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Singen

Harald F. Müller. Cantina Comunale

»Wenn Kunst in die Gestaltung von Lebensräumen eingreift, ist sie eines der großen verbindenden Elemente einer Gesellschaft.« Harald F. Müller


Die Ausstellung widmet sich dem aus Karlsruhe stammenden, international vernetzt arbeitenden und in Singen lebenden Künstler Harald F. Müller (*1950), der auch im öffentlichen Raum der Stadt prominent vertreten ist, u. a. mit »SINGEN« (2000) oder der Farbgestaltung des Bahnhofs Singen-Industriegebiet (1998/99).


Der Titel »Cantina Comunale« greift Müllers vielgestaltig kollaborative Arbeitsweise auf: Neben seinen eigenen Arbeiten sind Beiträge von Künstler:innen verschiedener Disziplinen, Wissenschaftler:innen und Architekt:innen vertreten und machen Zusammenarbeit in ihren unterschiedlichen Formen erfahrbar. Zugleich formuliert Müller mit der »Cantina Comunale« das Versprechen, einen Ort für gelebtes Zusammenkommen, gemeinsame Erfahrungen und Austausch zu schaffen. Die Ausstellung setzt damit fort, was seine Atelier-Halle »stratozero.net« im Singener Gewerbegebiet seit 2015 auszeichnet: die Offenheit für Begegnungen, Veranstaltungen und Experimente.


Harald F. Müllers Kunst verbindet den soziokulturellen Umgang mit Raum mit einer intensiven, (de-)konstruktivistischen Arbeit mit gefundenen Bildern und Materialien. Spielerische Freude trifft dabei auf konzeptuellen Ernst. Bei Müller ist Dialektik Methode. Eindeutigkeit selten. Das Konzept selbst ist die Kunst. Seine Werke – Fotografien, Wortskulpturen, Assemblagen, Wandobjekte, Wandmalereien und Farbkonzepte – sind vielseitig, mitunter wandelbar und offen für neue Inszenierungen. Ausgangspunkt sind häufig Fundstücke: Bilder aus Printmedien, Fotografien, Pigmente, Farbmuster, rare Materialien oder ganze Räume. Aneignung, Transformation und Zusammenarbeit greifen dabei ineinander. Das Kollaborative ist Müllers Kunst in Bild, Konzept und Form eingeschrieben.


In der »Cantina Comunale« stehen ältere neben neuen Arbeiten. Hinzu kommen Werke langjähriger Kollaborateur:innen: Guido Kasper übersetzt Müllers Farbinterventionen in fotografische Konstruktionen. Fabian Winkler erscheint als Co-Autor von »En-Route« zeigt gemeinsam mit Shannon McMullen die »Ecophones«, die die Idee der Kollaboration auf nicht-menschliche Akteure ausweiten. Mit Patrick Jungk wendet Müller seine aneignende Bildstrategie schließlich auf das eigene Werk an: Ein Algorithmus generiert aus Müllers Bildern kubistisch fragmentierte »Electro Cuts«. Das Erschaffen von Bildern verschmilzt mit dem Kontrollverlust über sie. 


Weitere Protagonist:innen aus den Netzwerken von Harald F. Müller und des Kunstmuseum Singen gestalten mit ihren Beiträgen die Formate »Raumklang«, »Tisch-« und »Bildgespräch«. Im Zentrum steht der »Große Tisch« als Exponat und interaktiver Austragungsort zugleich. Hier bilden Gastgebende und Gäste wechselnde Tischgemeinschaften, teilen leibliche und geistige Nahrung. Rollen verschwimmen. Gemeinschaft wird gelebt.

 

Künstler:innen: Harald F. Müller featuring Patrick Jungk, Guido Kasper, Shannon McMullen, Fabian Winkler
Mitwirkende: Ivana Beljan, Leander Biehler, Gerd Blum, Cai Boesken, Crippled Dick Hot Wax!, Zsuzsanna Gahse, Mike Guyer, Elena Hofbeck, Carl Ludwig Hübsch, Georg Imdahl, Harald Lemke, Gottfried Mattes, Kami Wilhelmina Manns, Gerhard Matzig, Phil Minton, Ursula Plaga, Christoph Rütimann, Kurt Schmid, Jörg van den Berg, Josef Wieland, Joachim Winter, Ines Zahler, Nicoals Zupfer

Diese Ausstellung endet in
129
Tage
14
Std
23
Min
31
Sek
Termine
Start11.10.2026
Ende28.02.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag14:00–18:00
Mittwoch14:00–18:00
Donnerstag14:00–18:00
Freitag14:00–18:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
Veranstaltungsort
Kunstmuseum Singen
Kunstmuseum SingenEkkehardstraße 10, 78224 Singen

Das Kunstmuseum Singen konzentriert sich auf die Präsentation der Kunst der Moderne und der Gegenwart aus der Vierländerregion Bodensee und aus dem deutschen Südwesten. Mit 1000 Quadratmetern Besucher- und Ausstellungsfläche gehört es zu den großen kommunalen Kunstmuseen auf der deutschen Seite des Bodensees. Zentraler Kern der Sammlung im Kunstmuseum Singen sind die Werke der »Höri-Künstler«. Die als »politisch unzuverlässig« oder »entartet« gebrandmarkten Klassiker der Moderne: Otto Dix, Erich Heckel, Max Ackermann, Curth Georg Becker, Helmuth Macke, Ferdinand Macketanz, Hans Kindermann, Walter Herzger, Jean Paul Schmitz, Hugo Erfurth, Gertraud Herzger-von Harlessem u.a. wichen vor der nationalsozialistischen Kulturpolitik und dem Bombardement deutscher Städte auf die Halbinsel Höri aus. Die unweit der Schweiz in den westlichen Bodensee (Untersee) hineinragende Halbinsel wurde ihnen zur Zuflucht. Als »Emigranten im eigenen Land« brachten sie die verfolgte Moderne an den See. Heute prägen die Gemälde, Graphiken, Plastiken und Photographien dieser und weiterer Künstler, die zum erweiterten »Netzwerk« der Höri-Künstler zählen bzw. nach dem Krieg an den See folgten, unsere Vorstellung von der Moderne am Bodensee. Das Kunstmuseum verfügt über den umfassendsten Werkkomplex der »Höri-Künstler« überhaupt.

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