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Schweinfurt

Michael Triegel. Jenseits des Sichtbaren

Michael Triegel (*1968 in Erfurt) zählt zu den bedeutendsten und zugleich faszinierendsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Mit seinen sakral geprägten Arbeiten hat er auch die fränkische Kunstlandschaft nachhaltig beeinflusst. Besonders die Diözese Würzburg verfügt über eine bemerkenswert hohe Anzahl seiner Werke – vermutlich so viele wie kaum ein anderer deutscher Bischofssitz.

 

Zu den herausragenden Werkgruppen innerhalb der Diözese zählen unter anderem der Flügelaltar in der Stadtpfarrkirche St. Augustinus in Dettelbach, die Altäre für St. Oswald in Baunach und St. Laurentius in Ebern sowie das Tafelbild des »Segnenden Christus« in St. Mauritius in Wiesentheid.

 

In Kooperation mit der Galerie Schwind Leipzig und dank der Unterstützung zahlreicher privater Leihgeber aus ganz Deutschland sowie des Künstlers selbst präsentiert die Kunsthalle Schweinfurt ab dem 6. September eine umfassende Werkschau des vielseitigen Œuvres des in Leipzig lebenden und arbeitenden Künstlers.

 

Ausgehend von der Formenwelt der italienischen Renaissance und des Barock entwickelt Triegel in altmeisterlicher, virtuoser Maltradition eigenständige Bildräume mit einer zeitgenössisch-symbolischen Bildsprache. Motive der biblischen Heilsgeschichte, der antiken Mythologie und der Gegenwart greifen ineinander und werden in überraschende Konstellationen überführt. Seine Bildsprache ist vielschichtig und rätselhaft – zugleich traditionsbewusst und von irritierender Gegenwärtigkeit.

 

Inhaltlich bewegt sich sein Werk im Spannungsfeld von Glaube und Zweifel. Triegel, der zum Katholizismus konvertierte, greift christliche Bildtraditionen auf, ohne sie lediglich zu reproduzieren. Vielmehr hinterfragt er religiöse Gewissheiten und stellt existenzielle Fragen nach Sinn, Erlösung und menschlicher Identität. Seine Figuren erscheinen dabei oft entrückt oder in einem Zustand innerer Prüfung.

 

Die Ausstellung spannt einen Bogen von frühen Arbeiten der 1990er-Jahre bis hin zu aktuellen Werken aus dem Jahr 2025. Gezeigt werden Altarbilder, Porträts, Stillleben, Vorstudien, Gemälde und grafische Arbeiten, die die große Bandbreite seines Schaffens eindrucksvoll veranschaulichen.

 

Im vergangenen Jahr stand Triegels Kunst im Zentrum einer öffentlichen Debatte rund um den von ihm gestalteten Cranach-Altar im Naumburger Dom. Die Auseinandersetzung entzündete sich an der Platzierung des Werks im Westchor des UNESCO-Welterbes und führte zu kontroversen Diskussionen über den Umgang mit historischer Raumkunst und zeitgenössischen Ergänzungen. Der Altar befindet sich derzeit in der Kirche Santa Maria della Pietà im Campo Santo Teutonico in Rom; Entwürfe und vorbereitende Arbeiten dazu sind in der Ausstellung zu sehen.

 

Breite Bekanntheit über die Fachwelt hinaus erlangte Triegel bereits zuvor durch sein viel beachtetes Porträt von Benedikt XVI., das ebenfalls – zusammen mit einer Vorstudie – einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung bildet.

Diese Ausstellung endet in
87
Tage
11
Std
31
Min
56
Sek
Termine
Start06.09.2026
Ende17.01.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–20:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
Veranstaltungsort
Kunsthalle Schweinfurt
Kunsthalle SchweinfurtRüfferstraße 4, 97421 Schweinfurt

Die Kunsthalle Schweinfurt wurde am 28. Mai 2009 von der damaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad eröffnet – ein Glücksfall für Stadt und Region. Mit ihrer hochkarätig besetzten Sammlung zur »Kunst nach 1945 in Deutschland« hat sie mittlerweile einen festen Platz in der deutschen Museumslandschaft eingenommen. Dazu trugen auch Großprojekte wie die Bayerische Landesausstellung »Main und Meer« (2013) und die Ausstellung »Die Sammlung Gunter Sachs« (2013/14) mit 65.000 Besuchern bei, mit denen sich das Haus deutschlandweit erfolgreich positionieren konnte. Darüber hinaus ist die Triennale für zeitgenössisches Kunstschaffen aus Franken ein fester Bestandteil des nordbayerischen Kulturkalenders geworden. Anlässlich seines 60. Geburtstages schenkte der Industrielle Ernst Sachs (1867–1932) das 1933 fertiggestellte Schweinfurter Volks- und Hallenschwimmbad. Der repräsentative Vorplatz und die Anordnung des Solitärbaus unterstreichen die zur Bauzeit gewollte Ausrichtung zur Industrie und den neuen Baugebieten im Westen der Stadt. Die Luftangriffe vom Februar und August 1944 führten zu schweren Beschädigungen und führten zur Schließung des Bades. Nach gründlicher Erneuerung wurde es im Rahmen eines Festaktes im November 1949 wieder eröffnet. Bis etwa 1956 fand das Gebäude zumindest teilweise erstmals Verwendung als Kultureinrichtung, nämlich als Sitz des Amerika-Hauses, das einen Film- und Lesesaal sowie Büros beherbergte. Bereits 2003 entschied sich der Stadtrat für die Umnutzung als neues Domizil für die städtische Galerie. Die endgültige Einstellung des Badebetriebs erfolgte dann im August 2004. Die charakteristischen, schon zur Bauzeit bestimmten Raumelemente bleiben in der Kunsthalle erhalten. Der Innenhof ist für den Besucher in den Sommermonaten frei zugänglich. In der großen Halle, in der sich sich einst das Schwimmbecken befand, finden Wechselausstellungen statt, die deutschlandweit Beachtung finden. Helle Wände und Decken, deren Übergänge durch homogene Lichtführung fließend erscheinen, fassen die Räume; ein massiver Steinboden sorgt für die erforderliche horizontale Gliederung der Innenbereiche. Die neue Dauerausstellung zur »Kunst nach 1945 in Deutschland« wird ab Juli 2019 auf zwei Geschossebenen gezeigt. Außergewöhnliche Wechselausstellungen sind in der sogenannten großen Halle zu sehen, in der sich ehemals das Schwimmbecken befunden hat und die mit ihrer Raumhöhe von neun Metern wie ein sakraler Raum anmutet.