Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählt Michael Sailstorfer (*1979 in Velden (Vils); lebt und arbeitet in Berlin) zu den prägenden Stimmen der zeitgenössischen Bildhauerei. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind häufig Gebrauchsobjekte, die der Künstler neu ordnet und in überraschende Zusammenhänge überführt. Das Zusammenspiel von Funktion und Autonomie, Maschine und Organismus, Permanenz und prozesshafter Veränderung sowie die vielschichtigen Anspielungen auf den Menschen, seinen Körper, sein Handeln und seine Emotionen zeichnen Sailstorfers Werk aus. Ein ausgeprägtes Interesse an den Möglichkeiten der Bildhauerei und ihrer Geschichte verbindet sich dabei mit einem unerschöpflichen Erfindungsdrang und feinem Humor.
Das Kunstmuseum Gelsenkirchen präsentiert zwei neue Arbeiten des Künstlers, die Innen- und Außenraum des Museums miteinander verbinden. An zentraler Stelle auf dem Museumsplatz schafft Sailstorfers Factory in den kommenden Monaten einen winterlichen Treffpunkt: Die mächtige Aluminiumskulptur, ein Metallofen mit Brennkammer, wird mehrmals während der Ausstellungslaufzeit aktiviert. Zu diesen Anlässen lädt das Kunstmuseum zu Begegnungen und Gesprächen an der Wärme spendenden Skulptur ein. Diese erinnert in ihrer Form an ein abstraktes Herz und übersetzt dessen lebensspendende Funktion in ein ebenso körperliches wie poetisches Bild.
Die Skulptur im Inneren des Museums entfaltet ihren besonderen Reiz im Zusammenspiel zweier gefundener Objekte, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während das eine durch seine enorme Größe trumpft, erscheint das andere geradezu winzig und wird von einem Ventilator in Bewegung gehalten. Unter dem Titel Triebwerk verknüpft Michael Sailstorfer natürliche Bewegungsprozesse und technische Antriebskräfte, um das Verhältnis von Natur und ihrer technischen Überformung auszuloten.
Mit einem unverwechselbaren Gespür für den Ort, seine sozialen und ästhetischen Bedeutungen, lässt Michael Sailstorfers Ausstellung das Museum vom Vorplatz hinaus in die Stadt strahlen.