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Heidelberg

Silke Otto-Knapp: Fliedergarten

Ausstellung

Mit der Ausstellung »Fliedergarten« lenkt der Heidelberger Kunstverein die Aufmerksamkeit bewusst auf das grafische Werk von Silke Otto-Knapp (1970–2022). Der Fokus liegt dabei auf den Radierzyklen der in Osnabrück geborenen und in Los Angeles verstorbenen Künstlerin.

 

In ihren Gemälden, Gouachen und Drucken untersuchte Silke Otto-Knapp fortwährend die Schnittstelle zwischen der Theatralik gesellschaftlicher Räume – Landschaften, Gärten und, in ihrem Frühwerk, die neongeflutete Stadtansicht – und der ästhetischen Konstruktion konkreter Tanz- und Bühnenaufführungen. In letzteren schweben TänzerInnen durch die grautonigen und verwaschenen Bildflächen; mal silbern und schimmernd, mal matt, schattenhaft oder auf bloße Umrisse reduziert. Die standbildartig festgehaltenen Choreografien reichen von Soli und Paaren bis hin zu größeren, akribisch arrangierten Ensembles.

 

Zentral für die Ausstellung sind 76 Blätter aus dem Radierzyklus »Lilac Garden (Rehearsal)«. Der Titel nimmt Bezug auf Antony Tudors »Jardin aux Lilas« (1936), das als eines der ersten psychologischen Ballette gilt. Das Stück thematisiert die affektive Beengtheit sowie die sublimierten Sehnsüchte und sozialen Spannungen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft anhand einer Abendgesellschaft, bei der die Protagonisten einer Zweckheirat noch einmal versuchen, mit ihren ehemaligen Geliebten zusammenzukommen.

 

Die Ausstellung umfasst zudem den Zyklus »Three Seascapes«. Hier tritt die Landschaft – konkret das vom Land aus betrachtete und meist in Mondlicht getauchte Meer - als bedeutender Protagonist hervor. Otto-Knapp verknüpft dabei drei unterschiedliche Referenzen: die phänomenologische Weite der Küste Neufundlands, wo Eisberge als zugleich auratische wie bedrohliche Vorzeichen vorbeitreiben; die symbolistisch aufgeladene Topografie von Edvard Munchs Sommeraufenthalt in Åsgårdstrand, Norwegen; und die strukturelle Offenheit der experimentellen Choreografie »Three Seascapes« (1966) der amerikanischen Tanzpionierin Yvonne Rainer.

 

Weitere Werke der Ausstellung umfassen unter anderem eine Serie von Aquarellen, die sich mit der visionären Landschaftsauffassung des William-Blake-Schülers Samuel Palmer auseinandersetzen; eine Keramikfliesenarbeit, die sich auf Rainer Werner Fassbinders »Warnung vor einer heiligen Nutte« (1971) bezieht; sowie die Serie »Coastline (Midnight Sun/Full Moon)«, für die Otto Knapp Papier verwendete, das sie während eines Aufenthalts in der Robert Rauschenberg Foundation auf Captiva Island erworben hatte.

 

Durch die Aneignung kompositorischer Chiffren der Bühne innerhalb des Dispositivs des Bildraumes werden szenische Kontexte wie Meer, Küste, Garten, Park, Gewächshaus, Bühne, Ballett und Tanz – letzterer insbesondere durch die Auswahl der in der Ausstellung präsentierten Werke berücksichtigt – zu experimentellen Räumen, in denen menschliche Sehnsüchte als zugleich modellhaft, zeitlos sowie ungreifbar und inszeniert gezeigt werden; stets beleuchtet vom Mond als einer Art fahlem Scheinwerfer.

 

Eröffnung: 28 Februar 2026, 18 Uhr

Diese Ausstellung beginnt in
7
Tage
17
Std
47
Min
7
Sek
Start Termin
01.03.2026
Ende Abschluss
10.05.2026
Öffnungszeiten
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geschlossen
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