichen im Alltag, eine Gegenüberstellung von Momenthaftem im Monumentalen. Für Münster bedeuten die Kunstwerke eine Vielzahl von Orten des Innehaltens, der aufmerksamen Betrachtung und des Nachdenkens. Durch die Skulptur Projekte sowie die Öffentliche Sammlung ist die Stadt zu einem wichtigen Referenzort für eine kritisch-reflektierte Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst geworden, ebenso wie für Fragen der Öffentlichkeit und den öffentlichen Raum. Die Verortung im sich stetig verändernden Stadtraum hat sie zu einem Katalysator für eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem sich wandelnden Selbstverständnis der Stadt gemacht. Diese Art von ästhetischem, philosophischem und sozialem Freiraum zu erleben gehört zu den wichtigsten Erfahrungen im Kontext der Kunst im öffentlichen Raum.

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