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Stuttgart

Generation 1700 – Zeichnen an der Königlichen Akademie in Paris

Wie lernt man, den menschlichen Körper zu zeichnen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Ausstellung »Generation 1700«, die sich dem Zeichenunterricht an der Académie royale de peinture et de sculpture widmet, der prestigeträchtigen Kunstakademie Frankreichs im 18. Jahrhundert – eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche: Während sich das Bürgertum im Zeichen der Aufklärung vom absolutistischen Hof emanzipiert, wird auch das Zeichnen selbst zum Medium der Befreiung. Junge Künstler bilden zu der Zeit den menschlichen Körper nicht nur ab, sondern studieren mit rationaler Erkenntnis die Anatomie und begreifen sie zugleich als Ausdruck individueller Ideen.

 

Anlässlich des 75. Jubiläums der deutsch-französischen Freundschaft, die 2026 gefeiert wird, beleuchtet die Staatsgalerie Stuttgart das Zeichnen nach dem lebenden Modell zwischen Disziplin, Wissenschaft und künstlerischer Entfaltung.

 

Im Zentrum der Ausstellung im Graphik-Kabinett steht Michel-François Dandré-Bardon (1700–1783), einer der bedeutendsten Künstler der französischen Aufklärung. Mit Verständnis für Anatomie und einem feinen Gespür für Bewegung und Stofflichkeit inszeniert er den menschlichen Körper in dramatisch komponierten Studien: buchstäblich vom Fuß über den Kopf bis zur ganzen Figur. Seine Werke zeigen eindrucksvoll, wie die strengen Prinzipien der Akademie fruchtbaren Boden für künstlerische Experimente bereiten. 

 

Die Staatsgalerie besitzt einen der umfangreichsten Grafikbestände von Dandré-Bardon in Europa. Ergänzt wird die Präsentation mit Werken von Zeitgenossen wie Carle van Loo, Jean François de Troy, Charles Joseph Natoire und Nicolas Guibal. Anhand von rund 80 Zeichnungen, Druckgraphiken und Gemälden, die größtenteils erstmals gezeigt werden, eröffnet die Ausstellung »Generation 1700« einen Blick in den Alltag der Akademie. 

Diese Ausstellung endet in
40
Tage
7
Std
44
Min
47
Sek
Termine
Start17.04.2026
Ende30.08.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–20:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Staatsgalerie Stuttgart
Staatsgalerie StuttgartKonrad-Adenauer-Straße 30–32, 70173 Stuttgart

Die Staatsgalerie zählt zu den großen Kunstmuseen Deutschlands. Unsere Sammlung umfasst Malerei, Skulptur und Graphik vom Mittelalter bis in die Gegenwart, darunter viele Meisterwerke und eine international herausragende Sammlung zur Kunst der Moderne. Besondere Highlights sind Oskar Schlemmers »Figurinen zum Triadischen Ballett« aus den frühen 1920er-Jahren, die berühmten »Rückenakte« (1909–1930) von Henri Matisse, zahlreiche Werke Picassos, u.a. die Skulpturengruppe »Die Badenden« (1956) und der vom Künstler noch persönlich eingerichtete Joseph Beuys-Raum. Das Haus bietet eine Ausstellungsfläche von 12.000 m², die sich auf die Alte Staatsgalerie des Architekten Georg Gottlob Barth (1843) mit dem Anbau von Albert von Bok (1888), den postmodernen Bau von James Stirling (1984) und die Steib-Hallen des gleichnamigen Basler Architektenpaares (2002) verteilen. Alle Gebäude sind miteinander verbunden. Die Staatsgalerie versteht Museum als eine Schule des Sehens für eine demokratische Gesellschaft in all ihrer Diversität und Internationalität. Kunst steht immer in Bezug zur Gegenwart und begleitet deren Themen und Entwicklungen mit einer eigenen Sprache. Ihre Sammlung ist in über 175 Jahren aus einem sehr klassischen Kanon westlicher Kunstgeschichte entstanden. Viele Lücken finden sich, in der Alten Kunst ebenso wie bei den künstlerischen Positionen der Gegenwart. Diese lassen sich nicht einfach schließen. So sind zum Beispiel weibliche Positionen nur rudimentär vorhanden und zeitgenössische Werke afrikanischer, asiatischer oder lateinamerikanischer Künstlerinnen und Künstler fehlen ganz. Wem gehört das Museum? Diese Frage stellt sich die Staatsgalerie immer wieder. Nicht zuletzt mit der musealen Präsentation des Werkes »Love is in the Bin« des britischen Street-Art-Künstlers Banksy. Die Arbeit hatte im Jahr 2018 einen globalen Medienhype ausgelöst und hing über 10 Monate in der Sammlung, um ihren Kunstwert zu ergründen. Die Staatsgalerie steht für einen offenen und ehrlichen Diskurs zu Kunst, Kunstgeschichte und Gesellschaft. In ihren Ausstellungen und Programmen von Vorträgen bis zu Events bietet sie immer wieder neue Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit der Kunst als Seismograph der Gesellschaft.