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Luxemburg

Simon Fujiwara – A Whole New World

Ausstellung

Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean präsentiert Simon Fujiwara: A Whole New World, eine Ausstellung, die nahezu zwanzig Jahre des Schaffens des japanisch-britischen Künstlers Simon Fujiwara (1982, London) umfasst. Als Einblick in seine facettenreiche Praxis konzipiert, verwandelt die Ausstellung das Mudam in eine immersive Umgebung, inspiriert von der Szenografie und Dramaturgie von Freizeitparks.

 

»Ich werde oft gefragt, ob meine Arbeit eine Kritik am Kapitalismus und an der modernen Gesellschaft sei. In Wirklichkeit aber geht es in meiner Arbeit um Empfindung: Ich versuche, das Gefühl des heutigen Lebens in mich aufzunehmen und dieses Empfinden in eine visuelle Sprache zu übersetzen.«

 — Simon Fujiwara, Mai 2022

 

Fujiwaras Mid-Career-Retrospektive trägt den Titel A Whole New World – eine Wendung, die auch im Musical Aladdin auftaucht, in dem er einst in seiner Schulzeit die Titelrolle spielte. In der Erzählung schwebt der Protagonist auf einem fliegenden Teppich über eine Reihe fantastischer Landschaften. In Anlehnung an die Idee, Raum und Zeit zu einem Strom wundersamer Erlebnisse zu verschmelzen, vereint die Ausstellung Fujiwaras Werke zu einer Reihe seiner eigenen »Wunderwelten«. Diese entfalten sich im gesamten Museum und führen die Besuchenden durch Umgebungen, die sie verzaubern und zugleich verunsichern sollen.

 

Obwohl A Whole New World die Logik eines Freizeitparks aufgreift, setzen sich seine »Attraktionen« mit drängenden Fragen unserer Zeit auseinander – von Identität im Zeitalter der Selbstvermarktung bis hin zur immersiven Unterhaltungskultur einer von den Medien dominierten Welt. Mit scharfsinnigem Witz spürt Fujiwara in seinem Werk Momenten von Menschlichkeit und sogar Freude nach, inmitten der allgegenwärtigen Strömungen von Werbung, Unterhaltung und Onlinekultur, die unsere Identitäten und Körper prägen und repräsentieren.

 

Die Ausstellung lädt das Publikum in die bunte Welt von Who the Bær (2020–laufend) ein; Fujiwaras Cartoonfigur und Freizeitpark-Maskottchen. »Who« besitzt keine feste Identität – weder Herkunft, Geschlecht noch sexuelle Orientierung oder Nationalität – und ist unablässig auf der Suche nach einem Bild des eigenen, wahren Ichs. Auf spielerische Weise spiegelt diese Figur unsere gesellschaftliche Besessenheit von Authentizität in einer durch soziale Medien geprägten, kulturell verflachten Gegenwart wider.

 

An anderer Stelle thematisieren zentrale Werke wie Joanne (2016), Fabulous Beasts (2015–2016) und The Mirror Stage (2009–2013) die Herausforderungen des zeitgenössischen Individuums im »Hall of Mirrors« der heutigen Medienlandschaft. Dieser Ausstellungsraum ähnelt einem verspiegelten Lachkabinett, in dem das Selbst sich unablässig in Produkten und Bildern reflektiert, die zwar Befreiung versprechen, uns letztlich jedoch gefangen nehmen können.

 

In Syphilis: A Conquest (2020) betreten die Besucher:innen eine halluzinatorische postkoloniale Fantasie, die auf der persönlichen Erfahrung des Künstlers mit einer historisch symbolträchtigen, sexuell übertragbaren Krankheit basiert. Werke wie The Way (2016) und Fifty Shades Archive (2019) führen diese Auseinandersetzung in die zeitgenössische Welt der Fantasie weiter und thematisieren die Kommerzialisierung und Spektakularisierung von Sexualität und Begehren in Massenmedien und Pornografie.

 

In Hope House (2017–2020) widmet sich Fujiwara exemplarisch am Anne-Frank-Haus in Amsterdam der Frage, wie historische Traumata durch Massentourismus zu Waren werden. Den Ausgangspunkt bildet ein Kartonmodell des Hauses im Maßstab 1:60, das der Künstler im Museumsshop erwarb.  Fujiwara begann, die Geschichte von Anne Franks Wandel von einer Tagebuchschreiberin und Holocaust-Opfer zu einer globalen Ikone der Hoffnung und der Erinnerung zu rekonstruieren.

 

A Whole New World – verführerisch und beunruhigend zugleich – zeichnet die Entwicklung von Fujiwaras komplexer Bildsprache nach und unterstreicht die Fähigkeit der Kunst, Fragen zu stellen, zu verunsichern und zum Dialog anzuregen. Letztlich reflektiert die Ausstellung die Macht der Bilder, unsere gemeinsame Vorstellungskraft zu prägen, während wir uns durch eine sich ständig verändernde Welt bewegen.

 

 

Biografie

 

Simon Fujiwara (1982, London) hatte Einzelausstellungen in Institutionen wie Kiasma, Helsinki (2024), Prada Aoyama, Tokio (2022), Fondazione Prada, Mailand (2021), Blaffer Art Museum, Dallas (2020), Lafayette Anticipations, Paris, Kunsthaus Bregenz (2018), Kunsthalle Düsseldorf (2016), The Carpenter Center, Harvard University, Cambridge (2014), Kunstverein Braunschweig (2013), Tate St. Ives (2012), The Power Plant, Toronto (2011) und der Julia Stoschek Collection, Düsseldorf (2010). Er war an zahlreichen Gruppenausstellungen und Biennalen beteiligt, unter anderem im Museum of Contemporary Art Chicago, bei M+, Hongkong (2025), im Ulsan Museum (2023), in der Kunsthalle Hamburg (2022), im Schwulen Museum, Berlin (2020), im The Shed, New York, bei der 16. Istanbul Biennale, im Hamburger Bahnhof (2019), im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main (2017), im Solomon R. Guggenheim Museum, New York (2015), bei der 9. Shanghai Biennale (2012) und der 53. Biennale di Venezia (2009). Seine Arbeiten befinden sich u. a. in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York, des Solomon R. Guggenheim Museum, New York, der Tate, London, des Museum of Contemporary Art, Tokio, der Hamburger Kunsthalle, des Centre Pompidou, Paris, und der Fondazione Prada, Mailand. Simon Fujiwara lebt und arbeitet in Berlin.

 

Kurator:innen: Léon Kruijswijk, assistiert von Nicole Wittmann

Diese Ausstellung beginnt in
26
Tage
17
Std
44
Min
34
Sek
Start Termin
20.03.2026
Ende Abschluss
23.08.2026
Öffnungszeiten
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geschlossen
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