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Winterthur

Heidi Bucher | Liesl Raff – Closer

Menschen erschaffen zweckgebundene Räume, nutzen und verändern sie. Mit der Zeit wandelt sich ihre Bestimmung: Schleichend oder abrupt bahnt sich das Leben seinen Weg. Die Winterthurer Künstlerin Heidi Bucher (1926–1993) wurde durch ihre »Häutungen« von Privaträumen, in denen sie als Kind gelebt hatte, ebenso bekannt wie durch Arbeiten in institutionellen Gebäuden, etwa in der Psychiatrischen Anstalt Bellevue in Kreuzlingen oder im Grande Albergo Brissago. Ihr innovatives Schaffen erregte in den vergangenen Jahren auch international große Aufmerksamkeit. Mit Latex bestrich sie Wände und Böden, die sie anschließend wie eine Haut abzog. So verwandelte sie die starren Begrenzungen von Räumen in ein Gewand, das die Spuren der Zeit wie ein verborgenes Muster in sich trägt. Durch diesen Vorgang der eigenhändigen Häutung eignete sie sich die Räume physisch an. Wie in einem Kokon umhüllte sie sich mit der elastischen Haut und trat in einem performativen Akt verwandelt wieder daraus hervor.

 

Für Künstler:innen, die sich mit dem Thema «Raum» auseinandersetzen, stellt das Museum als institutionell definierter Ort eine besondere Herausforderung dar. Seit der Moderne wird dieser Raum nicht nur als Präsentationsort verstanden, sondern auch als integraler Bestandteil des künstlerischen Werks. Die in Wien lebende Künstlerin Liesl Raff (*1979 in Stuttgart) transformiert die bestehenden Räume und Strukturen des Museums grundlegend. Auch sie arbeitet mit Latex, nutzt jedoch dessen Wandelbarkeit und Geschmeidigkeit, um die sinnliche Wirkung des Materials zu intensivieren. Ihre skulpturalen Eingriffe schaffen Orte der Konzentration. In ihrer Praxis setzt sie sich mit zwei Grundprinzipien der Skulptur auseinander: dem Entstehungsprozess einer Form im Gussverfahren und deren Präsenz im Raum.

 

Das Kunst Museum Winterthur feiert den 100. Geburtstag von Heidi Bucher nicht als historischen Rückblick. Vielmehr wirft es einen heutigen Blick auf ihr Werk. In der Ausstellung Closer kommen sich Heidi Bucher und Liesl Raff in einem engen Dialog näher. Raff verwandelt den White Cube in ein Geflecht aus intimen Momenten und offenen Strukturen aus Stoff, Latex und weiteren Materialien. In diesem atmosphärischen Raum erhalten Buchers wenig bekannte, fragile Zeichnungen eine zeitgenössische Bühne von sinnlicher Tiefe.

 

Kuratiert von Lynn Kost

Diese Ausstellung endet in
110
Tage
7
Std
51
Min
34
Sek
Termine
Start13.06.2026
Ende08.11.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–20:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–17:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Kunst Museum Winterthur
Kunst Museum WinterthurMuseumstraße 52, 8400 Winterthur (Beim Stadthaus)

Beim Stadthaus Unter den Winterthurer Kunstmuseen ist das frühere Kunstmuseum das älteste – 1848 wurde der Kunstverein Winterthur gegründet, 1916 das Museumsgebäude eingeweiht – und zugleich das einzige, das seine Sammlung von Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgraphik kontinuierlich weiter ausbaut. Bis 2017 trug die Sammlung den Namen Kunstmuseum Winterthur. Durch die betriebliche Zusammenführung mit dem Museum Oskar Reinhart und der daraus resultierenden Dachmarke Kunst Museum Winterthur wurde es zum Kunst Museum Winterthur / Beim Stadthaus . Seine Sammlung ist aus Winterthurer Privatsammlungen entstanden, die auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgehen. Ihnen sind die reichhaltigen Bestände an französischer Kunst zu verdanken. Zu nennen sind unter anderem die Donatoren Georg Reinhart, Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler, E. Richard Bühler. Ergänzt wurden ihre Schenkungen durch die Sammlung von Heinrich Wolfer-Sulzer. 1973 erhielt das Museum mit dem Legat Clara und Emil Friedrich-Jezler eine der bedeutendsten Schweizer Sammlungen von Kunst klassischer Moderne. Heute verfügt das Haus neben Basel, Zürich und Bern über die vierte große öffentliche Sammlung von Kunst der Moderne in der Schweiz. Damit ergänzt es die beiden Reinhart-Museen, Reinhart am Stadtgarten und die Sammlung Oskar Reinhart »Am Römerholz« in Winterthur mit ihren bedeutenden Beständen älterer Kunst. Reinhart am Stadtgarten Das Kunst Museum Winterthur / Reinhart am Stadtgarten, vormals Museum Oskar Reinhart, war historisch das Gebäude der Stiftung Oskar Reinhart. Eröffnet 1951, stellte es damals das erste private Museum der Schweiz dar. Der Sammler und Mäzen Oskar Reinhart (1885–1965), einer der Söhne Theodor Reinharts, Mitbegründer des Kunstvereins, baute zeitlebens eine umfangreiche Kunstsammlung auf. Mit der Wiederentdeckung der deutschen Kunst nach der Jahrhundertwende begann Oskar Reinhart damit, neben Schweizer auch deutsche und österreichische Kunst gezielt zu erwerben. Die umfassenden und einzigartigen Werkgruppen insbesondere der Frühromantik und des Realismus sind permanent ausgestellt. Ebenfalls zu erleben sind niederländische Meister des Goldenen Zeitalters aus der Stiftung Jakob Briner und eine Auswahl aus einem umfangreichen Konvolut an Porträtminiaturen aus den Sammlungen Briner und Kern, die in wechselnden Ausstellungen präsentiert werden. Oskar Reinharts Villa mit der Kollektion von Altmeistern sowie französischer Impressionisten befindet sich heute im Besitz der Eidgenossenschaft als Sammlung Oskar Reinhart »Am Römerholz« . Villa Flora Die Villa Flora, 1846 erbaut und 1908 von den Architekten Rittmeyer/Furrer im Jugendstil erneuert, war das Wohnhaus von Hedy Hahnloser-Bühler (1873–1952) und Arthur Hahnloser (1870–1936). Früh begann das Sammlerehepaar sich für die Kunst ihrer Zeit zu begeistern: Zwischen 1906 und 1936 trugen Arthur und Hedy Hahnloser Werke des Postimpressionismus, der Künstlergruppe Nabis und der Fauves sowie Werke von zeitgenössischen Schweizer Künstlern wie Ferdinand Hodler und Giovanni Giacometti zusammen. Mit Félix Vallotton, Pierre Bonnard und anderen Kunstschaffenden ihrer Zeit verbanden sie enge Freundschaften. Die Villa Flora wurde zum Treffpunkt der Künstler und der Kunstfreunde. Die ehemalige Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler, vereint in der Hahnloser/Jaeggli-Stiftung, versammelt Meisterwerke von Edouard Manet, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Odilon Redon, Henri Matisse und Henri de Toulouse-Lautrec. Sammlung, Haus und Garten bilden ein einzigartiges Kulturgut von internationaler Bedeutung. Die Villa Flora ist zur Zeit geschlossen. Sie wird umgebaut und voraussichtlich 2024 wiedereröffnet.