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St. Gallen

Sammlungsfieber

Mit Sammlungsfieber beginnt das Kunstmuseum St. Gallen eine neue, mehrjährige Präsentation seiner Bestände. Diese setzt sich mit der Einzigartigkeit des Museums in St. Gallen auseinander – der 800-jährigen Textilgeschichte als Kontext seiner Entstehung ebenso wie den hier zusammengetragenen Privatsammlungen oder dem Einfluss des Kunsthandels. Entlang einer Zeitrechnung in Textilepochen – von Leinwand und Baumwolle bis zur St. Galler Spitze – entspinnt sich die über fünf Jahrhunderte umfassende Werkpräsentation.

 

Den Auftakt der Ausstellung bildet eine neue, vom Kunstmuseum St. Gallen in Auftrag gegebene Arbeit des Genfer Künstlers Mathias C. Pfund (* 1992). Im Mittelpunkt der Arbeit steht das erste Objekt, das in die Sammlung der Stadt einging: ein ausgestopftes Krokodil, das der St. Galler Kaufmann Daniel Studer 1623 der Stiftungsbibliothek schenkte. Die Installation besteht aus einer leeren Aufhängevorrichtung, dem Stich eines toten Nilkrokodils von Karel van Mallery aus dem 16. Jahrhundert und der Collage eines Mosaiks aus dem 2. Jahrhundert, das die edlen und exotischen Überreste eines Festmahls auf dem Boden zeigt. Damit geht es in Pfunds Installation um Luxus, Exotik und die Frage, welche Objekte wir als wertvoll erachten und wie diese Werte im musealen Kontext weiterleben.

 

Der Ausstellungstitel Sammlungsfieber (englisch: Collection Fever) bezieht sich auf den 1995 erschienenen Essay Archive Fever des algerisch-französischen Philosophen Jacques Derrida. Ordnung, so Derrida, wird traditionell mit Begriffen wie «Archiv» oder «Sammlung» assoziiert. Gleichzeitig entsteht Derrida zufolge nur durch das Fieber – das für die Neugierde, das Aufspüren und die Anhäufung verantwortlich ist – ein Archiv und somit eine Sammlung.

 

Eben diese Energie des Fieberhaften, die zu Neuem und Unerwartetem führt, ist das leitende Prinzip für Sammlungsfieber, die etwa in den Fokus rückt, wie Sammeln und Anhäufen, aber auch Prestige und Geld, mit der Kunst verknüpft sind. Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf die Verbindung zwischen Kapital und Kunst, was für den St. Galler Kontext auch die Beziehung zwischen Textil und Kunst bedeutet.

 

Kuratiert von Melanie Bühler, Dorothee Haarer, Gianni Jetzer und Lorenz Wiederkehr

Termine
Start26.08.2023
EndeLäuft auf unbestimmte Zeit
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–20:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Kunstmuseum St. GallenMuseumstraße 32, 9000 St. Gallen

Ein Museum – zwei Standorte Das Kunstmuseum St. Gallen Stadtpark genießt mit seinen attraktiven Wechselausstellungen zeitgenössischer und moderner Kunst internationale Ausstrahlung. Als Schatzkammer der Ostschweiz beherbergt das Museum eine reiche Sammlung von Gemälden und Skulpturen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, die in einer Dauerausstellung gezeigt wird. Darüber hinaus begeistern Ausstellungen international renommierter Künstler:innen sowie thematische Gruppenausstellungen ein vielfältiges Publikum. Die Lokremise, die zweite «Spielstätte» des Kunstmuseums, dient als Kulturlabor für zeitgenössische Kunst. Sie ist Teil des Kulturzentrums Lokremise St. Gallen, das 2010 vom Kanton St. Gallen eröffnet wurde. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Kinok und Tanz/Theater bietet inhaltliche Synergien während der rohe Charakter des Innenraumes prozessorientierte Ausstellungen ermöglicht. Stadtpark Museumstraße 32 Das 1877 von Johann Christoph Kunkler im neoklassizistischen Stil errichtete Gebäude lädt ein zum Flanieren durch die Kunst aus Vergangenheit und Gegenwart: Alt und Neu im Dialog ermöglichen ein abwechslungsreiches Kulturerlebnis, bei dem internationale Wechselausstellungen zu erleben sind oder Meisterwerke der Vergangenheit auf herausragende Vertreter zeitgenössischer Kunst treffen. Dank einer umfassenden Kunstvermittlung ist das Kunstmuseum St. Gallen Stadtpark ein attraktiver Ort der Begegnung mit Kunst von Gestern und Heute. Lokremise Grünbergstraße 7 Die Lokremise St. Gallen (1903–1911) gilt als ein bedeutender Pionierbau der schweizerischen Bahninfrastruktur. Das von Carl Moser entworfene Gebäude diente ursprünglich der Wartung von Dampflokomotiven. Der Bau, der zusammen mit dem Badhaus (1902) und dem Wasserturm (1906) von Robert Maillart ein einzigartiges Ensemble bildet, gilt heute als Industriedenkmal von nationaler Bedeutung. Zwischen 1999 bis 2004 wurde die Lokremise von der Galerie Hauser & Wirth als Ausstellungsraum genutzt und gewann in der nationalen und internationalen Kunstszene einen hohen Bekanntheitsgrad. Sammlung Die Sammlung des Kunstmuseums St. Gallen ist seit dem 19. Jahrhundert aus bürgerlichem Engagement, Schenkungen und gezielten Erwerbungen gewachsen. Sie reicht von frühen europäischen Beständen und der Malerei des 19. Jahrhunderts über zentrale Positionen der Moderne bis zur internationalen Gegenwartskunst. Ihr Profil entsteht aus einer doppelten Ausrichtung: Die Sammlung versteht sich als visuelles Gedächtnis der Ostschweiz und pflegt wichtige regionale Werkgruppen. Zugleich setzt sie internationale Akzente in Malerei, Skulptur, Installation, Konzeptkunst, Video und neuen Medien. Starke Einzelwerke, konzentrierte Werkgruppen und die Verbindung von regionaler Verankerung, kunsthistorischer Tiefe und zeitgenössischer Bedeutung prägen ihren Charakter. Die aktuelle Sammlungsstrategie setzt auf präzise Erwerbungen von hoher künstlerischer, kunsthistorischer und musealer Relevanz. Entscheidend ist, dass ein Werk für sich überzeugt und darüber hinaus im Dialog mit dem Bestand neue Lesarten eröffnet. Neuzugänge sollen die Sammlung vertiefen, erweitern und in Ausstellungen immer wieder aktiviert werden können. Besonderes Augenmerk gilt herausragenden Positionen, die zentrale Entwicklungen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts neu sichtbar machen oder Themen wie Identität, Ökologie, Technologie und Dekolonisierung ansprechen. Ziel ist es, unterrepräsentierte, historisch und strukturell marginalisierte Positionen aus unterschiedlichen geografischen und kulturellen Kontexten in die Sammlung aufzunehmen. Auf diese Weise soll deren bislang vornehmlich weiße , cis-männliche und heteronormative Perspektivierung aufgebrochen werden. Als wichtigstes Kunstmuseum der Ostschweiz trägt das Kunstmuseum St. Gallen eine besondere Verantwortung für Kunstschaffende aus der Region. Gesammelt werden regionale Positionen, wenn sie über ihren lokalen Kontext hinaus künstlerische Relevanz besitzen und größere kunsthistorische oder gesellschaftliche Zusammenhänge eröffnen. Erwerbungen werden sorgfältig auf Provenienz, konservatorische Verantwortung und langfristige Vermittelbarkeit geprüft. Neben Ankäufen spielen Schenkungen, gemeinsame Erwerbungen mit anderen Institutionen und ausgewählte Nachlässe eine wichtige Rolle. Dauerleihgaben werden nur angenommen, wenn sie das Profil der Sammlung nachhaltig stärken und mit einer Perspektive auf Schenkung verbunden sind. Ziel ist eine Sammlung, die an Komplexität, Vielstimmigkeit und Profil gewinnt: historisch fundiert, regional verankert, international anschlussfähig und offen für die Fragen der Gegenwart.