Wie lässt sich globale Ungleichheit sichtbar und begreifbar machen? In ihrer keramischen Installation 242,814 LITERS aus dem Jahr 2012 übersetzt Lena Kaapke ökonomische Daten in eine unmittelbar erfahrbare Form. Ausgangspunkt ist das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Länder der Erde. Für jedes Land fertigte Kaapke eine Schale, deren Volumen dem jeweiligen Wert entspricht. Aus abstrakten Zahlen entstehen so Gefäße von sehr unterschiedlicher Größe – ein eindrucksvolles Panorama weltweiter wirtschaftlicher Ungleichheit.
Die auf der Töpferscheibe entstandenen Schalen verbinden statistische Präzision mit handwerklicher und sinnlicher Erfahrung. Was in Tabellen und Diagrammen abstrakt bleibt, wird durch Material, Form und Größenverhältnisse unmittelbar anschaulich: Wohlstand und wirtschaftliche Möglichkeiten sind weltweit höchst ungleich verteilt.
Mit 242,814 LITERS knüpft Kaapke an die besondere Geschichte des Globushauses von Schloss Gottorf an. Der Gottorfer Globus entstand im 17. Jahrhundert als Modell zur Erfassung und Darstellung der Welt und steht für den Versuch, geografisches und astronomisches Wissen anschaulich zusammenzuführen. Auch andere zeitgenössische Künstler haben sich hier bereits mit der Darstellung globaler Zusammenhänge auseinandergesetzt. Ingo Günther etwa visualisierte mit seinen Globen in der Ausstellung Worldprocessor politische, soziale, ökologische und wirtschaftliche Entwicklungen.
Kaapke wählt einen ganz eigenen Zugang: Sie bildet die Welt nicht auf einer Kugel ab, sondern übersetzt globale Verhältnisse in eine Vielzahl von Gefäßen. Im Globushaus begegnen sich damit unterschiedliche Formen der Welterfassung – vom Weltmodell des 17. Jahrhunderts bis zur künstlerischen Auseinandersetzung mit den ökonomischen Realitäten einer global vernetzten Gegenwart.