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Dresden

Monica Bonvicini und die Inschrift am Japanischen Palais

Blickwechsel: Schenkung Sammlung Hoffmann / Japanisches Palais

 

Monika Bonvicinis Werke sind von einem kritischen Blick auf unsere Gesellschaft geprägt. Ihre Lichtinstallation zieht durch fast meterhohe, aus Glühbirnen geformte Buchstaben unmittelbar die Blicke auf sich. In seiner starken visuellen Anziehungskraft greift das Werk auf ästhetisch eindringliche Mittel aus der Werbung zurück: Die blinkenden Lettern erinnern an Leuchtreklamen, wie man sie etwa vor Kinos oder Bars findet, die mit ihrem verheißungsvollen Glanz und Leuchten Kunden anlocken sollen. Doch bei Bonvicini wird die Verheißung aus Licht in ein aggressives, nahezu blendendes Flackern verwandelt, das die Botschaft wie ein gebieterisches Warnsignal präsentiert. Das Werk NOT FOR YOU weckt ein Verlangen, das gleichzeitig mit einem Verbot belegt wird. Diese Spannung zwischen Anziehung und Ausschluss ist ein zentrales Thema in vielen Werken Bonvicinis. Sie nutzt Sprache als Werkzeug, um gesellschaftliche Machtverhältnisse zu reflektieren und zu kritisieren. 

 

Im Dialog mit dem Japanischen Palais, hinterfragt der Satz die Strukturen, die dem Bau zugrunde liegen. Das heutige Japanische Palais geht auf das Holländische Palais zurück, das August der Starke 1717 erwarb. Es sollte seine bedeutende Sammlung ostasiatischen Porzellans – vor allem aus China und Japan – beherbergen. Für das sogenannte Porzellanschloss war ein umfassender Umbau geplant. Der Wettstreit zwischen der neu entwickelten Meissener Porzellanproduktion (ab 1708) und der ostasiatischen Sammlung zeigt sich in der architektonischen Gliederung des Palais: Das Obergeschoss, dem Meissener Porzellan vorbehalten, ruht auf der Hofseite sinnbildlich auf Hermen und Atlanten.

 

Diese monumentalen Trägerfiguren von Johann Christian Kirchner und Johann Matthäus Oberschall zeigen ausdrucksstarke, im Typus jedoch stereotype, exotisierende Darstellungen insbesondere asiatischer Menschen. Sie spiegeln die eurozentrische Sichtweise des Barock und repräsentieren zugleich das damalige Streben nach Weltwissen und das Interesse am »Fremden«. Bereits ab 1721 beherbergte das Gebäude verschiedene kurfürstliche Sammlungen. Mit dem Umbau von 1782 bis 1786 wurde es ein öffentlich zugängliches Museum für die Antikensammlung, das Münzkabinett und die kurfürstliche Bibliothek – erkennbar an der lateinischen Inschrift am Hauptportal: »Museum usui publico patens« (Museum zur öffentlichen Nutzung offenstehend). 

Diese Ausstellung beginnt in
15
Tage
8
Std
25
Min
54
Sek
Termine
Start18.11.2026
Ende07.12.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstaggeschlossen
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–17:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Japanisches Palais
Japanisches PalaisPalaisplatz 11, 01097 Dresden

Das Japanische Palais in Dresden ist ein Haus mit bewegter Geschichte, eine Kulturstätte ersten Ranges und Heimat berühmter Dresdner Kulturschätze. Anmutig am Neustädter Elbufer gelegen, wird es oft überstrahlt von der berühmteren Altstadtseite mit ihren nah beieinander liegenden Architekturperlen. Seine heutige Bescheidenheit passt jedoch nicht recht zu seiner prominenten Geschichte, spielte das Palais im barocken Dresden doch eine Hauptrolle. August der Starke (1670–1733) plante, hier seinen Traum von einem Porzellanschloss zu verwirklichen. Dächer, Innenausstattung, alles sollte aus Porzellan sein. Nachdem er 1717 das Palais erworben hatte, beschäftigte er die führenden Dresdner Architekten Pöppelmann, de Bodt, Longuelune und Knöffel mit dem Umbau. Die imposante Vierflügelanlage zählt mit ihrer Bauplastik im damals hochmodernen chinoisen Stil und ihren japanisch geschwungenen Dächern zu den Meisterwerken des Dresdner Barock. Allerdings blieb die Gesamtvision vom Porzellanschloss unvollendet. Ab 1721 zogen hier die königliche Kunstkammer, später die Porzellansammlung und ab 1785 die antiken Skulpturen, die Münzsammlung und die kurfürstliche Bibliothek ein. Das kuriose Moritzburger Federzimmer gehörte zum Originalinterieur, genau wie die Gobelins nach Raffael, die heute in der Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister aufbewahrt werden. Auch andere berühmte Kunstschätze machten hier Station. Nach Gottfried Sempers Entwürfen wurde ab 1834 das Erdgeschoss mit pompejischen Wandmalereien dekoriert. Von 1954 bis 2012 war das Landesmuseum für Vorgeschichte des Landesamtes für Archäologie im Japanischen Palais beheimatet, das sich heute als Staatliches Museum für Archäologie in Chemnitz befindet. Das Museum hat das völlig kriegszerstörte Gebäude wieder nutzbar gemacht. Heute sind in dem Haus die Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden und das Museum für Völkerkunde Dresden zuhause.