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Zürich

Nikka – Der indische Maler

Wer war Nikka von Guler? Obwohl er zu den herausragenden Malern der Pahari-Region Nordindiens zählt, ist über sein Leben nur wenig bekannt. Als Sohn des berühmten Künstlers Nainsukh schuf er in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fürstliche Porträts sowie eindrucksvolle Bildserien zu religiösen und literarischen Themen. Neue Forschungen ermöglichen nun erstmals, sein Werk genauer zu fassen und sein künstlerisches Profil als bedeutender Porträtist seiner Zeit nachzuzeichnen.

 

Die Ausstellung Nikka – Der indische Maler präsentiert bedeutende Werke aus der international renommierten Pahari-Sammlung des Museum Rietberg, die in den vergangenen 50 Jahren dank privater Unterstützerinnen und Unterstützer aufgebaut wurde. Kuratiert von Eberhard Fischer und entstanden in Zusammenarbeit mit der GBF Foundation for Cooperative Research on South Asian Art and Artists, macht die Ausstellung aktuelle Forschungsergebnisse sichtbar und eröffnet neue Perspektiven auf einen der großen, lange übersehenen Meister der indischen Malerei.

 

 

Der Maler Nikka von Guler

 

Nikka von Guler (1745–1833) war der dritte Sohn des berühmten Malers Nainsukh und wirkte als Hofmaler am Fürstenhof von Chamba. Über sein Leben ist nur wenig bekannt, doch einige seltene Darstellungen zeigen sein Aussehen und seine Stellung am Hof. Ab etwa 1780 arbeitete er für Raja Raj Singh von Chamba und schuf Porträts sowie Auftragswerke für wichtige höfische Anlässe. Nikka stammte aus einer Künstlerfamilie, zu der auch seine Söhne Harkhu, Gokal und Chhajju gehörten. Die wenigen bekannten Bildnisse des Malers geben Einblick in seine Persönlichkeit und verdeutlichen seine Bedeutung als Künstler in der Pahari-Malerei des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

 

 

Ein anstößiges Bild

 

Mit dem Gemälde Ein verrufener Ort schuf Nikka um 1780 eines der ungewöhnlichsten Werke der indischen Malerei seiner Zeit. Das Bild zeigt Menschen an einem gesellschaftlich geächteten Ort und erzählt in mehreren Szenen von Neugier, Verlockung und moralischen Grenzüberschreitungen. Die schonungslose Darstellung menschlichen Verhaltens, die außergewöhnliche Komposition und die bis heute ungeklärte Entstehungsgeschichte machen das Werk zu einem der faszinierendsten Bilder in Nikkas Schaffen.

 

 

Meister- und Familienwerkstatt

 

Nikka entstammte einer traditionsreichen Malerfamilie aus Guler, die über mehrere Generationen hinweg die Pahari-Malerei entscheidend prägte. In den Familienwerkstätten arbeiteten Meister, Söhne und Verwandte eng zusammen: Sie entwickelten Bildideen, fertigten Vorzeichnungen an und vollendeten die Gemälde gemeinsam. Zu den bedeutendsten Vertretern dieser Künstlerdynastie gehörten Seu sowie dessen Söhne Manaku und Nainsukh, die als Meister ihrer Zeit berühmt wurden. Nikka setzte diese Tradition fort und profilierte sich neben seinen Verwandten als herausragender Porträtmaler. Gemeinsam schufen sie ein künstlerisches Erbe, das die Malerei Nordindiens nachhaltig beeinflusste.