Blut, Binden, Bauchgefühl? Menstruation gehört zum Leben dazu – und ist doch lange ein Thema, über das frau möglichst nicht spricht. Läuft. Die Ausstellung zur Menstruation im Jahr100Haus des Freilichtmuseums Molfsee schaut genauer hin: auf den Umgang mit der Periode, auf Wissen und Tabus, auf weiblichen Erfindungsreichtum im Alltag – und auf die Frage, was Menstruation mit unserer Gesellschaft zu tun hat.
Warum wurde in der Werbung für Binden lange eine blaue Flüssigkeit gezeigt? Was haben Kröten mit der Menstruation zu tun? Wie war es eigentlich möglich, im 19. Jahrhundert unter all den Schichten von Kleidung die Unterwäsche zu wechseln? Und wie wäre es, wenn auch Männer bluteten?
Die Ausstellung gibt überraschende Antworten und erzählt dabei eine Geschichte, die weit über die von Hygieneprodukten hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen von Menstruierenden und die gesellschaftlichen Vorstellungen, die mit der Periode verbunden sind. Es geht um Körper und Kultur, um Scham und Selbstbestimmung, um medizinische Deutungen und überliefertes Erfahrungswissen, um aktuelle Diskurse und Popkultur.
In vier Kapiteln führt Läuft durch die Geschichte der Unterwäsche und Menstruationsprodukte, erläutert Aufklärung und aktuelles Wissen, führt durch Diskurse rund um die Menstruation, und zeigt wie Menstruation auch die Popkultur durchdringt. Alle Themenbereiche werden durch Interviews ergänzt, die die Erfahrungen Menstruierender aufzeigen. Historische und aktuelle Alltagsobjekte, Fotografien, Grafiken und Medien machen sichtbar, wie sich der Umgang mit Menstruation verändert hat – und was bis heute erstaunlich vertraut geblieben ist.
Dabei darf auch ausprobiert werden: In einer Mitmachstation lässt sich nachgenähte historische Unterwäsche selbst anprobieren. So wird unmittelbar erfahrbar, welche Herausforderungen die Kleidung vergangener Zeiten mit sich brachte.
Auch im Freigelände des Freilichtmuseums geht die Ausstellung weiter. In den historischen Häusern fragen wir danach, wie Frauen im ländlichen Schleswig-Holstein mit ihrer Periode umgingen: Wie wurde Wissen weitergegeben? Welche Möglichkeiten für Intimsphäre und Hygiene gab es? Und welchen Unterschied machten sozialer Status, Geld und technische Neuerungen?
»Läuft« erzählt keine singuläre, vermeintlich normale Geschichte der Menstruation. Die Ausstellung macht unterschiedliche Erfahrungen sichtbar und lädt ein, Bekanntes neu zu betrachten. Sie ist informativ, überraschend, humorvoll – und bietet jede Menge Gesprächsstoff.
Ein Katalog in deutscher und in englischer Sprache begleitet die Ausstellung.