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Baden-Baden

LUXUS. DIE LUST AM ÜBERFLUSS

Das Phänomen Luxus – oszillierend zwischen moralischer Verurteilung und ökonomischem Fortschritt – entfaltet seit der Antike eine ungebrochene Faszination. Doch was genau ist Luxus? Prunk, Glamour und materieller Reichtum oder vielmehr Zeit, Selbstbestimmung und Gesundheit? Da der Luxusbegriff zwischen materiellen und immateriellen Werten changiert, entzieht er sich einer starren Definition. Eine neue Sonderausstellung widmet sich dieser vielschichtigen Ambivalenz und nimmt die Transformation des Luxus von der Frühindustrialisierung bis zur Weimarer Republik in den Blick – eine Epoche, in der sich Luxus vom aristokratischen Privileg zum bürgerlichen Statussymbol wandelte. 

 

Anhand zentraler Themenfelder – von Kulinarik, Kolonialwaren, Mobilität und Architektur über Mode und Design bis hin zu Freizeit und Muße – entfaltet die Schau eine Genealogie des Überflusses an der Schwelle zur Moderne.  

 

Einst unbezahlbare, durch koloniale Ausbeutung gewonnene Importgüter entwickelten sich im Zuge der Industrialisierung zu Genussmitteln für die Masse. Parallel dazu verbreitete sich die aufkommende Haute Cuisine mit komplexen Rezepturen und raren Zutaten für ein finanzkräftiges Publikum. 

 

Mit dem Ausbau des Schienenverkehrs, der Automobilbranche und der Passagierschifffahrt entwickelte sich Mobilität zum zentralen Statussymbol. Legendäre Züge wie der Orient-Express und luxuriöse Ozeandampfer wie die Titanic beherrschten große Distanzen unter Bedingungen maximalen Komforts. In Kur- und Großstädten wuchsen prächtige Grandhotels zu temporären »Weltstädten im Kleinen« heran. Sie boten glanzvolle Bühnen für eine internationale Elite.  

 

Auch die Modewelt erfuhr eine fundamentale Wandlung. Erste Modeschöpfer begründeten die Haute Couture. Pioniere wie Charles Frederick Worth (1825–1895) gaben fortan das Design eigener, saisonaler Kollektionen vor und leiteten eine moderne Markenmentalität ein. Gleichzeitig ermöglichten industrielle Fertigungsverfahren qualitativ hochwertige Konfektionskleidung und seriell gefertigten Schmuck. Das Aufkommen großer Kaufhäuser ab den 1850er-Jahren machte Mode und Luxusgüter für eine stetig wachsende Käuferschicht zugänglich. Demgegenüber schufen Meister des Jugendstils wie René Lalique (1860–1945) mit innovativen Materialien und handwerklicher Raffinesse exklusive Unikate. 

 

Mit der fortschreitenden materiellen Absicherung breiterer Bevölkerungsschichten veränderte sich die Wahrnehmung von Wohlstand. Luxus bedeutete nicht mehr nur Besitz, sondern zusehends die Freiheit zur selbstbestimmten Zeitgestaltung. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert blieb diese Souveränität über die eigene Zeit jedoch ein exklusives Privileg, das die Trennlinie zwischen ökonomischer Abhängigkeit und gesellschaftlicher Spitzenstellung zog.  

 

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung liegt auf der Kurstadt Baden-Baden, die sich in dieser Ära zum mondänen Treffpunkt einer kosmopolitischen Weltgesellschaft und zum Modebad von Weltrang entwickelte. 

 

Die Ausstellung vereint hochkarätige Exponate der Kunst-, Kultur- und Technikgeschichte, historische Gemälde, Grafiken und Fotografien aus den Bereichen Architektur, Kulinarik, Mode, Werbung sowie dem Verkehrswesen.  

 

Zu sehen sind bedeutende Arbeiten unter anderem von Abraham Hendricksz. van Beyeren (ca. 1620–1690), Jan Davidsz. de Heem (1606–1683/1684), Adolphine Herpp (1820–1882), Fritz Klingholz (1861–1921), René Lalique (1860–1945), Jakob Lehnen (1803–1847), Henri Manguin (1874–1949), Jeanne Paquin (1869–1936), Paul Poiret (1879–1944), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976), Max Slevogt (1868–1932), Emmy Roth (1885–1942), Heinrich Vogeler (1872–1942) und Charles Frederick Worth (1825–1895). Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Debatten eröffnet die Schau zugleich eine kritische Perspektive auf die Mechanismen von Luxus und Reichtum heute. 

Diese Ausstellung beginnt in
17
Tage
7
Std
13
Min
11
Sek
Termine
Start24.10.2026
Ende06.06.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–18:00
Mittwoch11:00–18:00
Donnerstag11:00–18:00
Freitag11:00–18:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00