Das Mönchehaus Museum Goslar freut sich, das diesjährige Kaiserringstipendium an die französische Künstlerin Mona Filleul (1993) zu verleihen.
Mona Filleul entwickelt ein vielschichtiges Werk, das sich durch experimentelle Offenheit und eine ausgeprägte sinnlich erfahrbare Materialität auszeichnet. Im Zentrum ihrer Praxis stehen Reliefs und installative Displayarchitekturen, in denen industrielle Materialien wie Dämmplatten, Schaumstoff oder Beton auf Bienenwachs, Maulbeerfaser, Kunsthaar, Modeschmuck, Audioelemente und blinkende LED-Lichter treffen. So verbinden sich Skulptur, Malerei, Installation und digitale Ästhetiken zu hybriden Bild- und Erfahrungsräumen. Ausgehend von Motiven aus Anime, Handyfotos sowie Referenzen an Popkultur, die Ästhetik des Niedlichen (»Cuteness«) und Vorstellungen von Mädchensein (»Girlhood«) untersucht Filleul die gesellschaftlichen und emotionalen Zuschreibungen von Bildern. Die Rückseiten der Arbeiten bleiben bewusst sichtbar: Elektronik, Verkabelungen und konstruktive Elemente werden offengelegt und bilden einen spannungsreichen Kontrast zu den verspielten Bildwelten. Zugleich ist Filleuls Praxis von engen Arbeitsbeziehungen zu anderen trans Frauen geprägt, die auf gemeinsamen Erfahrungen und materiellen Lebensrealitäten beruhen.
Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung sind hier weniger Ausdruck einer Idee von Gemeinschaft oder Fürsorge als vielmehr praktische Notwendigkeiten in einem Feld, in dem transfeminine Künstlerinnen weiterhin unterrepräsentiert sind und oft unter prekären Bedingungen arbeiten. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation in Kooperation mit Ix Dartayre. Im Frühjahr 2027 wird die Ausstellung zudem in einer zweiten Station in der KWS Art Lounge in Einbeck zu sehen sein.
Mona Filleul (1993 in Mulhouse, Frankreich) lebt und arbeitet in Brüssel und Paris. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen der Kölnische Kunstverein (2026) sowie Einzelausstellungen im Swiss Institute in New York und bei Air de Paris (2025). 2023 erhielt sie den Swiss Art Award und absolvierte ein Residency-Programm bei WIELS. Für 2027 ist eine große Einzelausstellung im Kanal – Centre Pompidou in Brüssel geplant. Gemeinsam mit Ix Dartayre gründete sie Tr@N$Fem PrAx1S, ein kuratorisches Projekt, das im Mai 2027 unter dem Titel No Heart No Chance bei Mécènes du Sud eine Ausstellung realisieren wird. Ausgangspunkt sind bereits bestehende Beziehungen und gemeinsame Erfahrungen, aus denen heraus transfeminine Künstler*innen in kollaborativen Formaten zusammengebracht werden.