Ines Arnemann, Norbert Bisky, Andreas Dress, Albert Ebert, Günther Friedrich, Jakob Ganslmeier & Ana Zibelnk, Jost Giese, René Graetz, Erich Gerlach, Peter Graf, Otto Griebel, Erhard Großmann, Lea Grundig, Ulrich Hachulla, Bert Heller, Joseph W. Huber, Joachim Jansong, Klaus Killisch, Wilhelm Lachnit, Helge Leiberg, Harald Metzkes, Elke Riemer, Jürgen Schieferdecker, Harald K. Schulze, Volker Stelzmann, Max Uhlig u.a.
Die Ausstellung zeigt, wie sich Männlichkeit seit der Weimarer Zeit behauptete, formierte und verschob. Ausgewählte Werke aus den Sammlungen Malerei, Zeichnung, Grafik und Plakatkunst des BLMK zeichnen diese unterschiedlichen Diskurse nach.
»Die Einteilung der Geschlechter […] ist […] in objektiviertem Zustand – in den Dingen […], in der ganzen sozialen Welt und – in inkorporiertem Zustand – in den Körpern, in dem Habitus der Akteure präsent, die als systematische Schemata der Wahrnehmung, des Denkens und Handelns fungieren.«
Pierre Bourdieu – Die männliche Herrschaft
In seiner Schrift die Männliche Herrschaft untersuchte der Soziologe Pierre Bourdieu die Kosmologie der Bergbauern in der Kabylei. Das kosmologische Denken ordnet die Welt über metaphorische Ähnlichkeit und Gegensätze – etwa hoch und tief, innen und außen, Feuer und Sonne. Diese Wissensordnung ist für Bourdieu besonders interessant, weil diese mangels einer schriftlichen Überlieferung nicht reflexiv überformt wurde und sich daher eine besondere Alltags-Stereotypisierung bewahrt hat. Im Zentrum dieses Kosmos steht der Mensch, symbolisch vertreten durch den Mann.
Vor diesem Hintergrund lässt sich die Ausstellung Gemachte Männer als eine Sammlung offener Bild-Kosmen lesen. Männlichkeit erscheint in den gezeigten Werken nicht als festgeschriebene Allegorie, sondern entfaltet sich über Beziehungen zwischen einzelnen Bildelementen, über Metaphern und das Wirken von Körpern in den Raum. Typisch dafür sind die kämpferischen Arbeiterdarstellungen aus der jungen DDR. So schaut etwa ein aufrecht schreitender Ernst Thälmann mit entschlossenem Blick und geschlossenen Fäusten von einem Plakat über die Köpfe der Bildbetrachter hinweg. Die niedrige Bildperspektive vermittelt uns den Eindruck, dass er den Betrachter sowie sämtliche Hindernisse der Geschichte einfach überrennen könnte. Diese Darstellungen der 1950er Jahre folgen einer symbolischen Ordnung, die eng an Bourdieus Beobachtungen über die Bauerngesellschaft der Kabylei anschließt: Männlichkeit gewinnt Nähe zum Kämpferischen, zur Produktion und zur expansiven Bewegung in den äußeren Raum.
Ab den 1970er Jahren verschiebt sich diese symbolische Ordnung. Die bis dahin hegemoniale Bedeutung von Männlichkeit wird nun aus einer zunehmend ironisierenden Distanz betrachtet. So zitiert Joseph W. Huber die allegorische Darstellung des Paris-Urteils von Paul Peter Rubens, versetzt Paris jedoch in die Rolle eines postmodernen Singlemannes, der zwischen Dating-Annoncen in der Zeitung wählen muss. In den Bildern Max Uhligs werden Identitäten im wörtlichen Sinne brüchig: die Silhouetten der Porträtierten bleiben als Spur erkennbar, doch die Linie wird instabil, der Körper verliert seine geschlossene Form. Norbert Biskys Bildwelten hingegen sind von einer farbenfrohen, hedonistischen Ästhetik geprägt. Unter dieser Oberfläche entfalten sich jedoch Szenen, die von einer rohen Libidinösität durchzogen werden, welche sowohl vom männlichen Körper ausgeht als auch auf diesen einwirkt. Männlichkeit erscheint somit nicht als stabiler Orientierungspunkt, sondern als ein differenziertes Feld zwischen Ungewissheit, Begehren, Gewalt und Verletzlichkeit.
Gemeinsam machen die Werke sichtbar, wie Männlichkeit nicht einfach dargestellt, sondern immer wieder hervorgebracht, verschoben und infrage gestellt wird – als Körper, Gestus und Habitus.

