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Düren

Maya Schweizer. Uedra

Preisträgerin der Günther-Peill-Stiftung (2024)

 

Maya Schweizer (*1976 in Paris) umkreist in ihrer Arbeit Fragen von Geschichte, Zeitlichkeit und die Instabilität individueller wie kollektiver Erinnerung. Ein Augenmerk gilt dabei dem Fragmentarischen, Beiläufigen und der Geste als Form nonverbalen Ausdrucks. In der Ausstellung »Uedra« überträgt die Künstlerin das Collageprinzip ihrer assoziativ dichten, mit filmischen Referenzen verwobenen Videoarbeiten in eine atmosphärische Rauminstallation und präsentiert ergänzend gestickte Textilarbeiten. Der Titel, eine Buchstabenverschiebung des Wortes Dauer, verweist auf einen imaginären Ort, an dem Zeit zu einem metaphorischen Raum wird – der doch flüchtig und ungreifbar bleibt wie die Bilder des Kinos.

 

Maya Schweizer umkreist in ihrer künstlerischen Praxis Fragen von Geschichte, Zeitlichkeit und In-stabilität individueller wie kollektiver Erinnerung. Ein Fokus ihrer filmischen Arbeiten, die häufig auf Beobachtungen spezifischer Orte, Räume oder Verhaltensweisen basieren, gilt der Auseinandersetzung mit offiziellen Festschreibungen von Vergangenheit. Was erinnert eine Gesellschaft und wie materialisiert sie das; was bleibt Leerstelle und wirkt doch fort? Wie bedingen sich Präsenz und Absenz, Erinnern und Vergessen, und welche Bilder lassen sich dafür finden?

 

Ein wesentliches Merkmal von Maya Schweizers künstlerischem Schaffen ist das Fragmentarische, Beiläufige und die Geste als ephemere Form nonverbalen Ausdrucks. In filmischen Montagen lässt die Künstlerin die Vergangenheit mit der Gegenwart in Resonanz treten. Indem sie eigene und fremde Filmsequenzen, Text- und Tonfragmente auf poetisch-suggestive Weise verbindet, eröffnet Schweizer über Details auch den Blick auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Durch den Verzicht auf eine stringente Erzählung reflektieren ihre experimentellen Arbeiten die Brüchigkeit und Unzuverlässigkeit von Erinnerung und deren dynamisch-prozesshafte Natur.
In Videoarbeiten wie »L’étoile de mer« (2019) werden die urbanen Schauplätze früherer Filme zugunsten eines liquiden Meeresraums abgelöst. Hier, ebenso wie in dem eine dystopische Atmosphäre heraufbeschwörenden Video »Sans histoire« (2023), nimmt das Element Wasser als eine Art metaphorisches Äquivalent für Prozesse der Formauflösung und des Vergessens eine zentrale Rolle ein. Dabei greift die Künstlerin auf einen breiten Zitatfundus aus Film- und Literaturgeschichte zurück, über den sie ihre Arbeiten in Dialog mit einem kollektiven kulturellen Gedächtnis bringt.

 

Maya Schweizers dicht komponierte, durch Schnitt und Ton rhythmisierte Filmcollagen stellen keine Behauptungen auf. Eher lassen sie sich als mäandernde, leitmotivisch lose verknüpfte Suchbewegung durch reale und imaginäre Landschaften beschreiben, die den Betrachter:innen ein breites Terrain an Assoziationsmöglichkeiten eröffnet.

 

Der Ausstellungstitel »Uedra«, der auf einer Buchstabenverschiebung des Wortes Dauer basiert, verweist dabei auf einen imaginären Ort, an dem die Zeit zu einem metaphorischen Raum wird, der flüchtig und ungreifbar bleibt wie die Bilder des Kinos. In der Ausstellung überträgt die Künstlerin das Collageprinzip ihrer Videoarbeiten in eine atmosphärische Rauminstallation. Breite Bahnen aus Papier dienen als Projektionsfläche und verweisen ebenso auf dessen Funktion als Informationsträger und Speichermedium wie auch auf die ortsspezifische Industriegeschichte der Papierstadt Düren. Indem Schweizer mehrere Videoarbeiten auf einer Konstruktion inmitten des Raumes zusammenführt, treten die Bilderströme in eine neue, nur bedingt planbare Konstellation zueinander. Etwas Drittes entsteht.

 

Neben Videos werden in Düren auch zwei großformatige, gestickte Textilarbeiten ausgestellt. Die zusammenhanglosen Textfragmente von »Particularly Today« (2022) könnten im öffentlichen Raum aufgeschnappten Aussagen oder Graffitis entstammen. In bunten Fäden tritt uns ein polyphoner Alltags-chor vor Augen, der vielfältige Bezüge eröffnet, die vom Privaten bis zum Politischen reichen. Eines der Textfragmente lässt sich durchaus programmatisch verstehen: »Entweder ein Stimmengewirr oder gar nichts«.

 

Eröffnung: 2. Oktober 2026, 19 Uhr

 

Zur Eröffnung sprechen:
Frank Peter Ullrich, Bürgermeister der Stadt Düren
Dr. Eberhard Peill, Vorsitzender der Günther-Peill-Stiftung
Andreas Prinzing, Kurator der Günther-Peill-Stiftung
Markus Mascher, kommissarischer Leiter LHM

 

Die Künstlerin ist anwesend.
Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.

Diese Ausstellung beginnt in
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13
Std
22
Min
51
Sek
Termine
Start03.10.2026
Ende24.01.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–19:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Leopold-Hoesch-Museum
Leopold-Hoesch-MuseumHoeschplatz 1, 52349 Düren

Das Leopold-Hoesch-Museum ist ein Museum für Bildende Kunst. Seine Sammlung umfasst bedeutende Werke der Klassischen Moderne, der Konkreten Kunst, der ZERO-Bewegung und der Gegenwartskunst. Es zeigt Ausstellungen zu moderner und zeitgenössischer Kunst und Themenausstellungen. Als Kunstmuseum der Stadt Düren, die seit dem 18. Jahrhundert ein wichtiger Standort der industriellen Produktion und Verarbeitung von Papier ist, beherbergt das LHM neben Malerei und Skulptur auch eine große grafische Sammlung und Werke der Papierkunst. Es ist strukturell eng mit dem benachbarten Papiermuseum Düren verbunden, das technisch und kulturhistorisch ausgerichtet ist. Das LHM versteht sich als offener Ort des kulturellen und gesellschaftlichen Austauschs, der seine Besucher:innen zur Auseinandersetzung mit Kunstwerken sowie zur Diskussion aktueller Themen einlädt. Die ursprünglich als Universalmuseum in der Tradition einer bürgerlichen Bildungseinrichtung angelegte Institution wurde der Stadt Düren 1905 von der Familie Leopold Hoesch gestiftet. Der 1820 in Düren geborene Unternehmer Leopold Hoesch entstammte der gleichnamigen Dürener Industriellendynastie, die mit der Gründung des Eisen- und Stahlwerks Hoesch AG in Dortmund 1871 ins Ruhrgebiet expandierte. Als eines der wenigen Bauten, die 1944 die weitgehende Zerstörung Dürens überstand, gehört das neobarocke Jugendstilgebäude des Architekten Georg Frentzen heute zum kulturellen Erbe der Stadt. 2010 erhielt es einen großzügigen Erweiterungsbau durch den Architekten Peter Kulka. Der Museumsverein Düren hatte es sich nach dem Krieg zur Aufgabe gemacht, mit Ankäufen, Stiftungen und Schenkungen von Kunstwerken die Entwicklung des Sammlungsbestands zu fördern. Umfassende Zuwächse erfuhren die Sammlungen auch durch die Gründungen der Günther-Peill-Stiftung und der Hubertus Schoeller Stiftung in den Jahren 1986 beziehungsweise 2004, die seither die Arbeit des LHM aktiv unterstützen.