Merlin James’ Werk ist zutiefst von der Geschichte der westlichen Malerei geprägt. Gattungen, Motive und Techniken werden wiederbelebt, verschoben und in neue Konstellationen gebracht, oft mit einer subtilen, fast schelmischen Leichtigkeit, die jedem Eindruck von Monumentalität entgegenwirkt. Seine überwiegend in kleinen Formaten gehaltenen Gemälde bewegen sich zwischen Architektur, Interieur, Figuration und Abstraktion, lenken dabei aber stets die Aufmerksamkeit auf den Akt des Malens selbst und auf die materiellen Strukturen, die ihn ermöglichen. Statt von unmittelbarer Beobachtung oder fotografischen Vorlagen auszugehen, aktiviert James Eindrücke und Erinnerungen, die sich im Lauf der Zeit angesammelt haben, und gestaltet vertraute Räume und Gegenwarten durch Prozesse des Erinnerns neu.
Dünne Farbschleier, Abriebspuren, Lochungen und die Einarbeitung von Materialien wie Haaren, Asche oder Sägemehl stören die Kohärenz des Bildes und bringen Elemente der Arbeit im Atelier direkt in das Werk ein. Im Mittelpunkt von James’ Schaffen steht ein Neudenken des Ausgangspunkts der Malerei: Keil- und Schaurahmen sind keine neutralen Träger, sondern tragen aktiv zur Bedeutung bei. In einigen Gemälden wird die klassische Leinwand teilweise oder gänzlich zugunsten von durchscheinenden Materialien aufgegeben. Diese werden über freiliegende Holzkonstruktionen gespannt, die in Teilen bearbeitet und gestaltet wurden, sodass Bild und Konstruktion gleichzeitig sichtbar werden. In diesem Sinne entfaltet sich James’ Schaffen als konzentrierte Auseinandersetzung mit den Bedingungen der Malerei selbst – ihren Materialien, ihrer Geschichte und ihren semantischen wie expressiven Möglichkeiten.
Künstler:innen
Merlin James wurde 1960 in Cardiff, Wales, geboren und lebt in Glasgow, UK.
Kuratiert von Haris Giannouras