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Wien

Renata Poljak – More

Alles beginnt auf einer Insel und endet auf einer anderen. Dazwischen liegt das Meer: Es trennt und verbindet zugleich diejenigen, die aufbrechen, und diejenigen, die zurückbleiben und warten. Mit der Einzelausstellung More von Renata Poljak beginnt im Projektraum Garage des KunstHausWien der Zyklus Aqua – Water in Motion der neuen Chefkuratorin Başak Şenova. 

 

More zeigt ein Werkensemble, in dem das Meer Inseln, Leben, ökologische Katastrophen und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft miteinander verbindet. Darin verknüpft Poljak ihre persönliche Familiengeschichte des Aufbruchs mit umfassenderen Geschichten von Migration und Vertreibung.

 

Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die Neonskulptur more, more, more. Der Titel ist ein Wortspiel: »More« ist das kroatische Wort für »Meer«, aber auch für »Last« und steht hier zudem für das englische Wort für »mehr«. Durch die eindringliche Wiederholung wird das Meer sowohl als Symbol des Aufbruchs als auch der Sehnsucht nach etwas jenseits des Bestehenden evoziert: nach einem lebenswerteren Ort, nach einem besseren Leben. Poljaks Urgroßvater ging auf der Suche nach Arbeit nach Chile, getrieben von der Dürre auf seiner Heimatinsel Brač und der daraus resultierenden Not. Ihre Urgroßmutter blieb auf der kroatischen Insel zurück, wo sie auf ihren Ehemann wartete, der – wie viele der Männer, die fortgingen – nie zurückkehrte.

 

Diese Spannung zwischen Aufbruch und Warten, zwischen Verlust und Hoffnung findet sich auch in Poljaks Filmen. In Partenza (2016) verbindet sie die Geschichte der Migration von den kroatischen Inseln zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit heutigen Flucht- und Migrationsbewegungen über das Meer. Das Wort »partenza« bedeutet auf Italienisch »Aufbruch« und wird auch in den kroatischen Insel- und Küstendialekten verwendet.

 

In Yet Another Departure (2018) trifft persönliche Erinnerung auf politische Geschichte: Seit einem Jahrhundert blickt eine Frau auf das Meer und wartet auf ihren Ehemann. Im Laufe der Jahre hat sie fünf verschiedene politische Regime erlebt, ohne sich weit von ihrem Geburtsort entfernt zu haben. Während dieser Zeit wird im Jahr 2016 die Vis, das ehemalige Kommandoschiff der jugoslawischen Armee, absichtlich versenkt, um als touristische Tauchattraktion zu dienen. Seitdem liegt es in der Adria am Meeresgrund, ganz in der Nähe des Brijuni-Archipels, wo 1956 wiederum jenes Treffen stattfand, das den Grundstein für die Bewegung der Blockfreien Staaten legte.

 

Der Film Porvenir (2020) führt die Betrachter:innen nach Feuerland. Die chilenische Siedlung Porvenir – spanisch für »Zukunft« – wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von kroatischen Einwander:innen gegründet. Getrieben von Armut, Hunger und Krieg überquerten damals viele Kroat:innen das Meer in der Hoffnung auf ein besseres Leben. 

 

In einer geschützten Ecke der Ausstellung ergänzen schließlich vier Fotocollagen aus der Serie Partenza (2016–2026) die Erzählung von Porvenir und führen diesen Werkkomplex über unterschiedliche Geschichten, Geografien und Generationen hinweg weiter.

 

Begleitend zur Ausstellung findet am 1. März 2027 ein Gespräch zwischen der Künstlerin Renata Poljak, der Kuratorin Başak Şenova sowie Branko Franceschi, dem Direktor des Nationalmuseums für Moderne Kunst in Zagreb und langjährigem Wegbegleiter von Poljak und Şenova, statt.

 

 

Biografie

 

Renata Poljak ist eine bildende Künstlerin und Filmemacherin aus Kroatien. Ihre künstlerische Praxis umfasst Film, Video, Fotografie, Installation, Zeichnung und Neon. In ihren Arbeiten verbindet sie häufig dokumentarisches Material mit inszenierten und fiktionalen Elementen. Im Zentrum stehen dabei Themen wie Erinnerung, Migration und Vertreibung sowie die sozialen Folgen von Kriegen, sozialen und politischen Umbrüchen und Transformationen, insbesondere im ehemaligen Jugoslawien.

 

Poljak studierte zunächst an der Kunstakademie in Split, setzte ihre Ausbildung an der École Régionale des Beaux-Arts in Nantes fort und schloss anschließend ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Zagreb ab. Sie nahm an verschiedenen internationalen Residenzprogrammen teil, u. a. am San Francisco Art Institute, im MuseumsQuartier Wien, bei Art in General in New York, an der Cité internationale des arts in Paris und an der Skowhegan School of Painting & Sculpture. Sie lebt und arbeitet in Zagreb.

 

 

Kuratorin

 

Die Ausstellung und das Public Programme werden von Başak Şenova kuratiert.

Diese Ausstellung beginnt in
8
Tage
14
Std
28
Min
33
Sek
Termine
Start12.11.2026
Ende14.03.2027
Öffnungszeiten
Montag10:00–18:00
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunst Haus Wien
Kunst Haus WienUntere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien

Schon von weitem fällt das KUNST HAUS WIEN durch seine innovative und künstlerische Gestaltung auf. Es ist das einzige von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Gebäude in Wien, das an 365 Tagen im Jahr für Besucher:innen geöffnet ist. Das Museum und Ausstellungshaus, von Hundertwasser gegründet und KunstHausWien benannt, zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mit hochkarätigen internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst mit Fokus auf die Ökologie hat es sich als Fixpunkt innerhalb der Wiener Kulturszene etabliert. Für Besucher:innen aus aller Welt steht das im KunstHausWien verankerte Museum Hundertwasser als größte permanente Präsentation der Werke des österreichischen Künstlers und Visionärs im Mittelpunkt. Die Dauerausstellung bietet einen einzigartigen Querschnitt durch Hundertwassers Schaffen und wird von Jung und Alt gleichermaßen als einzigartiges Besuchserlebnis geschätzt, das vielfach im begrünten Garten seinen Ausklang findet. Mit der Präsentation von Künstler:innen, die Hundertwassers Ideen zu Ökologie und Nachhaltigkeit aufgreifen und aus heutiger Sicht transdisziplinär reflektieren, ist das KUNST HAUS WIEN zudem als erstes »grünes Museum« Plattform für global diskutierte Themen von höchster Aktualität. Das Grüne Museum Ein Museum ist auch ein Werteproduzent, der als öffentliche Institution eine gesellschaftspolitische Haltung zu vermitteln hat. Aus diesem Grund legt das KUNST HAUS WIEN neben der inhaltlichen Ausrichtung ebenfalls im operativen Betrieb und im Arbeitsalltag auf ein nachhaltiges Handeln Wert. Sichtbare und unsichtbare Prozesse im Museumsbetrieb werden nach höchstmöglichen ökologischen Standards durchgeführt: 1) Mit Ressourcen wird sorgsam umgegangen, 2) Reparaturen sind das Mittel erster Wahl, 3) Beim Kauf neuer Produkte wird auf lange Lebensdauer, wiederverwertete Rohstoffe, Recycelbarkeit und Umweltverträglichkeit geachtet. Im Jahr 2018 wurde das KUNST HAUS WIEN als erstes Museum mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Das Ausstellungshaus möchte hier mit Veranstaltungen und Aktionen impulsgebend für den ganzen Kulturbereich wirken. Museum Hundertwasser Das Museum Hundertwasser befindet sich im KUNST HAUS WIEN, das 1991 von Friedensreich Hundertwasser, einem der wichtigsten österreichischen Künstler des 20. Jahrhunderts, gegründet wurde. Es wurde ursprünglich als Heimat für das Werk Hundertwassers geplant und errichtet und zusätzlich mit Räumen für internationale Wechselausstellungen ausgestattet. Das einzigartige Museum und Ausstellungshaus am Donaukanal folgt nach wie vor den philosophischen und gestalterischen Grundsätzen des berühmten Ausnahmekünstlers. Auf zwei Ausstellungsebenen vereint das Museum Hundertwasser die wichtigsten Aspekte seines Schaffens und zeigt die weltweit größte Sammlung seines Oeuvres mit Schlüsselwerken seiner Malerei, Originalgraphiken, Tapisserien, angewandter Kunst wie Briefmarken und Fahnen, Architekturmodellen und Zeugnissen seines ökologischen Engagements. Seltene Fotodokumente und Filme, etwa über die Geschichte seines Schiffes »Regentag«, runden den Museumsbesuch zu einem umfassenden Eindruck über Leben und Werk des Künstlers ab. Dem/der Besucher:in eröffnet sich in Wiens erstem »grünen Museum« auch das visionäre ökologische Engagement von Friedensreich Hundertwasser – als Vorreiter einer menschen- und naturgerechteren Architektur bewaldete er die Dächer seiner Architekturprojekte und schuf in Form der in die Fassade gesetzten »Baummieter« erste Beispiele von »vertikalem« Grün.