Die Aufenthaltsqualität des Hoeschplatzes in der Innenstadt Dürens zwischen Leopold-Hoesch-Museum, August-Klotz-Straße und Marienkirche soll verbessert werden – darüber sind sich Politik, Anrainer und Stadtgesellschaft einig. Seit der Umgestaltung des Leopold-Hoesch-Museums durch den renommierten Architekten Peter Kulka und der Neugestaltung des Platzes in Anlehnung an die Vorschläge des Architekten in 2011 wurde derselbe durch die große Steinskulptur »Ursprung« des Bildhauers Ulrich Rückriem strukturiert. Die Steinskulptur aus Anröchter Dolomit fiel 2022 – wahrscheinlich aufgrund von Metalladern und Wassereinschlüssen – den hohen Temperaturschwankungen zum Opfer und musste aus Sicherheitsgründen und auf Wunsch des Künstlers im Mai 2023 abtransportiert werden. Für den Hoeschplatz besteht noch bis zum 31.12.2026 eine Fördermittelbindung, sodass eine dauerhafte Umgestaltung des Platzes erst nach diesem Datum möglich ist. Daher soll eine temporäre künstlerische Intervention einen ersten Möglichkeitsraum im Sinn einer langfristigen, klimafreundlichen Umgestaltung mit mehr Aufenthaltsqualität öffnen und zum öffentlichen Dialog über die Gestaltungsmöglichkeiten dieses zentralen Ortes einladen. Museumsdirektorin Anja Dorn hat für die Zwischennutzung die Szenografin und Professorin Heike Schuppelius eingeladen, die gemeinsam mit der Kooperative für Darstellungspolitik ein zukunftsweisendes, prozessuales Konzept vorgelegt hat, das jetzt starten soll.
Konzept von Heike Schuppelius und der Kooperative für Darstellungspolitik
»Mit einer künstlerisch skulpturalen Intervention möchten wir in diese Situation eingreifen und die erweiterte Nutzung des Platzes mit der Stadtöffentlichkeit jetzt schon beginnen«, so Heike Schuppelius.
In Form einer künstlerischen Bauprobe soll die Möglichkeit einer zukünftigen Begrünung des Platzes vorstellbar werden und zu einer Erweiterung der Diskussion um den Platz einladen. Die geschlossene Oberfläche des Platzes soll dafür an einer Stelle entsiegelt und an einer zweiten Stelle markiert werden. Diese punktuellen Öffnungen der großen, leeren Schotterfläche des Platzes stehen sinnbildlich für die Eröffnung eines Austauschs mit der Stadtöffentlichkeit über die gewünschte Nutzung des Platzes. Fynn-Morten Heyer von der Kooperative für Darstellungspolitik erläutert das Vorhaben weiter: »Im ersten Kreis wird die Oberfläche entsiegelt und der Aushub aus dem Innern durchgemischt und als offene Fläche liegengelassen. Der zweite Kreis ist eine Markierung, die aufzeigt, dass es sich um keine abgeschlossene Planung handelt und weitere Öffnungen möglich sind. Die beiden Kreisflächen entwickeln ein Spannungsfeld zwischen sofortiger praktischer Veränderung und dem künstlerischen Spekulieren über weitere Transformationsperspektiven. Während ein Kreis im nächsten Schritt im Herbst 2025 der Pflanzung eines Baumes dienen soll, beschreibt der zweite die Möglichkeit zur Weiterführung der Entsiegelung und könnte als Spielfeld, Bühne, Gemüsebeet, Brache, Insektenhotel, Weizenfeld, zum Espressoverkauf oder Ähnlichem genutzt werden.«
Eine Info-Tafel erläutert die künstlerische Zwischennutzung auf dem Hoeschplatz, die unter dem Titel »Entsiegelte Kreise« die Wahrnehmung des Platzes bis Ende 2026 prägen wird.
Das Projekt »Entsiegelte Kreise« wird neben dem Leopold-Hoesch-Museum eng vom Amt für Tiefbau und Grünflächen der Stadt Düren unter der Leitung von Manfred Berger begleitet. Es wird gefördert vom CityMa e.V.
Ausblick und Perspektive
Das Konzept von Heike Schuppelius und der Kooperative für Darstellungspolitik intendiert die Möglichkeit, den Perforationsprozess fortzusetzen. Wenn ein Kreis begrünt, bebaut oder für eine andere Nutzung ertüchtigt wird, soll stets ein nächster Kreis entsiegelt und ein weiterer markiert werden. Im Zuge einer neuen ökologischen, sozialen oder anders gelegenen Nutzung sollten also immer auch »leere« Markierungen als »Projektionsflächen« sichtbar sein.
Das Leopold-Hoesch-Museum wird den Anstoß, den die »Entsiegelte Kreise« bergen, aufnehmen und die Möglichkeiten zur zukünftigen Gestaltung des Hoeschplatzes in einer Reihe von Veranstaltungen, künstlerischen Interventionen, Ausstellungen und Gesprächen mit Künstler:innen, Kurator:innen, Landschaftsgärtner:innen, Stadtplaner:innen und Klimaforschenden ausloten.
Am 13. September 2025 fand in einem der Kreise ab 14 Uhr die Veranstaltung »Ein leerer Platz, der gefüllt werden kann« des Euregio-Netzwerks Very Contemporary (hier gelangen Sie zur Website des Netzwerks, Link öffnet neuen Tab) statt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Reading the Region« und in Kooperation mit dem IKOB in Eupen und Art au Centre in Lüttich wurden künstlerische Interventionen von Judith Milz (*1989 in Nördlingen, lebt und arbeitet in Karlsruhe und Wien) und Francisco Correia (*1996 in Lissabon, lebt und arbeitet in Brüssel) sowie eine Podiumsdiskussion auf dem Hoeschplatz durchgeführt. Thema der Diskussion war u.a. der sehr unterschiedliche Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum in Eupen, Lüttich und Düren.
Biografien
Heike Schuppelius studierte Architektur und Bühnenbild an der Universität der Künste, Berlin und an der Architectural Association sowie der Central Saint Martins School in London. Arbeitsstipendien und Auszeichnungen führten sie wiederholt ins Ausland, u.a. nach Marseille, New York, Kairo und Rom. Für ihre Zusammenarbeit mit der New Yorker Theatergruppe Elevator Repair Service erhielt sie 2003 den Bessie-Award in der Kategorie Visual Design, 2004 den Rom-Preis, Villa Massimo.
Ihre aktuellen Installationen und Bühnenbilder wurden unter anderem beim Athens Festival, Warschauer Herbst, Jahrhunderthalle Bochum, am Gorki Theater, sowie im Naturkundemuseum in Berlin gezeigt. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet sie u.a. mit der Choreografin Sasha Waltz, der Regisseurin Yael Ronen und dem bildenden Künstler Omer Fast. Von 2012 bis 2018 war Heike Schuppelius Professorin an der HfG Karlsruhe, im Studienjahr 2017/18 lehrte sie an der Athens School of Fine Arts in Athen. Seit dem Wintersemester 2018 ist sie Professorin für Bühnenbild/Szenischer Raum an der HfG Offenbach.
Die Kooperative für Darstellungspolitik ist ein Studio für Ausstellungsgestaltung, das Ausstellungen als diskursive Räume begreift, deren Gestaltung gesellschaftliche Aushandlungsprozesse unterstützt.
Sie wurde 2008 von Jesko Fezer, Anita Kaspar und Andreas Müller in Berlin gegründet, um Fragen der Repräsentation politischer und kultureller Anliegen in der Öffentlichkeit praktisch zu erforschen. Seit 2017 gehören ihr auch Künstler und Designer Fynn-Morten Heyer und Maximilian Weydringer an. Die Kooperative für Darstellungspolitik versteht die räumliche Gestaltung von Betrachter:innenverhältnissen als Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung, als kulturelles Verfahren der Befragung und Überzeugung zugleich. Die darin angelegte Politik der Darstellung eröffnet diskursive soziale Räume.
Fezer, Kaspar und Müller sind ehemalige Mitherausgeber:innen der Zeitschrift »An Architektur«, mit Heyer und Weydringer lehren Sie Experimentelles Design, Städtebau und Ausstellungsdesign an verschiedenen Hochschulen. Gemeinsam gestalten sie Ausstellungen u.a. für das Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2022), den Deutschen Bundestag, Berlin (2023), die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (2023) und die Bundeskunsthalle, Bonn (2024).

