ALL EYES ON setzt inmitten der Galerie ein Werk oder eine Werkgruppe, eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit oder künstlerische Position, Gastauftritte einzelner Leihgaben, wichtige Restaurierungen oder Neuerwerbungen in Szene. Die künstlerischen wie technischen Qualitäten der Gemälde, Inhalt und Bedeutung, ihre Entstehungs- und Wirkungsgeschichte sowie ihre Schöpfer werden im Kontext der Sammlung beleuchtet. Auf diese Weise eröffnen sich neue, aktuelle Perspektiven und vielfältige Einblicke in die Forschungsarbeit an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Anlässlich des 450. Geburtstags von Peter Paul Rubens am 28. Juni 2027 werden die beiden Ölskizzen zum Decius Mus-Zyklus – Teil der Präsentation in der Staatsgalerie Neuburg – restauriert.
Solche Studien erfüllten in der Rubens-Werkstatt eine wichtige Funktion: Sie bereiteten die häufig großformatigen Gemälde vor – ganze Kompositionen, auch einzelne Figuren wurden so erprobt. Es ist der suchende Charakter, der den mit leichter Hand ausgeführten Skizzen ihren Reiz verleiht. Sie bezeugen Rubens’ Handschrift, die Sicherheit, mit der Striche gesetzt und Farben aufgetragen wurden. Gerade bei inhaltlich komplexen Kompositionen waren Ölstudien wichtig, um die Aktionen der Figuren zu erproben und um eine stimmige Bilderzählung zu erzielen.
Nicht immer stammen sie von Rubens’ Hand, sondern wurden auch von seinen Schülern oder Mitarbeitern ausgeführt. Dies ist bei den Neuburger Skizzen der Fall, deren Zuschreibung immer noch Fragen zu Werkstattabläufen aufwirft. Die eigenhändigen Skizzen zum Medici-Zyklus hingegen bieten einen faszinierenden Einblick, was ein solcher Auftrag bedeutete: Es galt, das Leben der Auftraggeberin, der höchst umstrittenen Maria de’ Medici, zu illustrieren und zugleich zu überhöhen.