abgeschlossen
Köln

Sammlung Fotografie: Zweimal Deutschland um 1980

Präsentation in den Fotoräumen

 

Fotograf:innen: Derek Bennett (1944–1990), Christiane Eisler (geb. 1958), Karl Kugel (geb. 1957), Ute Mahler (geb. 1949), Henry Maitek (1922–2007), Evelyn Richter (1930–2021) und Erasmus Schröter (1956–2021)

 

Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig umfasst rund 70.000 Werke von den Anfängen der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In unseren Fotoräumen stellen wir regelmäßig Werke zu ausgesuchten Themen und Fotograf:innen zusammen.

 

Die Präsentation zeigt eine Auswahl von Fotografien aus Ost- und Westdeutschland, die um das Jahr 1980 entstanden sind. Die Arbeiten von sieben Fotograf:innen geben Einblicke in gesellschaftliche und alltägliche Lebenswelten beider deutscher Staaten, die von unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen geprägt waren. 

 

Porträtfotografien von Derek Bennett, Christiane Eisler und Ute Mahler treffen auf Aufnahmen von Henry Maitek und Evelyn Richter, die Alltagsszenen festhalten. Karl Kugel dokumentierte seine Reise vom Rheinland nach West-Berlin und montierte die Abzüge zu einem Fotoessay. Erasmus Schröter fotografierte mit einer Infrarotkamera nächtliche Straßenszenen in Leipzig und verfremdete damit den vertrauten Blick auf das Alltägliche. In vielen Fällen geben erst die Bildtitel Aufschluss darüber, ob die Fotografien in der Bundesrepublik oder in der DDR entstanden sind.

 

Die ausgewählten Arbeiten zeigen keine historischen Ereignisse. Stattdessen richten sie den Blick auf scheinbar beiläufige Situationen und Menschen. Viele der Bilder entziehen sich einer eindeutigen Lesart, da sie bewusst auf typisierende Darstellungen verzichten. Gerade diese Offenheit unterläuft Erwartungen an sichtbar unterschiedliche Lebensrealitäten in zwei politischen Systemen. Ergänzende Informationen zum historischen Kontext helfen dabei, das Abgebildete einzuordnen.

 

In der Bundesrepublik veränderte sich die Gesellschaft um 1980 durch Arbeitsmigration sowie durch das Aufkommen der neuen sozialen Bewegungen. Politische Debatten und Demonstrationen – etwa zum NATO-Doppelbeschluss, zu Umweltfragen oder zu Hausbesetzungen – prägten die öffentliche Diskussion. Diese Entwicklungen gingen mit einem politischen Wandel einher, der schließlich zur konservativ-liberalen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl führte.

In der DDR waren die Unterzeichnung der Schlussakte der »Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa« 1975 in Helsinki mit Hoffnungen auf größere Freiheiten verbunden, die jedoch enttäuscht wurden. Gleichzeitig verschärften sich die wirtschaftlichen Probleme, und die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich spürbar. In weiten Kreisen wurden daher die 1980er Jahre als eine Phase bleierner Stagnation erlebt. 

 

Das Leben in der Bundesrepublik wird in der Präsentation von drei Fotografen porträtiert, die in Polen, den USA und Frankreich geboren wurden und somit einen Blick von außen auf die deutsche Gesellschaft werfen. Bereits die Titel ihrer Arbeiten – Deutschland ins Gesicht geschaut von Henry Maitek (1969), Stille Zwiesprache. Bildnisse von Deutschen von Derek Bennett (1978–1981) und Deutsche Reise von Karl Kugel (1983/1987) – verweisen auf ihre Auseinandersetzung mit dem Bild der Deutschen nach 1945.

 

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR sind in den Arbeiten von vier Fotograf:innen eingefangen, die mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig verbunden sind. Ute Mahler, Christiane Eisler und Erasmus Schröter studierten dort; Evelyn Richter lehrte von 1981 bis 2001 an der Hochschule. In der DDR kam der Fotografie eine besondere gesellschaftliche Funktion zu: Sie sollte die Staatsdoktrin des »real existierenden Sozialismus« vermitteln. Entsprechend streng waren die staatlichen Vorgaben bis Mitte der 1970er Jahre. Erst danach wurden größere Freiheiten bei der Wahl der künstlerischen Ausdrucksmittel eingeräumt, und lebensweltliche Themen hielten Einzug in die Fotografie. Während des Rektorats von Bernhard Heisig (1976–1987) bot die HGB ihren Studierenden vergleichsweise große Freiräume. Evelyn Richter steht exemplarisch für eine Lehre, die das selbstbewusste, eigenständige Entscheiden über Themen und Motive förderte.

 

Der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf Fotografien aus der Zeit um 1980. Ergänzend werden einzelne Arbeiten von Henry Maitek und Evelyn Richter aus den 1960er Jahren gezeigt, die den zeitlichen Rahmen erweitern und zusätzliche Perspektiven eröffnen. 

 

Kuratorin: Barbara Engelbach

Termine
Start18.04.2026
Ende11.10.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00, jeder 1. Donnerstag im Monat 10:00–22:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Museum Ludwig
Museum LudwigHein­rich-Böll-Platz, 50667 Köln

Am 5. Fe­bruar 1976 un­terzeich­neten das Ehe­p­aar Lud­wig und die Stadt Köln ei­nen Schenkungsver­trag: das Mu­se­um Lud­wig war ge­grün­det. Der Ver­trag bein­hal­tete, dass Peter und Irene Lud­wig 350 Werke mod­ern­er Kunst stiften und die Stadt Köln im Ge­gen­zug ein ei­genes »Mu­se­um Lud­wig« für die nach 1900 ent­s­tan­de­nen Ex­po­nate schaf­fen sollte. Konzipiert von den Köl­n­er Ar­chitek­ten Peter Bus­mann und God­frid Haber­er, eröffnete 1986 das ›Dop­pel­mu­se­um‹, das so­wohl das Wall­raf-Richartz-Mu­se­um als auch das Mu­se­um Lud­wig auf­nahm. 1994 entschied man sich für eine Tren­nung der bei­den In­sti­tute. Nun sollte das Ge­bäude an der Bis­chofs­garten­s­traße aussch­ließlich das Mu­se­um Lud­wig be­her­ber­gen. Heute um­fasst die Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig die wichtig­sten Po­si­tio­nen der Kunst des 20. Jahrhun­derts und der Ge­gen­wart­skunst. Den Grund­s­tock der Samm­lung legte der Köl­n­er Ju­rist Dr. Josef Haubrich (1889–1961). Di­rekt nach dem Zweit­en Weltkrieg, im Mai 1946, schenkte er der Stadt Köln seine Kollek­tion von Werken des Ex­pres­sion­is­mus (Erich Heck­el, Karl Sch­midt-Rottluff, Ernst Lud­wig Kirch­n­er, Au­gust Macke, Ot­to Mueller) und an­der­er Vertreter der Klas­sischen Mod­erne (Marc Cha­gall, Ot­to Dix). Im Ok­to­ber 1946 wurde in der al­ten Köl­n­er Uni­ver­sität er­st­mals eine Auswahl von 100 Bildern präsen­tiert. Diese Ausstel­lung sah auch Peter Lud­wig als junger Stu­dent. Samm­lung und Stifter beein­druck­ten ihn tief und gaben auch den An­s­toß für seine ei­gene Kun­st­samm­lung. Durch Lud­wigs Schenkung ge­langten 1976 zahl­reiche aus­ge­sprochen qual­itätvolle Ar­beit­en der Rus­sischen Avant­garde aus der Zeit zwischen 1905 und 1935 (Gontscharowa, Lari­onow, Ex­ter, Popowa, Male­witsch, Rodtschenko) ins frisch ge­grün­dete Mu­se­um. Hinzu kam die außer­halb der USA um­fassend­ste Samm­lung amerikanisch­er Pop Art (Gemälde, Ob­jekte, En­vi­ron­ments von Licht­en­stein, Rosen­quist, Warhol und Wes­sel­mann). 1957 bereicherte eine wichtige Gruppe von Werken Max Beck­manns als »Le­gat Ge­org und Lil­ly von Sch­nit­zler« die Bestände. 1958 kon­nte die Wil­ly-Streck­er-Samm­lung mit be­deu­ten­den Werken u. a. von Pab­lo Pi­cas­so, Hen­ri Ma­tisse, Os­kar Kokosch­ka und Paul Klee angekauft wer­den. Zwischen den Jahren 1976 und 1988 stifteten die Eheleute Gün­ther und Car­o­la Peill wichtige Teile ihr­er Samm­lung (Gemälde und gra­fische Ar­beit­en von Max Ernst, Alex­ej von Jawlen­sky, Wil­li Baumeis­ter, Ernst Wil­helm Nay). 1994 stifteten Peter und Irene Lud­wig der Stadt Köln 90 Werke aus ihrem Pi­cas­so-Be­sitz und be­d­ingten damit den Auszug des Wall­raf-Richartz-Mu­se­ums in ein ei­genes Ge­bäude. Die Wied­er­eröff­nung des Mu­se­um Lud­wig am 1. Novem­ber 2001 kon­nte der Na­mens­ge­ber nicht mehr er­leben, doch Irene Lud­wig nahm sie zum An­lass, 774 weitere Ar­beit­en Pi­cas­sos zu schenken. Damit ver­fügt das Mu­se­um Lud­wig nach Barcelo­na und Paris über die dritt­größte Pi­cas­so-Samm­lung weltweit. Sie bi­etet ei­nen repräsen­ta­tiv­en Quer­sch­nitt durch alle Gat­tun­gen, Ma­te­rialien und Tech­niken. Seit 2000 en­gagiert sich das Mu­se­um Lud­wig in be­son­der­er Weise für die Samm­lung und Präsen­ta­tion tech­nisch­er Me­di­en im Kon­text zeit­genös­sisch­er Kunst. Wesentliche Ar­beit­en von Aer­nout Mik, Dia­na Thater und Mike Kel­ley sind so durch Ankäufe hinzugekom­men. Am 1. Novem­ber 2001 wurde das Mu­se­um als Mu­se­um unser­er Wün­sche von Kasper König wied­er­eröffnet. Un­ter sein­er Di­rek­tion (2000–2012) wurde die Samm­lung be­son­ders im Bereich der zeit­genös­sischen Kunst um wesentliche Werke und ganze Werk­grup­pen ergänzt und zählt heute zu den be­deu­tend­sten Museen für mod­erne und zeit­genös­sische Kunst in Eu­ro­pa. Die Samm­lung wird seit­dem konse­quent um sub­s­tanzielle Po­si­tio­nen zeit­genös­sisch­er Kunst er­weit­ert.