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Augsburg

SHIFT OF VISION – Neue Wege der Abstraktion.

Ausstellung

Jutta Haeckel | Peter Krauskopf | Moritz Neuhoff

 

In der Ausstellung SHIFT OF VISION widmet sich die Kunsthalle Augsburg der zeitgenössischen abstrakten Malerei mit einem konzentrierten Blick auf drei ebenso markante wie autonome künstlerische Positionen aus Deutschland: Jutta HaeckelPeter Krauskopf und Moritz Neuhoff. Trotz ihrer gemeinsamen Verortung im Feld der Abstraktion verfolgen sie jeweils eine höchst individuelle Bildsprache, die in dieser Konstellation einen spannungsvollen und vielschichtigen Dialog entfaltet. Die Ausstellung zeigt Werke aus den letzten Jahren sowie aus der aktuellen Produktion der drei Künstler. – Der Glaspalast Augsburg bildet dabei mit seiner markanten Architektur und den lichtdurchfluteten Hallen nicht nur den Rahmen, sondern wird selbst Teil der Ausstellungserfahrung: Als ehemaliges Industriegebäude des frühen 20. Jahrhunderts verbindet er Offenheit mit Struktur, Klarheit mit Geschichte – und schafft eine einzigartige Atmosphäre, in der die vielgestaltigen Positionen abstrakter Malerei in Resonanz mit Raum und Licht treten.

 

Jutta Haeckel (*1972 in Hannover) entwickelt eine Malerei, die zugleich kartografisch und imaginär wirkt. Ihre Gemälde entstehen durch die Schichtung unterschiedlichster Farbzustände, von fein lasierend bis pastos. Charakteristisch ist, dass sie den Malgrund bereits vor dem Malprozess verändert: Durch das Ziehen einzelner Fäden weitet sie die Maschen der Leinwand, macht den Stoff stellenweise durchlässig und durchsichtig. Auf diese vorbereitete Fläche folgt ein physischer Farbauftrag, bei dem sie den Stoff tränkt und abstrakte Setzungen von Vorder- und Rückseite kombiniert. So verweben sich Gewebe und Malerei zu einem vielschichtigen Gefüge aus Oberfläche, Material und Zeichen.
Als Ausgangspunkt dienen Haeckel oft digitale Bildquellen wie Satellitenaufnahmen, Architekturfragmente oder organische Strukturen, die Haeckel in ein abstraktes Vokabular überführt. Lineare Rasterungen, flirrende Farbfelder und feine Strichlagen verdichten sich zu einem vibrierenden Bildraum, der sich eindeutiger Lesbarkeit entzieht. Ihre Werke changieren zwischen Konstruktion und Auflösung, Fläche und Tiefe, und eröffnen meditative Seh- und Denkräume. Malerei wird bei Jutta Haeckel zu einem prozesshaften Speicher visueller Schichten – ein Ort, an dem Wahrnehmung nicht nur abgebildet, sondern im Akt des Betrachtens erst erzeugt wird. Damit reflektiert ihre Praxis zugleich die Durchlässigkeit zwischen realer Welt und Bildraum, zwischen Karte und Landschaft, Ausdrucksmedium und Materialität.

 

Peter Krauskopf (*1966 in Leipzig) steht für eine malerische Praxis, in der gestische Reduktion, Materialität von Farbe und Bildträger sowie Zeit eine zentrale Rolle spielen. Seine Arbeiten entstehen durch ein bewusstes Spiel mit Schichtung und Abtragung. Ausgangspunkt sind oftmals farbintensive Hintergründe, die Krauskopf in gestischer Konsequenz mit breiten Spachtelzügen überzieht. In einem Akt kontrollierter Zerstörung trägt er obere Farbschichten teilweise wieder ab und legt so das darunterliegende Bild offen – gleichsam ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf der Leinwand. Dieser Prozess erzeugt ein spannungsgeladenes Wechselspiel zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Zufall und Kalkül. Krauskopfs Werke sind zugleich meditativ wie auch physisch präsent. Sie erzählen vom Bild als einem Ort der Verdichtung, als Spur eines zeitlichen Geschehens.

 

Moritz Neuhoff (*1987 in Osnabrück) gehört zur jüngeren Generation abstrakter Maler, deren Werk stark von digitalen Bildkulturen beeinflusst ist. Neuhoffs Gemälde wirken auf den ersten Blick wie generierte Grafiken oder digital manipulierte Bilder – doch sie entstehen als Produkte eines mehrstufigen malerischen Arbeitsprozesses. Seine Kompositionen setzen sich aus Rasterungen, Interferenzen und Farbstörungen zusammen, die an Glitches und algorithmische Prozesse erinnern. Dabei lotet Neuhoff die Grenze zwischen digitaler Ästhetik und handwerklicher Malerei bewusst aus. Seine Arbeiten sind von einer gewissen Kühle, fast technischer Präzision, doch bei näherem Hinsehen offenbaren sie eine subtile Sinnlichkeit und malerische Raffinesse. Neuhoffs Werk befragt unsere Wahrnehmung, die zunehmend durch Bildschirme geprägt ist, und transformiert digitale Phänomene in ein sinnlich erfahrbares malerisches Vokabular.

 

 

Kontrast & Resonanz | ein malerischer Dialog

 

Die Ausstellung SHIFT OF VISION versteht sich nicht nur als eine Präsentation dreier künstlerischer Positionen, sondern als ein Dialog über die Möglichkeiten abstrakter Malerei im 21. Jahrhundert. Während Krauskopf mit physischer Reduktion und prozesshafter Tiefe arbeitet, überführt Neuhoff digitale Ästhetik in eine malerische Logik, und Haeckel lässt abstrakte Landschaften aus Bildschichtungen und Seherfahrungen entstehen. Die Ausstellung betont weniger die Gemeinsamkeiten als vielmehr die Differenzen dieser Ansätze – und zeigt gerade dadurch die vitale Spannweite und Relevanz der abstrakten Malerei heute.

 

In einer Zeit, in der Bilderflut und digitale Überlagerung unsere Wahrnehmung bestimmen, setzen die Arbeiten von Krauskopf, Neuhoff und Haeckel je eigene Akzente – leise, analytisch oder vieldeutig – und eröffnen Räume für eine bewusste, entschleunigte Bildbetrachtung. SHIFT OF VISION lädt ein zu einer visuellen Reise durch Farbe, Struktur und Bedeutung und wirft grundlegende Fragen nach der Beschaffenheit von Bild, Oberfläche und Wahrnehmung auf.

 

Eröffnung: 17. April 2026, 18 Uhr

Diese Ausstellung beginnt in
55
Tage
17
Std
44
Min
22
Sek
Start Termin
18.04.2026
Ende Abschluss
11.10.2026
Öffnungszeiten
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geschlossen
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