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Köln

Lebendige Bilder – Buddhistische Rituale in der Kunst Chinas, Japans und Koreas

Die Ausstellung widmet sich dem Ritualgebrauch von Kunstwerken und beleuchtet einige der wichtigsten Zeremonien für den ostasiatischen Kulturkreis. Die religiöse Praxis im Buddhismus ist wie in anderen Religionen geprägt von Ritualen, die zu verschiedenen Zeiten und unterschiedlichen Zwecken von Mönchen, Nonnen und Laien durchgeführt werden. Im buddhistischen Jahresablauf spielen bestimmte Feiertage, an denen man zum Beispiel die Geburt oder den Tod des Religionsgründers, des historischen Buddha Shakyamuni feierlich begeht, aber auch Fastenfeste, Tempelgründungen oder Jahreszeitenrituale eine große Rolle. Im Zentrum stehen Kultbilder verschiedener Buddhas, Bodhisattvas (Erleuchtete, den Lebewesen in dieser Welt helfend), bedeutender Mönche oder Patriarchen. Rituelle Kultgegenstände wie wirkmächtige Szepter (skt. vajra), Glocken oder Weihrauchgefäße finden in den Zeremonien Verwendung.

 

In der Ausstellung verweist eine kleine vergoldete, sino-tibetische Plastik des kindlichen Buddha auf die Feierlichkeiten zu Buddhas Geburtstag am 8. Tag des 4. Mondmonats, eine japanische Hängerolle von Buddhas Eingang ins Vollkommene Nirvana, auf die jährliche Erinnerung an seinen Todestag am 15. Tag des 2. Mondmonats.

 

Rituale vor den Altären einzelner Gottheiten wurden täglich in den Tempelhallen, separaten oder privaten Andachtsräumen vollzogen. Hierzu präsentiert die Ausstellung eine der bedeutendsten japanischen buddhistischen Skulpturen des Museums, einen Buddha Vairocana des frühen 12. Jahrhunderts.  Ergänzend sind ausgewählte Ritualgeräte zu sehen, darunter eine Vajra-Glocke und ein Vajra-Szepter, die in den geheimen Zeremonien der esoterisch-buddhistischen Schulen dieses Buddhas Verwendung fanden.

 

Die Verehrungsmethoden in der »Schule des Reinen Landes«, die dem Buddha Amitabha gewidmet waren, zielten auf das einfache Volk der Laienanhänger und propagierten eine simple Anrufung des Namens des Buddha Amitabha. Auch hierzu bietet die Ausstellung eindrucksvolle Bildbeispiele, wie eine verkleinerte Kopie des monumentalen Taima-Mandalas oder japanische Skulpturen des zu dem Gläubigen herabgleitenden Buddha und seiner beiden Begleiter.

 

Dem Bodhisattva Kshitigarbha, der die Verstorbenen aus der Hölle zu befreien vermochte, waren an den ostasiatischen Tempeln eigene Hallen geweiht, in denen er mit zehn Höllenkönigen residierte. Eine koreanische Hängerolle eines dieser Höllenkönige zeigt, wie Spendenrituale in diesem Kontext gestaltet waren.

 

Auch alltägliche Reinigungs- und Meditationsrituale, die den Weg zur Erleuchtung ebnen sollen, haben sich in Texten oder Bildrollen erhalten. Weitere Rituale im Tempel, aber auch im öffentlichen oder privaten Kontext dienten der Erlangung von Wünschen (Geld, Erfolg, langes Leben) oder der Abwehr von Übeln (Krankheit, Missernten, Verbrechen). Buddhistische Laienanhänger spendeten hier zumeist Geld für Weihrauch, Blumen oder Speisen. Auch die Stiftung und Weihe von Skulpturen, Stelen und das Kopieren von buddhistischen Texten, ebenso wie die rituelle Umrundung eines Stupa lassen sich anhand der Ausstellungobjekte, wie der chinesischen Abreibung eines der vier Eingangsreliefs der berühmten Großen »Wildganspagode« in Xi’an nachvollziehen.

 

Dem letzten Raum ist die Rekonstruktion der typisch koreanischen Konsekrierung eines buddhistischen Bildes gewidmet, der Bulbokjang-Zeremonie (wörtl.: »Im Innern des Buddha verbergen«), die am Museum für ostasiatische Kunst Köln stattfand. Jedes buddhistische Bildwerk wird durch eine solche Augenöffnungszeremonie in ein wirkmächtiges Kultbild verwandelt. Ein besonderes Merkmal der koreanischen Praxis seit dem 18. Jahrhundert ist dabei das Einfügen von Texten und anderen sakralen Objekten, die in einem Beutel oder Päckchen an der Rückseite der Skulpturen befestigt oder auf die Rückseite von Hängerollen aufgebracht werden.

Termine
Start06.11.2025
EndeLäuft auf unbestimmte Zeit
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–17:00, jeder 1. Donnerstag im Monat (außer Feiertags): 11:00–22:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum für Ostasiatische Kunst Köln
Museum für Ostasiatische Kunst KölnUniversitätsstraße 100, 50674 Köln

Das 1913 eröffnete Museum für ostasiatische Kunst war ein Bekenntnis zu einem aufgeklärten Dialog mit der Welt. Das Haus sollte einen neuen, unverstellten Blick auf die Kunst Ostasiens ermöglichen und einer im Aufbruch begriffenen westlichen Gesellschaft moderne Anregungen und Denkanstöße liefern. Vor dem Hintergrund der chauvinistischen Kolonialpolitik, die das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm II in China verfolgte, dokumentierte die Museumsgründung 1909 eine markante Abkehr von deutschem Überlegenheitswahn. Durch die verheerenden Folgen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs wurde das Vermächtnis der Museumsgründer jedoch jäh zunichte gemacht. Erst mit der Eröffnung des Museumsneubaus am Aachener Weiher im Jahr 1977 gelang nach der Kriegszerstörung wieder ein Neuanfang. Seither ist das Museum für Ostasiatische Kunst der ursprünglichen Idee seiner Gründer verpflichtet. Rassismus und kolonialistisches Denken artikulieren sich in jeder Epoche anders und neu. Sprach Kaiser Wilhelm II von China als der »gelben Gefahr«, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus die massenhafte Vernichtung der Juden betrieben. Auch heute, im Zuge der Flüchtlingskrise, werden rassistische Stimmen laut. Dies zeigt deutlich, dass die ursprüngliche Mission des Museums für Ostasiatische Kunst ewig aktuell bleibt: Mit seinen Ausstellungen lädt das Haus zur Wertschätzung von Kunst und Kultur des Fernen Ostens im Sinne der Weltkunst ein; jede Form von Rassismus hat darin keinen Platz. Nach wie vor stellt die von Adolf Fischer (1856–1914) und seiner Frau Frieda (1874–1945) zusammengetragene Sammlung den Kernbestand des Hauses dar. Ihre Kollektion buddhistischer Malerei und Skulptur, japanischer Stellschirmmalerei, Farbholzschnitte, koreanischer Keramik und Lackkunst gilt als eine der bedeutendsten innerhalb Europas. Weitere wichtige Schwerpunkte bilden die seit den 1970er Jahren hinzugekommenen chinesischen Sakralbronzen der Sammlung Hans-Jürgen von Lochow, die Frühkeramik der Sammlung Hans Wilhelm Siegel, die chinesische und japanische Kalligraphie der Sammlung Heinz Götze, außerdem die Dauerleihgaben der Peter und Irene Ludwig Stiftung.

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