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Duisburg

Im Fluss der Formen – HUANG MIN

Mit der Ausstellung Im Fluss der Formen positioniert das Museum DKM Huang Mins Werk innerhalb eines erweiterten Diskurses zur zeitgenössischen Kunst Asiens. Ihr künstlerisches Handeln bewegt sich im Spannungsfeld von traditioneller, chinesischer Bildästhetik und modernen, global geprägten Fragestellungen. In diesem Kontext werden zentrale kunsthistorische Themen wie Transformation, Kontinuität und kulturelle Übersetzung verhandelt.

 

Die präsentierten Werke treten in einen dialogischen Bezug zur Sammlung des Museums, indem sie bestehende formale, materielle und inhaltliche Bezüge neu akzentuieren. Auf diese Weise eröffnet die Ausstellung differenzierte Perspektiven auf die Sammlung DKM und erweitert deren kunsthistorische Lesart.

 

Wir danken Ronald Kiwitt und Alexandra Grimmer herzlich für ihre professionelle Unterstützung sowie BMCA (Blue Mountain Contemporary Art, Luxemburg). Für die großzügigen Leihgaben aus Privatbesitz danken wir den Sammlern, ohne die diese Ausstellung nicht hätte realisiert werden können.

 

Die Künstlerin Huang Min (*1975, Chongqing) vereint in ihrem Werk auf eindrucksvolle Weise die Tiefe traditioneller chinesischer Ästhetik mit Fragestellungen einer globalisierten Gegenwart. Nach ihrem Studium an der Sichuan Academy of Fine Arts (1998) und der Promotion an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2006) lebt und arbeitet sie heute zwischen China und den USA. Ihr facettenreiches Œuvre entzieht sich eindeutigen medialen Zuschreibungen und entfaltet eine eigenständige Bildsprache, die sich kontinuierlich wandelt – ein permanenter Fluss der Formen.

 

Im Fokus ihrer künstlerischen Auseinandersetzung steht die menschliche Figur. Ob als anonyme Silhouette, flüchtige Erscheinung im urbanen Raum oder intime, portraithafte Darstellung auf Leinwand, Papier oder Porzellan – Huang Mins Figuren verweilen häufig in Momenten stiller Versenkung. Sie verleihen den Werken eine subtile psychologische Dimension und öffnen einen reflexiven Raum zwischen Erinnerung und unmittelbarer Wahrnehmung. Obwohl ihre Bildsprache im Realismus verankert ist, distanziert sie sich bewusst vom satirischen Gestus früherer chinesischer Kunstströmungen. Stattdessen entwickelt sie einen nüchternen, beobachtenden Stil, der alltägliche Szenen durch narrative Feinheit in zeitlose Bildräume überführt.

 

Ein zentrales Moment ihres Werks ist der produktive Umgang mit dem künstlerischen Erbe. Geprägt durch ihren Großvater, einen renommierten Tuschemaler, übersetzt Huang Min dessen Techniken in eine zeitgenössische Bildsprache. Elemente klassischer Shuimohua-Malerei sowie imaginierte Shanshui-Landschaften fließen in ihre Kompositionen ein, wobei konkrete Raumbezüge zugunsten symbolischer Ebenen aufgelöst werden. Auf diese Weise verhandelt sie gesellschaftlich sensible Themen und untersucht das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist das monumentale, 16 Meter lange Gemälde, das heutige Betrachter vor tuscheähnlichen Landschaften zeigt und kulturelle Selbstreflexion ins Bild setzt.

 

Huang Mins künstlerische Praxis zeichnet sich durch eine ausgeprägte Offenheit gegenüber Materialien aus. Ihr Werk umfasst großformatige Ölmalereien, feinsinnige Aquarelle, die als visuelles Tagebuch fungieren, sowie komplexe Porzellanarbeiten. Gerade letztere offenbaren bei näherem Hinsehen hinter ornamentalen Oberflächen ein Geflecht expliziter Figurendarstellungen – ein subtiler Kommentar zu gesellschaftlichen Tabus. »Die Übertragung intimer Motive auf öffentliche Objekte wie Teeservices interessiert mich als Paradox – es geht um die Gleichzeitigkeit von Genüssen«, erklärt die Künstlerin. Diese Haltung spiegelt sich auch im Ausstellungstitel wider, der auf ihre ungebändigte malerische Energie und ihre bewusste Weigerung verweist, sich auf ein einzelnes Medium festzulegen.

 

Die Ausstellung im Museum DKM versammelt Schlüsselwerke aus unterschiedlichen Schaffensphasen und verdeutlicht Huang Mins kontinuierliche Auseinandersetzung mit Materialität, Identität und interkultureller Narration. Eine besondere Zäsur bilden dabei die während der Pandemie entstandenen Arbeiten, die eine Phase intensiver Reflexion und formaler Erweiterung markieren. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Huang Min unter anderem durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit der BMCA-Collection, die ihre Werke in Wien und Peking präsentierte.

 

Kuratiert: Ronald Kiwitt
Koordination: Alexandra Grimmer
Leihgaben: Privatsammlung

Diese Ausstellung endet in
101
Tage
8
Std
32
Min
56
Sek
Termine
Start21.03.2026
Ende31.01.2027
Öffnungszeiten
Montagnach Vereinbarung
Dienstagnach Vereinbarung
Mittwoch10:00–16:00 nach Voranmeldung
Donnerstagnach Vereinbarung
Freitagnach Vereinbarung
Samstagnach Vereinbarung
Sonntagnach Vereinbarung
Veranstaltungsort
Museum DKM
Museum DKM Güntherstraße 13–15, 47051 Duisburg

Das Museum DKM liegt im Zentrum der Duisburger Innen­stadt zwischen Kant­park mit dem Lehmbruck Museum und Haupt­bahnhof. Die Archi­tek­tur des Museum dient in nobler Zurück­haltung der Aus­stellung der Kunst. Drei Bau­körper er­strecken sich über fünf Ebenen und um­fassen 2.700 m² oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Aus­blicke in Außen­bereiche. Das Foyer mit Museums­café lädt zum Aus­ruhen und Er­frischen ein. Die Sammlung DKM vereint fünf weit auseinander liegende Bereiche: einerseits zeitgenössische Kunst seit den 60er Jahren des 20. Jh., andererseits bis über 2.000 Jahre alte sowie aktuelle Kunst aus Südostasien, ferner Kunst aus Alt-Ägypten, wovon allerdings nur wenige Stücke gezeigt werden (der größte Teil befindet sich als Dauerleihgabe im Antikenmuseum Basel), zudem Gefäße aus 5.000 Jahren Kulturgeschichte bis in die Gegenwart (W. Wagenfeld) und schließlich klassische sowie zeitgenössische Fotografie. Das Untergeschoß im Altbau beherbergt Statuen, Büsten und Köpfe aus Stein und Marmor, darunter einen einzigartigen monumentalen Buddha-Kopf, ferner einen Begräbniszug mit 53 Figuren, weitere Reiter- und Kriegergruppen, Tiere und Gefäße aus bemalter Terrakotta aus den chinesischen Dynastien Han, Nördliche Wei, Nördliche Qi, Sui, Tang (206 v.u.Z.–907 n.u.Z.). Zudem sind chinesische Ahnenbilder, Gelehrtensteine, Möbel und Porzellan vom 10.–19. Jh. zu sehen. Eine Klanginstallation mit Fotografien auf Rollbildern versetzt den Besucher in Straßenszenen einer chinesischen Stadt. Ein Raum ist japanischer Kunst des 12.–19. Jh. gewidmet. Die sechs Räume im Erdgeschoß des Hoftraktes (Altbau) sind für Wechselausstellungen vorgesehen, während die übrigen Bereiche als Dauerausstellung konzipiert sind. Die acht Räume im Neubau nehmen u.a. Werke von Raimund Kummer (DE), Kyungwoo Chun (KR), Song Dong (CN), Bernd Minich (DE), Ulrich Rückriem (DE), Blinky Palermo (DE) und Ernst Hermanns (DE) auf, darunter dessen saalgroßen »Düsseldorfer Raum«. In einem der Räume werden Torsi und Buddha-Köpfe des 17./18. Jh. aus Thailand (Ayutthaya) präsentiert. Mehrere dieser Räume bieten inszenierte Ausblicke in fernöstlich anmutende Innenhöfe. In den Obergeschossen 1 und 2 (Altbau) sind Werke von nicht weniger als 42 zeitgenössischen Künstlern ausgestellt. Charakteristikum der Präsentation ist es, dass einerseits Künstlerräume geschaffen wurden und dass der Besucher andererseits einigen Künstlern mehrfach im Haus begegnet. Im Obergeschoß 3 , erreichbar über das hintere Treppenhaus, finden sich Statuen und Reliefs des 1.–4. Jh. aus Gandhāra (Afghanistan, Pakistan), einem Schmelztiegel von hellenistischer und buddhistischer Kultur, an der alten Seidenstraße.

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