In Lap-See Lams Kunst wird die Architektur der Diaspora der Ort einer gespenstischen Heimsuchung: flirrende Räume und Figuren zwischen Gegenwart und Auslöschung, Simulation und Erinnerung. Mittels 3D-Scans, Animationen, Skulpturen und Installationen erkundet sie, wie kulturelle Identität durch Reproduktionen, Mythen und räumliche Verschiebungen vermittelt wird. Das wiederkehrende Motiv des chinesischen Restaurants, das oft als digitale Rekonstruktion nach Scans nicht mehr existierender Innenräume erscheint, bezeichnet weniger einen tatsächlichen Ort als ein Behältnis, das von verdichteten Geschichten von Migration, Arbeit und Sehnsucht heimgesucht wird. Lap-See Lam, wie diese Räume als instabile, fehleranfällige Archive fortdauern: als provisorische Gefäße für Affekte, Erbe und Repräsentation.
Lap-See Lams Praxis vereint Gegensätze: technologische Präzision und geschichtliche Brüche, Zukunft und Geisterhaftes. Ihre digital umgesetzten Environments bieten keine klare Auflösung; sie simulieren Verlust als solchen und machen die Lücken zwischen Erinnerung, Geschichte und ihren digitalen Spuren sichtbar. In diesen virtuellen Architekturen treiben Stimmen umher, kreisen Avatare, flimmern Oberflächen und verweisen so auf die Grenzen kultureller Übersetzung wie technologischer Aufzeichnung. Lap-See Lams Kunst stellt keine festen Koordinaten der Identität oder Zugehörigkeit vor, sondern eröffnet einen Raum, in dem Diaspora als fortwährender Zustand gelebt wird, der durch Wiederholung, Verzerrung und die Arbeit des Wiederzusammensetzens geprägt ist.
Kuratiert von Haris Giannouras

